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Rezensionen Dezember 2006

Edith Progue [x>] [D]: Timeline [F] [P]

CoverLabel: Mille Plateaux MP 128
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 12 04
Genre: Electronica - Postelectronica

Ein Klavier wird gespielt – genauer werden Töne und Tonfolgen angeschlagen, die dann im Sustain verharren, während sanft die Elektronik sie verwandelt. Zuerst Verwandlung im Klang, dann zusätzlich Rhythmisierung. Das lässt sich Zeit. Es ist Morgen früh um 4 Uhr. Beginn der Zeitlinie die sich übers Cover dieser CD zieht und die das Konzept für die neun Stücke von Edith Progue darstellen. Das zweite Stück spielt um fünf Uhr morgens. Rhythmisierte Glitchelemente kommen zum Klangbild hinzu. Es wird dann bald acht, bald zehn und zwölf Uhr, zwei Uhr Nachmittags, vier Uhr und sechs Uhr und ist dann mit einem Schlag Mitternacht, als ob es keine Abendstunden gäbe, kein 10 Uhr abends. Zum Sound kommt nichts Wesentliches mehr hinzu.
Eine typische Postelectronica-CD von Mille Plateaux, die etwas an Alva Notos und Ryuichi Sakamotos Insen-Album erinnert, hingegen im Vergleich dazu viel mehr auf Stimmung bedacht ist. Alles ist sehr zurückgelehnt als müsse nichts.
Mich freut an dieser CD, dass es einen neuen Release von Mille Plateaux gibt Ich finde das Label setzt an einem guten Punkt wieder ein, klingt traditionell (Glitches, Clicks & Cuts, Ambient) und zeitgemäss zugleich. Ich bin gespannt auf mehr, Leute!

Trackliste:

1. 4 A.M. (5:18) 2. 5 A.M. (4:39) 3. 8 A.M. (4:04) 4. 10 A.M. (5:18) 5. 12 A.M. (4:39) 6. 2 P.M. (4:42) 7. 4 P.M. (6:08) 8. 6 P.M. (5:18) 9. 12 P.M. (5:33)

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Rezensionen Novemeber 2006

Rosy Parlane [x>] [D]: Jessamine [F] [P]

CoverLabel: Touch TO:68
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 11 27
Genre: Improvisation - Elektroakustische-Improvisation

Warme, meist dichtgepackte Drones strömen durch die gute Stube. Musik von Rosy Parlane gespielt mit einem riesigen Instrumentenpark: Gitarren, Klavier, Melodica, Akkordeon, Drums, Haushaltsobjekte, Werkzeuge usw. Wir haben es hier mit einem hoch aufgelösten Blick auf die Natur der Klänge zu tun, so suggeriert das wie immer tolle Coverbild von Jon Wozencroft, dem Betreiber des Touch-Labels.
Die drei (langen) Tracks entwickeln eine unglaubliche Dichte, in der du duzende von Klang-Anteilen heraushören kannst. Du wirst staunen, wie viel Details in einem Klanggemisch Platz haben. Und wie beruhigend diese Musik über lange Strecken ist. Natürlich gibt es Stellen, die mehr reiben als strömen, aber insgesamt bleibt die Musik auf der angenehmen Seite. Es bestätigt sich beim Anhören dieses Albums, dass ein Klangbild auch dann reich und vollwertig sein kann, wenn die Melodie weggelassen und die klangliche Differenzierung durch verschiedene Instrumente/Klangerzeuger nivelliert wird. Sehr hörenswert.

Trackliste:

1. Part One (13:13) Saw [Shimsaw] - Marcel Bear 2. Part Two (16:29) Guitar [Resonator Guitar], Performer [Samurai Sword, Contact Microphones] - Tetuzi Akiyama 3. Part Three (19:08) Guitar [Individual Guitar Contributions By] - Anthony Guerra, Campbell Kneale, David Mitchell, Donald McPherson, Lasse Marhaug, Matthew Hyland, Michael Morley, Stefan Neville

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To Rococo Rot [x>] [D]: Taken From Vinyl [F] [P]

CoverLabel: Staubgold 073
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 11 27
Genre: Postrock - Indietronica

Diese unglaublich kühle Schönheit, mit der uns to rococo rot immer weider überraschen! Seit zehn Jahren. Taken from Vinyl ist kein reguläres Album (leider lässt man uns warten), sondern eine Zusammenstellung von vergriffenen Vinyl-Stücken. Dennoch: Willkommen in meinem CD Regal!
Das Rezept dieser Musik: Ein Rockschlagzeug, ein Bass wie auf Dubplatten. Der Rest ist Synthesizer: Hooks mit Ohrwurmqualität, reduziert, dass immer ein Mangel an Emotion entsteht, eine Leerstelle, in die du dich geben kannst, dann geloopt und da und dort verdubbt. Da alles Organische vermieden wird, fällt es leicht, die stilistische Nähe zu Neu! festzustellen. Kraut, Leute, Kraut!

Trackliste:

1. Mit Dir In Der Gegend (6:56) 2. Autoachmittag (5:01) 3. Schon Sehr Viel Teleoniert (3:18) 4. Jackie's Dream (3:58) 5. She Understands The Dynamics (4:52) 6. Rebound (2:17) 7. Telema Langs (2:58) 8. Telema (3:42) 9. Days (3:41) 10. Hotel Morgen (3:55) 11. Days Between Stations (4:16) 12. Gelb (3:59)
Video 1. Telema - Directed: Sebastian Kutscher

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Beatles [x>] [D]: Love [Act-Comp., Remix] [F] [P]

CoverLabel: Apple 0948 3 79808 2 8
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 11 20 (UK), 2006 11 21 (U.S.)
Genre: Rock, Pop - Psychedelicpop, Rock - Progrock

George Martin und sein Sohn Giles haben den Beatles Katalog geremixt, sie haben Mashups von bekannten Songs zusammengezimmert. Dabei blieben sie auf der sicheren Seite, liessen oft das Zentrum der Songs bestehen und flickten allerlei Ornament in den Anfang und den Schluss hinein. Das gibt zwar interessante Momente, bleibt im Ganzen aber eher fahl. Ich bin, was die Beatles angeht, Purist.
Was an diesem Release Freude bereitet ist die Klangqualität. Statt dieses unnötige Machwerk zu produzieren, hätte man sich lieber damit bechäftigt, den Backkatalog digital zu remastern. Es ist unglaublich, das dies noch nicht geschehen ist, sind die Beatles doch eine der grössten Cashcows der Musikindustrie. Schämt euch, Leute! Die Beatles waren immer innovativ und nahmen Risiken auf sich. Das kann man von den Verwaltern des Backkatalogs nicht sagen. Denen geht es eher darum, auf jede Weihnachten das passende Angebot auf den Markt zu werfen, um die Kuh weiter zu melken. Love hörst du an, dass es den durchschnittlichen Beatles-Fan nicht verstören darf. Keine Angst, konservatives Gehöhr, das tut es an keiner Stelle.
Der Track Drive My Car / The Word / What You're Doing darf nicht nur knapp zwei Minuten gehen, er müsste sich als tolle Tanznummer entfalten können. Das hier vertretene Mashup ist leider nur ein Overload an guten Ideen, die ihren eigenen Raum leider nicht haben dürfen. Sehr gelungen ist die neue Version von George Harrisons While My Guitar Gently Weeps, das von der intimen Demoversion ausgeht (kennst du von der Anthology-Ausgabe) und diese mit einem neuen Streicherarrangement unterlegt.
Bei aller Kritik muss man sich hier vor Augen halten, dass dies der Soundtrack zu einer kommerziellen Zirkusshow in Las Vegas ist. Insofern haben die Martins erfüllt. Trotzdem warte ich auf die digitale Remaster-Ausgabe aller Beatles-Alben und auf ein gescheites Remixalbum.

Trackliste:

1. Because - 2:44 2. Get Back - 2:05 3. Glass Onion - 1:20 4. Eleanor Rigby Julia (transition) - 3:05 5. I Am the Walrus - 4:28 6. I Want to Hold Your Hand - 1:26 7. Drive My Car / The Word / What You're Doing - 1:54 8. Gnik Nus - 0:55 9. Something (George Harrison) Blue Jay Way (transition) - 3:29 10. Being for the Benefit of Mr. Kite! / I Want You (She's So Heavy) / Helter Skelter - 3:22 11. Help! - 2:18 12. Blackbird / Yesterday - 2:31 13. Strawberry Fields Forever - 4:31 14. Within You Without You / Tomorrow Never Knows (Harrison, Lennon/McCartney) - 3:07 15. Lucy in the Sky with Diamonds - 4:10 16. Octopus's Garden (Richard Starkey) - 3:18 17. Lady Madonna - 2:56 18. Here Comes the Sun (Harrison) The Inner Light (transition) - 4:18 19. Come Together / Dear Prudence Cry Baby Cry (transition) - 4:45 20. Revolution - 2:14 (CD version) / 3:23 (DVD version) 21. Back in the USSR - 1:54 (CD version) / 2:34 (DVD version) 22. While My Guitar Gently Weeps (Harrison) - 3:46 23. A Day in the Life - 5:08 24. Hey Jude - 3:58 25. Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Reprise) - 1:22 26. All You Need Is Love - 3:38

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Melodium [x>] [D]: Music For Invisible People [F] [P]

CoverLabel: Autres Directions In Music moulin 017
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 11 15
Genre: Indiepop

Musik f?r introvertierte Leute, die untergehen oder verschwinden, wo immer sie sind. Elektronischer Lo-Fi-Pop, Indiepop aus Frankreich. Melodium ist Laurent Girard. Gefällt dir, wenn du beispielsweise auf der Trajektorie von Casiotone For The Painfully Alone lebst – nicht die schlechteste aller Welten. Music For Invisible People klingt allerdings noch viel, viel mehr nach innen gerichtet, ist aber genauso eingängig.

Trackliste:

1. You Can't Help Me (4:40) 2. I'm Not Already Dead (4:24) 3. Follow The Trains Of Thoughts (3:37) 4. You're Gone (4:16) 5. My Xylophones Loves Me (4:25) 6. Saturday Morning (4:34) 7. We Are All Right Here (3:12) 8. Quit The Sun (4:37) 9. It Must Have A Meaning (2:58) 10. The Hate Week (2:46) 11. Maybe It's The End Of Time (2:53) 12. Behind The Picture (2:40) 13. An Endless Present (1:49)

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Joanna Newsom [x>] [D]: Ys [F] [P]

CoverLabel: Drag City DC 303
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 11 14
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk

Joanna Newsom schafft es mit ihrem Album Ys (gesprochen wie ease) in die Feuilletons der westlichen Welt. Die Harfe spielende Mills College Abgängerin gehört in die Freak Folk Szene um Devendra Banhart und CocoRosie.
Ihr erstes Album The Milk-Eyed Mender konnte noch nicht wirklich mit den genannten Künstlern mithalten. Eigentümlich waren Instrument und Stimme bereits auf jenem Erstling. Mit Ys nun ist Newsom ein kaum zu überbietendes Meisterwerk gelungen. Geholfen haben drei andere Grossmeister: Da war Produzent Steve Albini, bei dem Sie die rohen Songs (Harfe und Gesang) aufgenommen hat. Dann schrieb Van Dyke Parks Streicher-Arrangements und schliesslich produzierte Jim O'Rourke das Album.
Die Musik auf Ys besteht aus fünf (!) Stücken, die durchaus so gekünstelt klingen wie, das Cover aussieht: arrangiert, bedeutungsschwanger, historisierend. Die Laufzeit der fünf Stücke beträgt zwischen 7.5 (Cosmia) und 17 Minuten (Only Skin). Das sind keine Lieder, es sind Rhapsodien, formlose Vokalwerke. Atemberaubend in Szene gesetzt von O'Rourke, dem es gelang, Orchestration und Harfe im Gleichgewicht zu halten. Newsom erzählt grosse Geschichten in einem keltisch mythologischen Setting. Ys ist der Name einer blühenden Stadt, die atlantisgleich in den Fluten untergeht. Du klebst an der Stimme Newsoms, du versuchst ihren Worten zu folgen, bist aber ständig auch von der Musik abgelenkt, die genauso zu erzählen versteht. Dabei ist klar, dass dich diese Musik in den nächsten Jahren begleiten wird, sie ist so mächtig. Dabei ist Ys keine CD für jeden Tag –, entschieden nicht. Dafür eine der CDs dieses Jahres.
Newsom steht nun vor einer der schwierigsten Aufgaben: Was kann sie nach diesem Album noch machen?, wie ist Ys zu toppen? Ich kann mir die Antwort darauf noch nicht vorstellen.

Trackliste:

1. Emily - 12:07 2. Monkey & Bear - 9:29 3. Sawdust & Diamonds - 9:54 4. Only Skin - 16:53 5. Cosmia - 7:15
Alle Tracks: Joanna Newsom.

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Svarte Greiner [x>] [D]: Knive [F] [P]

CoverLabel: Type 016
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 11 07
Genre: Electronica - Postelectronica - Neo-Klassik, Electronica - Postelectronica - Darkambient

Erik K. Skodvin ist Teil von Deaf Center. Nun hat der Norweger für das TYPE-Label ein Soloalbum unter dem Namen Svarte Greiner produziert.
F. Couture vom All Music Guide fragt zurecht, warum dieses Album nicht rechtzeitig zu Halloween herausgebracht wurde. Die verwendeten Elemente: Feldaufnahmen, Gitarre mit vielerlei Effekten, Samples (wenn es denn tatsächlich Samples sind – wer kann das schon sagen) von Stimmen (? la Lisa Gerrard von Dead Can Dance) und Streichern. Das alles zu einer trippigen Ambient-Musik in dem Sinn vermischt, dass sie dich auf eine Reise mitnimmt ?

Trackliste:

1. The Boat Was My Friend (4:17) 2. Ocean Out Of Wood (3:44) 3. My Feet, Over There (6:03) 4. Easy On The Bones (5:06) 5. An Ordinary Hike (2:59) 6. The Black Dress (9:22) 7. Ullsokk (1:09) 8. The Dining Table (5:10) 9. Final Sleep (5:35)

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Rezensionen Oktober 2006

Xela [x>] [D]: The Dead Sea [F] [P]

CoverLabel: Type 018
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 10 23
Genre: Electronica - Postelectronica

John Twells alias Xela, der Inhaber des TYPE-Imprints, eines der gegenwärtigen Lieblingslabels des Musikzimmers, schiebt endlich, endlich den ersehnten Nachfolger zu For Frosty Mornings And Summer Nights und Tangled Wool nach. Ein erkennbarer Unterschied zu diesen Vorgängern fällt sofort auf: Die Klangfarben haben ihre Nettigkeit verloren. Rauhere Flächen sind angesagt, Dissonanzen, Avant-Rock-Anleihen.
Nun war das aber durchaus zu erwarten. Wer die Podcasts von John Xela verfolgt hat bemerkte, dass der Mann sich für Avantrock interessiert. Dass muss sich dann in der eigenen Musik wiederspiegeln.
Ausserdem ist es an der Zeit, die sicheren IDM-Gewässer zu verlassen, weil das gelaufen ist, weil das tausend Mal gehört ist, weil die Hände der Zeit sich weiter und weiter drehen. So hat sich vor einiger Zeit IDM mit Indierock zu Indietronica, dann Folk zu Folktronica vermengt und nun ist Avantrock dran, hier bei Xela, aber auch bei Svarte Greiner vom selben Label. Xela bewegt sich damit an einer der ässeren Grenzen des gegenwärtigen musikalischen Entwicklungsstromes. Hier also passiert Neues, auch wenn es noch nicht ganz auf den Punkt gebracht wird. Aber das kann ja noch kommen, wir dürfen auf den nächsten Release von Xela gespannt sein.
Die CD beginnt mit The Gate. Der Titel suggeriert das Weggehen, das Verlassen des Vertrauten. Die Spannung, die das Hinaus-in-die-Welt begleitet, steckt in dissonanten Streicherklängen. Ob das Drohnen sind? Wie lange muss ein Ton dauern, damit wir von ihm als Drohne sprechen? Die Reise jedenfalls scheint zunächst über's Land zu gehen: Linseed, der zweite Track, klingt nach surrealer Exotik. An seinem Ende hörst du wie erwartet Wasser. Drunk in Salt Water klingt eigenartig – wie ein in der Salzkruste gebratener Fisch. Steif. Die Reise wird beschwerlicher, gefährlicher auch. Ziemlich fremd hier: Nur hier und da noch Gitarrenakkorde und Melodiefetzen, die an Zuhause erinnern. Creeping Flesh klingt sehr nach Black Dice, wohingegen Savage Ritual etwas sehr Eigenes darstelt: Hier gelingt Xela die beste Synthese von IDM und Avantrock. Diese Art von Musik erwarte ich beim nächsten Abum. Savage Ritual geht flott voraus, der Wind bläst steif von hinten und schiebt an. Schiebt das Schiff auf See in die gewünschte Richtung: vorwärts. Doch dann folgen weitere Stücke surrealer Exotik –, diese kulminiert in humid at dusk. In diesem Track kündigt sich die letzte Nacht an. Sterne werden im Schwarz dieser Nacht sichtbar. Etwas Wärme kommt auf. Der Blick hängt am Licht der Sterne. Der Track heisst Watching A Light in The Distance. Es gibt gar menschliche Stimmen – spielende Kinder (?). Am Ende will die Reise nicht mehr wie erwartet nach Hause zurück. Never Going Home heisst der letzte Track. Vielleicht, weil man nicht mehr zurük kann, wenn man mal so weit draussen, so weit weg war.

Trackliste:

1. The Gate (4:52) 2. Linseed (4:25) 3. Drunk On Salt Water (4:22) 4. Wet Bones (4:44) 5. Creeping Flesh (2:33) 6. Savage Ritual (4:14) 7. A Floating Procession (4:45) 8. Sinking Cadavers (1:02) 9. Humid At Dusk (5:00) 10. Watching A Light In The Distance (2:08) 11. Briefly Seen (5:16) 12. Never Going Home (2:22)

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LCD Soundsystem [x>] [D]: 45:33 [EP] [F] [P]

CoverLabel: DFA 2163
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 10 17 (iTunes), 2007 11 12 (CD)
Genre: Electronica - Elektro, Post-Millennial-Music - New-Rave, Post-Millennial-Music - Postpunk-Revival - Dancepunk

Das beginnt wie Kraftwerk zur Zeit von Radioaktivität oder Trans Europa Express. Eine Sequenzertonfolge wird schneller und schneller bis sie ein tanzbares Tempo findet, dann setzt ein Disco Piano plus ein Handclapping ein, das sich über vier Tracks durchhält. Damit kann der Sequencer wieder verlangsamen und anderen Elementen Platz machen. Ein herrliches Spiel aus Krautrock- und Discobezügen entfaltet sich in deinen Ohren.

Trackliste:

1. 45:33 - 2:51 2. 45:33 - 6:31 3. 45:33 - 8:30 4. 45:33 - 10:42 5. 45:33 - 9:18 6. 45:33 - 8:13 7. Freak Out/Starry Eyes - 12:22 8. North American Scum - Onanistic Dub - 8:57 9. Hippie Priest Bum-Out - 4:28
Alle Tracks: James Murphy.

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Benoît Pioulard [x>] [D]: Précis [F] [P]

CoverLabel: Kranky KRANK 098
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 10 16
Genre: Electronica - Folktronica

Beno?t Pioulard hat mit seinem Erstling Précis ein bemerkenswertes impressionistisches Album vorgelegt. Er verbindet den zeitgenössischen Folk mit dem Dreampop der 80er.
Beno?t Pioulard ist bürgerlich Thomas Meluch aus Michigan USA. Unter seinen 15 Stücken sind neben wenigen klangimpressionistischen Miniaturen zumeist Songs zu finden, die er mit Gitarre und Stimme vorträgt. Es handelt sich um Folctronica-Stücke, die aber ihren Akzent im musikalischen Impressionismus setzen. Das Coverbild verrät dir alles. Es schimmert hier alles, glitzert und funkelt. Sanft umspielen elektronische Effekte die Folkgitarre und tauchen die Songs in einen warmen, sanft psychedelischen Sommerregen. Die Electronica-Sounds klingen im Übrigen sehr zeitgemäss und nicht nostalgisch nach 80er Jahren. Die Stimme erinnert mich stellenweise stark an den frühen David Gilmore von Pink Floyd. Als Anspieltipp kannst du auf Youtube das Video zu Triggering Back finden.

Trackliste:

1. La Guerre de Sept Ans - 3:08 2. Together & Down - 3:07 3. Ext. Leslie Park - 2:42 4. Triggering Back - 2:30 5. Moth Wings - 1:16 6. Alan & Dawn - 2:50 7. Corpus Chant - 1:43 8. Palimend - 3:04 9. Coup de Foudre - 1:31 10. Hirondelle - 2:22 11. Needle & Thread - 2:42 12. R Coloring - 0:39 13. Sous la Plage - 2:59 14. Patter - 2:58 15. Ash into the Sky - 3:18

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Badly Drawn Boy [x>] [D]: Born In The U.K. [F] [P]

CoverLabel: EMI 3740472
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 10 16
Genre: Indiepop - Lo-Fi-Pop - New-Acoustic-Movement, Alternativerock - Lo-Fi-Rock, Post-Millennial-Music - Indiefolk, Newpop - Artpop - Chamberpop, Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground - Electronicpop

Grosse Popmusik in der Tradition der Beatles und Crowded House, jene Bands mit dem goldenen Händchen, dem Gespühr für einprägsame Melodien. 13 Songs von Damon Gough alias Badly Drawn Boy, opulent inszeniert und voller Referenzen. Zuvorderst der Verweis an das klassische Bruce Springsteen Album Born in the U.S.A.. Allerdings spaltet diese Scheibe die Anhängerschaft von BDB. Die einen meinen, mit dem Wechsel zum Major EMI beginne der Ausverkauf. Die andern loben das Album als bestes seit dem Erstling The Hour of Bewilderbeast. Ich tendiere deutlich zur zweiten Meinung.

Trackliste:

1. Intro/Swimming Pool Part 1 - 1:40 2. Born In The U.K. - 2:37 3. Degrees Of Separation - 4:19 4. Welcome To The Overground - 3:24 5. Journey From A To B - 3:48 6. Nothing's Gonna Change Your Mind - 5:17 7. Promises - 5:06 8. The Way Things Used To Be - 4:45 9. Without A Kiss - 5:37 10. The Long Way Round - 3:43 11. Walk You Home - 3:45 12. The Time Of Times - 3:16 13. One Last Dance - 4:47
Alle Tracks: Damon Gough.

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Tim Hecker [x>] [D]: Harmony In Ultraviolet [F] [P]

CoverLabel: Kranky KRANK 102
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 10 16
Genre: Electronica - Ambient - Glitchambient, Electronica - DSP

Der Produzent Tim Hecker aus Montreal macht eigenständige Musik, die nach einem Schwarm klingt und die als warm bezeichnet werden kann. Genremässig ist sie im Feld von Ambientmusik zu verorten. Stell dir ein warmes Rauschen vor, darin eingelagert geloopte Gitarren- und Synth-Sounds.
Auf Harmony in Ultraviolet klingt jeder Ton als käme er hinten aus einem Düsenjetmotor heraus. Wo ein Düsenjet aber einfach Lärm produziert, klingt dies hier nach Musik, als könnte der Jetmotor Töne von sich geben. Jedes Luftmolekül schwingt anders und du kannst absolut nicht ausmachen, wie viele verschiedenen Töne zugleich wahrnehmbar sind. Ein Schwarm aus Tönen saust dir um den Kopf, ein warmes Spektrum an Tönen. Dies hier ist die Musik, die in Schwärmen existierende Lebensformen – irdisch oder ausserirdisch – an einem ihrer Festtage spielen.

Trackliste:

1. Rainbow Blood - 1:52 2. Stags, Aircraft, Kings And Secretaries - 4:30 3. Palimpsest I - 0:35 4. Chimeras - 3:13 5. Dungeoneering - 5:24 6. Palimpsest II - 0:38 7. Spring Heeled Jack Flies Tonight - 3:11 8. Harmony In Blue I - 1:31 9. Harmony In Blue II - 1:52 10. Harmony In Blue III - 2:41 11. Harmony In Blue IV - 2:02 12. Radio Spiricom - 4:52 13. Whitecaps Of White Noise I - 7:29 14. Whitecaps Of White Noise II - 5:57 15. Blood Rainbow - 4:06
Alle Tracks: Tim Hecker.

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Colleen [x>] [D]: Colleen et les boites à musique [EP] [F] [P]

CoverLabel: Leaf BAY 053
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 10 10
Genre: Electronica - Postelectronica, Electronica - Folktronica

Erst einmal die Spieldose aufziehen, sagt der erste Track dieser CD. Dann aber beginnen Spieldosen zu klingen, zunächst auf mehreren Layern, die manchmal mehr, manchmal weniger konvergieren.
Colleen arrangiert diese mechanischen Klänge behutsam. Es entsteht etwas Zärtliches, Verspieltes und unglaublich Schönes. Cécile Schott erhielt von France Culture (Radiostation) den Auftrag, Musik für die Sendung Atelier De Création Radiophonique zu schreiben. Sie wählte aus Liebe zu Spieldosen Musik, die ganz auf dem Klangmaterial dieser mechanischen Klangerzeuger beruhte. Das Resultat erscheint nun als eine EP mit 38 Minuten Laufzeit.
Noch einen Tipp hintangestellt: Gehe auf die Leaf-Label-Site! Dort gibt es nebst anderem ein Video von Colleen: The Happy Sea von der letzten CD The Golden Morning Breaks.

Trackliste:

1. John Levers the Ratchet - 0:30 2. What is a Componium? (Part 1) - 6:44 3. Charles's Birthday Card - 0:47 4. Will You Gamelan for Me? - 3:01 5. The Sad Panther - 1:52 6. Under the Roof - 3:09 7. What is a Componium? (Part 2) - 3:05 8. A Bear is Trapped - 1:04 9. Please Gamelan Again - 2:30 10. Your Heart is so Loud - 3:56 11. Calypso in a Box - 0:47 12. Bicycle Bells - 2:28 13. Happiness Nuggets - 2:13 14. I'll Read You a Story - 6:49
Alle Tracks: Cécile Schott.

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Venetian Snares [x>] [D]: Hospitality [F] [P]

CoverLabel: Planet Mu ZIQ 140
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 10 03
Genre: Electronica - Breakbeat - Drill'n'Bass

25 Minuten lang Aaron Funk. Das mag kurz sein, aber wieder ganz auf der Höhe seines interessanteren Schaffens, das die Musik vor die wirbelnden Drill'n'Bass-Beats stellt.
Aaron Funk ist am besten, wenn die Beats das Ornament der musikalischen Elemente bildet und nicht umgekehrt. Das ist auf diesem Album wie bereits auf Rossz Csillag Alatt Született von letztem Jahr der Fall und hat mir auf dem diesjährigen Release Cavalcade Of Glee And Dadaist Happy Hardcore Pom Poms leider gefehlt.

Trackliste:

1. Frictional Nevada - 5:17 2. Beverly's Potatoe Orchestra - 3:03 3. Shoot Myself - 3:51 4. Duffy - 6:14 5. Cabbage - 2:51 6. Hospitality - 3:53

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Superterz [x>] [D]: Standards - 23 Songs und Fragmente [F] [P]

CoverLabel: Alpinechic ACCD 003
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 10 02
Genre: Electronica - Jazztronica - Futurejazz, Electronica - Breakbeat - Triphop

Superterz sind die Zürcher Oliver Schmid, Marcel und Ravi Vaid. Sie spielen Triphop, der mit Lamb vergleichbar ist, der aber mehr auf eine Basis von Glitch-Electronica baut und dementsprechend feinstofflicher wirkt. It's triphop in the age of glitch.
Die CD-Verpackung kommt mit viel Weiss daher, wie es sich für diese abstrakt-minimalen Sounds gehört. Die Handbeschriftung unterscheidet sich allerdings sehr von den meisten Covern genre-verwandter CDs: Wie die Veröffentlichung im Untertitel andeutet, geht es den Superterz-Leuten darum, neben Songs auch Fragmente abzuliefern. Das Cover rückt das Fragmenthafte in Richtung des Skizzenhaften, denn es inszeniert flüchtige Handaufzeichnungen, die durchgestrichen (nicht ausradiert) werden, so dass alles, was einmal aufgeschrieben war, als Durchgestrichenes Bestand hat. Musikalisch könnte das heissen, dass alles Aufgezeichnete mit auf die CD darf. Ich bin mir nicht so sicher, worin das Fragmentarische der Fragmente besteht, ob in der Kürze, so dass die acht oder neun Tracks, die unter oder um zwei Minuten laufen, diese Fragmente darstellen. Oder sind es vielmehr die nicht gesungenen Instrumentaltracks? Das macht doch in einer Zeit, in der Electronica unter diesem sanften Druck zum Song stehen, Sinn: Der Track als Fragment eines Songs. Der Track als Song, dessen Möglichkeit nicht verwirklicht worden ist. Interessant an Superterz ist die Tatsache, dass die Kern-Band keine Sängerin, keinen Sänger hat. Die Gesangsparts übernehmen allesamt Gastsänger/innen: Emilie Welti, auch unterwegs als Sophie Hunger (The Sad Fisherman - Video), Priska Zemp, auch bekannt unter dem Namen Heidi Happy (Back Together) und Robert Alexander. Ist also letztlich gar Superterz selbst das Fragment, weil die Band den vokalen Part nicht in sich integriert hat und somit mehr als Produktionsteam denn als klassische Band herüberkommt? Ich bin gespannt, wohin sich Superterz und ihre Musik weiter entwickeln ?

Trackliste:

1. standards #1 - 5:16 2. standards #2 - 5:03 3. standards #3 - 4:57 4. standards #4 - 4:47 5. standards #5 - 6:53 6. standards #6 - 0:38 7. standards #7 - 3:14 8. standards #8 - 4:21 9. standards #9 - 0:28 10. standards #10 - 3:46 11. standards #11 - 0:40 12. standards #12 - 4:40 13. standards #13 - 2:08 14. standards #14 - 6:11 15. standards #15 - 5:20 16. standards #16 - 0:49 17. standards #17 - 1:05 18. standards #18 - 5:20 19. standards #19 - 4:44 20. standards #20 - 3:14 21. standards #21 - 0:37 22. standards #22 - 0:37 23. standards #23 - 1:02

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Rezensionen September 2006

Milanese [x>] [D]: Extend [F] [P]

CoverLabel: Planet Mu ZIQ 165
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 09 25
Genre: Post-Millennial-Music - Digital-Underground - Grime

Breakbeats laufen wieder nach vorne. Grime sei Dank. Bodenständig platzierte Beats. Heavy to the floor. Das Titelbild spricht Bände. Trotz Schwere und Düsterheit ist Extend ein atemberaubendes Hörerlebnis.

Trackliste:

1. Mr Bad News (6:07) 2. Dead Man Walking (3:37) feat. Virus Syndicate 3. Caramel Cognac (5:51) 4. Peggy Flynn III (3:26) 5. Mr Ion (4:07) 6. Barry (4:46) 7. Sight Beyond Sight (6:12) 8. Boss Eye (1:03) 9. One Eye (2:35) 10. Tony Sombrero (2:10)

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Donato Wharton [x>] [D]: Body Isolation [F] [P]

CoverLabel: City Centre Offices TOWERBLOCK 035
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 09 22
Genre: Electronica - Postelectronica, Postpunk - Ambient

Neun ruhige Stücke von Donato Wharton – eine gebrochen Ruhe allerdings. Die vor dem Sturm?
Gitarre, Piano, Elektronik und Gesang (allerdings nur in Blue Skied Demon, Bass und Schlagzeug gar (in The End of the American Century). Der Blick aus dem Fenster auf die dämmrige Stadt, die von rechts mit einem Wolkenhimmel bedeckt wird, der Regen verheisst. Dieses Coverbild gibt der CD ihr Setting. Body Isolations, das im Übrigen von Olaf Dettinger gemastert wurde. Wharton hat beim Freundeskreis Live Gitarre gespielt und arbeitet sonst fürs Tanztheater, woher auch der Titel des Albums stammt (wenn ein Tänzer zwei Körperteile isoliert voneinander bewegt). Eine zugleich stimmungsvolle und intelligente CD.

Trackliste:

1. Absentia (1:12) 2. Blue Skied Demon (4:11) 3. Transparencies (4:06) 4. Underwave (4:03) 5. Puget Sound (4:53) 6. The End Of The American Century (4:00) 7. Deities Stalk The Land (4:01) 8. Sidereal (4:40) 9 Wake (3:02)
Video 1. Dwelling I + II (31:00) - Edited by Donato Wharton - Filmed by Armin Frazen

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Bonnie 'Prince' Billy [x>] [D]: The Letting Go [F] [P]

CoverLabel: Drag City DC 420
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 09 19
Genre: Alternativerock - Sadcore - Singer-Songwriter

Willkommen Traurigkeit, tiefe, tiefe Traurigkeit, in unserer Welt, in der wir keinen Platz für dich haben! Du kannst gerne bleiben. Stell dich schon mal hinten an! Wir werden dich als Einzelne rufen, wenn wir zuweilen einsam dem Verlorenen nachsinnen und fest stellen, dass wir es gar nie besessen haben. Dann werden wir dich plötzlich schön finden, dann werden wir dir Platz machen, auf dass du dich neben uns setzt und uns in deine grossen, langen Arme nimmst.

Trackliste:

1. Loves Comes to Me - (4:31) 2. Strange Form of Life - (3:46) 3. Wai - (3:37) 4. Cursed Sleep - (5:35) 5. No Bad News - (4:45) 6. Cold and Wet - (2:21) 7. Big Friday - (2:43) 8. Lay and Love - (3:50) 9. The Seedling - (4:36) 10. Then The Letting Go - (5:19) 11. God's Small Song - (4:05) 12. I Called You Back - (7:53)
Bonustrack 1. Ebb Tide - (5:14)

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Christina Carter [x>] [D]: Electrice [F] [P]

CoverLabel: Kranky KRANK 103
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 09 18
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk - Spacefolk

Ambient- bzw. Space-Folk von Christina Carter, dem einen Teil der Charalambides. Sie spielt Gitarre (mit Effektgeräten) und singt in ihren wie gewohnt strukturlosen Songs. Entwürfe in einem riesigen Welt-Raum, der sich von einer brüchigen Erde zum fernen Himmel erstreckt und in dem verloren Christina Carter steht und mit ihren Liedern, die zwischen achteinhalb und zwölfeinhalb Minuten dauern, diesen Raum füllt. Anspieltipp: Second Death, der erste Track, der wie Glockengeläute klingt.

Trackliste:

1. Second Death (10:36) 2. Moving Intercepted (8:26) 3. Yellow Pine (8:47) 4. Words Are Not My Own (12:29)

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Ryan Teague [x>] [D]: Coins And Crosses [F] [P]

CoverLabel: Type 015
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 09 11
Genre: Electronica - Postelectronica - Neo-Klassik

Der neue Release von John Xelas Type-Label: Ryan Teague, ein 26 jähriger Komponist aus Cambridge (England), dessen stimmungsvolle Musik in der Schnittmenge zwischen klassisch-orchestraler und elektronischer Musik angesiedelt ist. Sein erster Release für Type, das letztjärige Six Preludes (eine EP) hat bereits angekündigt, womit zu rechnen sein wird. Nun also rechnen wir:
Auf der neuen CD sind neun Stücke sehr unterschiedlicher Länge zu finden. Die Uhr läuft zwischen etwas mehr als einer Minute bis zu knapp neun Minuten. Der erste Track Introit ist ein kurzes etwas unentschiedenes Stück – unentschieden im besten Sinn, denn es hält auf eine erstaunliche Weise die Wage zwischen elektronischer und orchestraler Musik. Die Strings könnten gesampelt sein (sind sie aber nicht), die elektronischen Effekte werden dezent eingesetzt. Du weisst beim ersten hören nicht, womit du es hier zu tun hast. Als Hörer/-in elektronischer Musik vielleicht mit einem geneigten Ohr für Acts wie Murcof oder Marsen Jules fülst du dich noch sehr zu Hause, dabei hast du noch keine Ahnung, wohin diese Reise geht. Es folgt das Titelstück Coins & Crosses. Es beginnt mit einem warmen orchestralen Klang, der allerdings hörbar elektronisch verarbeitet ist. Dann erscheint eine Harfe als melodisches Hauptelement und du fragst dich, ob sich das wohl an New Age Musik anlehnt. Dafür ist das Stück aber zu sehr komponiert und arrangiert: Verschiedene Elemente gehen in einander über, anstatt dass eine einmal gefundene Stimmung zufrieden ausgebreitet wird. Da! Jetzt ist plötzlich ein Steve Reich Puls zu hören. Und spätestens damit sind die New Age Zweifel vorerst vertrieben. Teague arbeitet in der Tat mit einem klassischen Orchester, dem Cambridge Philharmonic Orchestra, sowie mit Solisten verschiedener klassischer Instrumente: Harfe, Violine oder Hurdy Gurdy. Inzwischen läuft Tableau I. Ein Stück mit Chor (wen wundert's!) und viel digitalem Lärm / Gekratze. Nephesch klingt erstaunlich, als würde Debussy Industrial Music machen. Das neun Minuten dauernde und episch anmutende Fantasia for Strings hat die Langsamkeit und Tiefe von Gustav Mahler und die Ohrwurmqualität von Filmmusik – ich meine Titelmusik, nicht Begleitung von Bildern, Untermalung von Stimmungen. Inzwischen weisst du, dass dies eine besondere CD ist. Da ist ein Mensch mit klassischer Ausbildung am Werk und er veröffentlicht seine Musik auf einem Label, das von der elektronischen Musik her kommt, allerdings unglaublich offen für Neues ist. Accidia besteht aus vielen Schichten. Dominant die melodischen Bögen, die mit ihrer Gemächlichkeit an Arvo Pärt erinnern. Das Stück entscheidet sich allerdings gegen Pärts totalen Stillstand. Es arbeitet mit vielen elektronischen Effekten, die den melodischen Elementen einmal mehr die Wage zu halten verstehen. Seven Keys entwickelt eine stille Spannung, ja Dramatik. Tableau II schliesst an Tableau I an. Hier kommt aber eine ganze Menge Angst rein und Unheimlichkeit. Rounds nimmt Coins and Crosses auf. Es arbeitet wieder mit der Harfe, einem schwer verarbeiteten Chor, der wie eine ätherische Synthiwand daher kommt. Nun doch wieder die Frage nach der Rolle von New Age Musik. Und in der Tat ist auf der Artist's Page der Type-Website von Ryan Teague zu lesen, dass er sich für spirituelle Qualitäten, die therapeutischen Wirkungen der Musik interessiert. Rounds ist das letzte Stück der CD. Es wirkt fast am Narrativsten oder theatralischsten, weil sich darin verschiedene prägnante melodische Stimmen äussern. Alle wunderbar miteinander im Spiel, meisterhaft arrangiert.
Coins & Crosses hebt bravourös ästethische und institutionelle Grenzen auf. Es steht mit seinem gleichermassen unerwarteten wie gelungenen Spagat zwischen akademischer und laienhafter Musik, zwischen klassischem Ernst und verspielter Unterhaltsamkeit weit über dem gefälligen aber auch langweiligen Durchschnitt der meisten anderen Releases in diesem Jahr. Mit diesem jungen Mann dürfte auch in Zukunft zu rechnen sein.

Trackliste:

1. Introit (1:15) 2. Coins & Crosses (6:05) 3. Nephesch (7:24) 4. Tableau I (2:47) 5. Fantasia For String Orchestra (8:56) 6. Accidia (6:23) 7. Seven Keys (5:54) 8. Tableau II (3:26) 9. Rounds (8:00)

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Rafael Toral [x>] [D]: Space [F] [P]

CoverLabel: Staubgold 069
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 09 05
Genre: Electronica - Elektroakustische-Musik - Elektroakustische-Improvisation

Warte mit dieser Musik bis es Mitternacht ist. Alles muss still sein um dich herum, die Spannungen des Tags abgebaut, die Unruhe geglättet, die Sorgen vergessen. Niemand soll mehr um dich herum sein, keine Ablenkung, kein Gespräch. Nur du, die Musik und der Raum zwischen euch.
Rafael Toral, bekannt geworden als improvisierender Gitarist, der ähnlich wie Oren Ambarchi live Elektronik verwendet. Seine Methode, Musik zu machen, sei ihm langweilig geworden. Er hat sich neu erfinden wollen, erzählt er der Presse. Space ist das erste Resultat dieses Prozesses. Space beschreibt die Musik insofern, als es zwischen den Klangereignissen viel Raum, d.i. Stille gibt. Die Klangereignisse klingen nach Freejazz und Early-Elektronica. Wie das Coverbild Sterne des Weltalls zeigt, so ist die Musik arrangiert: Das grosse und stille Schwarz als Hintergrund und darin die unzähligen glühenden Sterne. Ihr Glühen ist durch das Schwarz noch intensiver, weil dieses ihnen einen maximalen Kontrast gibt. Und dennoch sehen diese Sterne aus wie Phantasmen. Grosse vergessene Feuerbälle im Nichts, von blossem Auge nicht viel mehr als Staub. Du schaust in die Vergangenheit hinaus, wenn du den Nachthimmel betrachtest, denn das Licht dieser Sterne war Jahre unterwegs ehe es in deinem Auge sich trifft. Dieser Blick zu den Sternen hinaus ist wie das Anhören der Musik von Rafael Toral: Du bist der, der schaut, und im Schauen verlierst du deine Wichtigkeit. Dieses Schauen ist elementar, es lässt dich nicht leer, obwohl da kaum etwas Fassbares ist.
Die Klänge Torals entstehen in selbst gebauten Instrumenten: verstärkte Federn zum Beispiel, Theremin gesteuerte Filter, Joystick geregelte Oszillatoren und Generatoren. Klingt sehr technisch, aber wie Dan Warburton in The Wire schreibt: Die Musik ist fast ausschliesslich mit elektronischen Mitteln gemacht, aber bleibt durch und durch menschlich. Es geht um Körperlichkeit, Gesten und Handlungen (die diese Klänge erzeugen).

Trackliste:

1. Part I (11:01) 2. Part II (20:32) 3. Part III (15:33)

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Rezensionen August 2006

Bob Dylan [x>] [D]: Modern Times [F] [P]

CoverLabel: Columbia 82876 87606 2
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 08 29
Genre: Rock - Folkrock - Singer-Songwriter

Ein modernes Album in postmoderner Zeit. Moderne Musik ist amerikanische Musik, wie sie nach dem 2. Weltkrieg allmählich die westliche Welt geprägt hat: mit Blues, Western Swing, Folk, Country, Rock'n'Roll, Rock und allen Kombinationen und Seitentrieben.
Bob Dylan ist ein Künstler mit vielen Gesichtern, der einige Phasen der Geschichte der modernen Musik mitbestimmt oder gar geprägt hat. Was hat diese graue Eminenz heute noch zu sagen bzw. zu singen? Alles und nichts, wie mich dünkt. Diese Musik hat etwas Akademisches, sie ist allusiv, sie deutet die besagte moderne Tradition an. Fast jeder Song hat musikalisch ein deutliches Vorbild und ist somit eine Variante eines bestehenden Songs. Während andere sich das Archiv moderner Musik aneignen, indem sie ihm Samples entnehmen und diese verfremden und neu arrangieren, arbeitet Dylan mit musikalischen Texturen auf der Ebene ganzer Phrasen oder Songs. Er sampelt nicht, er zitiert. Ich bin versucht zu sagen, zitieren ist modern, sampeln postmodern. Oder schliesse ich zu vorschnell? Dylan ist ein Gelehrter des grossen amerikanischen Songbooks. Ein Virtuose, wenn es darum geht, Songs zu schreiben, ein herumreisender Professor der Modernen Musik. Du hörst diese Stücke, sie prägen sich dir mit Leichtigkeit ein. Und zwar beim zweiten hören (nicht beim ersten Mal, darauf kommt es mir an, wenn ich das bemerke – es ist nicht das wiedererkennen von Johnny B. Goode in Thunder on the Mountain, es ist die Ohrwurmqualität dieser Lieder). Ich betrachte das Cover dieser CD: Moderne Zeiten, die der Kamera entschwindenden Rücklichter eines davonrasenden Autos. Kann es sein, dass Dylan hier sein Lebensgefühl mitteilt? Etwas ist an ihm vorbei gefahren, während er da steht und diesem Etwas nachschaut, ohne es noch fassen zu können? Oder ist das Coverbild einfach die Impression aus dem modernen Leben, das auf der CD und in den Songs anklingt. Die Welt ist in Bewegung, sie rast und Bob Dylan bleibt mit ihr in Bewegung, ständig auf Tournee und alle paar Jahre eine CD, die seinem Ansehen in keiner Weise schaden. Was soll er mehr wollen.

Trackliste:

1. Thunder on the Mountain - 5:55 2. Spirit on the Water - 7:42 3. Rollin' and Tumblin' - 6:01 4. When the Deal Goes Down - 5:04 5. Someday Baby - 4:55 6. Workingman's Blues #2 - 6:07 7. Beyond the Horizon - 5:36 8. Nettie Moore - 6:52 9. The Levee's Gonna Break - 5:43 10. Ain't Talkin' - 8:48
Alle Tracks: Bob Dylan.

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Tod Dockstader [x>] [D]: Aerial #3 [F] [P]

CoverLabel: Sub Rosa SR 233
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 08 22
Genre: Akademica - Elektronische-Musik - Konkrete-Musik

Das ist Musik, die mich an meine Radiotage erinnert oder besser an meine Radionächte, an jene grossartigen Momente mit meinem Weltempfänger unter der Bettdecke.
Nachts war der Empfang so viel besser als bei Tag. Die Eltern mussten glauben, ich schlafe, also Knopfhörer ins Ohr! Und dann ab in die Welt hinaus. Das war ein wenig wie heute im Internet surfen. Surfen im Ozean des Rauschens. Ein Erlebnis für das Ohr. Da gab es fremd klingende Radiostationen und fast wichtiger: Es gab die Welt zwischen den Stationen, jenes Rauschen in allen Klangfarben, jene zitternden Morsesignale, mal schwach, mal dicht, jene tausend und ein Arten von Rauschen in allen Klangfarben und Tongemischen, die durch das Frequenzchaos hindurch schienen.
Tod Dockstader ist der lang vergessene Held der music concrète bzw. der tape music, der nun bei Sub Rosa unter dem Titel Aerial drei Alterswerke abliefert, in denen er aus diesen Radioklängen Musik macht. Ich stelle mir vor, dass diese Musik lange in den persönlichen Bandarchiven des Komponisten unpubliziert herumgelegen haben. Das Label Sub Rosa hat ihm nun die Möglichkeit gegeben, aus den Unmengen von Bandmaterial die besten Ausschnitte zu veröffentlichen. Drei CDs sind daraus entstanden. Dies hier ist die letzte der Reihe, die letztes Jahr eröffnet wurde. Das Klangmaterial kommt wahrscheinlich ausschliesslich von Radios. Die Klangmanipulationen sind bestimmt an Tonbandmaschinen entstanden. An Tonbandmaschinen hat Tod Dockstader seine Technik des Komponierens entwickelt. Warum sollte er diese Handfertigkeit im Alter aufgeben? Gemastert wurde die Musik dann am Computer. Dennoch, was wir hier hören ist eines der wertvollsten Beispiele von tape music. Wäre Tod Dockstader in den 60ern so anerkannt gewesen wie heute, hätte er diese Musik schon damals veröffentlichen können. Wir hören damit – Jahre zu spät – Musikgeschichte dieses Genres!
Beim Aufnehmen des verwendeten Klangmaterials streckte Dockstader seine Antenne weit in den Äther hinaus, in jenes virtuellste der Medien, in jenes Feld, das eigentlich gar nicht existiert, das aber nach Musik klingt, wenn man die Ohren dafür hat. Dockstader verwendet diese Klänge von zwischen den Radiostationen, verdichtet sie und manipuliert dieses Material sachte. Die Manipulation geschieht nicht zum Selbstzweck, nicht zur Feier der herrlichen Studio- bzw. Tonbandtechnik. Die Klangmanipulationen auf Aerial stehen im Dienst des Klangs. Durch die Manipulation des Klangmaterials kommt erst das Wesen des Radioätherklangs heraus. Durch die Manipulation beginnst du zu hören. Das ist wie das Drehen am Abstimmknopf des Weltempfängers. Mit kleinen Frequenzveränderungen beginnst du zu hinzuhören. Und mit diesem Hinhören und dem Finger am Abstimmknopf beginnt das Musikmachen. Das Drehen am Abstimmknopf wird zur Fertigkeit, die das Ohr zu unterhalten vermag. Das ist die Ursituation des Spielens eines Instruments. Und so war mein Weltempfänger das erste Instrument, das ich gespielt habe. Im Schlafzimmer (Bedroom), unter der Bettdecke. Und diese Aerial-Reihe zeigt den Meister dieser musikalischen Ursituation: Tod Dockstader.

Trackliste:

1. Mutter (1:58) 2. Wave (4:07) 3. Descent (3:10) 4. Dissent (2:19) 5. Voicetrain (1:55) 6. Howl (3:44) 7. Surge (3:21) 8. Wheeze (3:51) 9. CQ (1:50) 10. Jam (1:19) 11. Bounce (2:09) 12. Whisper (4:52) 13. Oh (4:13) 14. Stomp (1:46) 15. Harmonic (1:42) 16. Din (3:04) 17. Pressure (3:19) 18. Serious Jig (3:55) 19. Stream (2:37) 20. Steam (1:55) 21. Wait (2:03) 22. Woo (3:02) 23. Finale (3:41)

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Broadcast [x>] [D]: Future Crayon [Act-Comp.] [F] [P]

CoverLabel: Warp 146
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 08 21
Genre: Electronica - Synthtronica - Analogelectronica, Postrock - Indietronica, Alternativerock - Lo-Fi-Rock

Broadcast veröffentlichen eine Compilation mit rarem Material aus Singles, EPs und Samplern. Ein Muss für alle Fans der Band (falls ihr diese Songs nicht bereits habt) und solche, die es werden wollen.
Was für eine wunderbare Band! Zuerst starteten Broadcast als Stereolab-Verschnitt. Mit der ersten CD Extended Play ist die Band aus Birmingham noch nicht allzu sehr aufgefallen – höchstens die bezaubernde Stimme der Leadsängerin Trish Keenan. Broadcast verbrachten viel Zeit im Studio, um ihren Sound zu entwickeln. Mit ihrer ersten volllangen CD The Noise Made By People – ebenfalls ein Sampler mit EP-Material – hatten sie es geschafft. Sie waren meilenweit von Stereolab entfernt, hatten einen eigenen Sound, an dem du sie an der kleinsten Soundmenge erkennen kannst. Broadcast klingen analog-futuristisch wie Stereolab, cineastisch und radikal modern wie Morricone und dann bewegten sie sich behende auf dem Hochseil, das zwischen Indie und Lounge gespannt ist. Die Alben, die bis heute auf The Noise Made By People folgten, waren allesamt sehr gut, wenn sie auch nicht mehr ganz an diesen Referenzpunkt heran kamen. Neben der CD/LP-Diskografie haben Broadcast eine grosse Menge an EPs produziert, die allerdings zum grossen Teil ebenfalls als CD erschienen sind (die ich mir schon wegen der Cover gekauft habe). Alle EPs, die zwischen 1998 und 2003 erschienen sind, werden nun zusammen mit Beiträgen zu Samplern als Raritäten-CD herausgebracht – pünktlich zum zehnjährigen Bestehen der Band. Das Resultat ist ertaunlich kohärent: Die Musik klingt noch immer frisch und unverbraucht. Echo's Answer ist mit dabei, die beiden Extended Play-EPs oder Pendulum. Diese CD klingt wie ein bisher unentdeckter Filmsoundtrack aus den späten sechziger oder frühern siebziger Jahren. im Film: viele Farben, viel runde Formen, die Story eine Reise zu einem anderen Planeten, die Protagonisten nicht entschlüsselbar zwischen Coolness und Seriosität. Mach dich bereit für diese einzigartige Reise ins Universum von Broadcast!

Trackliste:

1. Illumination - 3:15 2. Still Feels Like Tears - 3:41 3. Small Song IV - 3:39 4. Where Youth And Laughter Go - 2:43 5. One Hour Empire - 1:42 6. Distant Call - 3:33 7. Poem Of Dead Song - 2:30 8. Hammer Without A Master - 4:59 9. Locusts - 5:00 10. Chord Simple - 4:38 11. Daves Dream - 4:01 12. DDL - 2:28 13. Test Area - 5:53 14. Unchanging Window / Chord Simple - 6:59 15. A Man For Atlantis - 3:15 16. Minus Two - 4:16 17. Violent Playground - 2:11 18. Belly Dance - 4:48
Bonustracks (iTunes) 1. Misc 2. Stupido

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Sophie Hunger [x>] [D]: Sketches On Sea [F] [P]

CoverLabel: Selbstrelease
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 08 17
Genre: Post-Millennial-Music - Indiefolk - Singer-Songwriter, Europeana - Chanson

Sophie Hunger, mit bürgerlichem Namen: Emilie Welti, ist die neue Schweizer Musik-Hoffnung, eine 24 jährige Singer-Songwriterin. Wir sehen sie in diesen Monaten aus dem Zürcher Untergrund, konkret dem Helsinki Club, aufsteigen, wer weiss wohin. Ihre CD Sketches On Sea … – die Rückseite der CD setzt den Titel mit … And Their Backyard fort – ist im Selbstverlag herausgekommen. Auf der Innenseite des Digipaks steht, dass die Songs im Hungerhaus, also Zuhause, aufgenommen wurden, die Aufnahmen werden als Guerilla-Recordings bezeichnet, die Bilder auf Verpackung und Booklet sind Polaroids, alles Signaturen von Alternativ-… und Lo-Fi. Als Referenzpunkt lugt auf einem Foto der junge Bob Dylan hinter Notizen hervor.
Frau Welti – sie mag es, mit Nachnamen angesprochen zu werden – singt teils Englisch, teils Schweizer Dialekt. Sie schreibt ihre feinstofflichen Lieder selbst, mit der Ausnahme von Dia Fahrenda, das vor fast dreissig Jahren von Walter Lietha geschrieben wurde, einem Bündner Liedermacher. Begleitet wird sie von lokalen Mitmusikern. Sehr prägend wirkt beispielsweise Josh Furys Posaune (Sad Fisherman) oder der Flamencospieler Nadim el Guindi an der Gitarre in jenem bereits erwähnten Lied über die Fahrenden.
Die CD eröffnet das Lied Mr. Porter's Wedding, am Klavier vorgetragen, produktionstechnisch stimmungsvoll mit Schellackschallplattenrauschen inszeniert. Der zweite Song, Züri (Zürich) ist trotz Dialekttitel ein englischsprachiges Lied. Es erzählt von vier Uhr hrüh, der Stunde, zu der die Begierde mit ihrer vollen Absolutheit erwacht. In den Text der Gewissheit des Moments eingeflochten ist eine Art Unsicherheit vor der Dauer der Zeit; es entsteht eine Spannung, die das Leben des Songs ausmacht. Das dritte Lied Sad Fisherman ist mit seinem eingängigen gesummten Chorus eines der Highlights der CD. Ein weiteres ist das klassisch anmutende Beauty Above All. Beides sind Songs mit abwärts führenden Melodiebögen, Melancholie im hohen Stil, aber ohne jeden Kitsch. Das Intro zu Hello ist ein absurdes Minihörspiel, das bei einer Aufnahmesession in New York spielt, bei der zwei Begleitsängerinnen im Studio auf Sophie Hunger warten. Die eine der beiden hat gerade erfahren, dass Sophie Hunger heisst und setzt die andere über die anstehende Gefahr in Kenntnis. The Tourist ist am ehesten das, was der Titel der CD verkündet: eine 41 Sekunden dauernde Song-Skizze. Die Nummer rockt wie keine andere der 14 Titel dieser CD. Hungers Stimme hat Soul, was sich am schönsten vielleicht im vierten Song Marketplace offenbart.
Sophie Hungers Lieder widerhallen in meinem Herzen, sie schreiben sich in mein Gedächtnis ein, sie kommen mir näher als die meiste andere Musik zur Zeit. Die Nähe zum Selbst hat mit dem Dialekt zu tun und mit Zürich als Heimat. Frau Hungers Lieder machen mich zu einem, der ein paar Jahre lang nicht mehr geträumt hat und der soeben aus dem Schlaf erwacht und freudig feststellt, dass Träumen doch noch geht. Die Sketches sind seit einigen Jahren die ersten Schweizer Lieder, die mich begleiten, Lieder, die bedeutsam sind und mit der Zeit noch bedeutsamer werden. Man braucht sie von Zeit zu Zeit, Lieder mit dieser Nähe zum eigenen Leben. Sie sind Wegmarken und sie sind die wahren Volkslieder. Dieses Erstlingswerk weckt meinen Hunger nach mehr solcher Songs und ich setze mit vielen älteren und neueren Bewunderern dieser Musik einige Hoffnung in die junge Sängerin, dass sie ihr Werk fortschreiben und dass dieses unsere Leben noch eine Zeit lang begleiten möge. (Zu spät entdeckt und geschrieben im Januar 2008)

Trackliste:

1. Mr. Porter's wedding - 1:53 2. Züri - 3:08 3. Sad Fisherman - 3:38 4. Marketplace - 3:53 5. Leaving Tehran - 3:09 6. Beauty above all - 2:41 7. Before you say.. - 1:24 8. Hello ? - 2:50 9. Dr Stummi - 4:01 10. Nashville - 3:39 11. The tourist - 0:41 12. Die Fahrenda (Walter Lietha) - 6:35 13. Lied für Zwärge - 4:30 14. Flucht Nach Obe - 3:29
Alle Tracks: Sophie Hunger.

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Svalastog [x>] [D]: Woodwork [F] [P]

CoverLabel: Rune Grammofon RCD 2056
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 08 07
Genre: Jazz, Electronica - Folktronica

Per Henrik Svalastog verwendet archaische Instrumente wie Zither, Kuh- und Schafshörner, digitalisiert ihren Klang und produziert mit den heute gängigen Postproduktionstechniken einen warmen Ambientsound.
Leider klingt das Album rhythmisch auch recht archaisch: eine träge Monotonie befällt mich bereits beim dritten Stück. Da fehlt ein weiteres Element, das dieser Suppe etwas Pfeffer beizugeben vermag. Doch der vierte Track Mouse Tracking greift dann etwas tiefer in die Kiste der Produktionstricks. Ich weiss nicht, wie das jemand hört, der mit der norwegischen Folksmusik vertraut ist, wie sehr diese Musik aus der Tradition schöpft. Dieses Album ist dann am spannendsten, wenn Svalastog eine andere Klangoption der Instrumente oder einen neuen Effekt verwendet.

Trackliste:

1. The Wood Metal Friction - 5:13 2. Snow Tracer - 6:24 3. Reconnecting Joints - 4:52 4. Mouse Tracking - 5:58 5. Centerline Reminder - 4:18 6. Reforestation - 4:27 7. Cow Goat Goat - 3:17 8. Slow Blowing Wireless - 3:59 9. White Oak White Pine - 3:47 10. Rework And Out - 3:10
Alle Tracks: Per Henrik Svalastog.

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Rezensionen Juli 2006

Fuckpony [x>] [D]: Children Of Love [F] [P]

CoverLabel: Get Physcal Music 09
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 07 25
Genre: Electronica - Techno - Minimaltechhouse, Electronica - House - Leftfieldhouse

Leftfieldhouse vom Besten. Für Freunde von Jay Haze – euch wird auch dieses Album gefallen. Aber euch brauche ich es wohl kaum noch vorzustellen, nicht wahr?
Fuckpony sind der besagte Jay Haze, der amerikanische Nomade, und Samim aus Zürich (zu ihrer gemeinsamen Geschichte lest den de:bug-Artikel von Anton Waldt). Unterstützt werden die beiden von den Sänger/innen Big Bully, Shaniqua und Lil' Dirrty Ghetto Bastard. Fuckponys Version von House geht so sehr auf den Punkt, dass es eine Freude ist: Die verwendeten Elemente sind einfach, sie sind Versatzstücke der Housegeschichte, die Vocals bleiben dezent im Hintergrund, so dass sie sich gut ins Klangbild fügen, ohne zu dominieren, ohne alles zu zerstören. Und dieser Beat pumpt sich durch die Spiellänge des Albums hindurch. Das Coverbild zeigt das Setting.

Trackliste:

1. Intro (1:23) 2. Children Of Love (4:48) 3. Ride The Pony (4:44) 4. Silence (4:52) 5. Cell Phone Hit (4:37) 6. It's Only Music (4:55) 7. Freaky Stories Of Earth (4:47) 8. 93 At 4 AM (4:46) 9. Get Pony (4:43) 10. Make Money Hoe (4:39) 11. Bongo Porn (4:49) 12. Mafalda (4:44) 13. Draft (6:39)

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Various Production [x>] [D]: The World Is Gone [F] [P]

CoverLabel: XL Recordings XLCD 204
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 07 17
Genre: Post-Millennial-Music - Trap - Dubstep, Folk

Dubstep goes Pop mit Various Production Eine rätselhafte Mischung von Dubstep/Grime und Neofolk, zwei Genres, die wenig miteinander zu tun haben – bis jetzt.
Ich verstand es nicht auf Anhieb. zunächst hielt ich diese CD für einen ganz normalen Sampler, also eine Zusammenstellung von Songs. In diesem Fall Stücke vom XL-Label – allerdings etwas seltsam, weil sich Grime mit Neo-Folk paart. Das erste Stück Thunnk ist reiner Grime, das zweite Circle of Sorrow reiner Folk, als würde Sandy Denny singen. Spätestens der sechste Track Lost findet die perfekte Balance zwischen den beiden Stilen. Schau an: Es steht also hinter allen Aufnahmen ein Produzent(enteam) mit dem Namen Various! Das Label verrät einzig, dass es zwei sind und sie Adam und Ian heissen. de:bug sei dank, dass diese CD in der Dezemberausgabe so prominent besprochen wird, sonst hätte ich diesen Release doch glatt verpasst! So hinke ich mit der de:bug fünf Monate hintendrein. Aber lieber so als gar nie! Zurück zur Musik auf The World is Gone: Der Stilmix zwischen Folk und Grime ist derart gelungen, dass du sofort jeden Vorwurf von Eklektizismus vergisst. Der Mix ist eine perfekte Fusion, die dir den Atem raubt, dass du dich fragst, warum nicht schon vorher jemand auf die Idee gekommen ist, der Neo- oder Avant-Folk unserer Zeit mit der hipsten Producer-Musik der Gegenwart zu verbinden, mit Grime. Und ich muss es noch einmal sagen: Es gelingt auf perfekte Weise, womit diese CD sich ins Zentrum unserer Zeit setzt, dahin, wo das musikalische Kollektiv-Herz schlägt. Bemerkenswert auch das Cover: Eine Schwarzweiss-Zeichnung, auf der ein Hybrid-Biest (Einhorn, Löwe, Hund, gar Pferd?) den Arm einer fast nackten Frau verschlingt. Meine ich, dass sie das Biest im Moment seines Zugriffs in die empfindlichste Stelle tritt? Heisst das Motiv des Covers demnach Unschuld frisst Unschuld auf – Folk (Frau) Grime (Tier) und vice versa? So muss es sein.

Trackliste:

1. Thunnk - 2:22 2. Circle Of Sorrow - 4:30 3. Don't Ask - 3:58 4. Hater - 3:58 5. Soho - 5:01 6. Lost - 3:18 7. Sir - 3:50 8. Sweetness - 4:20 9. Deadman - 3:08 10. Today - 3:44 11. The World Is Gone - 3:42 12. Fly - 5:01
Alle Tracks: Adam Phillips und Ian Carter.

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Triosk [x>] [D]: The Headlight Serenade [F] [P]

CoverLabel: Leaf BAY 049
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 07 10
Genre: Electronica - Postelectronica, Postpunk - Ambient - Ambientjazz

Die australischen Triosk starteten ihre Karriere 2003, indem sie mit Jan Jelinek zusammen ein Album gemacht haben: 1+3+1 hiess es. Nun hören wir bereits die zweite Solo-CD von Triosk.
Ambientjazz, electronic Jazz in der Manier aller Postelectronica Releases unserer Zeit. Elektronische Listening-Musik, die mit klassischen Instrumenten produziert wird statt mit Samplern und Synthies, Musik die neue Referenzen in der nichtelektronischen Musik sucht: heute zumeist in allen Spielarten des Rock oder in der klassischen Orchestermusik. Triosk ergänzen diese Strategien und Referenzdimensionen um den Jazz – genau wie zuvor bereits Burnt Friedman. The Headlight Serenade klingt wie ein dichtes Gewebe von Jazzfragmenten: Hingeworfen verstreute Piano-Tonfolgen, gelooptes Piano, abstrakte Synthie-Akkorde, ziemlich verhallt, gesamplete Klänge, die durch ein präpariertes Piano erzeugt worden sind, Bass, und ein Schlagzeug, das teils gespielt, teils gesampelt und bearbeitet unglaublich kubistische Skelette für diese Tracks baut – am interessantesten bei One, Twenty-Four. Ausgezeichnete CD!

Trackliste:

1. Visions IV (4:01) 2. Lost Broadcast (5:21) 3. Lost Reprise (0:56) 4. Intensives Leben (6:20) 5. Lazyboat (10:49) 6. Not To Hurt You (4:32) 7. Headlights (5:04) 8. One, Twenty-Four (3:12) 9. Vostok (5:15) 10. Moment Returns (7:17) 11. Fear Survivor (3:23)

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Rezensionen Juni 2006

Black to Comm [x>] [D]: Rückwärts / Backwards [F] [P]

CoverLabel: Dekorder 014
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 06 27
Genre: Electronica - Ambient

Dies ist der Erstling von Marc Richter, dem Labelbetreiber von Dekorder (bekannt beispielsweise durch Un cadie renversé dans l'herbe). Eine Ambientplatte, die mit Feldaufnahmen, Samples von analogen Orgeln/Synthies und Schellackplatten warme, etwas verstaubt-nostalgische Dronen ud Loops aufaut. Die Katze auf dem Titelbild ist programmatisch gemeint. Weitere Reviews findest du auf der Black to Comm Webseite.

Trackliste:

1. Bees 2. Levitation 3. Laccifer Lacca 4. Rückwärts Backwards 5. El Huis Pt. 1 6. Es Gibt Kein Morgen 7. March Of The Vivian Girls 8. Virtuosity Is A Means To An End

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One Second Bridge [x>] [D]: One Second Bridge [F] [P]

CoverLabel: Büro 002
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 06 26
Genre: Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground - Nugaze

Dieser zweite Release des neuen Büro-Sublabels von City Centre Offices klingt nun mehr nach bereits bekannten Indietronica-Sounds als es The Gentleman Losers taten. Die beiden in Barcelona ansässigen Südamerikaner Matias Bieniaszewski und Vicente García Landa machen Musik, die gut in den Katalog des Morr-Labels passen würde.
Ich muss beim genaueren Hinhören sagen, dass ich das Album abwechslungsreicher finde als es mein Feindbild vom nächsten langweiligen shoegazenden Indietronica-Act erwartet. Die Weite des Coverbildes mit der CI-Beschriftung des Labels lässt etwas vom cinematografischen Sound von One Second Briddge ahnen. Wir bleiben dran, damit wir wissen, was mit Büro passiert.

Trackliste:

1. One Second Bridge (2:22) 2. N°2 (2:29) 3. Everywhere (3:06) 4. Un Minuto (1:01) 5. The Ghost (3:57) 6. Take Me To The Moon (4:07) 7. Brücke (1:03) 8. Keep On Falling (5:12) 9. 1000 Lights (1:55) 10. Fifth Season (4:40) 11. Sucio Cielo Azul (3:19) 12. Ventana (2:10) 13. Alt. Ending (3:19)
Video 1. Un Minuto (1:01)

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V. A. (Touch) [x>] [D]: Touch 25 [F] [P]

CoverLabel: Touch TO:25
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 06 26
Genre: Electronica - Ambient

Das Touch-Label von Mike Harding and Jon Wozencroft wird 25 Jahre alt. Zu diesem Jubiläum erscheint dieser Sampler mit grossen Namen: Fennesz, BJ. Nilsen, Jacob Kierkegaard, Biosphere, Ryoiji Ikeda, Oren Ambarchi und vielen mehr. Dir werden alle Arten von Ambient Musik präsentiert: Glitch-Ambient, Feld Aufnahmen oder Industrial Ambient. Und wisse: Solche Sampler sind selten. Die Reihenfolge der Stücke ist wundervoll arrangiert. Ein Stück gibt dem andern die Hand. Die CD ist eine akustische Reise, ein Werk aus einem Guss, wie vor Jahren schon Hiss, ein Sampler des Touch-Tochterlabels Ash.

Trackliste:

1. BJNilsen Gotland (1:47) 2. Unknown Artist Minutiae (0:20) 3. Oren Ambarchi Moving Violation (8:18) 4. Fennesz Tree (3:21) 5. Unknown Artist Quick And Cold (0:39) 6. Unknown Artist Actual Time Of Arrival (0:29) 7. Chris Watson Conversations (2:48) 8. Unknown Artist Safely Short (0:11) 9. Chris Watson Oujela Mine (2:24) 10. Mother Tongue Rewording (4:04) 11. Peter Rehberg TT1205 (2:53) 12. Tanja Orning & Hild Sofie Tafjord Live At Blå, Oslo (0:36) 13. Pan Sonic Slovakian Rauta (5:47) 14. Jóhann Jóhannsson Tu Non Mi Perderai Mai (9:07) Cello - Hildur Guðnadóttir 15. Jacob Kirkegaard Heavy Water (Barsebäck) (4:53) 16. Unknown Artist Solent Rd. (0:55) 17. Ryoji Ikeda Untitled #25 (5:41) 18. Rafael Toral Glove Touch (3:15) 19. Philip Jeck Hindquarters (6:10) 20. Unknown Artist ATC Graph (0:18) 21. Bruce Gilbert Sliding Off The World (2:02) 22. Mark Van Hoen Put My Trust In You (5:15) 23. Unknown Artist Chorale (0:57) 24. Biosphere Spring Fever (3:15) 25. Rosy Parlane Atlantis (4:03)

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Señor Coconut [x>] [D]: Yellow Fever [F] [P]

CoverLabel: Essay AY 11
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 06 20
Genre: Indiepop - Ambientpop - Loungepop, Electronica - Breakbeat - Downtempo, Electronica - Minimaltechhouse - Tecnocumbia

So eine Hybride! Stell dir das jetzt ein Mal ganz plastisch vor: Ein Deutscher, der japanische Pop-Musik lateinamerikanisch interpretiert. Ein Technoproduzent, der in Südamerika lebt und mit Herren musiziert, die wir aus Restaurants zu kennen glauben wo der Wirt auf Folklore macht (zahlen bitte!), von sommerlichen Plätzen unserer Grossstädte (schnell weitergehen) oder von Abflughallen am Flughafen (vor dem Abflug weghören und bei der Ankunft: dreinschlagen!). Das geht gedanklich und in der Vorstellungskraft kaum zusammen. Aber Herr Schmidt beweist seit Jahren: Es funktioniert! Heraus kommt: Schräge, lustige Musik. Echte Freak-Stücke. Komplet verschroben. Letztlich einfach total krank!

Trackliste:

1. My Name Is Coco (Introduction) - 0:20 2. Yellow Magic (Tong Poo) [Rumba] 3. Coco Agogo - 0:36 4. Limbo [Mambo] - 3:21 5. What Is a Coconut? (Interlude) 6. Behind the Mask - 3:22 7. El Coco Rallado (Retro Interlude) - 0:25 8. Pure Jam [Mambo] 9. Mambo Numerique 10. Simoon [Bolero] - 6:48 11. El Coco Loco - 0:18 12. The Madmen [Mambo] - 3:51 13. What Is Coconut? (Interlude) - 0:32 14. Music Plans - 4:36 15. Breaking Music (Interlude) 16. Rydeen [Merengue] - 4:26 17. El Coco Roto (Interlude Cabezón Style) - 0:19 18. Ongaku - 3:19 19. What Is Coconut? - 0:33 20. Firecracker [Merengue] - 5:32 21. Señor Coconut And His Orchestra - 0:06

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Mordant Music [x>] [D]: Dead Air [F] [P]

CoverLabel: Mordant Music MM 013
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 06 12
Genre: Electronica - Synthtronica - Analogelectronica, Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground

Dieses Album von Mordant Music, das sind Admiral Greyscale, Baron Mordant und Philip Elsmore (Stimme – nicht Gesang) hat Hörspielqualität: Es wird eine Dramaturgie geschaffen, indem rhythmische mit nicht-rhythmischen und Spokenword-Passagen kombiniert werden.
Der erste Track heisst dann konsequenterweise auch Transmission Start-Up. Die Metapher ist also eine Radio- oder TV-Sendung. Die Sounds muten technoid an, haben Anklänge an Industrial Music, die Drumsounds klingen leider etwas antiquiiert. Die Musik von Dead Air passt ausgezeichnet zu Parties in alten Fabrikhallen. Die Zeit: Morgens um, sagen wir, vier Uhr. Die Wände triefen vom Schweiss, die Luft rauchgeschwängert. Nur noch die leute hier, die entweder verladen sind oder nicht nach hause gehen möchten (und auch verladen sind). Da ist zwischen den Tanznummern stets viel Zeit, um das nächste Bier zu holen.

Trackliste:

1. Transmission Start-up (2:24) 2. Post-Apocalypse Listing (0:54) 3. Plant Room (4:19) 4. Interdependent Authority (0:52) 5. Thames Over Nijmegen (2:31) 6. Malcolm's Driven Me Wild (1:09) 7. We Are The Mean (11:23) 8. Man On A Spool (3:16) 9. Expendable Productions (2:01) 10. The Black Crush (7:30) 11. No Harvest (2:10) 12. Read Between The Raster (1:36) 13. Obituaries (4:04) 14. Cirrhosis Of The Booth (1:14) 15. Survival Ltd. (4:48) 16. Winding Ourselves Into The Ground (3:50) 17. Proof-Read By Spores (3:37) 18. Germoir (1:59) 19. Fallen Faces (3:38) 20. Tosaki Closedown (2:36)

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Marsen Jules [x>] [D]: Les Fleurs [F] [P]

CoverLabel: City Centre Offices TOWERBLOCK 034
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 06 12
Genre: Electronica - Ambient

Mann, der geht nah ran an die Klänge und das macht diese Musik aus. Impressionistische Klanggemälde mit Tiefenschärfe, wie durch die Psilocybin-Brille wahrgenommen. Das könnte Minimalismus sein, aber dafür ist es zu dicht. Und das Repetitive der Musik variiert zu stark, jede Klangwoge kommt anders dekoriert und mit ihren eigenen Dubräumen daher. Wie wenn du einen Grasbüschel nach dem andern ausreisst. Keiner ist gleich und doch hast du jedes Mal eine Hand voll Gras in Händen. Und du schaust das Gras genauer an und siehst Blumen: Les Fleurs.

Trackliste:

1. Oeillet Sauvage (6:13) Vibraphone - Michaela Hassler, Odilia Plietker 2. La Digitale Pourpre (4:42) 3. Coeur Saignant (4:33) 4. Datura (6:24) 5. Anémone (3:51) 6. Guele De Loup (6:13) 7. Coquelicot (5:25) 8. Oeillet En Delta (14:30)

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Leafcutter John [x>] [D]: The Forest And The Sea [F] [P]

CoverLabel: Staubgold 068
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 06 05
Genre: Electronica - Folktronica

Leafcutter John ist John Burton aus London. Er erzählt dir mit seinem Album The Forest and the Sea die Geschichte von zwei Leuten, die sich in einem Wald verirren – Die Grimms lassen grüssen.
Erstaunlich die neun Tracks, die zwischen Folksongs, Electronica und Musique Concrète (Feldaufnahmen) mäandern. Das Album ist eine ambitionierte Hybride zwischen den genannten Stilen. Toll wie Burton es schafft, binnen Sekunden zwischen Folksong und Music concrète umzuschalten. Das geht ineinander über als hätte es immerzu zusammen gehört.

Trackliste:

1. Let It Begin (5:54) 2. Maria In The Forest (7:07) Drums - Sebastian Rochford 3. Dream I (2:49) 4. Dream II (1:57) 5. Dream III (3:00) 6. In The Morning (6:50) 7. Seba (3:51) 8. Go Back (6:42) Percussion - Kristian Craig Robinson 9. Now (5:30)

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Rezensionen Mai 2006

Herbert [x>] [D]: Scale [F] [P]

CoverLabel: Studio !K7 7202
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 05 29
Genre: Electronica - Minimaltechhouse

Matthew Herberts nächster Streich nach dem letztjährigen Plat du Jour. Eine CD, die durch den eigenen Stilmix aus Vocal-House (wie stets Dani Siciliano am Mikrofon), Musique Concrète (Geräusche), Swing (Big Band) und Disco (Streicher!) auffällt. Sie hält dabei die Wage zwischen dem Samplekleinwerk von Plat du Jour und der Liebe zu Big-Band-Klängen von Goodbye Swingtime. Scale ist die aufwändigste Produktion, die ich von Herbert je gehört habe und bleibt über die gesamte Hördauer sehr spannend. Stilistisch werden auf der CD einige Ecken von House ausgelotet: Disco, Swing, Jazz.
Wie immer bekommst du mit der Musik-CD relativ viel Ideologie mitgeliefert: Dieses Mal geht es um Wasser und (vor allem) um Öl. Das Öl wird von uns sinnlos verbraucht. Das ist natürlich ein Miss(t)stand, auf den Herbert – subtil oder missionarisch? – versucht hinzuweisen, indem er Samples aufnimmt (du erinnerst dich – Herbert ist der mit dem Manifest, dass alle verwendeten Klänge selbst produziert sein müssen) – also in dem er Samples aufnimmt, die uns (und ihn) dabei ertappen, wie wir sinnlos Öl verbrauchen. Autos, Tanksäulen und vieles mehr. Die Frage lautet, ob subtil oder missionarisch. Beides: subtil, insofern als die Musik sehr gut funktioniert, so dass wenn du dich für ihre Entstehungsgründe und -bedingungen interessierst, du auf das, was sie matierial ausmacht, aufmerksam wirst, und missionarisch, insofern als Herbert sein ästhetisches Schaffen und sein Produkt mit einer Ideologie verbindet, die für seine Musik nicht konstitutiv ist. Man muss ein eigenartiges barockes Weltbild haben, um einen Zusammenhang zwischen dem verwendeten Material und der musikalischen Wirkung zu vermuten. Ich glaube nicht, dass Herbert diesen Zusammenhang behaupten würde. Aber er engagiert sich auf seine Weise für Dinge, die sonst kaum einen Musiker oder DJ interessieren: Welche messbaren und verrechenbaren – das ist nicht das selbe – Kosten spielen in einem Musikerleben eine Rolle? Wie gelangt man von Zuhause zu einem Gig/Set? Wie von Set zu Set? Fliegt man oder fährt man? Wen ausser Herbert interessiert das eigentlich?

Trackliste:

1. Something Isn't Right - 3:45 2. The Movers and the Shakers - 4:15 3. Moving Like a Train - 5:53 4. Harmonise - 5:39 5. Were in Love - 4:43 6. Birds of a Feather - 5:05 7. Those Feelings - 4:23 8. Down - 6:12 9. Movie Star - 4:14 10. Just Once - 6:15 11. Wrong - 1:02

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Loscil [x>] [D]: Plume [F] [P]

CoverLabel: Kranky KRANK 096
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 05 22
Genre: Electronica - Ambient

Ein einzelner Hochkamin, der sanft, geradezu zärtlich seine Dämpfe in die blaue Luft entlässt. Wie eine Wolke. Industriell produziert. Vom Wettermacher.
Als Kind war ich fasziniert von Hochkaminen. In meinen Zeichnungen kamen viele von ihnen vor. Mit genau so einer Rauschschwade wie auf dem Cover von Loscils neuer CD Plume. Ich glaube, alle Kinder zeichnen Hochkamine, genauso wie Kirchtürme. Diese Kamine sind etwas in der Welt, die ja noch neu ist, das auffällt, markant ist. Und so besteht die Kinderwelt aus wirklich vielen Kaminen.
Loscil ist Scott Morgan aus Vancouver. Morgan macht Ambient Musik, die voll ins Label-Programm von Kranky passt. Elektronische Soundflächen plus rhythmische Glitches. Angenehm, zeitgemäss, nahe an der Grenze zum zu Gefälligen.

Trackliste:

1. Motoc (5:38) 2. Rorschach (7:42) 3. Zephyr (4:20) 4. Steam (6:29) 5. Chinook (5:57) 6. Bellows (5:15) 7. Halcyon (5:48) 8. Charlie (7:22) 9. Mistral (4:58)

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Gentleman Losers [x>] [D]: Gentleman Losers [F] [P]

CoverLabel: Büro 001
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 05 19
Genre: Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground - Nugaze

Ein neues Sublabel des von mir geliebten Mutterhauses City Centre Offices. Ein weiteres Kapitel IDM tut sich auf: Electronic Listening mit Gitarre, also Indietronics, aber an Sadcore orientiert.
Ein stimmungsvolles Cover verrät nicht zu viel, deutet aber alles an. Auf einem alten Tisch im Estrich, Keller oder der Scheune, also da, wo du diejenigen Sachen aufbewahrst, die du noch nicht entsorgen oder weggeben möchtest, weil dein Herz oder dein Gedächtnis noch daran hängt, die du aber nicht mehr in Gebrauch nimmst – auf diesem alten Tisch also liegt ein altes Spulentonbandgerät. Es liegt dort, seit du den ersten Computer gekauft, mit dem du Musik gemacht hast oder hast hören können. Ob das noch klingt? Wenn, dann so langsam wie diese Musik und mit Gleichlaufschwankungen. Auf dem Band aufgenommen wurden vor Jahren Easy Listening Klänge. Von daher haben einige Stücke fast einen Hauch Lounge beigemischt. Melodisch, melancholisch, sehr stimmungsvoll geht es auf dieser CD zu und her. Die beiden Musiker heissen Samu & Ville Kuukka, sind Brüder und kommen aus Finnland. Sie klingen sehr talentiert, bin gespannt auf die weiteren Releases des Duos und natürlich des Labels.

Trackliste:

1. An Empire Of Coins (1:39) 2. Gold Dust Afternoon (6:10) 3. Mansion On The Dunes (6:09) 4. Slow Guitars (5:46) 5. Horses Of Instruction (5:35) 6. Laureline (5:50) 7. Silver Mountain (4:48) 8. Light Fandango (5:36) 9. Salt Of The Sea (4:33) 10. Weed Garden (3:16)

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Skatebard [x>] [D]: Midnight Magic [F] [P]

CoverLabel: Digitalo Enterprises N 50031
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 05 15
Genre: Electronica - House - Microhouse, Electronica - House - Digital-Disco

Hast du dich auch schon gefragt, wie wohl Force Inc oder Force Tracks heute klingen würden, wenn sie ununterbrochen weiter released hätten? Ich stelle mir vor, dass Skatebård als möglicher Release des Labels in Frage käme. So könnte Force Tracks heute in der nicht reduzierten, ursprünglichen Version klingen. Stattdessen kommt dieser eingängig melodische Italo-Digital-Disco Sound mit der richtigen Prise Dub-Raum aus Norwegen. Skatebård ist Baard Lødemel aus Bergen.

Trackliste:

1. Data Italia - 4:43 2. Caravan - 6:18 3. Holidays On Ice In Space - 8:37 4. The Faun Enters The New Age - 3:13 5. Never Forget Who You Are - 3:34 6. Boyvox - 5:21 7. Flashes In The Night - 5:30 8. Atle - 3:55 9. Love Attack - 5:15 10. Rock On - 6:13 11. One Thousand Years Of Loneliness - 2:51 12. Clap - 4:22 13. Ut I Naturen - 4:43
Alle Tracks: Skatebård.

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Current 93 [x>] [D]: Black Ships Ate The Sky [F] [P]

CoverLabel: Durtro Jnana 2112
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 05 15
Genre: Folk - Newfolk - Apocalypticfolk

David Tibet ist besessen. Von Texten wie dem apokryphen Thomas-Evangelium. Von der koptischen Schrift und Sprache. Von Geisterbildern mit schwarzen apokalyptischen Schiffen. Vom Mord an Cäsar. Diese Themen beherrschen sein neuestes Album Black Ships Ate The Sky, das beim Tibet-eigenen Label Durtro in Amerika mit violettem und in Europa mit scharlachrotem Cover herauskommt (ansonsten identisch ist). 21 Tracks ergreifender Folkmusik.
Die Songs werden teils von Gastsängern gesungen: mit Marc Almond, Antony, Bonnie 'Prince' Billy, Cosey Fanni Tuti und Shirley Collins. Dies ist ja ein Arbeitsprinzip von Current 93, diesem Einmannprojekt Tibets, das aber immerzu Gastmusiker aus seelenverwandten Bands (Nurse With Wound, Coil, …) beizieht. Die Gitarre ist das Leadinstrument. Sie wird von zeitgemässen elektronischen Soundscapes begleitet – keine Selbstverständlichkeit bei einem Act, der seine Wurzeln in den 80ern hat. Auch wenn du mit der Religiosität Tibets wenig anfangen kannst: Da ist immer diese Musik, die eine einfache und direkte Sprache spricht, diese eindringlichen Stimmen, diese Konzemtration auf das Wesentliche im Song.

Trackliste:

1. Idumæa (Vocals: Marc Almond) - 3:22 2. Sunset (The Death of Thumbelina) - 3:18 3. Black Ships in the Sky - 3:38 4. Then Kill Cæsar - 3:58 5. Idumæa (Vocals: Bonnie Prince Billy) - 2:42 6. This Autistic Imperium Is Nihil Reich - 4:03 7. The Dissolution of the Boat Millions of Years - 3:57 8. Idumæa (Vocals: Baby Dee) - 4:19 9. Bind Your Tortoise Mouth - 2:30 10. Idumæa (Vocals: Antony) - 2:02 11. Black Ships Seen Last Year South of Heaven - 4:07 12. Abba Amma (Babylon Destroyer) - 3:19 13. Idumæa (Vocals: Clodagh Simonds) - 2:35 14. Black Ships Were Sinking into Idumæa (Vocals: Cosey Fanni Tutti) - 11:05 15. The Beautiful Dancing Dust (Vocals: Antony) - 0:57 16. Idumæa(Vocals: Pantaleimon) - 3:06 17. Vauvauvau (Black Ships in Their Harbour) - 4:41 18. Idumæa (Vocals: David Tibet) - 1:50 19. Black Ships Ate the Sky - 4:20 20. Why Cæsar Is Burning Part II - 2:48 21. Idumæa (Vocals: Shirley Collins) - 2:42

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Burial [x>] [D]: Burial [F] [P]

CoverLabel: Hyperdub HDBCD 001
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 05 15
Genre: Post-Millennial-Music - Trap - Dubstep

Hyperdub ist Kode9's Label. Burial dessen erster CD-Album-Release. Dubstep ist angesagt. Aber Dubstep von der aussergewöhnlichen Sorte. Das ist mehr Listening- als Dance-Music. Das ist Kino für deinen Kopf.
Die Beats sind hypnotisch langsam, stocken zeitweise, aber sind die mit Abstand spannendsten Breaks seit Jahren. Die Musik klingt futuristisch (mir kommt Blade Runner in den Sinn, wenn ich das Cover betrachte), angstgeritten, nicht überproduziert. Burial ist atemberaubende Musik, die dir im Ohr hängen bleibt. Kraftvoll sind ihre spartanischen Mittel eingesetzt: Stimm-Samples, Crackles, orientalische Ornamente sind mitten in einen weit offenen Raum gesetzt. Markant ist das Wort hierfür: Burial schafft die markanteste neue Musik in diesen Monaten. Mit Bestimmtheit eine CD, die Musikgeschichte schreibt, allerdings vor allem in England rezipiert wird. Wieder einmal bleibt eine tolle CD dem amerikanischen All Music Guide verborgen - sie ist zwar aufgeführt, der Eintrag in die Datenbank hat aber weder ein Coverbild, noch eine Trackliste. Amerika schläft. Weck es nicht auf!

Trackliste:

1. Untitled - 0:36 2. Distant Lights - 5:26 3. Spaceape (feat. Spaceape) - 4:02 4. Wounder - 4:52 5. Night Bus - 2:20 6. Southern Comfort - 5:02 7. U Hurt Me - 5:23 8. Gutted - 4:43 9. Forgive - 3:07 10. Broken Home - 5:05 11. Prayer - 3:46 12. Pirates - 6:10 13. Untitled - 0:55
Alle Tracks: William Bevan.

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Uusitalo [x>] [D]: Tulenkantaja [F] [P]

CoverLabel: Huume 07
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 05 12
Genre: Electronica - IDM - Glitch-IDM

Vladislav Delay so gut wie zu seinen besten Zeiten. Uusitalo ist der Techno-Moniker des finnischen Youngsters, der vor sechs Jahren mit seinen Releases die Technowelt mit offenen Mündern hat dastehen lassen. Tulenkantaja hat alles, was du von Delays Musik erwartest: Diese Dubräume, diesen Bass, der sich mühelos einhakt und dich auf die Tanzfläche zieht. nein, an dieser Musik ist nichts besonders neu, aber sie hat eine Klarheit, die gut tut.

Trackliste:

1. Paskaa Musaa (8:05) 2. Odottava Peto (5:53) 3. Kalajuttuja (8:28) 4. Lumimies (5:30) 5. Nokkonen Päiväunilla (5:33) 6. Uutta Verta Hangella (6:31) 7. Tulenkantaja (6:00) 8. Tervatahroja (7:46) 9. Misut Irti / Huutaa (8:28) 10. Lasi Hajoaa (5:24)

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Paul Simon [x>] [D]: Surprise [F] [P]

CoverLabel: Warner Bros. 9362-49982
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 05 09
Genre: Newpop - Singer-Songwriter

Nach Jahren wieder einmal eine Paul Simon CD – und keine Worldmusic, stattdessen Soundscapes von Brian Eno. Was für eine Kollaboration. Was für ein Resultat!
Von Paul Simon, diesem Menschen, der eigentlich nichts anderes tut, als am American Songbook weiter zu schreiben, nicht umsonst hat er als einziger Musiker sein Büro noch im New Yorker Brill Building! – von diesem Paul Simon also kommen die heilsamen Songs, sensibel, eingängig, an der Grenze zur Zerbrechlichkeit. Von Brian Eno hingegen die interessanten Sounds, die Simon davor bewahren, nur noch akustische Durchschnittsware und längst Bekanntes zu produzieren. Höre dir Everything about it is a lovesong an! Die Breakbeats geben diesem Song einen Drive und eine Tiefe, die ich seit den Achzigern bei Simon nicht mehr gehört habe. Oder höre Sure don't feel like love an! Da singt Simon mit einem kräftigen Schuss Soul. Das mag ihn nicht von den verbreiteten Vorurteilen, dass er alles andere als cool sei, retten. Aber das will er bestimmt auch nicht sein. Und klar, das ist Musik für Overfourties. Doch für diese Zielgruppe ist Surprise ein Kandidat für die Ewigbestenlisten, beinahe so gut wie das 1983 erschienene Hearts and Bones. Dieser Release gibt mir nun noch die Gelegenheit, für eine relativ neue Rubrik des All Music Guides aufmerksam zu machen: Unter dem Titel Whole Note werden Diskografien/Listen/Sammlungen mit interessanter Musik veröffentlicht. Auch Surprise war der Anlass für S.T. Erlewine, in Patterns: A Paul Simon and Brian Eno Timeline das Schaffen der beiden hier involvierten Musikern Revue passieren zu lassen.

Trackliste:

1. How Can You Live In the Northeast - 3:42 2. Everything About It Is A Love Song - 3:57 3. Outrageous - 3:24 (Paul Simon/Brian Eno) 4. Sure Don't Feel Like Love - 3:57 5. Wartime Prayers - 4:49 6. Beautiful - 3:07 7. I Don't Believe - 4:09 8. Another Galaxy - 5:22 (Simon/Eno) 9. Once Upon A Time There Was An Ocean - 3:55 (Simon/Eno) 10. That's Me - 4:43 11. Father and Daughter - 4:11
Alle Tracks: Paul Simon, ausser wo anders vermerkt.

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Scott Walker [x>] [D]: The Drift [F] [P]

CoverLabel: 4AD CAD 2603
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 05 08
Genre: Newpop - Artpop - Singer-Songwriter

Seit ich Scott Walkers Lied The Seventh Seal über bzw. nach Ingemar Bergmann's Film mit dem selben Namen kenne (und hoch schätze) kommt mir immer der schwarzweisse Ernst eines Bergmann-Films in den Sinn, wenn ich Scott seine Lieder singen höre. Mit einem dermassen spärlichen Output wie ihn Scott Walker abliefert – alle zehn Jahre ein Album – der schafft einen Mythos um sich, zumal wenn diese spärlichen Arbeiten so eigen sind, wie Tilt oder The Drift.
Nun, ist dieses Album so grossartig wie es in der Presse dargestellt wird? (Ich lese Sätze wie Das erste Hören lässt einen verstört zurück. oder klangliches Guernica unserer Zeit – Zitate nach T. Bärnthaler in Loop) Rhythmisch und soundmässig sind diese Songs spannend, sie erinnern mich aber sehr an das, was ich in Tilt gehört habe. Es klingt nach 80er/90er Jahre. Somit ist dieses Album zwar formal und produktionstechnisch komplex, aber soundmässig weitaus weniger auf der Höhe der Zeit als das Schaffen von beispielsweise David Sylvian, der seine 80er Jahre Soundästhetik für eine zeitgemä:ssere hinter sich gelassen hat. Rockhörer mögen von diesen Klängen beeindruckt sein. Wer die elektronischen Sounds der letzten mehr als fünfzehn Jahre miterlebt hat, der wird wegen diesem Scott Walker Album nicht in Ehrfurcht erstarren.

Trackliste:

1. Cossacks Are - 4:32 2. Clara - 12:43 3. Jesse - 6:28 4. Jolson and Jones - 7:45 5. Cue - 10:27 6. Hand Me Ups - 5:49 7. Buzzers - 6:39 8. Psoriatic (Bob Carleton, Scott Walker) - 5:51 9. The Escape - 5:18 10. A Lover Loves - 3:11
Alle Tracks: Scott Walker, ausser wo anders vermerkt.

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Ekkehard Ehlers [x>] [D]: A Life Without Fear [F] [P]

CoverLabel: Staubgold 066
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 05 02
Genre: Electronica - Postelectronica, Electronica - Bluestronica

Ekkehard Ehlers nahm sich den Blues für eine Theatermusik vor. Dabei entstand eine änliche musikalische Transformation wie auf Ekkehard Ehlers Plays …, beispielsweise Plays Albert Ayler. Ehlers sampelt nicht einfach Bluesaufnahmen und arrangiert diese Samples, sondern er verwendet die Samples im Rahmen seiner eigenen musikalischen Sprache. So schreibt sich der Blues in eine warme, fast flauschige Ambientmusik ein, die deinen Ohren viel Raum lässt, um zuzuhören – eine Musik, die sich anhört wie eine nicht identifizierbare Lebensform, die da still vor dir liegt und friedlich atmet.
Atmet? Dieses Es befindet sich in einem zyklischen Prozess. Atem ist nur ein Wort, eine Metapher. Die Sprache spricht, nicht du. Erst wenn du diesem Es einen Namen geben kannst, benennst du es identifikatorisch statt metaphorisch. Aber du hast noch keinen Namen, weshalb du atmen sagst – Am ehesten wäre der Name Ekkehard Ehlers identifikatorisch. Aber der Name sagt wenig, spielt aisser zu dieser Identifikation keine Rolle. Du musst kennen, was sich mit dem Namen verbindet. So wird Ehlers zu einer Art Marke, die in deinem Kopf sofort eine Musik aufruft, die … – ATMET. Ich bleibe dabei! Leben ohne Furcht: Es ist nicht nur Ehlers Musik, für die sich Joseph Suchy mitverantwortlich zeichnet, die Furchtlosigkeit signifiziert: Furchtlosigkeit vor fremdem Material, Annäherung, konstruktive Verwendung (eben gerade nicht Vereinnahmung). Es ist natürlich vor allem das verwendete musikalische Material, das auf ein Leben frei von Ängsten und Zwängen verweist – der Kontext des musikalischen Materials, die fahrenden schwarzen Musiker mit ihrem teils verwegenen Leben.
Diese CD fügt sich mühelos in die Reihe von grossen elektronischen Bluesplatten ein: Play von Moby oder Angels with dirty faces von Tricky.

Trackliste:

1. Ain't No Grave (4:22) 2. Frozen Absicht (4:32) 3. Strange Things (Charles Haffer, Jr. (2:46) 4. A Second Fire (3:42) 5. Die Sorge Geht Über Den Fluss (3:16) 6. Nie Wieder Schnell Sagen (4:52) 7. Misorodzi (Dumisani Abraham Maraire) - (3:33) 8. Maria & Martha (8:48) 9. Meeresbeschimpfung (4:06) 10. O Death (Ralph Stanley) - (5:24)

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Rezensionen April 2006

Jacob Kirkegaard [x>] [D]: 4 Rooms [F] [P]

CoverLabel: Touch Tone 26
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 04 25
Genre: Electronica - Soundart - Fieldrecording

Jacob Kirkegaard besuchte im Oktober 2005 Tschernobyl in der Ukraine und machte in dieser atomverseuchten Wüste Feldaufnahmen ?
Tschernobyl in der Ukraine. Damalige Sowjetunion. Ort des Reaktorunfalls. Zwanzig Jahre her. Damals trat ein, was wir jung und voller Zweifel über den Machbarkeitswahn von Technokraten in Ost und West befürchteten: der GAU. Es brauchte ihn, damit sie aufhörten Atomkraftwerke zu bauen und die Zeit könnte bald wieder reif sein, weil mit ihr (der Zeit) das Vergessen einsetzt. Der Soundkünstler Jacob Kirkegaard tritt in die Fussstapfen von Alvin Lucier, der 1970 in seinem Werk I am sitting in a room mit einem subtraktiven Verfahren die Reflexionen eines Raumes aufgenommen hat. Kirkegaard tut im Prinzip das selbe, wobei er die Art des Raumes variiert: Kirche, Auditorium, Swimming Pool und Turnhalle. Die vier um die 13 Minuten dauernden Resultate versammelt diese CD vom Touch-Label mit den immer schönen Covern. Es ist Dronen-Musik die natürlich für ein Casuallistening ungeeignet ist. Das Interessante an dieser Musik ist zum einen das Konzept: Die Räume für sein akustisches Experiment hat Jacob Kirkegaard in Tschernobyl gefunden, an einem heute ausgestorbenen Ort. Diese Räume waren einst belebt. Es waren Räume, in denen Menschen sich versammelten. Heute sind sie natürlich verlassen, gemieden, ausgestorben. Aus dem Ort wurde eine Zone. Aus den Räumen Ruinen. Ob in ihrem Hall das Echo der Laute der Menschen von vor 20 Jahren noch hörbar sind? Interessant an dieser Musik ist zweitens die Raumillusion die beim Hören entsteht. Halte jedes Stück am Ende an! Deine Ohren haben sich auf den Raum eingestellt. Du bist sozusagen Tschernobyl-Ödland geworden. Du bist wie ein Schneeblinder in einem hellen Raum oder wie einer, der eine farbige Brille angehabt hat und sie nun ablegt. Deine Wahrnehmung ist verpeilt. Deine Ohren haben ein internes Effektgerät angeschaltet und müssen sich neu einstellen. Das ist eine kleine Wahrnehmungs-Sensation, aber auch philosophisch interessant (einmal mehr grüsst Platons Höhlengleichnis). Versuche dir, während dem Experiment vorzustellen, was das für deine Wahrnehmung insgesamt heisst. Du bist der Raum, weil deine Sinne sich auf das Ambiente adaptiv einstellen. Das heisst doch letztlich, dass objektive Wahrnehmung durch genaues Hinhören gar nicht sein kann – weil deine Ohren sich anpassen und dich dabei täuschen. Du bringst deine Wahrnehmung in eine höhere Ordnung, indem du eine Erfahrung in verschiedenen Räumen, Ambienten machst. Dazu musst du dich bewegen, du musst Räume wechseln. Fort gehen, raus aus der Studierstube, raus aus der Höhle, Philosoph! Rein in mindestens 4 Rooms!

Trackliste:

1. Church (12:47) 2. Auditorium (13:05) 3. Swimming Pool (13:30) 4. Gymnasium (13:04)

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Keith Fullerton Whitman [x>] [D]: Track4(2waysuperimposed) [F] [P]

CoverLabel: Room40 RM 408
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 04 22
Genre: Electronica - DSP

Keith Whitman bietet uns ein musikalisches Palindrom. Was war doch das schon wieder, das Palindrom? Genau, von hinten wie von vorn: Anna, Otto, Rotor. Keiths CDr hört sich von hinten (rückwärts gespielt) wie von vorn (normale Laufrichtung) genau gleich an.
Wer es ausprobieren kann, möge dies tun und staunen. Du kannst das ja mal mit anderer Musik machen, dann staunste auch Bauklötze, wie das anders klingt. Mit elektronischer Ambientmusik geht das offenbar besser. Die Crackles klingen im zweiten Teil anders, daran kannst du das akustische Palindrom ausmachen und erkennen. Eine hübsche kleine Idee, einen schon etwas älteren Track zu nehmen, ihne neu zu arrangieren und zu spiegeln, so dass er auf einundzwanzig Minuten raufkommt. Leise Ambientmusik, elektronische Dronen mit den erwähnten Crackles, tiefe Bässe, die von irgend woher mitlaufen. Die Klänge muten an, wie fliessendes, tropfendes, plätscherndes Wasser in einem kleinen Behältnis (einer Badewanne?). Streng auf 200 Kopien limitierte Auflage.

Trackliste:

1. Track4(2waysuperimposed) - 21:03
Alle Tracks: Keith Fullerton Whitman.

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Barbara Morgenstern [x>] [D]: The Grass Is Always Greener [F] [P]

CoverLabel: Monika Enterprise monika 47
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 04 22
Genre: Postrock - Indietronica - Wohnzimmer-Musik, Postrock - Indietronica - Singer-Songwriter, Postrock - Indietronica

Unprätentiöse Lieder, nie seicht, obwohl die Musik mit Lo-Fi und Analogequipment spielt als möchte sie banal scheinen. Gegnüber früheren Releases aber fällt The Grass is Always Greener durch vielfältigere Entwürfe im Musikalischen auf. Die Musik ist dichter geworden, die Arrangements einfallsreicher, ohne deswegen gleich den introvertierten Stil aufzugeben.
Wie geht der Titel weiter? on the other side muss der Satz doch ergäntzt werden. Das Cover und das der CD beigelegte Faltblatt illustrieren das ganze Sprichwort: Auf dem Cover ist Frau Morgenstern unterwegs zur anderen Seite, lässt Stadt, Zivilisation und Lärm hinter sich. Das Faltblatt verrät, wo sie hingeht: Die Natur hat noch die Form von Pflanzen, aber diese Pflanzen sind nicht Gewächse, sondern Gemächte, Texturen aus Grossstadt, Plakaten, Beton. Das Artwork der CD veranschulicht so den Sinn des Sprichworts: Man hat immer eine Vorstellung von einer schöneren Welt, aber diese Vorstellung ist Phantasie und die nährt sich nicht vom Ideal, sondern von der Realität. Mit zum Bild gehört die Künstlerin. Sie, die zwischen diesen beiden Welten unterwegs ist, befindet sich zwar im Niemandsland, ist aber unterwegs (mit Koffer) und sie ist es, die die Welten schafft, die reale und die ideale. Schönes Album, war eigentlich nicht anders zu erwarten.

Trackliste:

1. The Grass Is Always Greener (4:43) 2. The Operator (4:23) 3. Polar (3:24) 4. Das Schöne Einheitsbild (3:13) 5. Unser Mann Aus Hollywood (2:45) 6. Juist (3:53) 7. Alles Was Lebt Bewegt Sich (3:40) 8. Ein Paar Sekunden (3:34) 9. Die Japanische Schranke (5:06) 10. Quality Time (4:09) 11. Mailand (2:35) 12. Initials B.M. (4:09)

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Taylor Deupree [x>] [D]: Northern [F] [P]

CoverLabel: 12k 1037
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 04 21
Genre: Electronica - DSP - Digitalminimalism

Schnee. Viel Schnee. Und das jetzt. Jetzt, wo der Sommer langsam kommt. Wo ich als Mitteleuropäer sehnsüchtig an den Süden denke. An Ferien. An Sonne. Da kommt dieser hochgeschätzte Produzent mit einem neuen Release: Northern.
Vom sonst so electronicascheuen All Music Guide wieder in den höchsten Tönen gelobt. Im April schreibt Rob Theakston, dass die Ernsthaftigkeit und Schönheit dieses Albums in der Welt der elektronischen Musik wenig Konkurrenten hätte und dass es gar keine leichte Aufgabe sei, einen Release zu finden, der es mit Northern aufnehmen könne. Mit Leichtigkeit eines der besten Alben von 2006 &ndash der Elektronischen Musik und jeder beliebig anderen Sparte. So schreibt der All Music Guide im April und gibt viereinhalb Punkte in der Bewertung. Das ist erstaunlich, denn die meisten Electronica Releases, die im AMG hoch gerated werden sind nicht gar nicht so grossartig und relevant. In der Regel erhalten diese Releases gar kein Rating, da die Redaktion Electronica scheinbar als Spezialgenre abtut. Diese Musik stellt in den Staaten einen zu kleinen Markt dar und wird folglich für wenig relevant gehalten. Doch die Musik von Taylor Deupree schafft es zurecht, wahrgenommen zu werden.
Northern schliesst an January von 2004 und an Every Still Day von 2005 an. Er hat vom ersten die eher statischen Momente, vom zweiten die Atmosphäre und die Zwischenräume. Reduzierte fast reine Synthi-Töne, Melodica-Klänge, clippende, kratzende Schwingungen, granulare Schnipsel von Gitarren und Pianos sind die Ingredienzien dieser Musik. Keine Rezension und kein Artikel lässt aus, dass Taylor von Brooklyn nach Upstate New York gezogen ist. Northern hört man das, scheint's, an. Wie sollte man es nicht hören – ein Ambientmusiker, der aus einem urbanen in ein rurales Umfeld zieht, dessen Musik muss sich doch verändern. Andererseits war Taylors Musik schon immer mehr rural als urban. Das Urbane ist immer lokalisierbar als Punkt oder enger Kreis: Brooklyn. Das Rurale hingegen ist beschrieben als Fläche, Landschaft, Gegend: Upstate New York. Es wird nicht erwähnt, wo genau Taylor wohnt. Klar, den Ort würden wir auch nicht kennen, wie wir Brooklyn kennen.
Nun noch ein Anspieltipp: Der sechste und letzte Track mit dem Titel November setzt eine akustische Lupe vor die verwendeten Klänge, so dass du ganz nahe dran bist. Mit diesem und den anderen Tracks dieser CD befindest du dich noch immer im Soundtrack des Jahrzehnts. Es ist völlig richtig, wenn du dich an diese Adresse (Taylor Deupree, 12k-Label) hältst.

Trackliste:

1. Everything's Gone Grey - 5:28 2. Northern - 9:33 3. A Dead Yellow Carpet - 7:18 4. Shell Shell Bye - 10:39 5. Haze It May Be - 9:18 6. November - 9:15

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I'm Not A Gun [x>] [D]: We Think As Instruments [F] [P]

CoverLabel: City Centre Offices TOWERBLOCK 033
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 04 20
Genre: Electronica

I'm not a gun liefern ihr drittes Album ab. Es ist gut, wie immer. Ein sicherer Wert. Durch die Layer dieser dicht gesponnenen Instrumentalmusik scheint die Sonne Kaliforniens.
Kalifornien – das Land jener melancholischen, teils lethargischen Unbeschwertheit. Ein Mythos, der Ende der Fünfziger mit dem Twang-Sound von Duane Eddy begann und von den Beach Boys oder später der Eagles fortgeschrieben worden ist. Heute schreiben I'm not a gun an diesem Mythos weiter. Zieh deine Sonnenbrille schon zum Früstück an! Wirf diese CD in den Player deines Cabrios ein, stell ganz laut und fahr los! John Tejadas Rhythmusfundament (Schlagzeug und Computer) schafft ein Land, das sich vom Meer bis in die Wüste erstreckt. Darauf spielt die Gitarre von Takeshi Nishimoto jazzige, sehr fein ausgearbeitete Melodien. In A Letter from the Past spielt die Gitarre einen Raga, in Rush hour traffic stehen kurze Samples still, während die Sonne brennt. Oft wie in Unseen Moments eröffnet ein Glitch-Sample, das beispielsweise nach Oval oder Raster-Noton klingt die Soundscape, in die Nishimotos Gitarre erste Skizzen zeichnet. Dann plötzlich bricht der Rhythmus ein und zieht eine Melodie mit sich (oder umgekehrt). Der Glitch verbleibt kühl im Hintergrund und arbeitet stets daran, den Sound nicht zu warm werden zu lassen. Er ist der Wind, der dir im Cabrio um die Ohren saust, die Klimaanlage, falls du mit geschlossenem Dach fährst. Kalifornien bleibt ein Ort, den du nie verlässt, weil du gefangen bist. Willkommen in Kalifornien!

Trackliste:

1. Soft Rain In The Spring (4:58) 2. Ripples In The Water (5:28) 3. Move (4:59) 4. Long Afternoon (5:43) 5. A Letter From The Past (4:09) 6. Rush Hour Traffic (2:48) 7. Unseen Moment (4:55) 8. Blue Garden (5:12) 9. As Far As Forever Goes (5:21) 10. Continuous Sky (5:17)

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Built To Spill [x>] [D]: You In Reverse [F] [P]

CoverLabel: Warner Bros. 49363
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 04 11
Genre: Alternativerock - Mainstream - Northwestsound

Lange nichts gehört von den Herren aus Idaho. Fünf Jahre Funkstille. Sendepause. Ruhe. Aber jetzt 10 Songs, die Dynamik aus der Stille schöpfen, die Band, die aus der Kraft der Ruhe aufspielt. Da ist viel Spannung in diesen neuen Songs.
Goin' against your mind hat die epische Länge von fast neun Minuten. Die Songs graben sich in dein Ohr, sie sind melodisch und melancholisch. Melodie und Melancholie die Zwillinge. Und die Lyrics? Hier eine kleine Kostprobe: When I was a kid I saw a light floating high above the trees one night – Thought 'twas an alien – Turned out to be just god. Ja, man sollte sich eben einen nüchternen Blick auf die Welt bewahren. Es ist wie es ist. Es kommt nicht immer so, wie man es möchte. Dieses Album allerdings kommt sehr gut.

Trackliste:

1. Goin' Against Your Mind - 8:41 2. Traces - 4:43 3. Liar - 5:11 4. Saturday - 2:25 5. Wherever You Go - 6:10 6. Conventional Wisdom - 6:22 7. Gone - 5:41 8. Mess With Time - 5:43 9. Just a Habit - 4:27 10. The Wait - 5:0

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Calexico [x>] [D]: Garden Ruin [F] [P]

CoverLabel: Quarterstick QS 097
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 04 11
Genre: Alternativerock - Neo-Traditionalrock - South-East-Americana, Alternativerock - Neo-Traditionalrock - Singer-Songwriter-Gruppe

Joey Burns' und John Convertinos Band Calexico klingt als hätten die Achziger, Neunziger und Nullerjahre nicht stattgefunden. Klassischer Gitarrenrock, eine typisch amerikanische Stilvielfalt zwischen Westcoast-Folkrock und Südstaaten-Rock. Tolles Songwriting, eingängige Melodien, wirkungsvolle Arrangements. Dabei völlig anders in Klang und Stil als noch das Vorgängeralbum Feast of Wire.
Der All Music Guide klassiert die Band unter Alternative Pop, Indie Rock und Post-Rock. Nichts davon trifft für Garden Ruin zu, nichts im Sinn einer Beschreibung der Musik! Auch wenn Französisch und Spanisch gesungen wird, handelt es sich um Retro-Rock mit einem kräftigen Schuss Americana, der aber so gut wie nur möglich dargeboten wird. Nicht jeder kann am Rad der Zeit drehen. Die Zeit zurück stellen kann nur, wessen Zeit schon fortgeschritten ist, nicht wahr? Wir werden sehen, wo der neue Weg hinführt, in den Stillstand oder zu neuen Ufern. An Garden Ruin ist das noch nicht wirklich hörbar.

Trackliste:

1. Cruel - 3:59 2. Yours and Mine - 2:30 3. Bisbee Blue - 2:48 4. Panic Open String - 4:09 5. Letter to Bowie Knife - 3:06 6. Roka (Danza de la Muerte) - 3:42 7. Lucky Dime - 2:33 8. Smash - 3:45 9. Deep Down - 4:31 10. Nom de Plume - 3:19 11. All Systems Red - 6:09

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AFX [x>] [D]: Chosen Lords [F] [P]

CoverLabel: Rephlex CAT 173
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 04 10
Genre: Electronica - IDM

Letztes Jahr veröffentlichte Aphex Twin elf Maxis mit dem Namen Analord 1 _ _11. Diese Reihe markierte Richard D. James' Abkehr von Drill'n'Bass-Beats, dessen Rückkehr zu Musik, die man früher von ihm gekannt hat, diese Mischung von Acid-Sounds, Analog-Synthies und verspielter Sequenzer-Loops. Jetzt veröffentlicht das Rephlex-Label eine Auswahl der 41 Analord-Tracks auf CD.
Diese Chosen Lords-CD stellt keinen Meilenstein in der Geschichte von IDM-Sounds dar, fungiert nicht einmal als eine besonders herausragende musikalische Leistung von Aphex Twin. Und trotzdem enttäuscht diese Musik an keiner Stelle. Ich weiis nicht warum. Weil Richard D. James' musikalische Idee ihm einen dermassen langen Atem verliehen hat, dass er zehn bis zwöölf Jahre nach dessen Erfindung diesen Sound noch immer bringen kann, ohne dass es dir langweilig wird. Oder vielleicht, weil er in dir einen so grossen Eindruck hinterlassen hat, dass du ihn in die Höhen der ewigbesten Musiker gehievt hast, aus denen du ihn nicht so schnell wieder runter ziehen kannst. Ich weiss wirklich nicht warum.

Trackliste:

1. Aphex Twin - Fenix Funk 5 - 5:06 2. AFX - Reunion 2 - 5:15 3. AFX - Pitcard - 6:25 4. AFX - Crying In Your Face - 4:29 5. AFX - Klopjob - 5:32 6. AFX - Boxing Day - 6:50 7. AFX - Batine Acid - 5:34 8. AFX - Cilonen - 5:42 9. AFX - PWSteal.Ldpinch.D - 3:48 10. Aphex Twin - XMD 5a - 7:58

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Uniform [x>] [D]: Protocol [F] [P]

CoverLabel: Planet Mu ZIQ 144
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 04 03
Genre: Electronica

Wie Bilder auf den Covern immer wieder zur Musik passen! Wie eine Drei-D-Oberflächendarstellung sieht der Hund auf dem Cover aus, wie auf schwarzes Glas geritzt oder in Metal gegossen – je nachdem aus welcher Distanz du das Cover betrachtest. Das ist nicht aus Samt und Seide. Das verlangt Schmerzresistenz.
Das Virtuelle des Covers (die Dreidimensionalität) gibt die Machart der Musik wieder, die weit von Vorgängern in diesem Genre, von Coil oder Zoviet France, entfernt ist. Von Dark Ambient spricht themilkfactory.Als Industrial bezeichnet das Duo aus London seine Musik. Und arbeitet passend unter anderem mit Dälek, Alan Vega und Lydia Lunch zusammen. Protocol ist demnach nichts für Sonnenanbeter, sondern eher Musik für Leute, die gerne alle Aspekte der Düsterheit auskosten.

Trackliste:

1. Sex Is A Contract, History Is A Trick (3:44) 2. Lucid Lucid Lucid (4:11) 3. Day 7 In The Season Of Mistakes (3:46) 4. A Swollen Vendetta (3:54) 5. Are Faces Objects? (4:14) 6. If (2:13) 7. The Cynics Lantern (4:26) 8. No One Saw The Difference (3:34) 9. Warmth Is Ebbing From Things (4:04) 10. When The Sun Turns To Numbers (5:07) 11. The Symbolist (4:06) 12. He's Above His Station (5:11)

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Rezensionen März 2006

Klimek [x>] [D]: Music To Fall Asleep [F] [P]

CoverLabel: Kompakt 050
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 03 31
Genre: Electronica - Ambient

No misnomer, keine falsche Namensgebung, kein Etikettenschwindel. Sebastian Meissners Musik auf diesem Album steht still: Sie besteht vor allem aus gelayerten Soundflächen und weist da und dort Echokaskaden auf, die der Musik ein wenig Struktur verleihen – nur gerade so viel wie nötig. Music to fall asleep ist in ein Jahrhundertcover verpackt: Narziss und Ophelia verdichten sich in der sch?afenden Frau auf dem Titelbild.
Music to fall asleep lässt dich nach hinten fallen, schwerelos in Laken und Kissen. Du drehst dich sachte um deinen Schwerpunkt und verschwindest langsam hinter dem Mond, wo es dunkel ist und wo, weil du von aussen immer weniger Sinnesdaten empfängst, du selbst beginnst, Daten zu produzieren: Traum heissen diese Daten. Deine Träume erzählen der Schattenseite des Mondes Geschichten aus Licht und Sonne, du singst der Nacht Lieder von der Lust der anderen Seite. Und sie: Sie dankt es dir. Ruhe sanft, schlafe fest, mein Federastronaut!

Trackliste:

1. Pathways (Verbunden) To Work (3:20) 2. Accompanying Guilty (Heimatlos) Thoughts Of Unauthorized Candy (4:40) 3. Standing (Ausser) On The Beach (Gefahr) (5:17) 4. Working Towards (Yuppies With) Independence (Jeeps) (5:02) 5. Kingdoms Here We (Wiggin' By Night) Come (4:31) 6. Music To Fall (Eintagaus) Asleep (6:05) 7. New (Vintage) Deal (Warmer) (7:41) 8. Verlust (White, No Trails) Der Motorik (5:07) 9. Catalyst (Celluloid) (8:47) 10. Kälteschaden (Wärmetod) (2:55) 11. Les Mots D'amour (Hinweg) (5:42) 12. Untitled (6:08)

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Dictaphone [x>] [D]: Vertigo 2 [F] [P]

CoverLabel: City Centre Offices TOWERBLOCK 032
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 03 20
Genre: Electronica

Vertigo II. Was meint das? Die Höhenangst, der Schwindel, der dich mit dem Alter mehr und mehr befällt, wenn du Höhen herunter schaust. Oder heisst Vertigo II einfach eine Neuausgabe – ein Remake – des Hitchcock-Thrillers mit dem selben Namen?
Cineastisch ist dieses Album der beiden Film- und Theatermusiker Oliver Doerell und Roger Döring jedenfalls. Instrumente wie Klarinette oder Akkordeon werden elektronisch verabeitet. Es entsteht Ambientglitch als Musik fü Gallerien und Theatern, Chanson ohne Gesang kommt mir in den Sinn oder digitaler Freejazz. Eine eigene Klasse, wenn auch etwas weniger auf den Punkt gebracht als beim Erstling M=Addiction.

Trackliste:

1. Rising Minimal (4:40) 2. Night Rain (4:05) 3. K 1 (2:22) 4. K 2 (3:45) 5. Jarszewko (1:20) 6. The Last Song (4:18) 7. Ytinav (3:42) 8. Vertigo II (2:28) 9. The Frame (1-94-1) (3:45) 10. Dictaphone II (3:28) 11. Le Chasseur (Danke) (2:52) 12. Pol / Bruxelles (5:13)

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Keith Fullerton Whitman [x>] [D]: Lisbon [F] [P]

CoverLabel: Kranky KRANK 092
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 03 20
Genre: Electronica - DSP - Liveprocessing

Eine elektronisch prozessierte Drone, die in ihrem dichten Klangbild eine grosse Menge Modulationen und Variationen enthält. Live gespielt in Lissabon, im Oktober 2005. Nach 28 bis 29 Minuten taucht die Drone unter und macht einigen gefundenen Sounds Platz. Aber in der 32. Minute kommt die selbe Drone wieder zum Vorschein und sie braut sich zu einem Gewitter aus Klang zusammen, dass sich über dich ergiesst. Ja, komm her, du!
Whitman gehört zu den ganz grossen Soundartisten. Er steht mit einem Bein in der Kunstwelt, mit dem andern im Pop. Na ja, ich meine, wenn ich einem Pop hörenden Menschen eine Dronenscheibe empfehle, dann könnte es genau dieses Album sein, weil Lisbon dermassen warm klingt, dass es sich direkt in jedes Herz spielt und weil es von der ersten bis zur letzten Minute spannend bleibt. Weil KFW zu diesen Vorzeige-Soundartisten gehört, von denen man einfach alles kennen sollte und lieben darf.

Trackliste:

1. Lisbon (41:41)

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Loose Fur [x>] [D]: Born Again In The USA [F] [P]

CoverLabel: Drag City DC 309
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 03 13
Genre: Alternativerock

Das Seitenprojekt von Wilco (Drummer Manu Kotche und Songwriter/Gitarrist Jeff Tweedy) mit Jim O'Rourke, dem Produzenten ihrer besten Alben. Ein Vergnügen mit einem seltsamen roten Faden, der sich durch die Texte der 10 Stücke zieht: Gott, Religion, Christentum. Ein Spiel mit Jesusrock/christlicher Rockmusik.
Was die Gretchenfrage aufwirft, wie es die Beteiligten mit der Religion bzw. diesem Musikgenre halten, das ja in den USA eine nicht zu unterschätzende Marktposition einnimmt. Ist diese fremde Position bloss ein intellektuelles Spiel, eine aseptische Metastrategie? Oder liebäugelt da jemand mit einem bestimmten Markt? Mir kommt es vor, als öffneten die beiden Songwriter Tweedy und O'Rourke einfach eine Formatvorlage, ein Template und machten darin ihre Handwerkskunst. Mit einem Augenzwinkern aber auch mit einer Prise Gutmütigkeit.

Trackliste:

1. Hey Chicken - 3:02 2. The Ruling Class - 3:35 3. Answers to Your Questions - 4:58 4. Apostolic - 2:48 5. Stupid as the Sun - 2:33 6. Pretty Sparks - 3:12 7. An Ecumenical Matter - 3:20 8. Thou Shalt Wilt - 2:47 9. Wreckroom - 8:36 10. Wanted - 3:00
Alle Tracks: Jim O'Rourke und Jeff Tweedy.

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Casiotone For The Painfully Alone [x>] [D]: Etiquette [F] [P]

CoverLabel: Tomlab tom 065
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 03 07
Genre: Alternativerock - Lo-Fi-Rock

Grossartiger Release von Casiotone (Owen Ashworth aus Portland, Oregon). Elektronischer Lo-Fi-Pop mit viel Herz.
Texte wie aus einem Tagebuch, dessen Verfasser kleine Drehbücher schreibt. Wen wundert's: Owen war Filmstudent. Young Shields ist dicht und schnell. Elektrisch. Ein toller Text und der Sound bringt dieses Lebensgefühl zum Ausdruck, in einen Schutzschild eingepackt zu sein. Gegenüber den Vorgänger-CDs von Casiotone ist Etiquette etwas weniger Lo-Fi und hat Gastsängerinnen. Da macht sich jemand auf den Weg nach oben. Öffnet ihm die Türe!

Trackliste:

1. Etiquette I.D. - 0:05 2. New Year's Kiss - 2:02 3. Young Shields - 3:04 4. I Love Creedence - 2:33 5. Nashville Parthenon - 2:55 6. Scattered Pearls - 2:42 7. Happy Mother's Day - 0:47 8. Holly Hobby (Version) - 2:43 9. Cold White Christmas - 4:56 10. Bobby Malone Moves Home - 3:14 11. Don't They Have Payphones Wherever You Were Last Night? - 2:21 12. Love Connection - 3:14

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Rezensionen Februar 2006

Chicago Underground Duo [x>] [D]: In Praise Of Shadows [F] [P]

CoverLabel: Thrill Jockey thrill 168
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 02 21
Genre: Electronica - Jazztronica - Futurejazz

Chad Taylor (Rhythmus, Schlaginstrumente) und Rob Mazurek (Blasinstrumente und Elektronik) spielen seit Jahren im Duo, im Trio oder im Quartett zusammen. Sie spielen von elektronisch bearbeiteten und erzeugten Sounds durchzogen texturierten Jazz. In Praise of Shadows ist ihr vierter Release im Duo. Jazz für deine Postrock-Ohren, abwechslungsreich und spannend.

Trackliste:

1. Falling Awake - 2:58 2. In Praise of Shadows - 12:18 3. The Glass House - 8:59 4. Cities Without Citadels - 2:46 5. Pangea - 8:24 6. Funeral of Dreams - 6:20 7. The Light in Between - 3:25
Alle Tracks: Chicago Underground Duo.

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Cacoy [x>] [D]: Human Is Music [F] [P]

CoverLabel: Rumraket rum 004
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 02 20
Genre: Electronica - Postelectronica

Ein ebenso seltsames wie interessantes Album aus Japan – ein kleiner Geheimtipp vom Rumraket-Label aus Dänemark.
Japan ist für viele die andere Kultur schlechthin. Für Roland Barthes beispielsweise, der darüber in seinem Buch L'empire des signes berichtet. Japan, Projektionsfläche für das Andere, wie wir Europäer es sehen. Klar doch: Schrift ist anders als bei uns. Theater, Essen, Kleidung, Teetrinken, Arbeiten, TV, Verhalten, … Wen wundert's, dass auch japanische Musik anders klingt als unsere Musik. Cacoy sind laut Label eine japanische Allstarband bestehend aus DJ Klock, Saya und Takashi Ueno, die beiden letzen Mitglieder von Maher Shalal Hash Baz, deren Blues du Jour 2003 auf dem Domino-Label erschienen ist. Domino hat ja einen guten Namen in Sachen Post-Electronica-Sounds. Das dänische Rumraket-Label wird von der Band Efterklang betrieben, die ihre CDs vor allem beim Leaf-Label releasen, siehe beispielsweise das grandiose Tripper. Also lauter gute Adressen im Umfeld von Cacoy. Human is Music ist in Japan bereits 2003 erschienen. Rumraket bringt diese verblüffende Mischung aus Pop, Lofi, Leftfield und Elektronica nach Europa. Der Albumtitel spricht von Menschen und Musik, Mit angesprochen ist deren Gemeinsamkeit als Gestimmte: die Stimmung der Menschen und die Stimmung der Instrumente. Die Stimmungen auf Human Is Music nehmen ein sehr breites Spektrum ein. Das geht von Trauer, über kindliche Freude bis zu Zärtlichkeit. Aber wir wissen nicht, ob das in Japan das selbe bedeutet wie hier. Der Mensch und seine Stimmung bietet keinen Referenzpunkt, von dem aus diese Musik in unsere übersetzbar wäre. Wir können uns diesen zwölf Stücken nur aussetzen, keines von ihnen übersetzen. Aber wir haben die Musik, die nicht übersetzt zu werden braucht, die bezaubert.

Trackliste:

1. Funeral March In March (5:55) 2. Mo Maw Maw (1:47) 3. Piracle Pa (7:10) 4. Farewellwell (7:47) 5. New North (6:50) Vocals - Bobbito 6. Cacoy's Mood (2:14) 7. Mural Of Music (8:56) feat. Manima 8. Thank You Africa (4:24) 9. Yoko Majikick Ono (4:43) 10. Trees Who Treat Minors (3:24) 11. Harmonies (6:33) Vocals - Bobbito (2) 12. Cool Spring Minister (6:34)

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Isolée [x>] [D]: Western Store [Act-Comp.] [F] [P]

CoverLabel: Playhouse PLAYCD 017
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 02 20
Genre: Electronica - House - Minimalhouse, Electronica - House - Microhouse

Western Store hiess eine EP von Isolée – die vier Tracks dieser EP sind allesamt auf dieser CD mit dem selben Namen vertreten. Dazu kommen noch ein paar weitere Tracks aus anderen EPs, die zwischen 1998 und 2003 erschienen sind. Gut, wie alles von Rajko Müller.

Trackliste:

1. Bleu (5:28) 2. Initiate II (6:04) 3. Rockers (5:35) 4. Monitor (6:24) 5. Surfers (6:27) 6. Simone Rides (6:12) 7. King Off (5:35) 8. Cité Grand Terre (4:01) 9. Poisson Mort (1:16) 10. I Owe You (Remix) (4:38) 11. Lost (9:30) 12. Beau Mot Plage (Freeform Reform Parts 1&2) (10:34)

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Belong [x>] [D]: October Language [F] [P]

CoverLabel: Carpark CRPK 031
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 02 07
Genre: Electronica - Noisetronica, Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground - Nugaze

Warmer Flow von verzerrtem Lärm aus deinen Lautsprechern, an denen deine Ohren kleben und nie mehr fort möchten. Kein Wunder, das klingt nach My Bloody Valentine, nach Fennesz, nach Ferien, nach Herbst, nach etwas (wenn auch letzter) Sonnenwärme, die wir jetzt im Februar so sehr vermissen. Einfach schön.

Trackliste:

1. I Never Lose. Never Really - 4:43 2. Red Velvet or Nothing - 5:40 3. October Language - 5:29 4. I'm Too Sleepy... Shall We Swim? - 5:13 5. Remove the Inside - 5:59 6. Who Told You This Room Exists? - 5:05 7. All Equal Now - 5:31 8. The Door Opens the Other Way - 7:11

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Mountains [x>] [D]: Sewn [F] [P]

CoverLabel: Apestaartje staartje 019
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 02 01
Genre: Electronica - Folktronica

Der dritte Release von Mountains nach dem fantastischen Erstling Tour-CDR. Söhne von Fennesz, die nicht die Rockgitarre, sondern die Folkgitarre digital bearbeiten und ihr neue Töne entlocken. Interview mit Brendon Anderegg und Koen Holtkamp von themilkfactory

Trackliste:

1. Sewn One (3:27) 2. Sewn Two (2:54) 3. Simmer (8:04) 4. Bay (4:01) 5. Bellow (7:57) 6. Interlude (2:08) 7. Hundred Acre (12:55) 8. Sheets (3:06)

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Rezensionen Januar 2006

Dell And Flügel [x>] [D]: Superstructure [F] [P]

CoverLabel: Laboratory Instinct LI 008
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 01 30
Genre: Electronica - Jazztronica - Nujazz

Unglaublich spannendes Album. Ziemlich viel Vibraphon (von Christopher Dell gespielt), abstrakt-jazzige Harmonieelemente aus dem Computer, schräge verspielte Rhythmen mit Breaks am richtigen Ort, da, wo du sie nicht erwartest, plastische Sounds – das sind die Qulitäten, mit der diese CD ihre Spannung aufbaut, die dich während der gesamten Spielzeit von nur 47 Minuten im Bann hällt. Christopher Dell und Roman Flügel (die eine Hälfte von Alter Ego) bedienen hier nicht einfach ein Genre, sondern beweisen musikalisches Gespühr – dieses erinnert stellenweise an Atom Heart.

Trackliste:

1. Superstructure - 7:33 2. Urban Practise - 7:57 3. Miniaturisation - 1:29 4. Wolkenbügel - 5:05 5. 4 Door Body Cell - 4:48 6. Perspective, Moscow - 2:28 7. Study For A Skyscraper - 5:11 8. Habitation - 4:02 9. Dirty Realism - 9:04
Alle Tracks: Christopher Dell und Roman Flügel.

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Zavoloka & AGF [x>] [D]: Nature Never Produces The Same Beat Twice [F] [P]

CoverLabel: Nexsound ns 44
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 01 28
Genre: Electronica - IDM - Glitch-IDM, Electronica - DSP, Electronica - Soundart - Konkrete-Poesie

Das Ukrainische Label Nexsound wurde von Andrey Kiritchenko gegründet. Katja Zavoloka ist eine junge Designerin und Musikerin aus Kiev. Die Zusammenarbeit mit Antye Greie aus Berlin bringt einen Showcase für digital erzeugte und prozessierte Sounds hervor. Einfache aber vielfältige Effekte werden verwendet, roh, rhythmisch, unmittelbar.

Trackliste:

1. Meadow. Rozmai - 1:04 2. Meadow. Sunytsia - 1:08 3. Meadow: Air - 1:09 4. Meadow: Do Divchyny - 1:10 5. Meadow: Nude Brain - 1:13 6. Meadow: Mynalisovogo - 1:16 7. Meadow: Tapfermohn - 1:04 8. Meadow: Mak - 1:06 9. Meadow: Zelena - 1:11 10. Meadow: Korin - 1:48 11. Meadow: Schafgabe - 1:09 12. Meadow: Distel - 1:05 13. Meadow: Ordinary Grass - 1:08 14. Meadow: Lionteeth - 1:09 15. Meadow: Unkraut - 1:04 16. Trees: V Lisi - 1:01 17. Trees: Brusnitsia - 1:14 18. Trees: Lyshchyna - 1:04 19. Trees: Zhuravlyna - 1:01 20. Trees: Kashtan - 1:06 21. Trees: Sosna - 1:02 22. Trees: Kljon - 1:04 23. Trees: Bereza - 1:08 24. Trees: Blattlaus - 1:22 25. Trees: Zeder Vodorosti - 1:26 26. Trees: Oldtalkintrees - 1:10 27. Trees: Dubeiche - 1:04 28. Trees: Linde - 1:03 29. Trees: Bee In The Tree - 1:04 30. Trees: Vogelbeere - 1:26 31. Trees: Affenbrotbaum - 1:04 32. Trees: Kiefer - 1:05 33. Trees: Vyshnja - 1:05 34. Spices: Kohaju - 1:03 35. Spices: Raps - 1:05 36. Spices: Melissa - 1:07 37. Spices: Minze - 1:03 38 Spices: Mavka - 1:07 39. Spices: Koriander - 1:04 40. Spices: Bohnenkraut - 1:06 41. Bushes: Efeu - 1:08 42. Bushes: Wein - 1:11 43. Bushes: Nude Brainnita II - 1:15 44. Bushes: Minikaktus - 1:06 45. Bushes: Star - 1:02 46. Bushes: Kust - 1:02 47. Bushes: Haselnuss - 1:07 48. Flowers: Konvalija - 1:04 49. Flowers: Lynmovgory - 1:02 50. Flowers: Darkflowerbrainnita - 1:05
Alle Tracks: AGF und Zavoloka

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Colleen [x>] [D]: Mort Aux Vaches [F] [P]

CoverLabel: Mort Aux Vaches
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 01 25 (Ed.), 2004 09 (Rec.)
Genre: Electronica - Postelectronica, Electronica - Folktronica

Wir gehen das sachte an. Ganz ruhig. Du musst dich erst einmal auf diese Nicht-Geschwindigkeit einstellen, auf diese Einfachheit, in der Schönheit sich entfaltet, dann davon fliegt und ohne den Einsatz von Kraft, dich mit durch die Lüfte zu tragen vermag.
Cecile Schott (Colleeen) spielt meist ein Instrument pro Track. Dieses Instrument gibt dem Stück den Namen: Zither Song, Bowing Song, Melodica Song, Thumb Piano Song, Ukelele Song, Cello Song. Zu Beginn wird eine Spieluhr aufgezogen, die dich im Walzertakt an die Grenze des Schlafs mit trägt. Hier angekommen dauern die Töne, bleiben in der Luft bis jeder sie eingeatmet hat. Mit dem Ausatmen fliegen sie davon, himmelwärts und du hintendrein. Sanft, zärtlich, unglaublich schön.

Trackliste:

1. A Little Mechanical Waltz - 2:35 2. The Zither Song - 5:13 3. The Bowing Song - 3:44 4. The Melodica Song - 8:02 5. The Thumb Piano Song - 5:33 6. The Ukelele Song - 3:39 7. The Cello Song - 3:34 8. Petite Fleur - 6:23
Alle Tracks: Cécile Schott.

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Tortoise & Bonnie 'Prince' Billy [x>] [D]: The Brave And The Bold [F] [P]

CoverLabel: Overcoat 27
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 01 24
Genre: Alternativerock - Sadcore, Postrock - Dubrock

Zwei Pole des 90er Rocks kommen zusammen, die coolen und intellektuellen Tortoise und der vergleichsweise warme und gefühlsbetonte Will Oldham (Bonnie Prince Billy). und was für eine eigenartig eklektische Zusammenstellung von Coverversionen bietet dir ihre CD The Brave And The Bold an!
Springsteens Thunder Road in einer coolen Postrock-Version. Elton Johns Daniel enigmatisch verfremdet mit elektronischen Störgeräuschen. Alle Songs 2003 und 2004 aufgenommen. Ansonsten mit dabei: Covers von Minutemen (It's expected i'm gone), Milton Nascimento (Cravo é Canela), Richard Thompson (Calvary Cross), Devo (That's Pep), Melanie ((Some Say) I've Got The Devil) – letzteres ein Anspieltipp, falls du gerade in melancholischer Stimmung bist. Am Ende bleibt entweder eine Leere ob der Disparatheit dieser zehn Tracks oder aber du bist total hin und weg darüber, wie hier kulturelle Differenz geschaffen wird – Differenz zwischen Elton John's 70er Jahren und dem ersten Jahrzehnt des dritten Jahrtausends beispielsweise.

Trackliste:

1. Cravo e canela - 3:09 2. Thunder Road (Bruce Springsteen) - 6:28 3. It's Expected I'm Gone - 3:21 4. Daniel (Elton John) - 4:59 5. Love Is Love (Lungfish) - 3:31 6. Pancho - 3:13 7. That's Pep - 2:41 8. (Some Say) I Got Devil (Melanie Safka) - 3:33 9. The Calvary Cross (Richard Thompson) - 5:08 10. On My Own - 3:41

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Aardvarck [x>] [D]: Cult Copy Album [F] [P]

CoverLabel: Rush Hour RH 103
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 01 21
Genre: Electronica

Aardvark ist ein Tier. Ein Erdferkel. Ein etwas komisches, manche meinen hässliches Tier. Der Niederländer Mike Kivits mag das Erdferkel und wählte es als Alterego und Alias. Als Aardvarck kopiert er seinen persönlichen Kult (sic!), nämlich Carl Craig aus der Phase von Paperclip People und 69. Sagte er kopieren? Ja! Und so klingt Cult Copy auch. Aber nicht einfach retro, nicht einfach eine weitere Craig-Scheibe. Sondern echt gut gemacht von einem der zwar in Mitten der Neunziger hängen geblieben ist, der aber ein Gehör für liquide Rhythmen und wirkungsvolle Samples hat. Gerne erinnere ich mich an seinen bei Delsin erschienenen Erstling Find the Cow. Ja, er ist der, der es versteht, dich im Lauf einer Albumlänge für ihn einzunehmen. Cult Copy ist ein Album wie eine gelungene Party!

Trackliste:

CD 1. Start (5:04) 2. Cult Copy 1 (4:00) 3. Coma (2:08) 4. Delsin King (6:14) 5. Cult Copy 2 (4:58) 6. Buuv (5:57) 7. Caron Outro (1:35) Producer - Sandor Caron 8. Theme Park (5:50) 9. Dear Tom (5:32) 10. Cult Copy 3 Dub? (3:57) 11. Cult Copy 3 (5:21) 12. Aardbij (3:14) 13. Ooit (3:32) 14. Komt Goed (4:42) 15. Thuang-Zi (1:55)
DVD 1. Cult Copy Video Mix (26:44)

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Miwon [x>] [D]: Pale Glitter [F] [P]

CoverLabel: City Centre Offices TOWERBLOCK 029
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 01 20
Genre: Electronica - IDM

Pale Glitter ist laut Hendrik Kröz (>Miwon) eine treffende Bezeichnung für den Sound auf diesem Album, lese ich im de:bug: Etwas Verwaschenes, einen Glitzer, der etwas morbide ist.
Eine Melancholie, die etwas Zeit braucht, um durch die Einfachheit, ich möchte fast sagen Belanglosigkeit, dieser Tracks hindurch zu wirken, sich auszubreiten. Stimmungsmusik für Melancholiker mit einem Lächeln auf den Lippen. Man muss die Melancholie ja nicht in schwarzen Kleidern zur Schau tragen – man kann sie ebenso gut durch ein Lächeln hindurch scheinen lassen. So wirkt sie fast noch mehr, braucht nur etwas mehr Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten.

Trackliste:

1. Semafora (6:07) 2. Brother Mole (5:21) 3. Hush (4:07) 4. Darting Ropes (3:34) 5. Flakes (4:22) 6. Pia Fraus: No Need For Sanity (Miwon Version) (Tõnis Kenkmaa) - (3:52) 7. Pale Glitter (7:47) 8. Rain Or Shine (2:56) 9. When Angels Travel (5:25) 10. Spiralize (4:23) 11. Vertizontale (2:31) 12. Tempo Woman (3:50)

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F.M. Einheit & Jamie Lidell & David Link & Saskia v. Klinzing & Volker Kamp [x>] [D]: Echohce [F] [P]

CoverLabel: FM 451
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 01 13
Genre: Electronica - Elektroakustische-Musik - Elektroakustische-Improvisation, Electronica - Soundart

Der Anfang klingt als würde etwas eingeschaltet. Das Einschaltgeräsch wiederholt sich und wird zum Knacken, das sich verdichtet, bis es im Takt einer Tastatur klingt, auf die jemand monoton seinen Text hämmert. Wer da hämmert, wer da schreibt ist alllerdings kein Mensch, sondern das Internet selbst. David Links Poetry Machine schreibt die Texte auf dieser CD. Jamie Lidell singt sie. Abgefahren wie oft, wenn er singt, und nicht gerade auf der Soul-Retroschiene bergabwärts rast. Schon beim zweiten Stück hören wir dichte Crossover-Sounds, Breakbeats, satte Keyboards, Lidell wie durch ein Megaphon weit entfernt.
Nun aber: Was ist Echohce? Ein Projekt der oben genannten Personen, das im Oktober letztes Jahr auf dem Deaf04 Festival von Rotterdam, zuvor in Stadtgarten von Köln (November 04) und im ZKM in Karlsruhe (Dezember 04) aufgeführt worden ist (siehe die Bilder des Auftritts und ein Videoausschnitt. Weitere Konzerte stehen an, wie ich auf Saskia von Klitzings Website lese.
Zurück zur Musik: Auf der Echohce-CD ist eine ungeheure Energie aufgezeichnet, die beim Hören rüber kommt. Das Schlagzeug kübelt schwer, Lidell scheint mit dem Internet, das den Text leifert, einen Titanenkampf auszutragen. Klaus Hübner schreibt, dass die Musik nahe dran an den frühen Experimentierphasen von deutschen Bands wie Can oder Guru Guru sei (siehe seine Rezension). Diese CD ist von hinten wie von vorn (siehe die Schreibweise des Titels) interessant, wenn auch nur ein schwacher Trost für alle, die keines der Konzerte erlebt haben.

Trackliste:

1. Rage (Whisper) (3:17) 2. Cocaine (Fire Bird) (4:28) 3. Leaving (Untouched) (8:22) 4. Disobey (6:34) 5. Revolution (Shon) (6:00) 6. Summertime (Murmur) (6:23) 7. Together (4:30) 8. Interlude (2:25) 9. Disobey II (4:51) 10. Outro (6:05)
Alle Tracks: F.M. Einheit

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Level [x>] [D]: Cycla [F] [P]

CoverLabel: Spekk KK 007
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 01 03
Genre: Electronica

Ich finde die sieben Tracks prompt auf Soulseek, lade sie herunter und brenne sie am Freitag nach dem Feierabend noch schnell auf CD, damit ich zuhause diese Rezension schreiben kann (ich schreibe während ich mir die Tracks anhöre). Level ist B. G. Nichols, ein englischer Multimediakünstler, der auch einen eigenen Blog unterhält. Musikalisch hat Nichols schon als SI_COM und ECM:323 veröffentlicht. Cycla war bereits als Netaudio-Release bei Polymorphic Music erhältlich. Wahrscheinlich hat sich das Release-Datum deshalb so verzögert. (eine Nebenbemerkung: kennst du eigentlich das Wiki von netlabels.org, dem ultimativen Netlabel-Katalog?)
2006 fängt ja gut an! Ein neuer Spekk-Release kündigt sich im Newsletter des Labels an – die bereits letztes Jahr auf April bzw. Mai erwartete CD von Level. Mit dem ersten Track Sensit entfaltet sich eine dichte warme Atmosphäre im Wohnzimmer. Sie wirkt abstrakt und minimal, klar, es ist ein Spekk-Release, und besteht aus vorwiegend harmonischen Ton-Elementen. Entstanden sei die Musik, so Nichols, über einen iterativen Prozess-Zyklus (von daher der Titel), mit dem Schicht um Schicht Klangmaterial, das von Level selbst stammt, aufgebaut wurde, um einen Soundskulptur zu bauen. Ausgefiltert und ausgeblendet wurden die strukturhaltigen Passagen und Elemente des Klangmaterials, so dass diese dichte Ursuppe aus Klangmaterial entstehen konnte. Besonders interessant und attraktiv sind die perkussiven Stücke der CD, beispielsweise Colimn, Resinn oder Aler Besc. Hier sind die Rhythmen raffiniert aufeinander geschichtet, a-rhythmisch nämlich. Schwester Echo und Bruder Pitch kommen zu Hilfe, so dass etwas Neues entsteht, das ich nur Level zuschreiben kann. Es erinnert durchaus an die verfahren, die Vladislav Delay bei Multila angewendet hat. Ein grossartiger Release! Eine warme Empfehlung aus der wunderbaren Welt der Klänge.

Trackliste:

1. Sensit (6:45) 2. Colimn (5:51) 3. Desagn (7:45) 4. Resinn (5:54) 5. Aler Besc (6:16) 6. Formen (7:21) 7. Ferna (8:28)

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Rezensionen ohne Monatsangabe aus dem Jahr 2006

Greg Davis & Keith Fullerton Whitman [x>] [D]: 3 Shows [F] [P]

CoverLabel: Entschuldigen ent 3shows
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2006 (Ed.), 2005 (Rec.)
Genre: Electronica - DSP

Dieses Album versammelt drei Mitschnitte der Auftritte von Greg Davis und Keith Whitman im Museum of Fine Arts in Boston, in der Knitting Factory und der Mercury Lounge in New York.
Jeweils zwei Sets mit der Spieldauer von etwa 20 Minuten. Viel länger als die unter dem Titel Yearlong erschienenen kurzen Ausschnitte aus den diversen Shows der beiden Musiker. Prozessierte Klänge von Folk- und elektronischen Instrumenten. Passt gut in museale Settings. Für Zuhause wirkt diese Musik vielleicht dann am besten, wenn du dich in deinen Designersessel hängst und ein Powernap machst. Denn die Musik schreit nach Bildern, nein, mehr nach Bildmustern, die nach Zufallsprinzip über's Regiepult eingespielt werden, farbig und stets fliessend, genau wie das Leben. Genau wie deine Traumbilder während dem Powernap.

Trackliste:

CD 1 1. Museum Of Fine Arts - Boston MA - April 29th 2005 - First Piece - 23:26 2. Museum Of Fine Arts - Boston MA - April 29th 2005 - Second Piece - 25:52
CD 2 1. Knitting Factory - New York NY - May 2nd 2005 - First Piece - 17:26 2. Knitting Factory - New York NY - May 2nd 2005 - Second Piece - 23:13
CD 3 1. Mercury Lounge - New York NY - May 8th 2005 - First Piece - 23:09 2. Mercury Lounge - New York NY - May 8th 2005 - Second Piece - 21:42

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