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Rezensionen Dezember 2005

Ryoji Ikeda [x>] [D]: Dataplex [F] [P]

CoverLabel: Raster-Noton 068
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 12
Genre: Electronica - Soundart, Electronica - IDM - Glitch-IDM

dataplex steht in der clicks'n'cuts tradition. ikeda arbeitet mit daten und eröffnet mit diesem release eine serie von arbeiten, die unter dem titel datamatics series stehen. die zwanzig zumeist kurzen tracks führen die leidenschaft reiner daten vor, sie offenbaren dramen in der welt der signale und (im)pulse.
du hörst unglaublich dichte klangflächen, die nur aus akzentuierten ein- und ausschwingvorgängen bestehen. laut label-mitinhaber carsten nicolai geht es bei diesem album um die atomisierung und zerstäubung von information. auf alle fälle beweist dieser release, dass das reine datum nicht etwa einfach vor dem musiker und uns hörenden liegt, sondern erarbeitet werden muss, vor allem vom musiker. ikeda ist mit dataplex genau dies gelungen!

Trackliste:

1. data.index (1:39) 2. data.simplex (1:02) 3. data.duplex (0:53) 4. data.triplex (1:45) 5. data.multiplex (1:50) 6. data.complex (0:49) 7. data.hypercomplex (1:20) 8. data.googolplex (0:51) 9. data.microhelix (3:13) 10. data.superhelix (2:28) 11. data.minimax (3:09) 12. data.syntax (4:17) 13. data.telex (1:06) 14. data.flex (2:28) 15. data.reflex (4:16) 16. data.convex (1:29) 17. data.vertex (2:06) 18. data.vortex (5:49) 19. data.matrix (10:01) 20. data.adaplex (5:00)

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Rezensionen Novemeber 2005

Grouper [x>] [D]: Way Their Crept [F] [P]

CoverLabel: Free Porcupine Society FPS 014, Type 020
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 11 14, 2007 (Reed.)
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk - Noisefolk, Postpunk - Ambient, Alternativerock - Lo-Fi-Rock

Grouper ist die Amerikanerin Liz Harris, die mit Way Their Crept vor fast zwei Jahren ein in der kleinen Gemeinde der Dronemusic- und Avantrock-Freunde geliebtes Album abgeliefert hat. Das von uns geliebte Type-Label legt es nun neu auf! Wir müssen zwei oder drei Mal Anlauf nehmen, bis wir richtig hinhören ?
Das Album kam 2005 beim amerikanischen Free Porcupine Society Label heraus, war vergriffen und wird nun von geliebten Type-Label wieder verfügbar gemacht. Achtung beim ersten Mal hören: Da ist fast nichts ausser völlig verhalltem Gesang. Nicht abstellen! Der zweite Track verwendet neben der Stimme von Harris Instrumente, Grouper allein weiss, ob Gitarre, Bass oder Synths. Die Parameter der Hall und Effektgeräte sind so eingestellt, dass kaum ein realer Raum den Klang dieses Albums fassen kann. Die radikale Technik akustischer Spiegelungen ad infinitum erinnert ans Titelbild und die Platte von Eno und Fripp, No Pussyfooting, aber macht radikaler und zugleich einfacher Gebrauch der akustischen Spiegel. Liz Harris macht Psychfolk-Ambient, der mit den selbsterzeugten Geistern in den Effektmaschinen spielt. Vorsichtig haucht sie ihren Gesang in die selbstverschuldete Endlosigkeit hinaus / hinein. Sie passt auf, dass die Spektren ihre Köpfe nicht am Blech der Effektgerätschaften anschlagen, sonst würden sie nämlich sofort ihren schwebenden Charakter verlieren, den schwebenden Charakter, dieses sanfte Zittern in der Virtualität des Raumes zwischen Spiegel und Spiegel. Das wäre als schlüge das Spiegelbild sich am Spiegel an. Dieses Album radikalisiert den Ansatz von Gruppen wie Animal Collective oder Black Dice, indem es diesen in die Ambientmusik hinaus / hinein trägt – die Idee weiter und weiter trägt, der Endlosigkeit entgegen. In die verlorene Endlosigkeit hinaus / hinein. Weiter und weiter. Du musst dieses Album vielleicht zwei bis drei Mal hören, bevor es dich dorthin mitnimmt!

Trackliste:

1. Way Their Crept (2:34) 2. Hold A Desert, Feel Its Hand (3:55) 3. Second Skin / Zombie Wind (3:58) 4. Sang Their Way (4:30) 5. Black Out (5:03) 6. Adorned (2:48) 7. Close Cloak (8:44) 8. Second Wind / Zombie Skin (4:18) 9. Where It Goes (4:44)

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Deaf Center [x>] [D]: Pale Ravine [F] [P]

CoverLabel: Type 009
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 11 07
Genre: Electronica - Postelectronica - Neo-Klassik, Electronica - Postelectronica - Darkambient

Deaf Center sind die Norweger Erik Skodvin und Otto Totland. Ihr erster langer Release erscheint auf dem TYPE-Label, einem meiner gegenwärtigen Lieblingslabels. Es ist das Label von Xela. Pale Ravine klingt mit seinen Kaskaden aus Streicherklängen grossartig: Es ist ein düsteres, stellenweise dunkles und dramatisches Hörerlebnis. Kino für deine Ohren. Empfohlen allen Liebhabern von CDs wie Herbstlaub von Marsen Jules.

Trackliste:

1. Lobby (3:01) 2. Thread (3:39) 3. White Lake (6:35) 4. Path To Lucy (4:54) 5. Stone Beacon (3:29) 6. Weir (6:34) 7. Loft (4:15) 8. Thunder Night (4:28) 9. Lamp Mien (3:58) 10. The Clearing (4:13) 11. Fog Animal (4:24) 12. Eloy (2:15)

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Sawako [x>] [D]: Hum [F] [P]

CoverLabel: 12k 1035
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 11
Genre: Electronica - DSP - Digitalminimalism

Sawako ist eine Japanerin, die in New York Sound- und Medientechnologie studiert hat und zur Brooklyn-Laptop-Szene gehört. Ihr Album Hum klingt heilsam, warm. Die ruhige Ambientmusik lässt sich Zeit, um sich zu entwickeln. Entstanden ist sie aus Feldaufnahmen und Einsatz von Sound Processing Technologie.

Trackliste:

1. Pink Liquid Cotton Candy (5:55) 2. Patchworked Blanket (2:55) 3. Rush (4:17) 4. Incense Of Voice (4:56) 5. Way Home From School (3:46) 6. White Sky Winter Chicada (8:05) 7. Cloud No Crowd (13:02)

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Rezensionen Oktober 2005

Avia Gardner [x>] [D]: More Than Tongue Can Tell [F] [P]

CoverLabel: Intr_version INTR 015
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 10 25
Genre: Postrock - Chamberrock - Montreal-Postrock

Wieder eine wunderbare Veröffentlichung von Mitchell Akiyama hier zusammen mit der Sängerin Jenna Robertson. Sieben Songs in der Machart von Akiyama und dem auf seinem Label Intr_version versammelten Musikerinnen und Musikern. Songs? Oder doch eine Kombination aus Songstruktur und Tracktextur?
Verträumte und introvertierte Sounds, eine eigene musikalische Sprache, wie ich sie nur von der Szene aus Montreal kenne. Sparsam eingesetzte Instrumente: Piano, Cello, Bass, Harmonika, … Ihr Klang wird meist sacht elektronisch verfremdet. Es hört sich an als würde John Cage mit seinem präparierten Klavier Pop machen. Ich liebe diese Kammermusik des 21. Jahrhunderts, sie wärmt mir das Herz. Sie passt ausgezeichnet in die Vorweihnachtszeit.

Trackliste:

1. More Than Tongue Can Tell (6:41) 2. Waiting Wonder (2:59) 3. Dread And Dreaming (5:00) Violin - Ellie Nimeroski 4. Oceans Of Almost Rushing (4:10) 5. If You Lose The Key, Throw Away The House (4:08) Drums - Matthew Akiyama Saxophone - Vitaminsforyou 6. Dread And Dreaming (Remix) (5:41) Remix - Tony Boggs Violin - Ellie Nimeroski 7. Urban Gravity (Remix) (5:43) Remix - Tony Boggs

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Tape [x>] [D]: Rideau [F] [P]

CoverLabel: Häpna H.25
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 10 24
Genre: Electronica - Folktronica

Sachte und ohne jede Eile entwickelt sich die Textur von Tapes drittem Album Rideau. Fünf Tracks, drei über elf Minuten lang. Analog-Synthies, Bläser und Gitarren. Surreale Musik für Freunde von Postrock. Musik wie ein früher Morgen auf dem Land, wo die Natur so langsam erwacht, wie das nur im hohen Norden möglich ist.
Tape ist ein schwedisches Trio, bestehend aus Johan Berthling (Mitbegrunder des Häpna-Labels), Bruder Andreas und Tomas Hallonsten. Als Produzent wirkt auf Rideau Marcus Schmickler (bekannt von Pluramon) mit. Matthew Wuethrich von Dusted Reviews schreibt treffend von Rideau, [that they] craft five somnambulant figurines that thrive on hypnotic repetition, tightly woven layers of melody and tasteful flecks of ambient noise. Häpna bedeutet im Schwedischen etwa: erstaunt sein. Seit sechs Jahren veröffentlicht dieses Label Musik zwischen Postrock und Electronica. Die Band Tape ist so etwas wie das Flaggschiff dieses Labels. Entdecke die nordische Langsamkeit!

Trackliste:

1. Sunrefrain - 11:15 2. A Spire - 11:45 3. Sand Dunes - 4:42 4. Exuma - 6:15 5. Long Lost Engine - 12:26
Alle Tracks: Tape.

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Boards Of Canada [x>] [D]: The Campfire Headphase [F] [P]

CoverLabel: Warp 123
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 10 17
Genre: Electronica - Breakbeat - Downtempo, Electronica - IDM, Electronica - Folktronica

An der Musik von Boards of Canada hat sich seit der letzten CD nicht viel verändert: Du hörst möglicherweise mehr klangprägende Gitarren und Drums, aber vor allem hörst du diese kanadische Wärme, dieser Folk von vor 20 oder 30 Jahren mit der Patina des tausendundein Mal in deinen Träumen Gehörten. Erzeugt durch allerlei Effekte des Verwischens und Zerknitterns. Als wären diese Sounds wieder und wieder auf analogen Tonbandmaschinen überspielt worden. Du hörst die Spuren der Zeit, die Erosion der Klänge einer vergangenen Zeit.

Trackliste:

1. Into the Rainbow Vein - 0:44 2. Chromakey Dreamcoat - 5:47 3. Satellite Anthem Icarus - 6:04 4. Peacock Tail - 5:24 5. Dayvan Cowboy - 5:00 6. A Moment of Clarity - 0:51 7. '84 Pontiac Dream - 3:49 8. Sherbet Head - 2:41 9. Oscar See through Red Eye - 5:08 10. Ataronchronon - 1:14 11. Hey Saturday Sun - 4:56 12. Constants Are Changing - 1:42 13. Slow This Bird Down - 6:09 14. Tears from the Compound Eye - 4:03 15. Farewell Fire - 8:26
Alle Tracks: Marcus Eoin Sandison & Michael Sandison.

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Lappetites [x>] [D]: Before The Libretto [F] [P]

CoverLabel: Quecksilber 10
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 10 17
Genre: Electronica - DSP, Electronica - IDM - Glitch-IDM, Electronica - Soundart - Konkrete-Poesie

Die französische Musikerin Eliane Radigue ist Schülerin von Pierre Schaeffer und Pierre Henry, lebte während den Siebzigerjahren in New York und war mit den dort lebenden Minimalisten La Monte Young, Philip Glass und Steve Reich befreundet (siehe den The Wire-Artikel in Ausgabe 260). Zu Beginn diesen Jahres führte sie ihr Werk Elemental 2 auf. Als Interpretinnen fungierten The Lappetites. Das waren damals Kaffe Mathews, Antye Greie und Ryoko Kuwajima. Nach dem Konzert wurde Eliane Radigue eingeladen, den Lappetites beizutreten. Jetzt kommt die erste CD von allen vier Frauen heraus: Before the Libretto.
Dreizehn Tracks, aufbauend auf Klang-Material von Eliane Radigue. Die Sound-Resultate sind kollaborativ im Internet entstanden (d. h. die Mitglieder der Lappetites haben über's Internet Soundfiles ausgetauscht). Zu hören sind völlig offene Klang-Strukturen, vergleichbar mit AMM oder MIMEO. Die vorwiegend elektronischen Klänge entfalten sich im Fluss der Zeit. Das erste Stück Tzungentwist besteht aus Zungenbrechern in verschiedenen Sprachen, die jeweils von fremdsprachigen Zungen gesprochen werden. Durch die überstrapazierte Zunge und die Fremdsprachigkeit der Sprecherin entsteht eine doppelte Verfremdung am Sprache: Sie wird zweifach in Richtung reines Klangmaterial und damit zur Musik reduziert. Somit fungiert die Zunge in ihrer Funktion als reiner Materialursache der Worte und der Musik. Dieses Stück kommt mühelos und humorvoll daher, es ist einprägsam, führt in das Thema des Werkes ein, genau wie die Overtüre einer Oper (Das Stück Overtüre ist als öffnung nach der ausserklanglichen Welt am Ende der CD positioniert. Gehört sie da nicht hin?). Vier Zungen – die vier der vier Damen? – zieren das Titelbild der CD. Sie sprechen und singen in verschiedenen Sprachen (vor allem Japanisch und Deutsch – also nicht in Englisch, nicht in der lingua franka der internationalen Musik). Sie sprechen in der Nacht, denn der Sinn tritt in diesem Album in seine Nachtphase, er steigt als reiner Klang am Himmel auf. Die Musik erscheint als Sternzungenschein pur.

Trackliste:

1. Tzungentwist - 1:21 2. My Within - 3:59 3. Avoiding Shopping - 2:14 4. Birken - 3:18 5. Disaster - 5:11 6. Stop No. 394 Falkirk Street - 4:12 7. Kuchen Keiki Cake - 4:25 8. Aikokuka - 5:38 9. Heimat - 3:45 10. Prologue - 2:39 11. Funeral - 7:54 12. Birthday Mister - 2:11 13. Overture - 3:50

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Animal Collective [x>] [D]: Feels [F] [P]

CoverLabel: Fat Cat Records Splinter FATSP 11
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 10 07
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk - Noisefolk, Post-Millennial-Music - Freakfolk - Psychfolk

Du stellst hier während den ersten Songs erstaunt fest: Das rockt ganz schön. Animal Collective haben noch nie so dicht und so strukturiert geklungen wie auf den ersten Tracks von Feels. Das liegt zum einen daran, dass Schlagzeug und Bass, die diese Rock-Strukturen bilden, in den Vordergrund gerückt sind. Mit den sehr verschiedenen CDs, die Animal Collective in den letzten fünf Jahren veröffentlicht haben, hat Feels eigentlich nur den psychedelischen Ansatz, das tribale und animalistische Element, das den Sound dieser Gruppe bestimmt, gemein.
Erst der fünfte Track Bees erfüllt die Erwartungen, die du an Animal Collective haben magst. Es geht in den Lyrics und in der Musik um gewalttätige Bienen. Banshee Beat baut sich kontinuierlich auf, Die Stimme von Avery Tare entwickelt eine Präsenz und eine Kraft, die ich von ihm bisher noch nie gehört habe. Kurz vor acht Minuten Laufzeit hat das Stück einen unglaublichen Drive aufgebaut. Es stimmt, diese CD ist sehr poppig ausgefallen, sie dürfte aber mit ihren vielen grossartigen Sound-Ideen und -Effekten dasjenige Werk des Kollektivs sein, das man in ein paar Jahren in den Bestenlisten finden wird. Rockgeschichte schreibt diese Band sowieso, mit allem was sie tut.

Trackliste:

1. Did You See the Words - 5:15 2. Grass - 2:59 3. Flesh Canoe - 3:44 4. The Purple Bottle - 6:48 5. Bees - 5:38 6. Banshee Beat - 8:22 7. Daffy Duck - 7:34 8. Loch Raven - 4:59 9. Turn into Something - 6:29

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Midaircondo [x>] [D]: Shopping For Images [F] [P]

CoverLabel: Type 008
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 10 03
Genre: Electronica - Postelectronica

Midaircondo sind drei Schwedinnen (aus Göteborg), die mit Flöte, Saxofon, ihren Stimmen und Computern spielen. Ihre Liveshows sollen visuell so anspruchsvoll sein, wie diejenigen von Pink Floyd in den Siebzigern. Shopping For Images schliesst an Klänge an, die du von Björk her kennst. Die elf Stücke der CD gehen in einander über, alles ist im Fluss. Das Album wirkt glitchig und improvisiert, entfaltet aber mit der Zeit, die du mit ihm verbringst, einen recht poppigen Kern. Geheimtipp!

Trackliste:

1. Eva Stern, Shake It (2:39) 2. Could You Please Stop (4:02) 3. Serenade (5:04) 4. Coffeeshop (2:34) 5. Sorry (5:55) 6. Although I Heard (6:44) 7. Perfect Spot (3:41) 8. Who's Playing (4:40) 9. Lo-Fi Love (7:58) 10. Faces (4:33) 11. I'll Be Waiting (5:51)

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Murcof [x>] [D]: Remembranza [F] [P]

CoverLabel: Leaf BAY 047
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 10 03
Genre: Electronica - Postelectronica - Neo-Klassik

Was soll man dazu schreiben, ohne sofort Verdacht zu wecken, dass man übertreibt? Der 35-jährige Fernando Corona aus Tijuana, Mexico alias Murcof macht mit die beste Musik, die es gegenwärtig auf diesem Planeten gibt. Das deutete sich bereits auf seinem Erstling Martes an, Remembranza übertrifft alle meine hohen Erwartungen.
Was macht diese Musik aus? Zuvorderst die Editierkunst von Fernando Corona. Wie auf Martes verwendet er viele Sounds von Streichern und editiert sie mit rhytmischen Glitches, die klingen, als würdest du ECM-Platten von Minimalisten auflegen und den Tonabnehmer mit Druck in die Rille hineinsetzen und wieder hinaus ziehen. Er verschmilzt in seiner Klangsprache digitale Glitches und warme, emotionale Klänge, wie man das seit Trip Hop oder Drum'n'Bass kaum mehr gehört hat – ausser vielleicht bei Vladislav Delay. Meisterhafte Soundscapes geprägt von einer tiefen Melancholie, die ohne jeden Kitsch auskommt. Musik, die bleibt.

Trackliste:

1. Recuerdos 8:01 2. Razón (en 3 partes) 7:17 3. Retrato 2:26 4. Rostro 8:21 5. Ruido 2:12 6. Reflejo 9:02 7. Resignación 1:31 8. Rios 8:30 9. Camino 7:29

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Rezensionen September 2005

Piana [x>] [D]: Ephemeral [F] [P]

CoverLabel: Happy 03
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 09 14
Genre: Electronica - DSP - Digitalminimalism, Newpop - Globalpop - J-Pop, Postrock, Electronica - Poptronica - Digitalpop

Happy ist das Sublabel von 12k für unkonventionelle Japanische Popmusik. Labelchef ist Taylor Deupree. Piana ist Naoko Sasaki, eine junge Japanerin, die elfenhaft zu Musik singt, die dich vielleicht an Taylor Deupree's Release von Eisi-Musik Every Stil Day erinnert, die ich dir im gleichen Zug ans Herz lege.
Traumhaft schweben die Klänge im Raum umher, Chanson-Fragmente schwirren als Staubpartikel herum, die Stimme von Piana ist zart und klar. Sie erinnert an Sigur Ros, stellenweise an Björk. Es geht durchaus eingängig und harmonisch zu und her. Nenn diese Musik Glitchpop, nenn sie Japan-Obskurität – es ist ein grossartiges Album. Ich gebe dir noch einen Anspiel-Tipp mit auf deinen Weg, es ist: Little Girl Poems.

Trackliste:

1. Something Is Lost (6:47) 2. Early In Summer (5:55) 3. Beside Me (5:16) 4. Color Of Breeze (1:08) 5. Little Girl Poems (6:17) 6. Muse (2:29) 7. Mother's Love (5:12) 8. Moon And Cello (4:53) - cello arranged by Seigen Tokuzawa 9. Beginning (2:24)
Alle Tracks: Piano

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Paul McCartney [x>] [D]: Chaos And Creation In The Backyard [F] [P]

CoverLabel: Parlophone CDP 0946 337959 2 1
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 09 13
Genre: Newpop - Singer-Songwriter - Adult-Alternative

Einmal etwas ganz anderes im Musikzimmer: eine Paul McCartney-Rezension. Als alter und noch immer junger Beatles-Fan fühle ich eine Art Verpflichtung, es hier zu bemerken, wenn Father McCartney wieder einmal etwas Beachtliches geleistet hat – ein Album mit guten Songs ohne Füllwerk und Hänger, das beste seit Tug of War von 1982. Fast alle Instrumente bis auf die Streicher allein eingespielt wie bei den Alben McCartney (1970) und McCartney II (1980). Chaos and Creation ist ein bewegendes Album. Ich sage das nicht nur weil einem alten Freund etwas gelingt, was man ihm kaum mehr zugetraut hätte. Bewegend sind die dreizehn Songs und ihre Arrangements bzw. Produktion, für die sich Nigel Godrich verantwortlich zeichnet, der Produzent von Radioheads O. K. Computer und Becks Mutations. Mir ist, als wäre dieses Album ein ganz alt Bekanntes.

Trackliste:

1. Fine Line - 3:05 2. How Kind of You - 4:47 3. Jenny Wren - 3:47 4. At the Mercy - 2:38 5. Friends to Go - 2:43 6. English Tea - 2:12 7. Too Much Rain - 3:24 8. A Certain Softness - 2:42 9. Riding to Vanity Fair - 5:07 10. Follow Me - 2:31 11. Promise to You Girl - 3:10 12. This Never Happened Before - 3:24 13. Anyway (3:50) & I've Only Got Two Hands (Hidden Track) (3:12) - 7:22
Alle Tracks: Paul McCartney.

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Devendra Banhart [x>] [D]: Cripple Crow [F] [P]

CoverLabel: XL Recordings XLCD 192
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 09 13
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk

Bei seinem Konzert in Zürich fand ich Devendra Banhart eher enttäuschend. Auf dieser CD ist er stark wie noch nie. Sie komt im Kleid von The Hangman's Beautiful Daughterund ist geradezu überladen mit ihren 23 starken Songs.
Andere Künstler würden aus diesem Songmaterial zwei CDs machen. Beeindruckend auch die stilistische Vielfalt der einzelnen Aufnahmen, die vom einfachen Folkballade (z. B. Now that I know) über Flamenco (z. B. Quedateluna) bis zum dichten Folkrock (z. B. Heard Somebody Say) reicht. Mit diesem Album gelingt Devendra nicht nur ein persönlicher Erfolg, er katapultiert zusammen mit CocoRosie gleichsam das ganze Genre des Psychrock ins Zentrum des zeitgenössischen musikalischen Pulses. Folkmusik lebt! Folkmusik lebt hier und bei den Folktronic Acts wie Greg Davis oder Trackliste:

1. Now That I Know - 4:53 2. Santa Maria de la Feira - 4:35 3. Heard Somebody Say - 3:20 4. Long Haired Child - 3:45 5. Lazy Butterfly - 4:00 6. Quedate Luna - 3:07 7. Queen Bee - 2:44 8. I Feel Just Like a Child - 4:46 9. Some People Ride the Wave - 2:27 10. The Beatles - 1:44 11. Dragonflys - 0:59 12. Cripple Crow - 5:58 13. Inaniel - 3:43 14. Hey Mama Wolf - 3:52 15. Hows About Tellin a Story - 1:21 16. Chinese Children - 5:17 17. Saw Kill River - 1:52 18. I Love That Man - 2:26 19. Luna de Margarita - 2:07 20. Korean Dogwood - 4:02 21. Little Boys - 5:20 22. Canela - 4:27

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CocoRosie [x>] [D]: Noah's Ark [F] [P]

CoverLabel: Touch And Go TG 281
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 09 13
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk, Electronica - Folktronica

Strike two. Ein weiteres Lo-Fi-Folktronika-Wunderwerk der Schwestern Bianca und Sierra Casady. Mit Gastauftritten von Devendra Banhart und Anthony.
Spannungsreich inszeniert das Geschwisterpaar seine Songs mit den typischen Elementen: übersteuerte Instrumente und Stimmen, Harfe, als Harmonieelement kontrastreich eingesetzte Opernstimme (Sierra), Toypianos, billige Drummachines und die introvertierte, in den Hals hineingesungene Stimme Biancas. Die Songs der CD sind an verschiedenen Orten in Europa und Amerika entstanden und aufgenommen worden. Das hörst du ihnen an, aber das entspricht CocoRosie voll und ganz: In Bewegung bleiben, heute hier und morgen da. Noah's Ark ist eine der CDs des Jahres. Interessant das Coverbild: Drei Einhörner in unzweideutiger Stellung. Nummer eins fickt Nummer zwei, Nummer zwei, Nummer drei. Nummer drei kotzt. Das ist kein Scherz. Das ist schon gar nicht kindliche Unschuld. Das ist auch keine ästhetische Strategie, kein Kalkül. Ganz im Gegenteil.

Trackliste:

1. K-Hole - 4:10 2. Beautiful Boyz - 4:37 3. South 2nd - 4:09 4. Bear Hides and Buffalo - 4:14 5. Tekno Love Song - 3:54 6. The Sea Is Calm - 3:39 7. Noah's Ark - 4:13 8. Milk - 0:34 9. Armageddon - 4:04 10. Brazilian Sun - 4:38 11. Bisounours - 4:06 12. Honey or Tar - 2:08

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Flanger [x>] [D]: Spirituals [F] [P]

CoverLabel: Nonplace NON 18
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 09 13
Genre: Electronica - Jazztronica - Futurejazz, Electronica - Jazztronica - Electroswing

Flanger, das sind Atom Heart und Burnt Friedman, erfinden mit jeder CD einen Jazz-Stil neu. Mit Spirituals widmen sie sich mit neun Tracks (plus drei Remixes bzw. Versionen) dem Swing. Unterstützt werden sie vom Sänger Riff Pike, der stellenweise wie Freddy Mercury klingt, so manieriert, gewöhnungsbedürftig. Aber das kommt schon. Braucht etwas Zeit, wie jeder Spaziergang in neuem Territorium.
Es fängt ja auch ganz sachte mit einem Funeral March an, den ich dir als ersten Hörtipp empfehle. Dann die Swingitarre und die Klarinette in Crime in the pale moonlight. Wie Filmmusik der Anfang, dann, wenn der Gesang einsetzt, fragst du dich, ob Riff Pike die Antwort auf Anthony & The Johnsons sei. Bei How long is the wrong way rettet sein Gesang den fast unbearbeiteten Swing vor dem Abdriften in eine Woody-Allen-Swing-Romantik. Down the river meint es ernst mit der Swingromantik und entfürt dich nach Paris. Moody und schön. Music is our secret code klingt stellenweise wieder weniger puristisch als seine Vorgänger-Tracks. Und doch, schält sich dieser Pursimus heraus, je länger der Track dauert. Django Reinhard spielt Gitarre. Dann in Tiny Tina plötzlich Charlie Christian mit ihm. Die CD entpuppt sich als Zeitmaschine. Hope to see you soon lässt Riff Pike viel Raum. einige Rückwärtspassagen geben dem Track seinen Schuss Gegenwart, um den ich immer wieder froh bin, muss ich sagen. Peninsula swingt wieder los und reiht sich ein in die prototypischen Stüche dieser CD. In my car, schliesslich präsentiert Riff Pike als jenen Sänger, der Freddy Mercury konkurrenz machen möchte. Insgesamt ist diese CD einfach etwas schräg. Sie scheint sich nicht entscheiden zu wollen oder zu können zwischen einer Swing-Romantik und der Dekonstruktion des Swings, die da und dort an die Türe klopft, aber nicht ein einziges Mal eintritt.

Trackliste:

1. Funeral March (Bernd Friedmann, Uwe Schmidt) - 4:55 2. Crime In The Pale Moonlight - 4:37 3. How Long Is The Wrong Way? (Bernd Friedmann, Uwe Schmidt, Hayden Chisholm) - 2:30 4. Down The River - 3:00 5. Music Is Our Secret Code (Bernd Friedmann, Uwe Schmidt) - 2:23 6. Tiny Tina (Bernd Friedmann, Uwe Schmidt, Cameron Deyell) - 2:49 7. Hope To Hear Back Soon, Honey - 5:31 8. Peninsula (Bernd Friedmann, Uwe Schmidt, Hayden Chisholm) - 2:55 9. In My Car (Single Version) (Bernd Friedmann, Uwe Schmidt, Cameron Deyell, Richard Pike) - 2:44 10. In My Car (Bolt Mix) (Bernd Friedmann, Uwe Schmidt, Cameron Deyell, Richard Pike) - 5:17 11. How Long Is The Wrong Way? (Extended) (Bernd Friedmann, Uwe Schmidt, Hayden Chisholm) - 4:45 12. Crime In The Pale Moonlight (Short Version) - 3:29
Alle Tracks: Bernd Friedmann, Uwe Schmidt, Richard Pike, ausser wo anders vermerkt.

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Kattoo [x>] [D]: Megrim [F] [P]

CoverLabel: Hymen 047
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 09 12
Genre: Electronica - IDM

Cineastischer IDM, immer recht nahe am Pathos, aber sehr abwechslungsreich. Sehr gut gemacht!

Trackliste:

1. Untitled - 1:04 2. Untitled - 2:25 3. Untitled - 4:40 4. Untitled - 4:20 5. Untitled - 1:58 6. Untitled - 2:56 7. Untitled - 0:37 8. Untitled - 2:55 9. Untitled - 1:38 10. Untitled - 2:06 11. Untitled - 0:54 12. Untitled - 1:03 13. Untitled - 1:25 14. Untitled - 4:30 15. Untitled - 3:01 16. Untitled - 4:44 17. Untitled - 1:10 18. Untitled (Falk Schubutz) - 5:05 19. Untitled - 1:41 20. Untitled - 2:28
Alle Tracks: Volker Kahl, ausser wo anders vermerkt.

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Richard Youngs [x>] [D]: The Naive Shaman [F] [P]

CoverLabel: Jagjaguwar JAG 071
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 09 06
Genre: Alternativerock - Lo-Fi-Rock

Tranceartig, meditativ, dronig, beschwörend, etwas psychedelisch, durchaus mit songwriterischen Qualitäten &ndash, das ist The Naive Shaman von Richard Youngs. Ein schläfriger Schamane, der einen Schwarm Bienen um ihn herum fliegen lässt und sich in Trance singt.

Trackliste:

1. Life On A Beam (5:10) 2. Illumined Land (5:21) 3. Sonar In My Soul (9:47) 4. Once It Was Autumn (3:33) 5. Summer's Edge II (16:23)

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Black Dice [x>] [D]: Broken Ear Record [F] [P]

CoverLabel: DFA 2148
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 09 06
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk - Noisefolk, Alternativerock - Lo-Fi-Rock

Hardcore? Das kommt schon von da, aber ist irgendwie ganz anders, findest du nicht? Psychedelische Musik? Ja, schon, aber … Trance? Irgendwie könnte man diesen Vergleich suchen, ja, doch …
Diese Sounds entziehen sich der gängigen Kategorisierung. Black Dice sind mit Animal Collective verwandt, das wenigstens kann man sagen. Beide New Yorker Bands verfolgen radikale ästhetische Ideen mit ihrer Musik. Das gehärt sich so für New Yorker. Das erwarten wir doch irgendwie, nicht wahr? Black Dice verwenden elektronische Klänge, die gar nicht einmal weit von elektronischer Musik der 90er Jahre entfernt sein müssen, Aber sie setzen diese Klänge mit einem in der elektronischen Musik bisher unbekannten Akzent ein. Dieser Akzent muss aus ihrer Hardcore-Vergangenheit kommen. Ein weiterer Bezugspunkt sind Amon Düül, das Psych-/Trancerock-Kollektiv aus dem München der Sechziger. Aus der elektronischen Musik nehmen Black Dice die Idee, dass Musik auf den Kärper wirken muss und so fährt sie dir tief unter die Haut. Hinzu kommen eine tranceartige Note aus Avant-Rock-Strämungen und ein improvisierendes Moment. Fertig ist dieses Gebräu. Oft liefern Elektronik und Gitarre eine rhythmische Grundstruktur, in die sich animalisch anmutende Sounds fügen. Vergleichsweise zu den früheren Releases von Black Dice ist Broken Ear Record eigentlich ganz zugänglich: Da und dort begegnen dir Haken und Saugnäpfe, vergleichbar mit dem Frauenhinterteil, das dir auf dem Cover entgegengehalten wird. Frau? Urtier? Schon geht diese Fragerei wieder los.

Trackliste:

1. Snarly Yow - 8:14 2. Smiling Off - 9:23 3. Heavy Manners - 4:12 4. ABA - 0:56 5. Street Dude - 7:07 6. Twins - 2:04 7. Motorcycle - 6:59

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Metope [x>] [D]: Kobol [F] [P]

CoverLabel: Areal cd 05
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 09 05
Genre: Electronica - Minimaltechhouse

Metope ist Michael Schwanen. Seine entwaffnend einfache Musik funktioniert bestens, sowohl auf der Tanzfläche als auch Zuhause im Wohnzimmer. Warum? Weil seine Samples und die geloopten Soundelemente Bezüge zu einander herstellen, die den Tracks eine unglaubliche Plastizität verleihen.

Trackliste:

1. Rebird (6:17) 2. Superimbat (5:24) 3. Nashville (6:13) 4. 33 (5:55) 5. Alm Realm (5:07) 6. M1D1 (7:19) 7. CPU-Circus (5:39) 8. I'm So Ready (6:10) 9. Panicflute (5:40) 10. Tilt (10:12)

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V. A. (Spekk) [x>] [D]: Small Melodies [Compilation (Label, Genre)] [F] [P]

CoverLabel: Spekk KK 005
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 09
Genre: Electronica - DSP - Digitalminimalism

Kleine Melodien von der digital minimalism community für deinen Alltag produziert. Warme digitale Musik, die dich begleiten kann, wo immer du bist, unterwegs am Morgen zur Arbeit, am Abend in den Club, nachts vom Club nach Hause, zu Hause im Wohnzimmer, in der Küche beim Kaffee. Schlicht: Überall. Musik, die Klasse hat, an der du dich innerlich aufrichten kannst, aus der du Kraft beziehst (warum nicht?), dich im Extremfall an sie angleichst, so wirst wie sie. Wenn du Jahre an einem Ort lebst, so prägt dich seine Landschaft, wenn du lange genug diese Musik hörst, so wirst du wie sie: unaufdringlich, angenehm, freundlich, ein klasse Mensch!

Trackliste:

1. Ultra Milkmaids My Electric Laddy Land (4:57) 2. Sogar For A Pulse Or Two (5:43) 3. Tomoyoshi Date Sunnyside Suns & Sounds (4:56) 4. Taylor Deupree For Nicholas (6:40) 5. Hervé Boghossian The Latter (4:23) 6. Aen Film (2:36) 7. Naph Village (3:08) 8. Tape Star Skid (3:58) 9. Oren Ambarchi Thirsty Boots (4:18) 10. Fenton Beautiful Losers (4:30) 11. Rdl Finale (5:21) 12. Anderegg Inside/Outside (5:36) 13. Mondii Between (4:29) 14. Stephan Mathieu Small Melody (Für Richard) (3:12)

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Rezensionen August 2005

Frog Pocket [x>] [D]: Gonglot [F] [P]

CoverLabel: Planet Mu ZIQ 097
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 08 08
Genre: Electronica - IDM

Dies ist das Debutalbum des Schotten John Charles Wilson. Sein Titel Gonglot klingt mittelalterlich, als ginge es um eine Heldensage aus alten Zeiten. Das Cover, das winterliche Baumkronen in einer hellen Mondnacht zeigt, gespenstisch hell beleuchtet, aber zauberhaft warm, unterstreicht den Phantasy-Aspekt dieser CD. Stilistisch kriegst du eine IDM-CD vor deine Ohren, deren Vielfalt mich verblüfft und vom Genre, das ich mittlerweile für recht langweilig halte, von neuem überzeugt. Hey, da kommt ja noch was!
Der erste Track klingt nach Toypiano, der zweite bringt dann eine zwar gängige aber hier wirkungsvoll eingesetzte IDM-Stereotype ins Spiel: Verdrehte und verzogene Breakbeats und darüber (oder drunter?) harmonisch warme Klangflächen, deren Herkunft immer wieder durchscheint und zu erstaunen vermag: Ich glaube stellenweise Dudelsäcke (Track 6) zu hören, Mandolinen, Streichinstrumente, … Im dritten Track wird klar, dass Wilson alte Instrumente zuhauf verwendet und damit mit einem Bein tief in der Tradition keltischer Musik steht, mit dem andern Bein in der Elektronik. Geschickt wechselt Frog Pocket dauernd das Standbein, verschiebt das Gewicht gekonnt zwischen IDM und Soundscapes hin und her, die durchsetzt sind von keltischen Motiven und Weisen. Doch, doch, da kommt wirklich noch was!

Trackliste:

1. Follow Erol Raet (2:21) 2. Carac Cyls (8:27) 3. Oben (3:32) 4. Plinty (2:31) 5. Hurrah Sapphire Moon! (6:15) 6. Eye Beby Y Ben II (8:28) 7. Eyewarm (3:28) 8. Celebrimbor Tur-Anion (5:43) 9. Fetlar (2:16) 10. Baral Orgen 2 (3:41) 11. Vaedre (9:36) 12. Séa Angel Lament (2:51)

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Matthew Herbert [x>] [D]: Plat Du Jour [F] [P]

CoverLabel: Accidental AC 021
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 08 02
Genre: Electronica - House - Leftfieldhouse

Musique concrète aus Sounds, die mit Nahrungsmittel-Produktion und -Zubereitung zusammenhängen. Ein Konzeptalbum, das neben der Musik viel Information über Missstände bei der Nahrungsmittelproduktion, der Tierhaltung oder der Ausbeutung der dritten Welt transportiert.
Herbert hat zwei Jahre an diesem neuen Produkt gearbeitet. Plat du jour ist ein unglaubliches Hörerlebnis, das ohne diesen Informations- und Ideologieteil bestens bestehen kann. Aber eines solltest du dir wirklich nicht entgehen lassen: Lies und verfolge während dem Hören die Making of … Web-Seite. Zu jedem Stück hat Herbert akribisch die Klänge inventarisiert, die er verwendet hat. Du erfährst, aus welchen Feldaufnahmen die Tracks gemacht und gearbeitet sind. Zum Beispiel stammt die Bassline des ersten Stücks The Truncated Life Of A Modern Industrialised Chicken aus dem Quieksen eines Huhns, das eine Minute alt ist. Dieses Quiksen wurde von Herbert so weit herunter gepitcht, bis es als Basslinie taugte. Im selben Stück schreien 24000 bzw. 30000 Hühner aus der Fleisch- oder Eierproduktionsfabrik und (starkes Stück) wird ein Huhn geschlachtet. Im zweiten Track These Branded Waters werden nur Flaschen mit verschiedenen Inhalten als Soundquellen verwendet. Der Track läuft auf 182 Beats per Minute, weil es 182000 l Wasser braucht, um eine Tonne Stahl zu produzieren. Und er dauert fünf Minuten und dreissig Sekunden, weil in Bangla Desh nur gerade 53% des Landes über sanitäre Einrichtungen verfügt.
Herbert macht mit seinem Konzept darauf aufmerksam, dass Ingredienzien und Produktionsprozesse in der Nahrung wie in der Musik etwas sind, das für die Konsument/innen hinter den Produkten versteckt bleibt, ausser man versucht sich diese Prozesse und Zutaten bewusst zu machen, was Arbeit bedeutet. Man muss den Dingen auf den Grund gehen, man muss forschen, lesen, Wissen sammeln. Lebensmittelingenieur/innen und Musiker/innen bereiten sinnliche Objekte für die Konsumierenden auf, ohne dass diese die Ursachen des Resultats genau kennen (möchten). Es geht dabei nicht um die Position Platos, dass Köche Schmeichler sind, die mit ihren Werken statt wie die Ärzte auf die Gesundheit, auf die Sinnesfreude abzielen. Es geht um die Prozesse, die hinter den Produkten verborgen, ja von diesen nihiliert werden. Es geht um die Frage, woher der Kaffee kommt, der dich am Morgen weckt oder bei der Arbeit vor dem Einschlafen bewahrt. Woher im doppelten Sinn: einmal aus welchen Produktionsverhältnissen (Politik, Arbeitsbedingungen usw.), sodann aus welchen Prozessen (Verarbeitung, Einsatz von Prozessstoffen, Transportwege usw.). Diese Bedingungen und Prozesse sind so komplex, dass sie zu überschauen ein so grosser Aufwand darstellt – so gross, dass fast niemand ihn auf sich nehmen will (nicht ohne viele Liter Kaffee zu trinken, anyway). Es geht um die Frage, woher Sounds kommen. Wurden die verwendeten Samples eingekauft (beispielsweise mit der Hard- oder der Software), aus Schallplatten bzw. CDs gesampelt oder eingespielt? Für Herbert sind Presets und McDonalds ein Gräuel. Das weiss ich bereits über ihn und kann es gut verstehen. Aber als Konsument kann ich nicht immer sagen, was ich esse und was ich höre. Und von Zeit zu Zeit falle ich auf Junk herein. Das penible Angeben und Ausweisen von Ingredienzien stellt hier zwar nur eine bedingte Abhilfe dar. Die einzelnen Verfahrensschritte sind noch immer nicht ausgewiesen. Doch, mich würde das schon interessieren. Herberts ellenlange Website zum Thema Food ist ein Tropfen auf den heissen Stein, aber ein beherzter Anfang. Ein Anfang, an den die meisten postindustriellen Pragmatiker und Relativisten mit ihrem Unwillen, eine Position zu beziehen, nicht machen (siehe de:bug-Interview). Darum Chapeau, Mr. Herbert!
Plat du jour ist definitiv ein Album, das Musikgeschichte schreibt und in einer Reihe steht mit beispielsweise dem Matmos-Release A Chance To Cut Is A Chance To Cure, bei dem Klänge aus Operationssälen und Zahnarztpraxen verwendet werden. Das ist musique conrète der Gegenwart. Hier wird eine wichtige Traditionslinie Elektronischer Musik weiter geführt, die zurückreicht zu Pierre Schaeffer, Pierre Henry oder Luc Ferrari. Falls dich das interessiert, schau Dir mal die Seite von Drew Daniel (Matmos) an, in der er seine Auswahldiskografie mit konkreter Musik präsentiert. Interessanterweise distanziert sich Herbert in der de:bug von der musice concr-te. Ziemlich schroff kommt das: Mit denen habe ich nichts zu tun. O.k., wenn Sie meinen, Herr Herbert.

Trackliste:

1. The Truncated Life Of A Modern Industrialised Chicken (7:41) 2. These Branded Waters (5:28) 3. Pigs In Shit (0:19) 4. An Empire Of Coffee (7:04) 5. Celebrity (4:05) Vocals - Dani Siciliano 6. Sugar (5:50) 7. An Apple A Day... (1:32) 8. White Bread, Brown Bread (4:08) 9. Fatter, Slimmer, Faster, Slower (3:58) 10. The Final Meal Of Stacey Lawton (5:38) 11. The Nine Seeds Of Navdanya (4:15) 12. Waste Land (6:03) 13 Nigella, George, Tony And Me (3:47)

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Rezensionen Juli 2005

Mountains [x>] [D]: Mountains [F] [P]

CoverLabel: Apestaartje staartje 018
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 07 09
Genre: Electronica - Folktronica, Electronica - IDM - Glitch-IDM, Electronica - DSP - Digitalminimalism

56 Minuten wunderbare Musik aus Brooklyn, von einem der interessantesten Labels im Bereich der elektronischen Musik, von Apestaartje. Und zwar kommt Mountains aus dem ästhetischen Zentrum dieses Labels, nämlich von den beiden Inhabern Brendan Anderegg und Koen Holtkamp, auch bekannt als Anderegg und Aero.
Vier Stücke minimalelektronische Ambientdrone-Traumwelt aus Feldaufnahmen, Gitarren und Laptop. In den kleinen Bewegungen und Gesten dieser graduellen Musik liegt eine wunderbare Schönheit. Das Album ist vergleichbar mit Greg Davis.

Trackliste:

1. Paper Windmill (13:11) 2. Down Under The Manhattan Bridge Overpass (16:40) 3. Blown Glass Typewriter (5:38) 4. Sunday 07.25.04 Live At Tonic (21:15)

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Fenton [x>] [D]: Pup [F] [P]

CoverLabel: Plop Plip 3014
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 07
Genre: Electronica - DSP - Digitalminimalism

Fenton ist der Moniker von Dan Abrams, bekannt auch unter dem Namen Shuttle 358. Unter dem letztgenannten Namen hat er auf 12k einige der schönsten Click-CDs produziert Optimal (12k1005, 1999) und Frame (12k1011, 2000). Fenton und das Plip-Label stehen nun für einen ganz anderen Sound: Gitarre allein, im Laptop nachbearbeitet. Augmentet guitar reality, also. Keine Beats. Doch bei allen Differnezen zum Shuttle 358-Sound: Auch als Fenton zeigt Abrams einen Instinkt für klangmalerische Stimmungen und schafft warme Atmosphären, die dir Honig um die Ohren streichen.

Trackliste:

1. Bunny 5:29 2. Neon Giraffe 4:52 3. Once Apon a Forest 4:10 4. Gentle Meter 8:03 5. Bored Youth 5:18 6. Wageless 3:52 7. Brother Blueberry 5:02 8. Many Blades of Grass Ago 3:54 9. Forever Awkward 3:50 10. Pup Is Seeing Now 6:58

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V. A. (Areal) [x>] [D]: 2Rabimmel 2Rabammel 2Rabum 2Bum Bum [Label-Comp.] [F] [P]

CoverLabel: Areal cd 04
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 07
Genre: Electronica - Minimaltechhouse

Rabimmel Rabammel Rabum. Mit einem Nachhall. Ergibt: Rabimmel Rabammel Rabum Bum Bum. Nun geremixt. Zweite Versionen von den Tracks aus der fast gleichnamigen (ohne Zweien) Maxi: Areal 22, auf der die Labelgründer Basteroid, und Konfekt zusammen mit Flagschiff Ada mit je einem Track vertreten sind (Tracks 9-12 auf der CD). Und nun das Kinderlied: Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir. Dort oben leuchten die Sterne und unten da leuchten wir.
Ein völlig übersteuerter und verhallter Sound bricht in deine Welt ein. Vorbei mit Lustig. Basteroid: Hammel. Wie schön das klingt, wenn jeder singt. Das ist Minimaltechno der Marke Punk. Gesang braucht's gar nicht. Wozu auch. Es stampft, es rockt. Rabimmel, rabammel, rabumm. Geile Fetenmusik. Für den Höhepunkt vor dem Nachhausegehn. Mein Licht ist aus, wir gehn nach Haus, Rabimmel, Rabammel, Rabumm.

Trackliste:

1. Basteroid: Hammel (6:33) 2. Roan: Der Storch Und Seine Folgen (5:29) 3. Metope: 2Raboum - Die Fete Geht Weiter (5:48) 4. Imogen: Grüner Wirds Nicht (6:11) 5. Ada: 2 Bum Bum (7:06) 6. Konfekt: Nur Unter Dieser Bedingung (3:09) 7. Remute: Mit Freundlichen Füßen (5:28) 8. Ha.te: Kein Anschluss Mit Dieser Nummer (6:33) 9. Basteroid: Rabimmel (6:53) 10. Konfekt: Ra(bammel) (4:39) 11. Metope: Rabum (6:41) 12. Ada: Bum Bum (6:24)

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Rezensionen Juni 2005

Monolake [x>] [D]: Polygon Cities [F] [P]

CoverLabel: Monolake / Imbalance Computer Music ML 015
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 06 28
Genre: Electronica - Techno - Dubtechno

Monolake gibt es seit zehn Jahren. Gratulation! Waren nie eine Enttäuschung. Waren ein Standbein der Stadt Berlin im Segment von Elektronischer Musik. Da stellt sich Vorfreude ein, wenn man erfährt, dass eine neue CD heraus kommt. Hallo Polygon_Cities!
Ein Dateiname, wie es sich in der Welt der Daten gehört. Neun Tracks mit einer einzigen Ausnahme (Wasteland) zwischen sechseinhalb und zehn Minuten, Tracks, die sich Zeit lassen. Der erste, Pipeline klingt gar nicht richtig nach Monolake und Berlin, sondern nach Kraftwerk 1973 und Düsseldorf. Ist da ein Richtungswechsel angesagt? Oder geriet das Thema aus dem Fokus? Jedenfalls ab dem zweiten Track CCTV wird es abstrakter, dubiger, wir sind ganz in Berlin. Im Sound of the City. Der Widerspruch, die Spannung bleibt bis zum fünften und längsten Track der CD erhalten.Digitalis löst den Widerspruch auf und bringt die beiden Traditionen zusammen. Als würde dieser Berlinsound gerade in einem Remix eines Detroittracks entstehen. Das technoide Element kommt wohl durch den neuen Kollaborateur Robert Henkes, T++ (das ist Torsten Profrock), in den Sound Monolakes. Martin Longley beiThe Wire schreibt, dass Monolake's pieces follow a continuous pattern at a medium pace, revolving around skinny beats, with darkly bruised basslines for thikener. Artificial choral voices once again suggest the 1980s, as do the deadpen spoken passages. Some of these elements might be well-worn, but the entire spread evoces a cumulative sense of claustrophobia. This is a curious feeling, particularly when, elswhere, the music suggests clanking machinery on a space opera scale. Polygon_Cities schafft eine interessante Verbindung zwischen technoiden Retroelementen und den gewohnt-eleganten Dub-Räumen.

Trackliste:

1. Pipeline - 7:23 2. Cctv - 7:16 3. North - 6:39 4. Axis - 8:23 5. Digitalis - 9:06 6. Invisible - 7:56 7. Carbon - 6:33 8. Wasteland - 3:34 9. Plumbicon - 8:30
Alle Tracks: Robert henke, T++.

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Richard Davis [x>] [D]: Details [F] [P]

CoverLabel: Kitty-Yo KY 5098
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 06 21
Genre: Electronica - Minimaltechhouse

Richard Davis mag mit Details die perfekteste Verschmelzung von House und Popmusik seit den Pet Shop Boys gelungen sein. Abgesehen von einigen Releases des Kompakt-Labels ist dieses Album mit seinen grossen Melodien etwas vom Grössten in der Housemusik!
Davis hat gegenüber seinem Vorgängerwerk Safety bei Punkt-Musik mehr auf das Songwriting und weniger auf ein minimales Klangdesign gesetzt. Das hängt vermutlich mit dem Labelwechsel zusammen. Details ist die perfekte Fusion von Track und Song über das verbindende Medium des weichen und tiefen 4-to-the-Floor-Beats.

Trackliste:

1. Honest With You (6:46) 2. The Truth (6:52) Cello - Anna Stark 3. Empty (7:07) Cello - Anna Stark 4. World Disappears (6:35) 5. Sometime (6:19) 6. This Time (6:15) 7. Others (4:55) Cello - Anna Stark Dobro - Michael Lapuks 8. Hear This (7:02) 9. Common Sense (6:25) 10. Details (7:30) 11. Bring Me Closer (7:00)
Alle Tracks: Richard Davis.

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Portable [x>] [D]: Version [F] [P]

CoverLabel: ~scape sc 029
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 06 17
Genre: Electronica

Frickel-Laptop-Techno vom Südafrikaner Alan Abrahams alias Portable. Abrahams arbeitet mit kleinsten Soundschnipseln, deren Herkunft aus der afrikanischen Musik gerade noch erkennbar bzw. zu vermuten ist.
Wenn ich über die Herkunft dieser Samples informiert bin, dann ist es ganz klar. Wenn nicht, würde es mir kaum auffallen. So ist das mit Musik aus minimalistischsten Sampels. Jetzt aber klingt diese Musik nach den Weiten afrikanischer Savannen. Sie hat dabei aber nichts Traditionalistisches an sich, sondern ist purer Laptop-Techno. Wie sagt es die Webseite von ~scape: Techno is at its best when it is simultaneously archaic and totally futuristic. Stimmt.

Trackliste:

1. Ebb And Flow (5:32) 2. Notions Of Slow And Fast Are Set At Nought (3:56) 3. All Eject (4:27) 4. Down Stream (6:23) 5. Thought In Action (4:09) 6. Temporal Distortion (6:27) 7. Tempura (5:41) 8. Typhoon (6:47) 9. The Opened Book (4:37)

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Kevin Blechdom [x>] [D]: Eat My Heart Out [F] [P]

CoverLabel: Chicks On Speed COSR 022
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 06 14
Genre: Electronica - DSP

Kristin Erickson alias Kevin Blechdom kommt wie Kid 606 aus dem amerikanischen Westküsten-Laptop-Kuchen und lebt zur Zeit in Berlin. Auf der CD Eat My Heart Out desavouiert sie die gesamte Liebesrhetorik. Endlich tut das mal jemand. Danke Kevin Blechdom – niemand scheint diesen Job zu machen, wenn nicht du ihn machst! Intelligente Satire, schwarzer Humor, schiere Absurdität. Das grossartige Zeug einer Verrückten. Das Coverbild sagt alles. Das von Amors Pfeil durchdrungene Herz wird raus gerissen und ist fest im Griff der Künstlerhand.

Trackliste:

1. Coming (1:50) 2. What You Wanna Believe (1:29) 3. Invisible ROCK (3:01) 4. Suspended In Love (2:59) 5. Joke As Self Intro (0:24) 6. Love You From The Heart (2:55) 7. The Porcupine & The Jellyfish (2:12) 8. Get On Your Knees (3:19) 9. Runaway Or Stay (1:26) 10. Are You Fucking With Me (3:18) 11. You Got Yerself (0:19) 12. Slow Me Down (1:01) 13. Day To Day (2:19) 14. There Are Other People (1:02) 15. Johnny (2:36) 16. Too Much To Touch (2:39) 17. Torture Chamber (2:19) 18. Songydong (1:45) 19. Going To Sleep (2:11)

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Rezensionen Mai 2005

Rhythm And Sound [x>] [D]: See Mi Yah [F] [P]

CoverLabel: Burial Mix BMD 04
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 05 31
Genre: Electronica - Techno - Dubtechno

Ein Album aus eigentlich einem Dub-Techno-Track, der in vierzehn Versionen daherkommt, mit andern Sängern, mit andern Texten, aber immer die selbe Machart (das Markenzeichen von Rhythm & Sound) und das selbe Tempo, das sich durchhält, ohne auch nur einen Moment langweilig zu sein. Berlin klingt nun vollends wie Jamaika. Eine Liebe auf den ersten Blick: Schon als ich die ersten Takte hörte, bin ich mit offenem Mund und offenen Ohren da gestanden. Heute war ich den ganzen Tag mit dieser Musik im Ohr unterwegs. War die CD durchgelaufen, wurde sie von vorn gehört. Ich war in ihrem Groove gefangen. See Mi Yah geht vom Ohr direkt ins Herz!

Trackliste:

1. Rhythm & Sound w/ Willi Williams: See Mi Yah (3:56) 2. Rhythm & Sound w/ Jah Cotton: Dem Never Know (3:56) 3. Rhythm & Sound w/ Koki: Rise And Praise (3:48) 4. Rhythm & Sound w/ Freddy Mellow: Truly (4:11) 5. Rhythm & Sound w/ Rod Of Iron: Lightning Storm (5:50) 6. Rhythm & Sound w/ Sugar Minott: Let Jah Love Come (5:12) 7. Rhythm & Sound w/ Walda Gabriel: Boss Man (3:33) 8. Rhythm & Sound w/ Bobbo Shanti: Poor People Must Work (3:29) 9. Rhythm & Sound w/ Ras Donovan & Ras Perez: Let We Go (4:26) 10. Rhythm & Sound w/ Paul St. Hilaire: Free For All (4:26) 11. Rhythm & Sound See Mi Version (4:00)
Bonustracks EP Versions 1. Truly (Version) 2. Let We Go Version 3. Free For All Version

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Arden [x>] [D]: Conceal [F] [P]

CoverLabel: Stilll 01
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 05
Genre: Electronica - Postelectronica

Mitchell Akiyama nun mit einer Band, einer Electronica-Post-Rock-Supergroup. Arden besteht neben Mitchell Akiyama aus J-érôme Deuson (aMute), Jürgen Heckel (Sogar), Sebastien Roux, Christophe Bailleau und Jeuc Dietrich.
Aufgenommen wurde dieses Album in einem Landhaus in Belgien wahrscheinlich auf ihrer Europa-Tournee. Entstanden ist eine Perle zeitgenössischen Rockschaffens cineastisch, warm, instrumental und elektronisch zugleich. GROSS! Wie schreibt de:bugs Thaddi Hermann über diese CD? So: Zwischen knisternder Mikroelektronik, stotternden Sample-Versatzstücken und einem gro ??en Kosmos voller Gitarren und anderen Saiteninstrumenten, schwebt Conceal über den Dingen, in einer eigenen Welt, in der dunkel und hell sich gleich berechtigt die Hand reichen, Stimmungen wie eine Fata Morgana in der Wüste am Horizont schimmern und man sich nie sicher sein kann, was einen hinter dem nächsten Rauschen erwartet. So ist es, genau so!

Trackliste:

1. Jardin Opening (4:54) 2. Smashed Computers And Bad Luck (3:49) 3. Sleeping In A Strange Bed (8:34) 4. Grafted Guitars Of Unopened Train Doors (4:20) 5. Ne Se Soucier De Rien (9:04) 6. Kidney's Crash (4:08) 7. Des Routes Ensoleillees (6:51) 8. Cello For Sudden Goodbyes (7:20)

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Blir [x>] [D]: Raster Post Edits [F] [P]

CoverLabel: Raster-Noton 064
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 05
Genre: Electronica - DSP - Digitalminimalism

Von Blir gab es 1999 eine EP in einem grauen Cover, das nahezu keine Hinweise auf die Autorschaft gab. Eine Telefonnummer, eine Mailadresse mit der Buchstabenfolge snd, bevor snd sich ihren Namen gemacht hatten. Nun kommt eine neue Bearbeitung dieser Tracks mit einigen Ergänzungen bei der Raster-Post-Reihe heraus. Musik aus digitalen Fehlern, Pulse, Klicks, Glitches, Futternde hohe Frequenzen, die gerade 4/4-Bassdrum. Neunzehn wie immer bemerkenswerte Tracks aus dem Katalog von Mark Fell und Matt Steel.

Trackliste:

1. Untitled (0:45) 2. Untitled (3:04) 3. Untitled (2:47) 4. Untitled (2:03) 5. Untitled (2:03) 6. Untitled (2:57) 7. Untitled (2:12) 8. Untitled (2:28) 9. Untitled (1:56) 10. Untitled (2:29) 11. Untitled (2:48) 12. Untitled (2:06) 13. Untitled (2:07) 14. Untitled (1:35) 15. Untitled (1:03) 16. Untitled (1:23) 17. Untitled (4:09) 18. Untitled (3:12) 19. Untitled (4:04)

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Rezensionen April 2005

Mugison [x>] [D]: Mugimama Is This Monkey Music? [F] [P]

CoverLabel: Accidental AC 018
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 04 25
Genre: Electronica - Folktronica, Electronica - Postelectronica

Eine völlig aufgedrehte Stil-Hybride des Isläders Orneluis Mugison, angesiedelt zwischen Folctronica, Big Beat und Musique Concrète.
2003 kam Lonely Mountain auf Lifelike heraus. Da kündigte sich bereits an, dass von Mugison grossartige Musik zu erwarten ist. Mugimama übetrifft nun alle meine Erwartungen. Der erste Track, die Single I Want You könnte mit ihrer Ohrwurmqualität ein grosser Radiohit sein. Der zweite, The Chicken Song, hat einen umwerfenden Text (höre selber!). 2 Birds ist eine dein Herz zerreissende zweistimmige Folkhymne (es sing Mugisons Freundin Runa), die mühelos an Poke a Pal, den letzten Track auf Lonely Mountain anschliesst. Sad as a Truck punkt ungezähmt ab. I'd Ask zielt dann wieder auf dein Herz, dass du mitflennen möchtest. Salt spricht als Naturgeist zu dir, beginnt naiv wie die Kinderzimmer-Electronica der letzten Zeit und klingt ein wenig nach Einstürzenden Neubauten (wie das Lied Blume aus Tabula Rasa). Hold on to Happiness beginnt mit einem Satiesken Piano, das aber bald durch elektronische Effekte in die Gegenwart geholt wird. Darüber singt Mugison eine seiner Schmerz-Balladen. Den Schluss bildet das impressionistische Affirm mit zum grössten Teil als Hidden Track versteckten Mitschnitten aus dem Studio, in dem Mugison sein Album mit den Mitgliedern seiner Familie produziert hat. Die Wohnküche? Von der Stimmung her ja, von der Aufnahmequalität her wohl eher nicht. Das klingt nämlich wie aus dem Studio und hat aufnahmetechnisch wenig bis keine Lo-Fi-Signatur.
Ich meine, Mugison ist sowas wie der europäische Beck, ein Beck des Folktronica-Genres und damit sehr auf der Höhe unserer Zeit. Humorvolle, eigenwillige und ausdrucksstarke Musik! Gross!

Trackliste:

1. I Want You (Mugison, Pâlson) - 3:54 2. The Chicken Song - 3:05 3. Never Give Up - 0:50 4. 2 Birds - 5:08 5. What I Would Say In Your Funeral - 3:53 6. Sad As A Truck (3:16 7. Swing Ding (0:28 8. I'd Ask (2:48 9. Murr Murr (Ben, Mugison) - 2:53 10. Salt (Ben, Musgison) - 3:50 11. Hold On 2 Happiness - 4:30 12. Afi Minn (Afi) - 9:06
Alle Tracks: Mugison, ausser wo anders vermerkt.

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Fischerspooner [x>] [D]: Odyssey [F] [P]

CoverLabel: Capitol 7243 5 63755 2 9
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 04 05
Genre: Electronica - Elektro - Electroclash

Für alle Ohren, die an der Angel von grossen 80er Synthpop-Acts wie New Ordner oder Depeche Mode hängen. Eine Electroclash-Partybombe! Endlich beklagt sich niemand mehr über die fehlenden Melodien und Songstrukturen, über die vielen hohen Töne und digitalen Fehler. Das ist einfach noch richtig grosse Musik, wie wir es uns gewohnt sind, gell. Ironie? Ja und nein!

Trackliste:

1. Just Let Go (4:14) 2. Cloud (3:32) 3. Never Win (3:59) 4. A Kick In The Teeth (4:21) 5. Everything To Gain (4:13) 6. We Need A War (3:41) 7. Get Confused (4:11) 8. Wednesday (3:27) 9. Happy (4:00) 10. Ritz 107 (4:36) 11. All We Are (4:40) 12. [Point](6:36)

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Jay Haze [x>] [D]: Love For A Strange World [F] [P]

CoverLabel: Kitty-Yo KY 5095
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 04 05
Genre: Electronica - House - Leftfieldhouse

Future Funk in der Tradition von Super Collider bzw. Jamie Lidell. Hier wie dort: schräge Rhythmen, verstreute Fährten und Spuren statt gradlinige Strukturen. Soundfragmente, die die Signatur von Soul, Disco und Funk tragen, geraten ausser Rand und Band. Wo Jamie Lidell einen exaltierten Vokalstil pflegt, setzt Jay Haze auf eine beruhigtere Funkstimme, die aber - und das ist erstaunlich eigen - als Vocalsamples mit der Musik zusammen arrangiert werden. So werden die Vocals wie jedes elektronische Klangereignis bzw. Sample bearbeitet und arrangiert: Diese Stimme klingt somit wie ein elektronischess Instrument, sie wird mit Effekten zum Heulen und Brechen gebracht.

Trackliste:

1. Troubles I've Seen (1:53) 2. Easy Life (5:05) 3. Appreciate (6:13) feat. D:exter 4. Get Your Lovin' On (3:51) 5. Can't Feel Anything (4:17) 6. Down And Out (3:39) 7. Feel Your Pain (3:15) 8. Love For A Strange World (2:23) 9. Another Reason (3:59) 10. Big Eyes (3:27) 11. Slow Down (3:29) 12. I Can Love You (4:00) feat. D:exter 13. Make My Dream (4:56) feat. D:exter 14. Feel My Heat (3:42) 15. I Wanna Come (4:00) 16. Questioning (4:02) 17. Funky Blues (2:56) 18. Underground (3:32)

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Rezensionen März 2005

Keith Fullerton Whitman & Greg Davis [x>] [D]: Yearlong [F] [P]

CoverLabel: Carpark CRPK 029
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 03 22
Genre: Electronica - DSP - Liveprocessing

Die beiden Folktronica-Musikanten machten ein Jahr lang Auftritten in verschiedenen Städten der USA und Europas. Sie spielten für Radiostationen, traten in Galerien auf oder in Dance Studios. Einige Mittschnitte von diesen Auftritten sind nun auf dem vorliegenden Carpark-Release veröffentlicht.
Es ist keine CD, die durch Unmittelbarkeit besticht. Sie ist ein widerspenstiges Biest, das möglicherweise etwas Zeit braucht, um sich in dein Herz zu spielen. Davis war für die Instrumente (Piano, Gitarre, …) zuständig und Whitman programmierte den Laptop. Das Resultat kommt eher als generative oder völlig frei improvisierte Musik herüber denn als Folktronic. Zu disruptiv, zu verfrickelt klingen die Sounds. Introvertiert im besten Sinn: Das Live-Album spricht wenig zu dir, wenn du nicht bei jedem Track einen Schritt auf es zu gehst. Genau wie mit sehr introvertierten Menschen. Wenn du keine Fragen stellst erzählen sie dir nichts. Wenn du nicht hinhörst, wenn du nicht auf die feinen Klänge zu gehst, passiert wenig oder nichts.

Trackliste:

1. Boston Dance Company - Cambridge USA - May 18th 2002 (2:03) 2. La Casa - Washington USA - March 16th 2002 (2:59) 3. Knitting Factory - New York USA - June 22nd 2002 (3:58) 4. Bottom Of The Hill - San Francisco USA - April 4th 2002 (3:14) 5. WNYU-FM Radio Session - New York USA - March 16th 2002 (10:03) 6. Merce Cunningham Dance Studio - New York USA - December 8th 2001 (3:02) 7. Mission Space - Baltimore USA - December 8th 2001 (4:01) 8. WFMU Radio Session - Jersey City USA - June 23rd 2002 (2:07) 9. Kontor Gallery - Köln Germany - May 29th 2002 (4:04) 10. WMFU Radio Session - Jersey City USA - June 23rd 2002 (3:23) 11. Videogrammes Festival - Marseilles France - June 7th 2002 (1:38) 12. Knitting Factory - New York USA - June 22nd 2002 (4:12) 13. Impakt Ferstival - Utrecht Holland - November 2nd 2002 (2:04)

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Alva Noto & Ryuichi Sakamoto [x>] [D]: Insen [F] [P]

CoverLabel: Raster-Noton 065
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 03 20
Genre: Electronica - IDM - Glitch-IDM, Postpunk - Ambient - Soundpainting

Nach Alva Noto, die Punkte in den Raum setzen. Das ist Aurora, der erste Track. Auch Morning funktioniert ähnlich. In Logic Moon aber dann modulieren die Beats/Clicks die Piano-Sustains. In Moon gewinnen die Beats für kurze Zeit die Überhand. Berlin und Iano sind vielleicht die besten Tracks der CD, weil Noto aus der absoluten Stasis herauskomt. Das kurze Avaol beschliesst diese CD schliesslich im Nebel. Mit Insen erhältst du Musik voller Erhabenheit. Und wenn dir das gefällt, dann lege auch mal wieder Vrioon, Solo-CD von Mark Hollis ein!

Trackliste:

1. Aurora - 8:52 2. Morning - 5:27 3. Logic Moon - 6:50 4. Moon - 6:07 5. Berlin - 6:17 6. Iano - 6:53 7. Avaol - 2:52

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Venetian Snares [x>] [D]: Rossz Csillag Alatt Született [F] [P]

CoverLabel: Planet Mu ZIQ 111
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 03 15
Genre: Electronica - Breakbeat - Drill'n'Bass

Sechsundvierzig superbe Minuten Musik! Wenn du bisher noch nie so richtig von Venetian Snares überzeugt warst, wenn du der Meinung warst, er sei ja nur eine Fussnote zu Aphex Twin, dann wird dich diese CD von seinen Qualitäten überzeugen.
MitRossz Csillag hat Aaron Funk (s)eine persönliche musikalische Sprache gefunden. Der unaussprechliche Titel ist ungarisch (Aaron hat ungarische Wurzeln) und heisst Geboren im Zeichen eines schlechten Sterns. Auf den elf Tracks der CD verschmelzt Venetian Snares Drill'n'Bass-Wirbel mit ausgedehnten und atmosphärischen Streicherklängen (frühmoderne Klassik), arbeitet mit einem herzzerreisenden Billie-Holiday-Sample (Track 3) und verschaltet so Extreme auf eine bisher ungehörte Weise. Diese hochdramatische Musik ist zudem plastisch in den akustischen Raum gesetzt, so dass es ein Schmaus für deine Ohren ist.

Trackliste:

1. Sikertelenség (Failure) - 0:40 2. Szerencsétlen (Unlucky) - 4:55 3. Öngyilkos vasárnap (Suicidal Sunday) - 3:26 4. Felbomlasztott mentokocsi (Disintegrated/Decomposed Ambulance Car) - 3:44 5. Hajnal (Dawn) - 7:46 6. Galamb egyedül (Pigeon, Alone or Pigeon on Its Own) - 1:36 7. Második galamb (Second Pigeon) - 6:01 8. Szamár madár (Silly Bird; literally Donkey Bird) - 5:49 9. Hiszékeny (Gullible) - 1:39 10. Kétsarkú mozgalom (Bipolar Movement) - 8:50 11. Senki dala (Nobody's Song) - 2:16
Alle Tracks: Aaron Funk.

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Mitchell Akiyama [x>] [D]: Small Explosions That Are Yours To Keep [F] [P]

CoverLabel: Sub Rosa SR 238
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 03 08
Genre: Electronica - Postelectronica

Die Musik von Mitchell Akiyama weist weit nach vorne. Akiyama arbeitet am Sound der Zukunft. Doch was ist die Zukunft in einer Zeit, die gleichsam stillsteht, weil es in ihr alles gibt, weil in ihr alles präsent ist, repräsent in Datenbanken und Informationsnetzen? Wie kann eine Musik am Ende der Geschichte in die Zukunft weisen?
Das Ende der Geschichte ist nicht das Ende aller Geschichten und so bleibt es (natürlich!) möglich, eine Geschichte zu beginnen und sie fort zu schreiben. Das haben die Kanadier Akiyama und Hecker gemacht und schreiben diesen Anfang weiter und weiter. Die neue CD von Mitchell Akiyama ist die neueste Episode in dieser Mikrogeschichte. Small Explosions verwendet viele Instrumente, die sanft bearbeitet aus dem Lautsprecher kommen. Akiyama arbeitet und bearbeitet einzelne Klangereignisse. Dabei hat er viel, viel mehr Varianzmöglichkeiten gegenüber John Cages Experimenten mit dem prepared piano dessen Einzelklang, wenn die Schraube während dem Spiel nicht aus dem Klavier herausfällt oder bewegt wird, während dem ganzen Konzert immer relativ gleich erklingt. Die Klänge bei Akiyama erzählen eine Geschichte. Er hat für jedes Klangereignis ein unglaubliches Gespür, lässt es leben. Du hörst und erlebst die Metamorphose der Klänge. Das ist wie Ovid lesen! Dort sind die Kräfte der Natur beseelt, hier die Natur der Instrumentalklänge. Die musikalische Sprache von Small Explosions gleicht stellenweise der neueren Ambient-Musik von Leuten wie Nobukazu Takemura, Wechsel Garland, F. S. Blumm und anderen. Sie wirkt überlegt, arrangiert, hat aber Emotionalität und Frische/Überraschungspotential von improvisierter Musik. Ich bin sicher: Diese Musik wird noch weitere Episoden schreiben und bleibt spannend, ja wahrhaft grandios. So wie alles je grandios war, was du von Akiyama gehört hast.

Trackliste:

1. Strategies For Combatting Invisibility (5:37) 2. But Promise Me (4:07) 3. Full Then Felt (6:27) 4. Your Distance Kept (4:42) 5. Through Fall And Flicker (1:54) 6. Small Explosions That Are Yours To Keep (7:18) 7. Suggestions For Walking Alone (2:54) 8. Contrapuntal Lung Apparatus (4:24) 9. Overhead Then Exit (6:15) 10. With Her Shadow Cast In Doubt (4:42) 11. Ghost Storms (5:34)

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Atom™ [x>] [D]: iMix [F] [P]

CoverLabel: Laboratory Instinct 07
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 03 01
Genre: Electronica - Minimaltechhouse - Tecnocumbia, Electronica - Funktronica

Neues von Uwe Schmidt alias Atom Heart bzw. Atom TM. Im Rückblick ist es ziemlich irritierend, dass jemand, der pro Monat bis zu einer CD produziert plötzlich von der Bildfläche verschwindet. Waren es zweieinhalb Jahre?
Was mag in dieser langen Zeit geschehen sein. Ferien? Eine Weltreise? Eine kreative Pause? Wie auch immer, Atom Heart ist zurück und gehört noch immer zu den kreativsten, berauschendsten Electronica-Producern, einer von denen, die sich ihren Platz im Pophimmel bereits gesichert haben. Der Titel iMix der Mini-CD nimmt die Namensgebung der Mac-Programme und -Produkte auf: iWork iLife, iPod, iPhoto und wie sie alle heissen. Es geht mit dem kleinen i um die ubiquittre Suggestion von Individualität und Personalisierung. Oder eher doch nur Individualisierung, weil Personalisierung von einem Kode/einem Protokoll ausgeht und dann user-nahe Varianten einbaut (etwa bei personalisierten Webseiten). Diese iApplications aber sind höchst unprofessionelle Container und/oder Editoren für die eigenen Daten, die man produziert oder aufbewahrt. Aus Profi-Sicht nicht wirklich ernst zu nehmende Praktiken des Zeitvertreibs. Hinten hinaus kommt dann auch entsprechend schlechte Qualität – was das Coverbild des anderen in etwa zeitgleichen Releases von Uwe Schmidt zum Ausdruck bringt: CMYK. Die furchtbare Ästhetik setzt Atom Heart dort mit Methode ein, als Spiegelung der genannten Entwicklung im Bereich der Consumerelektronik (und der Gesellschaft).

Trackliste:

1. iMix - 2:22 2. Hallo, Wie Geht Es Dir? (Oye Como Va?) - 2:49 3. When I Come Home - 1:51 4. iLove (Easy Love) - 4:08 5. Sexuality - 4:31 6. Party Shuffle - 5:01 7. Sorry I'm Not The DJ, Baby! - 3:31
Alle Tracks: Uwe Schmidt.

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Coh [x>] [D]: 0397 Post-Pop [F] [P]

CoverLabel: MEGO 076
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 03 01
Genre: Electronica - Soundart - Conceptual-Glitch

COH ist Ivan Pavlov, ein Schwede mit russischem Namen, der seit Jahren als Sound-Tüftler bekannt ist, nicht zuletzt wegen seinem Beitrag zur Raster-Noton-Reihe 20' to 2000 Into Memories aus dem Jahr 1999. COH ist Glitch pur.
Du hörst geheimnisvolle Räume aus deinem Computer erklingen, in denen allerlei Prozessfehler maschinell klappern –, ein Klappern, das zeitweilig zu einem Geknatter wie von Motoren mutiert. Dieser maschinelle Rhytmus ist brutal präsent, der geht voll rein in die Fresse. Mein Nachbar hat auf den Boden geklopft, was er sonst nie tut. Er hört durch den Boden hindurch nicht die Feinheiten dieser Klänge, die stets sich entwickeln, miteinander spielen und interessant bleiben.
Die erste CD besteht aus neuem Material, die zweite ist ein Rerelease einer CD, die Pavlov 1997 für sich und ein paar Freunde gemacht hat. Frühes Promotionsmaterial also, das insofern wertvoll ist, als COH seine Klangsprache damals bereits voll entwickelt hatte.

Trackliste:

CD 1 1. Da Kota Rap (3:52) feat. Mia Farrow 2. Hiss No Hassle (0:40) 3. Apex [twig] (3:50) 4. Post-Pop Reprise (4:28) 5. 665,9f [Hot Like Hell] (Instrumental) (3:54) 6. Albatross (Instrumental) (2:48) 7. Untitled Smash Hit (3:25) 8. Dynamo Babe (6:36) 9. Quadrate Fur Max-Ernst (6:37) 10. Post-Pop (7:08) 11. Starlust (5:53)
CD 2 1. The Opening (6:41) 2. El, Hombre, Invisible (5:14) 3. Wasp Wisp (6:22) 4. Fracture (6:57) 5. Tesla Dance (5:08) 6. C Is For Sleep (7:01) 7. Unbecoming (5:50) 8. Morphine Twinge (4:51) 9. Steep Staple Tone (6:20) 10. The Closing (5:05) 11. Coh Track00 (4:32) 12. Scotch Sleaze (3:21)
Alle Tracks: Ivan Pavlov.

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Rezensionen Februar 2005

Scanner [x>] [D]: Reason By Heart, Sleep By Twilight [F] [P]

CoverLabel: BineMusic BINE 007
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 02 23
Genre: Electronica - Ambient, Electronica - Soundart

Hypnotische Ambient-Musik von Robin Rimbaud alias Scanner. Drei thematisch zusammen höngende Stücke. Die Angst reitet mit, ganz wie auf den frühen Releases von Scanner.
Eine leise aber volle Stimme erinnert an einen inneren Monolog oder ein sehr privates Gespräch. Sie ist wie durch ein Telefon gesprochen und kommt so aus einem beengenden Raum. Wirkt auch etwas digital, synthetisch. Die verwendeten Soundsamples und der monotone Rhythmus sind wirkunsgmächtig: Sie erzeugen eine anhaltende Beklemmung. Das ist richtig gut gemacht, ein Tipp für die Freunde von Industrial oder Filmmusik mit der beschriebenen Stimmung.

Trackliste:

1. Restless, Ungathered (3:36) 2. Reason By Heart, Sleep By Twilight (32:34) 3. Drifted...Drifted (14:12)

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The Chap [x>] [D]: Ham [F] [P]

CoverLabel: Lo 44
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 02 21 (UK), 2005 06 27 (US)
Genre: Post-Millennial-Music - Postpunk-Revival - Dancepunk, Post-Millennial-Music - New-Rave

Grossbritanniens Antwort auf LCD Soundsystem. Perfekt, diese dreckige Mischung aus (Garage-)Rock und Elektroclash.
Selten gehört, dass die beiden polaren Extreme gegenwärtiger Massentauglichkeit – Electroclash auf der Seite der Producer- und Tanzmusik und Garagerock auf der Seite von Rock- und Bandkontext – sich so gelungen paaren. Daraus entsteht eine noch nie gehörte Hybride. Das ist eine CD mit dem Zeug, ein neues hybrides Genre prägen zu können. Dreizehn Tracks/Songs, die klingen wie hingehauen. Mühelos, leicht, spielerisch. Und dabei schaffen die verwendeten Elemente vielschichtige historische Bezüge, zum Beispiel ist der Text von Woop Woop gemacht als käme er von Kraftwerk. Spassig, wie das CD-Cover. Ein Tiger mit Maske. Eine maskierte Bestie ist diese CD!

Trackliste:

1. Baby I'm Hurtin' - 2:22 2. Woop Woop - 4:08 3. Now Woel - 3:53 4. Long Distance Lovin' - 2:30 5. Woop - 3:18 6. Auto Where To - 3:45 7. The Premier At Last - 2:51 8. Arizona - 3:46 9. Arts Centre - 2:50 10. Oozing Emotion - 2:41 11. Younger People - 1:54 12. Clissold Park - 5:50 13. Emerson Lake And Palmer - 3:04

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AGF / Delay [x>] [D]: Explode [F] [P]

CoverLabel: AGF Producktion AGF PRO 003
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 02 14
Genre: Electronica - IDM - Glitch-IDM, Electronica - DSP

Das Musikerpaar Greie und Delay macht schliesslich eine gemeinsame CD. Daruf haben viele gewartet ?
Antye Greie und Vladislav Delay. Das wunderschöne Artwork der CD vom Japaner Kaisa Kemikoskie. Die Sounds (Alltagspoesie wie diese: i got really disgusted by the music played in the shops – cheap styleless pop trash – even I bought a shirt at zara the music was worst – I bought lip gloss and a mini jeans skirt – the summer is coming – it's useless to say that you are missing, it's useless to say that you are missing – to go through milano). Schön, dass diesen Eindruck jemand teilt. Etwas sehr tagebuchhaft, die meisten der Texte. Eine Ausnahme der Titeltrack Explode über jene Frau, die sich Dynamit um den Bauch bindet, sich schminkt, nicht mehr nachdenken mag, sich das letzte Mal noch selbst in die Augen schaut. Wenn Antye Greie deutsch schreibt, gelingt ihr ihre Poesie eher, weil solche Texte im Deutschen besser aufgehoben sind. Die Musik ist eher mit der von Laub vergelichbar als mit den letzten Soloplatten von Antye Greie. Sehr präsente Beats, Breaks, stockend und aus den Fugen, zähflüssig, schwerfüssig, durch die grossen Zwischenräume viel Platz für die Stimme. Aber wo ist der Produzentengenius Delays gebleiben? Ausser diesen Rhythmen ist nicht viel Erstaunliches zu hören.

Trackliste:

1. Do Protest (3:50) 2. Explode Baby (6:14) 3. All Lies On Us (3:25) 4. A Distant View (3:31) 5. Causing A Taifun (3:32) 6. Restrict (4:03) 7. Break Doors (4:05) 8. Useless (5:03) 9. Recorded (3:59) 10. Slow Living (5:59) 11. Distributor (3:27) 12. From Morning On (5:01)

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Marsen Jules [x>] [D]: Herbstlaub [F] [P]

CoverLabel: City Centre Offices TOWERBLOCK 023
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 02 14
Genre: Electronica - IDM, Electronica - Postelectronica

Marsen Jules (auf seinem Pass steht: Martin Juhls) hat auf dem Netaudio-Label Autoplate zwei empfehlenswerte Ambient-CDs vorgelegt: Lazy Sunday Funerals (2003 - Autoplate 017) und Yara (2004 - Autoplate 023). Kannst du dir gratis auf deinen Computer runterziehen – tu das mal! Und hör dir bei dieser Gelegenheit auch gleich Kenneth Kirschners Release May 3, 1997 (2004 - Autoplate 025) an! Jetzt aber zum Herbstlaub-Album: Wie bereits auf seinen Autoplate-Releases zeigt Martin Juhls einen ausgeprägten Sinn für dichte, orchestrale, melancholische Streichorchesterkläge, die er organisch an- und abschwellen lässt. Das Klangbild erinnert etwas an Gas ohne Beat oder an Ekkehard Ehlers Betrieb-CD (Mille Plateaux - 2000).

Trackliste:

1. Fanes D'Automne (6:09) 2. De La Mort D'Un Cygne (5:30) 3. Aurore (7:40) 4. Aile D'Aigle (7:33) 5. Tous Les Coeurs De Cette Terre (7:23) 6. Chanson Du Soir (5:20)

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Markus Guentner [x>] [D]: 1981 [F] [P]

CoverLabel: Kompakt 039
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 02 08
Genre: Electronica - Ambient, Electronica - Minimaltechhouse

Markus Güntner lässt seinen Tracks alle Zeit der Welt bis sie sich entfaltet haben. Es beginnt alles mit der Andeutung einer Textur oder einem einfachen Drumpattern. Dann, im Lauf von Minuten verdichtet sich die musikalische Idee zum ausgereiften Track.
Dieser Track ist machmal gar tanzbar (hi-jacked). Nein! hi-jacked hätte ich an seiner Stelle nicht im Album drin gelassen. Ich hätte ein reines Ambient-Album gemacht. Jedenfalls ist 1981 ein gewaltig gutes Album, viel besser als das vor drei Jahren erschienene In Moll, das sich noch zu sehr nach Gas anhörte. Ganz abgeschüttelt hat Güntner allerdings diese Tradition noch nicht. Das erkennst du nicht zuletzt auch an seinen Tracktiteln wie Wanderung oder Sommergewitter. Güntners Musik ist aber dermassen reif, schier unglaublich für einen 24 Jahre alten Joungster. Ein weiterer Anspieltipp: Umgebung.

Trackliste:

1. Wanderung - 8:30 2. Wenn Musik Der Liebe Nahrung Ist - 9:19 3. Jellyfish - 8:29 4. Hi-Jacked - 8:34 5. Sommergewitter - 8:56 6. Umgebung - 7:01 7. Der Wüstenplanet - 8:20 8. Hotel Shanghai - 6:27
Alle Tracks: Markus Guentner.

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Bibio [x>] [D]: Fi [F] [P]

CoverLabel: Mush MH 234
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 02 08
Genre: Electronica - Folktronica

Für Freunde von Boards of Canada und Keith Whitman. Loop-Folk mit vielen Medienspielereien, mit Gleichlaufschwankungen und Bandsalat. Stephen Wilkinson, der Bibio ist, steht mit seinem Standbein in der Analog-, mit seinem Spielbein in der Digitaltechnik. Tipp!

Trackliste:

1. Cherry Blossom Road - 1:26 2. Bewley In White - 4:25 3. Puffer - 3:42 4. Cluster At CWM Einion - 1:35 5. London Planes - 1:22 6. It Was Willow - 2:01 7. I'm Rewinding It... - 4:15 8. Looking Through The Facets Of A Plastic Jewel - 2:27 9. Wet Flakey Bark - 4:40 10. Bewley in Grey - 1:38 11. Teleidophonic Torch - 0:59 12. Puddled In The Morning - 3:01 13. At The Chase - 1:43 14. Cantaloup Carousel - 5:52 15. Lakeside - 3:37 16. Bewley In Red - 0:49 17. Poplar Avenue - 5:20
Alle Tracks: Stephen Wilkinson.

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Ignatius [x>] [D]: Gossamer [F] [P]

CoverLabel: Rocket Racer RR024
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 02
Genre: Electronica - IDM

Feingesponnene Texturen von Steve Westbrook, futuristisch wie Techno sein sollte, IDM in der Machart von Autechre in der Zeit um Tri Repetae oder von Richard Devine in der Zeit um Lipswitch. Ein kleiner Geheimtipp aus Kalifornien.
Gossamer liefert den perfekten Soundtrack, für das Spinnen von Polymerfasern im Nanobereich. Kopfhörermusik im zweifachen Sinn des Wortes.

Trackliste:

1. Ambition (9:58) 2. Plunk (8:28) 3. Toh (8:35) 4. Death Truck (6:20) 5. Hesitation (11:52) 6. Wanderlust (10:44) 7. Karamaku (7:55) 8. Death Truck (Galena Remix) (7:54)

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Rezensionen Januar 2005

L'Altra [x>] [D]: Different Days [F] [P]

CoverLabel: Hefty 047
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 01 25
Genre: Postrock

L'Altra kommen aus Chicago, der Postrock-Stadt. Dafür sind sie eigentlich viel wenig jazzig – bieten aber die Art von Postrock, der es mehr um das Zusammenschweissen von elektronischen, rockigen und popigen Elementen geht. Sybarite kommt mir als vergleichbarer Act in den Sinn oder Mice Parade.
Aufwändig produziert, dichtes Klangbild, zeitgemässer Traumpop. Das Bett steht bereit, die Starkstromleitungen zirpen zärtlich in der Sommerluft. Leg dich hinein ins Abenteuer!
L'Altra sind Herr Joe Costa (g, voc) und Frau Lindsay Anderson (keyboards, voc). Beide stammen ursprünglich aus Cleveland Ohio, leben aber in Chicago, seit sie als L'Altra zusammen arbeiten. Keine Rezension lässt die Tatsache aus, dass die beiden ein Paar waren, dass sie sich aber mittlerweile getrennt haben und trotzdem weiterarbeiten.
Different Days ist introspektiver, intimer Postrock, sehr auf Textur bedacht. Es gibt da und dort im grossen Raum, den die Musik öffnet, eingestreute Jazz- oder Glitch-Sprengsel. Die Gitarrenarbeit erinnert an englische Shoegazer-Bands oder an 80er Indiepop. Das alles war zu Beginn ebenso schön wie belanglos. Nett und zahm. Dann kam das Album ;In the Afternoon von 2002, das reifer klang. Das war die Hoffnung für die Zukunft. Und jetzt ist diese Zukunft, zwei Jahre hat es gedauert bis Different Days erschien. Die beiden Gruppenmitglieder liessen sich musikalisch von Kollegen aus Bands wie Pulseprogramming und Telefon Tel Aviv unterstützen. Joshua Eustis von Telefon Tel Aviv hat die Album produziert. Different Days ist voller prägnanter Songs, die du ebenso schätzen kannst, wenn du eher Rock und Bands hörst oder wenn du elektronische Musik bzw. Tracks magst. Das geht hier zusammen wie der weisse und der blaue Nil zusammen fliessen.

Trackliste:

1. Sleepless Night (5:38) 2. It Follows Me Around (4:26) 3. Better Than Bleeding (4:44) 4. Bring On Happiness (2:31) 5. So Surprise (4:21) 6. Mail Bomb (4:47) 7. There Is No (3:52) 8. Different Days (3:21) 9. Morning Disaster (5:33) 10. A Day Between (3:33)

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Matt Sweeney & Bonnie 'Prince' Billy [x>] [D]: Superwolf [F] [P]

CoverLabel: Drag City DC 179
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 01 25
Genre: Alternativerock - Sadcore - Singer-Songwriter

Wow! Die Melancholie von Bonnie 'Prince' Billy wird hier von der Gitarre Matt Sweeneys eingekleidet. Dieser Gitarre gelingt es, die Essenz aus den Songs heraus zu filtern, genau die Töne zu spielen, die hier her gehören und die andern wegzulassen. Die beiden spielen sich direkt in dein Herz hinein.

Trackliste:

1. My Home Is the Sea - 5:49 2. Beast for Thee - 3:41 3. What Are You? - 2:38 4. Goat and Ram - 5:15 5. Lift Us Up - 2:56 6. Rudy Foolish - 4:12 7. Bed Is for Sleeping - 2:56 8. Only Someone Running - 3:13 9. Death in the Sea - 2:38 10. Blood Embrace - 7:57 11. I Gave You - 2:38

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C-Schulz [x>] [D]: 5. Flicker Tunes [F] [P]

CoverLabel: Sonig 42
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 01 24
Genre: Electronica - Noisetronica

Der Kölner Carsten Schulz legt mit dieser CD acht Tracks vor, die genau das sind, was der Titel besagt. Flicker Tunes.
Jeder Track besteht aus einem Flimmern was der CD eine ungewöhnliche Kohärenz verleiht. 5. Flicker Tunes ist Laptop-Musik, könnte aber genau so gut Industrial sein oder musique concrète - ihre Machart spielt eine untergeordnete Rolle. Höre auf den Klang allein: Er scheint von immer der selben Klangquelle zu kommen, einem Helikopter. Auf jeden Fall scheint immer ein Helikopter präsent zu sein - und absent zugleich. Die Fata Morgana eines Helikopters. Der ohrenbetäubende Krach dieser Flugmaschine wird in eher warm anmutende Drohnen transformiert. Sie schwellen an und ab. Sie geben ihre Gestalt nie preis, da sie sich stets verändern. Du hörst die fein gearbeiteten Texturen eines Klangkünstlers, die an keiner Stelle den Charakter eines Entwurfs haben, sondern ganz Produkt sind – so als hätte Carsten Schulz bereits zehn Jahre mit ihnen gelebt, um genau zu prüfen, ob eine Textur langweilig wird oder nicht. Diese acht Tracks scheinen den Test der Zeit bestanden zu haben. Mir fällt auf, wie gut der Helikopter als Maschine metaphorisch für gegenwärtige Klangkunst stehen kann! Der Höllenlärm, den dieses Ungetüm macht, entsteht nicht allein vom Motorengeräusch – dieses allein wäre vielleicht erträglich. Es entsteht durch den Rotor, der ins Element Luft hinein schlägt und sie rhythmisch zerteilt. ein Hubschrauber produziert vor allem Schall. Und so liegt es nahe, dass ein Klangkünstler sich diesem künstlichen Schall annimmt, ihn als Material für diese grossartige Musik verwendet.

Trackliste:

1. Zwizzeron (7:22) 2. Swelan (5:05) 3. Flicker (9:45) 4. Flimm I (7:24) 5. Flimm II (2:25) 6. Gistemon (5:48) 7. Tarnan (7:57) 8. Weilland (6:25)
Video 1. Swelan (5:06)

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LCD Soundsystem [x>] [D]: LCD Soundsystem [F] [P]

CoverLabel: DFA 2138
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 01 24
Genre: Post-Millennial-Music - Postpunk-Revival - Dancepunk, Post-Millennial-Music - New-Rave

LCD Soundsystem sind von ein paar Singles/EPs her bekannt, die bei ihrem eigenen New Yorker Label DFA entstanden sind. Mit ihrem ersten Album küssen sie den Remix ins Reich des Schlafs, wenden statt dessen eine Mimikry-Strategie an, durch die sie in die Gestalt einiger Originale schlüpfen und uns so eine Collage von Songs prä:sentieren, die wir schon mal gehört haben. Nur haben wir sie so hip noch nie gehört.
LCD Soundsystem sind die Berufshipster James Murphy und Tim Goldsworthy (der Mitbegründer des Londoner Mo-Wax-Labels). Die beiden könnten unähnlicher nicht aussehen. Ich staune, dass sie so gute Freunde sind. Was ich von James Murphy lese, was dieser Mann so alles sagt, das weist auf eine beeindruckend amerikanische Haltung hin: Murphy denkt einfach, fast elementar, wenn er etwas tut (zum Beispiel eine Platte aufnimmt oder als Produzent agiert) dann bringt er seine Aufgabe auf den Boden einfachster Facts und setzt unerbittlich dort an, wo es not tut. Diverse Partner bei Remix- und Produktionsprojekten haben das nicht ausgehalten, kann man verstehen. Mit seiner zutiefst amerikanischen Herangehensweise und Lebenshaltung setzt Murphy in diesen Songs/Tracks eine unglaubliche Kraft frei. Die Musik erinnert dich sofort an die Achziger. Du hast ein Elektroclash-Album aufgelegt, aber eines das von Rockern, nicht von DJs produziert worden ist. Track eins erinnert wie die Maxis von LCD Soundsystem an die Zeiten von Postpunk, Track drei ist eine New Order-Imitation, dass dir die Ohren wackeln. Spuren zu den Tracks in der lieben Schallplattensammlung legen, das ist eine Sache. imitieren eine andere! Das hier ist Imitation, aber echt. Du bist verblüfft, wie Murphy seine Stimme morphen kann (nomen est omen). Im vierten Track klingt er wie Mark E. Smith von den Fall. Track sechs beginnt wie Tainted Love von Soft Cell, Track acht wie die Beasty Boys, neun wie ein Brian Eno Stück aus den mittleren Siebzigern. Dieser verdammte Retro-Schick hat aber eine Kraft, die zeitlos ist. Im Vergleich zu Electroclash, der voll glamurös sein möchte, versucht LCD Soundsystem massiv zu sein und gibt einen Schuss Paranoia mit bei. Kein Wunder, dass die beiden Musiker sich von den Geistern verfolgt fühlen, die sie aufwecken. Diese CD ist ein Ereignis, das gegenwärtig nicht umsonst durch die gesamte Musikpresse geht.

Trackliste:

CD 1 1. Daft Punk Is Playing At My House - 5:16 2. Too Much Love - 5:42 3. Tribulations - 4:59 4. Movement - 3:04 5. Never as Tired as When I'm Waking Up - 4:49 6. On Repeat - 8:01 7. Thrills - 3:42 8. Disco Infiltrator - 4:56 9. Great Release - 6:35
CD 2 1. Losing My Edge - 7:51 2. Beat Connection (Murphy, Tim Goldsworthy) - 8:08 3. Give It Up - 3:55 4. Tired (Murphy, Pat Mahoney) - 3:34 5. Yeah (Crass Version) (Murphy, Goldsworthy) - 9:21 6. Yeah (Pretentious Version) (Murphy, Goldsworthy) - 11:06 7. Yr City's a Sucker (Full Version) - 9:22
Alle Tracks: James Murphy ausser wo anders vermerkt.

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Atom™ & CMYK [x>] [D]: CMYK [F] [P]

CoverLabel: Rather Interesting RI 062
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 01 17
Genre: Electronica - Funktronica - Glitchfunk

CMYK vereinigt verschiedene Themen und vermengt sie miteinander. C. M. Y. Und K. Daraus entsteht ein sehr farbiges Bild.
Da ist der für das Rather-Interesting-Label ebenso typische wie auch grossartige Schredderpop, da gibt es diese Marimba-Versionen von 80er Hitparadenmusik wie Boys Boys Boys von Sabrina (das in Anspielung an Joseph Beuys, Beuys Beuys Beuys heisst, Touch me (I Want To Feel Your Body) von Samantha Fox, Do You Really Want To Hurt Me von Culture Club, Tarzan Boy von Baltimora und Maniac von Michael Sambello aus dem Flashdance Soundtrack. Gespielt werden diese Hits von Carsten Skov, dem es gelingt sie auf eine interessante Weise zu interpretieren. Es ist unglaublich: Zum ersten Mal mag ich diese Musik! Ein weiterer Teil besteht aus Radiointerviews, in denen vorgeführt wird, wie man sich so missversteht zwischen Medienmenschen und Nichtmedienmenschen bzw. auf zwei verschiedenen Seiten einer Sprachgrenze. Und dann gibt es noch diese Tonspuren aus Pornomovies, die provokant oder nicht von Zeit zu Zeit in diesen Longe-Mix eingelassen sind. Vier disparate Elemente, C, M, Y und K. Die Quintessenz daraus ist diese Rather-Intersting-Scheibe mit der Katalognummer 062.

Trackliste:

1. Cinematik - 0:55 2. Radio Interview 1 - 0:37 3. Boys, Boys, Boys LISTEN! - 4:47 4. Beuys, Beuys, Beuys - 1:59 5. Every Man Should Have a Secret - 0:11 6. Ha-Ha-Harmony - 2:01 7. Hormonique - 1:11 8. Touch Me - 0:20 9. Touch Me - I Want to Feel Your Body - 3:23 10. Kalimba - 2:38 11. O.K, Jungs - 0:21 12. Evil Swing - 3:04 13. Pleaseure Delay - 0:20 14. Degraded - 0:06 15. Disziplin & Ordnung - 0:23 16. Do You Really Want to Hurt Me - 4:51 17. Subterranian Shore - Version 2004) - 1:16 18. Foresta 301 - 1:13 19. Shepard Loom - 1:32 20. Les Hawaiian Topic - 1:07 21. Quiteude - 0:16 22. Elefante King - 0:59 23. Tarzan Boy - 4:22 24. Original und Kopie - Part 1) - 0:29 25. Soft Shuffle - 2:04 26. Hard Shuffle - 2:19 27. Dejavu - Original und Kopie 2) - 0:24 28. Maniac - 4:35 29. Radio Interview 2 - 0:25 30. Maniac FM - 1:39
Alle Tracks: Uwe Schmidt.

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Hood [x>] [D]: Outside Closer [F] [P]

CoverLabel: Domino WIGCD 148
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 01 17
Genre: Postrock - Indietronica

Hood war als Indietronic-Band bekannt. Was wurden sie – durchaus zurecht – gefeiert! Es hat einige Zeit gedauert bis das neue Album fertiggestellt war. Nun ist es so weit. Outside Closer ist rockiger, weniger Elektronisch, mehr songbasiert, direkter, vielfältiger als alle Vorgänger-CDs. Die hervorragende CD einer Band, die sich weter entwickelt hat und auf der Höhe der Zeit bleibt!

Trackliste:

1. (Int) - 0:39 2. The Negatives... - 3:43 3. Any Hopeful Thoughts Arrive - 6:55 4. End of One Train Working - 5:11 5. Winter 72 - 6:10 6. The Lost You - 4:41 7. Still Rain Fell - 4:45 8. L. Fading Hills - 4:25 9. Closure - 7:33 10. This Is It Forever. - 2:36

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Rezensionen ohne Monatsangabe aus dem Jahr 2005

Dredd Foole [x>] [D]: Daze On The Mounts [F] [P]

CoverLabel: Child Of Microtones COM 12, Family Vineyards 46
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005 (Ed.), 2007 01 23 (Reed.)
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk - Spacefolk

Dredd Foole ist Daniel Ireton. Er wird auf dieser CD, die bereits 2004 oder 2005 – die Quellen sind sich nicht einig – auf Child of Microtones herausgekommen ist, unterstützt von Matt Valentine und Erika Elder, dem Paar, das selbst einer der grossen Acts im Neofolk-Genre darstellt.
Ein Showcase diese CD, dafür, was psychedelische Musik heute ist. Klingt sehr nach
Tim Buckley. Es gilt: Was die Incredible String Band für die Freefolk-Szene (Devendra Banhart, Johana Newsom oder Vetiver etc.) ist Tim Buckley für die Psychfolkszene. Der All Music Guide schreibt vom ersten Track Two Faces, er sei ein zehn minütiges grossartiges Delirium. Der zweite Track Signed D.C. stammt von Loves Arthur Lee. Das ist der Anspieltipp, wenngleich seine klarere Songstruktur nicht für die anderen fünf Tracks dieser CD stehen können. Ist mehr als Einstiegshilfe für Newbies gedacht.

Trackliste:

1. Two Faces 2..Signed D.C. 3..Lion Of Green 4..Freedom 5..Feed The King 6..When (The) Foole Comes Out

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AMM & MEV [x>] [D]: Apogee [F] [P]

CoverLabel: Matchless MRCD61
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2005
Genre: Akademica - Elektronische-Musik - Elektroakustische-Improvisation

Diese beiden Formationen, die britischen AMM und die euro-amerikanischen MEV, haben in den späten sechziger Jahren Musikgeschichte geschrieben. Beide arbeiteten an einer neuen Konzeption von (akademischer) Musik, an einer Musik, die wie der Jazz, von der Live-Improvisation lebte, eine Musik, die in der Traditionslinie stand, die John Cage begründete. Im Frühjahr 2004 treffen sich beide Formationen in London, um eine neue Platte einzuspielen.
Der alte Gegensatz zwischen Musique Concrète und Serieller Musik, den die musikalischen Geister in den 50ern schied, war plötzlich obsolet. Jetzt wurde die Frage nach dem Verhältnis zwischen Musikern und Komponisten relevant. Weg musste die Hierarchie zwischen diesen beiden Instanzen, die Spieler waren selbst Komponierende und die musikalische Idee entstand im Zusammenspiel der Musiker statt in der Studierstube des Komponisten. So wurde plötzlich das wesentlichste Element, das den Jazz ausmacht, in die europäische akademische Tradition mit aufgenommen. Beide Ensembles verkörpern so Musikgeschichte. AMM bestand damals (1968) aus Cornelius Cardew, Eddie Prévost und Keith Rowe, MEV (Musica Elletronica Viva) war eine personell und örtlich wechselnde Formation. MEV operierten in New York, Rom und Paris. unter anderen aus Alvin Curran, Frederick Rzewski und Richard Teitelbaum. Alles inzwischen klingende Namen. Letztes Jahr kamen die beiden Formationen in London zusammen, um gemeinsam neue Aufnahmen zu machen (CD 1) und um in den einzelnen Formationen je ein Konzert am Freedom of the City Festival zu geben (CD 2). Mit AMM spielte auch John Tilbury, der vor 20 Jahren Cornelius Cardew ersetzt hat. Die Studioaufnahme ist sehr geprägt von AMM. Sound-Flächen bei kleiner Lautstärke, die dir nichts sagen, wenn du nicht zuhörst. Tauchst du aber ganz in die Musik ein, bietet sie dir ein unvergleichliches Hörerebnis. CD2 beginnt mit dem Konzert von AMM. Die Musik beginnt vergleichsweise dramatisch (geradezu brutal) mit einem insistenten Klavierakkord von Tilburry über einer breiten Soundfläche. Die Soundfläche gewinnt bald die Oberhand. Auch das AMM-Konzert hat einen fulminanten Start. AMM bleiben ihrem charakteristischen Sounddesign treu, das sie über Jahre/Jahrzehnte im gemeinsamen Spiel entwickelt haben. Tilbury und Rowe prägen das Geschehen deutlich. Bei MEV scheinen mir die Soundmöglichkeiten viel weiter als bei AMM, dafü:r klingen sie nicht so charakteristisch wie diese. Bei MEV ist es durchaus möglich, dass eine Pianophrase nach 19. Jahrhundert klingt.

Trackliste:

CD 1 1: MEV & AMM Apogee part 1 (31.21) 2. Apogee part 2 (19.48) 3. Apogee part 3 (19.38)
CD 2 1. AMM: 01.05.04 (39.27) 2. MEV: 01.05.04 (36.40)

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