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Anzeige aller Musikzimmer Rezensionen von 2004 geordnet nach Monat

Rezensionen Dezember 2004

Shuttle 358 [x>] [D]: Chessa [F] [P]

CoverLabel: 12k 1030
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 12
Genre: Electronica - DSP - Digitalminimalism

Eine neue Scheibe von Dan Abrams ist nach langem Warten endlich da! Ich war lange durstig. Jetzt gibts was zu trinken. Warme Dronenklänge eröffnen das Album. In sie sind digitale Störungen eingearbeitet. Dies ist das Prinzip von Chessa: warme Dronesounds (Sirup) mit rhytmischen Glitches (Zimt oder Minze). Köstlich!

Trackliste:

1. Ash - 7:05 2. Chessa - 6:55 3. Blast - 3:02 4. Duh - 3:40 5. Marche - 5:18 6. Nerf - 3:39 7. West Nile - 2:15 8. Melt - 5:30 9. Logical - 2:59 10. Dead Leaves - 5:20 11. Scrapbook - 7:49
Alle Tracks: Dan Abrams.

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Rezensionen Novemeber 2004

Autistic Daughters [x>] [D]: Jealousy And Diamond [F] [P]

CoverLabel: Kranky KRANK 076
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 11 01
Genre: Postrock

Dean Roberts' neustes Werk, das er zusammen mit Werner Dafeldecker (b) und Martin Brandlmayr (dr) als Autistic Daughters eingespielt hat. Alle Beteiligten sind längst als grosse Meister ihrer Instrumente bekannt, sie alle Arbeiten zwischen Improvisation und Songstruktur, zwischen losen Kollaborationen und Bandzusammenhang. Ich hoffe nur, dass Autistic Daughters keine einmalige Angelegenheit bleiben wird. Die CD von einem unserer Lieblingslabels Kranky enthält sieben teils längere Songs. Du wohnst in den Klängen drin, sie entstehen da und dort, manchmal in deinem Kopf, manchmal draussen, manchmal bist du mitten im Instrument drin. Immer herrscht eine intime Stimmung, weil alles so nah ist. Das ist Musik wie ein Kopfkissengespräch zwischen Liebenden.

Trackliste:

1. A Boxful Of Birds 2. Florence Crown, Last Replay 3. The Glasshouse And The Gift-Horse 4. Rainy Day In June 5. Spend It On The Enemy (While It Was Raining) 6. In Your Absence From The Street 7. Jealousy And Diamond

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Michaela Melián [x>] [D]: Baden Baden [F] [P]

CoverLabel: Monika Enterprise monika 39
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 11 01
Genre: Electronica - Ambient, Postrock - Indietronica

Schöne Texturen, vor allem fällt der erste Track Brautlied positiv auf. Viel Sinn für wohltexturierte Tracks zu hören. Der Song for Europe von Roxy Music in der Manier von Nico gesungen wäre allerdings nicht nötig gewesen.

Trackliste:

1. Brautlied - 4:34 2. Straße - 8:52 3. Panorama - 11:30 4. Verkehr - 5:20 5. Ignaz Guenther House - 9:19 6. Baden-Baden - 9:42 7. A Song For Europe (Bryan Ferry, Andy Mackay) - 5:50
Alle Tracks: Michaela Melián und Carl Oesterhelt, ausser wo anders vermerkt.

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Rezensionen Oktober 2004

März [x>] [D]: Wir sind hier [F] [P]

CoverLabel: Karaoke Kalk kalk 29
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 10 25
Genre: Electronica - Folktronica

Selten kommt Folk so positiv daher wie bei März. März, das ist Ekkehard Ehlers' und Albrecht Kunzes Folk-Pop-Electronica-Projekt. Bereits die erste CD der beiden, Love Streams (2002, Karaoke Kalk 13) war ein heller Stern am Pophimmel. Nun ist März auch dieses jahr wieder hier, wie St. Nikolaus, der wiederkommt oder das Christkind oder der Weihnachtsmann. Und wir, die Kinder, freuen uns auf deren Gaben. Und wie wir uns freuen.
Der CD-Titel kommt mir vor wie eine universelle Antwort auf die Standardfrage bei der Mobilkommunikation: Wo bist Du?, Wo seid ihr?. Offenbar die wichtigste Frage der Welt, eine der am häufigsten gestellten Fragen. März geben uns die universelle Antwort auf die universelle Frage: Wir sind hier. Hier funktioniert als variabler Index auf die gegenwärtige Situation des mobilen Spreches/der mobilen Sprecherin. Eine Passepartout-Sentenz. ein kommunikations-Anreger. Ein Herzöffner.
März schaffen es, dem kritisch und intellektuell geprägten Genre der Folkmusik eine tiefe Emotionalität abzugewinnen. Gegenüber der CD von vor zwei Jahren sind die Arrangements auf der neuen CD noch vielschichtiger, die Songs prägnanter, das Instrumentarium vielfältiger (Bläser, Banjos, Mandoline, die zu Gitarren, Piano/Keyboards, Glockenspiel hinzu kommen). Hast du gemerkt: Wir sind hier hat die Qualität eines Konzeptalbums, denn die Komposition der elf Tracks zu einem Album wirkt unglaublich gelungen. Insofern als das Konzept für ein Mal aus dem Bauch statt aus dem Kopf kommt, kann man sagen: Wir sind hier ist ein Konzept-Album. Sehr gelungen das Titelbild der CD von Markus Weisbeck, ein gespiegeltes küssendes Gesicht, das durch die Spiegelung zum Kippbild wird.

Trackliste:

1. Forever Never (4:20) 2. März Im Park (3:31) 3. The River (5:13) 4. Tropige Trauben (4:20) 5. Blaue Fäden (6:40) 6. Some Things Do Fall (3:18) 7. Biber & Enten (Plattler) (5:00) 8. Welt Am Draht (3:38) 9. Oktober Im Park (4:44) 10. The Pop Song (4:36) 11. Wir Sind Hier (4:05)

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Ricardo Villalobos [x>] [D]: Thé Au Harem D'Archimède [F] [P]

CoverLabel: Perlon PERL 43
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 10 12
Genre: Electronica - Minimaltechhouse


Der Altmeister Villalobos - nach dem letztjährigen Alkachofa ein weiteres Album mit erstklassigen Minimaltech-Tracks, fast jeder Rhythmus am Flamenco geschult, was diese Killertracks für Nachtschwärmer lebendig sowie für Heimhörer/-innen zugänglich macht.

Trackliste:

1. Hireklon - 9:01 2. Serpentin - 9:46 3. Forallseasons - 4:27 4. Théorème D'Archimède - 6:50 5. Hello Halo - 8:12 6. Temenarc 2 - 6:01 7. Temenarc 1 - 7:27 8. Miami - 9:00 9. True To Myself - 14:18
Alle Tracks: Ricardo Villalobos.

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Akufen & Freeform & Rip-Off Artist [x>] [D]: Blu TribunL [Label-Comp.] [F] [P]

CoverLabel: Inflatabl Labl FLAT 006
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 10 05
Genre: Electronica - Bluestronica

Interessant, wie sich mit der Zeit die Massstäbe verschieben: Blues als Genre gehörte in den 50er und vor allem 60er Jahren zur Musik, die als Cool bezeichnet werden konnte. Am Ende der 60er Jahre aber hat Blues diese Coolness verloren. Leute wie Eric Clapton, die dem Blues über die Jahre hinaus treu geblieben sind, wurden zu Grufties. Nun, so ist eben das Gesetz der Zeit. Was aber passiert, wenn eine junge Generation mit dem zurzeit coolen Sound sich plötzlich dem veralteten Genre annimmt, wie das Akufen, Freeform und Rip-Off Artist auf dieser CD tun?
Wenn ich von Coolness spreche, dann im Sinn von McLuhan: Ein Medium ist cool, wenn es seine Konsumenten in den Bann zieht, wenn sie sich ihm nicht entziehen können, ohne desshalb auf Sinn verzichten zu müssen). Man kann feilich darüber streiten, ob ein Genre ein Medium und nicht ein Inhalt ist – ich betrachte es mal als ein Medium und kann dann feststellen, dass dieses Medium Blues beim weissen Massenpublikum in den besagten 50ern und 60ern etwas Neues war, das die volle Aufmerksamkeit verlangte: Neu waren insbesondere die andere Tonalität der Musik und der soziale Realismus, der mit den Texten transportiert worden ist Als das Genre dann am Ende der 60er soweit in den Massengeschmack eingegangen ist, verlor der Blues seine Coolness.
Nun aber zu diesem Release: Er versucht, den Blues wieder cool zu machen, indem er ihn unter den aktuellen medialen Bedingungen (Laptop als musikalisches Produktionsmittel) reproduziert. Alle Klänge auf dieser CD sind gesampelt, geschreddert und digital rezykliert worden, aber der Blues widerstand, weil seine starke Signatur im kleinsten Sample als uncool durchscheint. Und so geriet auch diese CD zu akademisch in dem Sinn, dass ein intellektuell ansprechendes und interessantes Konzept einfach in der Durchführung scheitert. Bei Akufen habe ich den Eindruck, dass eh alles immer gleich klingt, auch wenn der Mann bulgarische Frauenchöre oder Eskimogesänge bearbeiten würde – es macht keinen Unterschied! Bin ich ungerecht? Der von mir sehr geschätzte Simon Pyke (Freeform) bringt schon besseres zu Stande, indem er sich gar nicht so sehr für das Klangarchiv des Blues zu interessieren scheint, sondern vielmehr eine eigene Welt kreiert, die nach dem Missisippidelta in seinem Kopfkino klingt. Leider klingt es in seinen Südstaaten sehr ähnlich wie in Südostasien. Bin ich fies? Am besten schneidet bei mir Matt Haines ab, der Rip-Off Artist), der als einziger von den dreien verstanden hat, dass der Blues eine mehr narrative als textuelle Form von Musik ist. Nein, die CD ist zu disparat ausgefallen, um der eigentlich interessanten Idee (darauf könnte man eine Künstler/-innen-Identität bauen!) auch nur annähernd gerecht zu werden. Gute Ideen haben ein Recht ordentlich ausgeführt zu werden!

Trackliste:

1. Rip Off Artist: What Kind of Blue - 3:18 2. Akufen: Ain't Gonna Beg Ya No More - 4:50 3. Freeform: Blue Movies - 5:07 4. Rip Off Artist: Must Be Catchin' - 3:42 5. Akufen: The World Wanna Know - 4:22 6. Freeform: Blue Tooth Blues - 0:49 7. Akufen: I Won't Buy You - 6:02 8. Freeform: No More Blues - 5:03 9. Rip Off Artist: Guitar Trouble - 3:13 10. Akufen: Lazy-Boy Blues - 5:10 11. Freeform: It's Not My Blues - 3:33 12. Rip Off Artist: Please Come Home - 4:02 13. Freeform: Blue Too - 2:38

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Tom Waits [x>] [D]: Real Gone [F] [P]

CoverLabel: Anti- 6678
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 10 05
Genre: Postpunk - Darkcabaret - Singer-Songwriter

Real Gone könnte ein Stax-Album aus dem Jahr 2004 sein. Hut ab für die Leidenschaft, Unermüdlichkeit und Kratzbürstigkeit dieses alten Polterers. Auf Real Gone ist das Songformat stets bis zum Bersten gedehnt und gezogen. Das CD-Format wird ebenso ausgefüllt: Dich erwarten 70 Minuten Musik, so viel wie eben auf einer CD möglich ist.

Trackliste:

1. Top of the Hill - 4:55 2. Hoist That Rag - 4:20 3. Sins of My Father - 10:36 4. Shake It - 3:52 5. Don't Go into That Barn - 5:22 6. How's It Gonna End - 4:51 7. Metropolitan Glide - 4:13 8. Dead and Lovely - 5:40 9. Circus - 3:56 10. Trampled Rose - 3:58 11. Green Grass - 3:13 12. Baby Gonna Leave Me - 4:29 13. Clang Boom Steam - 0:46 14. Make It Rain - 3:39 15. Day After Tomorrow - 6:56 16. Chick a Boom - 1:17
Alle Tracks: Tom Waits und Kathleen Brennan.

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R.E.M. [x>] [D]: Around The Sun [F] [P]

CoverLabel: Warner Bros. 9362 48911
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 10 04 (UK), 2004 10 05 (US)
Genre: Alternativerock - Poprock, Indiepop - Janglepop

Ein Kopfwehtag, an dem ich ohne Aspirin keine Musik hören könnte. REM ist heilsam, denke ich und lege Around the Sun ein. Musikalischer Impressionismus vom ersten bis zum letzten Stück. Songs, von der Postproduktion in den Wassern der Nymphe Echo gewaschen.
Jeder Ton, jede Tonspur hat diesen warmen REM-Hall, von einer digitalen Echomaschine, deren Funktion ich mir so vorstelle: Gewöhnliches Echo verdoppelt das Signal und verzögert es zugleich. Alles, was schon da war, kommt einfach noch einmal zu uns zurück. The World of Echo. Je weiter weg die Reflexionsfläche liegt, desto verschwommener, klingt das Echo. Bei REM scheint es mir, als käme das Echo von weit her, sei aber kaum im selben Mass verzögert. Die REM-Echomaschine verhallt den Klang in einem so grossen Mass, dass er, wenn er zurückkommt viel zu spät wäre, weshalb er zugleich verwaschen und beschleunigt wird - ein prozessuales Paradox (allerdings nur in der Analog, nicht in der Digital-Welt): Paradox ist aber auch das Resultat dieser Operation: Die Klänge dieser CD kommen von weit her und sind doch sehr präsent. Alles ist mit einem Halo versehen, dass ja auch von Around the sun stammt. Von dort beziehen REM ihre Songs, derer ich nie müde werde, obwohl mir dieses Unfassbare der Sounds suspekt ist. Wunderschön, aber nichts Neues. Seit der Band ihr Schlagzeuger fehlt, hat der Sound Akzente verloren, scheint mir, aber die Melodien strahlen in alter Kraft. Man lebt mit einer solchen Band, die einen durchs Leben begleitet, einfach weiter.

Trackliste:

1. Leaving New York - 4:49 2. Electron Blue - 4:12 3. The Outsiders - 4:14 4. Make It All Okay - 3:43 5. Final Straw - 4:06 6. I Wanted to Be Wrong - 4:34 7. Wanderlust - 3:04 8. Boy in the Well - 5:22 9. Aftermath - 3:52 10. High Speed Train - 5:03 11. The Worst Joke Ever - 3:37 12. The Ascent of Man - 4:07 13. Around the Sun - 4:29
Alle Tracks: Peter Buck, Mike Mills und Michael Stipe.

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Sten [x>] [D]: Leaving The Frantic [F] [P]

CoverLabel: Dial [Hamburg] dialCD 06
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 10 04
Genre: Electronica - Techno - Minimaltechhouse

Da ist viel Raum, was sag ich, da ist vor allem Raum. Und trotzdem kicken diese elf Tracks, wie sich das für gute Minimaltechhouse-Musik gehört. Ganz schön cool, diese Tracks!
Eine Funkantenne ragt in die freie Luft. Antennen und Stromleitungen in der Luft verdichten sich zum Topos der Cover-Ästhetik von Electronica-Releases (vergleiche die Air Curtain-CD von Fourcolor). Diese Art von Coverbild ist insofern passend, als es sich hier im Gegensatz zu Lawrence, dem andern Act von Peter Kersten, um Dancefloor-Tracks handelt. Die Funkantenne ist ein Symbol oder Zeichen des DJs, der sowohl sendet als auch empfängt – wo sich bei Lawrences letzter CD der Minimalismus in einem organischeren Bild zeigt: Da ragen Zweige in einen grauen Wolkenhimmel hinein. Oder vergleiche noch einmal mit Fourcolor: Die Stromkabel ragen nicht in den Himmel hinein, sie legen eine Struktur an, decken eine Fläche ab, sie zonen ein. Hier (bei Fourcolor) zeigt sich der Minimalismus in seiner struktur- und formgebende Richtung. Wie immer der Titel gemeint ist, auch er ist gelungen, weil er anzeigt, dass etwas hinter sich gelassen wurde, eine Unruhe, eine innere Gespanntheit, eine Verzweiflung. Der Himmel hat sich geklärt. Die Tracks von Lawrence sind insgesamt weniger narrativ als diejenigen von Sten – es handelt sich hier um Tanzmusik.

Trackliste:

1. Back Four (4:48) 2. Bluebell (6:28) 3. Lash Out (7:36) 4. From A Spire (6:05) 5. Eccentric (5:21) 6. Asami (5:30) 7. Task Force (7:00) 8. Steamer (6:44) 9. Are You A Doctor (6:51) 10. Tea Towel (3:05) 11. Frost (7:07)
Alle Tracks: Peter M. Kersten.

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Mokira [x>] [D]: Fft Pop [F] [P]

CoverLabel: Cubicfabric cubicf 04
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 10
Genre: Electronica - Breakbeat - Cliphop


Spannender Release von Andreas Tilliander unter seinem Mokira-Moniker. Teilweise mit Gesang ergänzte Minimal-Electronica-Tracks, die nicht mehr dem Clip-Hop-Ansatz verpflichtet sind, sondern interessante Klangkluster in Bewegung darstellen.

Trackliste:

1. Ghost Glider 2. Hässleholm 3. Tsuki No Kioku - Vocals - Piana 4. Left Behind And Sour 5. This Total Age 6. Scandinavian Rules 7. Berndt
Alle Tracks: Andreas Tilliander.

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Rezensionen September 2004

Ståle Storløkken & Thomas Strønen [x>] [D]: Humcrush [F] [P]

CoverLabel: Rune Grammofon RCD 2039
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 09 27
Genre: Electronica - Jazztronica - Futurejazz


Eine Kollaboration zwischen dem Supersilent Keyboarder Stale Storlokken und dem Trommler von Food Thomas Stronen – eine Brücke zwischen zwei prägnanten, das Rune-Grammofon-Label prägenden Bands. Du hörst hier in neun Studioimprovisationen zeitgenössischen elektronischen Jazz aus Norwegen, cinematische Space-Musik, ein Echo aus den 70er Jahren, zurechtgebogen für die unfuturistische Zeit, in der wir leben.

Trackliste:

1. Acrobat - 2:37 2. Sport`N Spice - 5:30 3. Dance! - 4:43 4. In the Cave - Storløkken - 5:14 5. Marked East - 4:21 6. Humcrush - 3:01 7. Spectral Rock - 5:19 8. Pusher - 4:37 9. Japan - Storløkken - 4:27
Alle Tracks: Ståle Storløkken und Thomas Strønen, ausser wo anders vermerkt.

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Ada [x>] [D]: Blondie [F] [P]

CoverLabel: Areal cd 03
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 09 21
Genre: Electronica - Techno - Minimaltechhouse

Ada ist ein sicherer Wert auf dem schnellebigen Markt des Minimaltechhouse-Genres. Ada steht für die richtige Mischung aus Pop und zeitgemässem Minimaltechhouse. Gleichermassen für den Hausgebrauch geeignet, wie dafür, die Nächte durch zu tanzen. Je nach Stück/Track.
Das Cover mit der Buntstift-Zeichnung zeigt die Szene, in der ein Traktor von hinten auf eine erschreckte einäugige Kuh losfährt. Der Fahrer erscheint wie ein Kind hinter seinem grossen Steuerrad. Die Kuh hat den Körper eines Mannes. Dieses Bild erzeugt eine unglaubliche Spannung zwischen kindlicher Unschuld und Beklemmung, die ich in der Musik nicht wirklich repräsentiert finde, wenngleich die Unschuld und Naivität in praktisch jedem Stück gleich haufenweise vorkomt.

Trackliste:

1. Eve (6:57) 2. Cool My Fire (I'm Burning) (5:26) 3. The Red Shoes (5:28) 4. Livedriver (6:26) 5. Our Love Never Dies (7:42) 6. Who Pays The Bill (5:35) 7. Each And Everyone (Blindhouse) (Ben Watt, Tracey Thorn) - (6:47) 8. Les Danseuses (7:47) 9. Maps (Brian Chase, Karen Lee Orzolek, Nicholas Joseph Zinner) - (6:50) 10. Cool My Fire (6:32)
Alle Tracks: Michaela Dippel, ausser wo anders vermerkt.

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Triola [x>] [D]: Triola im Fünftonraum [F] [P]

CoverLabel: Kompakt 035
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 09 21
Genre: Electronica - Techno - Minimaltechhouse

Corporate Identity Sound vom Altstar Jörg Burger aus Köln. Geht runter wie Butter, sag ich dir, wie Butter!

Trackliste:

1. Leuchtturm - 4:28 2. Neuland - 5:29 3. AG Penthouse (2. Epoche) - 5:19 4. Unland - 5:41 5. Wanderlust - 6:50 6. Distel - 7:16 7. Traumschön - 5:28 8. Junge Männer Von Gestern - 1:42 9. Ral 7035 - 4:08 10. Der Endlos Blaue Himmel - 1:54
Alle Tracks: Jörg Burger.

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Tim Hecker [x>] [D]: Mirages [F] [P]

CoverLabel: Alien8 ALIENCD 047
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 09 20
Genre: Electronica - Ambient - Glitchambient, Electronica - DSP


Tim Hecker schenkt uns schönsten Ambient-Noise. Erinnerst du dich daran, wie wir in den Achziger Jahren Bands wie The Jesus and Mary Chain oder etwas später My Bloody Valentine dafür geliebt haben, dass ihr Sound mehr von den verzerrenden Effektgeräten kam als von den Gitarren selbst? Die Gitarren wurden stellenweise zu Lärmgeneratoren, zu instrumentalen Schwingkreisen reduziert und wir hörten etwas, was wir noch nie zuvor gehört haben. Eine Reduktion war das, die eine spezifische Qualität des Gitarrenrocks auf die Spitze trieb: die Verzerrung! Tim Hecker befindet sich mit seinem neuen Release Mirages auf den Spuren dieser Bands. Mirage ist ein französisches Wort, das die verzerrten Luftbilder bezeichnet, die entstehen, wenn heisse Luft aufsteigt und die Lichtstrahlen durcheinander wirbelt. Nach dem selben Phänomen wurde ein Flugzeug benannt, das hinter sich bzw. seinen Triebwerken nichts als Miragen erzeugt. Mirages, die CD, lässt hören, wie sich die bekannten Konturen der melodischen Ambientmusik in verschieden gefärbten, wolkenhaft verzerrten Lufterscheinungen auflösen. Wo Noise ganz schön nerven kann (um am Ende unsere Seele gereinigt zu haben), gelingt es Tim Hecker, seine Verzerrungen warm, angenehm, impressionistisch zu halten.
Ich weiss, dass ich Tim Hecker immer wieder feiere. Das kommt daher, dass ich ihn in die selbe Schublade wie einen Christian Fennesz stecke. Den Vergleich mit letzterem rechtfertigt sich sofort, nach dem ersten Hören dieser CD. Tim Hecker ist Kanadier. Wäre er Europäer, dürfte er auf dem Sprung zu einem Bekanntheitsgrad sein, wie Fennesz ihn sich bei uns in den letzten Jahren erarbeitet hat.

Trackliste:

1. Acéphale (4:57) 2. Neither More Nor Less (3:10) 3. Aerial Silver (3:37) 4. Celestina (4:31) 5. Counter Attack (2:13) 6. The Truth Of Accountants (2:21) 7. Aerial Light-Pollution Orange (3:09) 8. Non Mollare (1:10) 9. Kaito (3:08) 10. Balkanize-you (8:37) 11. Incurably Optimistic! (10:40)

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Nick Cave And The Bad Seeds [x>] [D]: Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus [F] [P]

CoverLabel: Mute STUMM 233
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 09 20
Genre: Alternativerock - Singer-Songwriter

Nick Cave lässt seine Songschreiberkunst auf zwei CDs hell leuchten. Let the bells ring! Nach seiner lang anhaltenden Gospel-Phase kann der Mann wieder rocken. Ich hätte darauf gewettet, das sowas kommt. Was mich allerdings überrascht ist, dass es gleich ein Doppelabum geworden ist. Vielleicht wäre weniger mehr gewesen?

Trackliste:

CD 1 - Abattoir Blues 1. Get Ready for Love (Cave, Ellis, Casey, Sclavunos) - 5:05 2. Cannibal's Hymn (Cave) - 4:54 3. Hiding All Away (Cave) - 6:31 4. Messiah Ward (Cave) - 5:14 5. There She Goes, My Beautiful World (Cave) - 5:17 6. Nature Boy (Cave, Ellis, Casey, Sclavunos) - 4:54 7. Abattoir Blues (Cave, Ellis) - 3:58 8. Let the Bells Ring (Cave, Ellis) - 4:26 9. Fable of the Brown Ape (Cave) - 2:45
CD 2 - The Lyre of Orpheus 1. The Lyre of Orpheus (Cave, Ellis, Casey, Sclavunos) - 5:36 2. Breathless (Cave) - 3:13 3. Babe, You Turn Me On (Cave) - 4:21 4. Easy Money (Cave) - 6:43 5. Supernaturally (Cave) - 4:37 6. Spell (Cave, Ellis, Casey, Sclavunos) - 4:25 7. Carry Me (Cave) - 3:37 8. O Children (Cave) - 6:51

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Mira Calix [x>] [D]: 3 Commissions [F] [P]

CoverLabel: Warp 124
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 09 06
Genre: Electronica - DSP, Electronica - Postelectronica

Mira Calix ist Chantal Passamonte, die ehemalige Warp-Pressesprecherin, die später dann zur Artistin mutiert ist und die Elektronische Musik mit einer in jener Zeit auch in Deutschland prominenten Spielart bereichert hat – einer Spielart von Ambientmusik, für die es bisher keine Bezeichnung gibt. Beschreiben lässt sich dieses namenlose elektronisch oder elektroakustische Genre durch eine eigentümliche naiv-unschuldige Freude an Klängen, kommen diese aus der Natur, wie bei Mira Calix oder von möglicherweise präparierten Instrumenten.
Zu vergleichen wären die 3 commissions etwa mit verschiedenen Releases des deutschen Staubgold-Labels speziell der Musik von beispielsweise F.S. Blumm bzw. Sack und Blumm. Die Klänge werden eingesetzt als wären diese Soundkünstler und ihr Publikum kleine Kinder, die gerade eben diesen Klang zum ersten Mal hören und völlig von ihm fasziniert sind, so dass sie mit weit aufgesperrten Ohren hinhören und nimmer satt werden können von diesem Klang und von dieser Welt, die diesen Klang hergibt. Ist dieses bewusste Mitlaufen-Lassen der ganzen Welt mit jedem einzelnen Klang nicht eine Form von Pathos? – eine Überschwänglichkeit in der Reizdarbietung, eine sehr feine zwar, kaum mit den Kennzeichen bekannter Pathos-Figuren versehen, da es kein dramatisierendes Ornament darstellt, schon gar keine übersteigerte massentaugliche Geste. Mira Calix (einmal mehr: nomen est omen!) zeigt sich auf 3 commissions vom Klang der Insekten fasziniert. Schon auf ihrer für die CD One On One konzipierte Website flog ein Bienenschwarm um den Cursor herum. Ihren Track NuNu führt Mira Calix gleich in zwei Versionen vor, solo (Track 6) und zusammen mit der London Sinfonietta. Le Jardin de Barbican ist eine Arbeit für die Barbican Art Gallery. Diese CD zeigt, dass elektronische Ambientmusik nicht nur im Club-, sondern auch im Kulturkontext bestens funktioniert.
Eine Nebenbemerkung noch zum Weiterhören: Ammer und Console haben bereits 1999 für den WDR ein musikalisches Hörspiel aus Insektengeräuschen gemacht. Es hiess Bugs And Beats And Beasts und kam auf dem CODE-Label heraus.

Trackliste:

1. Mira Calix Untitled (0:46) 2. Mira Calix With London Sinfonietta Nunu (RFH Mix) (9:25) 3. Mira Calix Untitled (0:28) 4. Mira Calix Le Jardin De Barbican (11:39) 5. Mira Calix Untitled (0:30) 6. Mira Calix Nunu (13:11)

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Fourcolor [x>] [D]: Air Curtain [F] [P]

CoverLabel: 12k 1029
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 09
Genre: Electronica - DSP - Digitalminimalism

Keiichi Sugimoto spielt bei Minamo und bei Fonica. Fourcolor ist der Name seines Soloprojektes, ein Name, der dier in diesem Herbst zwei Mal begegnet. Ein Fourcolor-Release kommt von Apestaartje, der andere von 12k.
Apestaartje und 12k sind sich darin ähnlich, dass sie digitale und minimale Ambientmusik veröffentlichen. Geschwister sind sie zusammen mit Plop und Spekk. Ebenso sind die beiden genannten CDs Geschwister.
Viele (alle?) der raffinierten digitalen Klänge beider CDs kommen von der Gitarre, sind aber bis weit ins Blaue hinaus prozessiert und gefiltert. Designermusik, ja. Aber zu keinem Moment aseptisch oder konstruiert. Beide CDs sind einfach perfekt! Water Mirror ist etwas statischer als Air Courtain, sie schafft Sounds entlang einer Zeitlinie, die sich in Wogen intensiviert. Das Paar ist durchaus mit den Elementen in den beiden Titeln beschreibbar - mit Wasser und Luft. Deren Qualitäten lassen sich körperlich erfahren.

Trackliste:

1. Curves Of Air (7:27) 2. Empty Sky 1 (5:05) 3. ae (6:34) 4. 2 Strings (6:57) 5. Cloud Whereabouts (7:05) 6. As Rain (6:35) 7. Empty Sky 2 (8:23)
Alle Tracks: Keiichi Sugimoto.

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Rezensionen August 2004

Björk [x>] [D]: Medúlla [F] [P]

CoverLabel: One Little Indian TPLP358
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 08 30 (UK), 2004 08 31 (US)
Genre: Electronica, Pop - Vocalpop - Popsinger


Diese Frau hat eine klare Vorstellung, was mit Musik heute zu machen ist. Sie deklariert: Instrumente sind sowas von vorbei! und produziert trotz ihrer Bekanntheit nicht Musik für den grossen Markt, sondern leistet sich das schräge Konzept, ein Album mit vorwiegend ihrem Gesang zu produzieren. Bei Submarine (Track 7) ist sogar Robert Wyatt einer der Sänger!). Björk scheut sich auch nicht, einige der Songs in isländischer Sprache zusingen. Irgendwie ist die CD kein Meilenstein (wie damals Debut oder Homogenic), reit sich aber mühelos in die aussergewöhnliche Björk-Diskografie ein.

Trackliste:

1. Pleasure Is All Mine - 3:26 2. Show Me Forgiveness - 1:23 3. Where Is the Line - 4:41 4. Vökuró (Sigurðardóttir/Viðar) - 3:14 5. Öll Birtan - 1:52 6. Who Is It - 3:57 7. Submarine - 3:13 8. Desired Constellation (Björk/Alary) - 4:55 9. Oceania (Björk/Sjón) - 3:24 10. Sonnets/Unrealities XI (Björk/Cummings) - 1:59 11. Ancestors (Björk/Tagaq) - 4:08 12. Mouth's Cradle - 4:00 13. Miðvikudags - 1:24 14. Triumph of a Heart - 4:04
Bonustrack (J, iTunes) 1. Komið - 2:02
Alle Tracks: Björk, ausser wo anders vermerkt.

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Phonophani [x>] [D]: Oak Or Rock [F] [P]

CoverLabel: Rune Grammofon RCD 2038
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 08 30
Genre: Electronica - Jazztronica - Futurejazz


Phonophani arbeiten mit Klangmaterial, das nicht wirklich als Sample begriffen werden kann, lieber ist mir das Wort Soundcluster. Soundcluster als repetitiv gesetzte Einheiten wirken als Masseschwerpunkte, statt wie Samples als möglichst liquide aneinander gefügte Einheiten, die ihre Herkunft manchmal/meist vor dem nicht-enzyklopädisch veranlagten Ohr verbergen. Ein geradezu exemplarisches Beispiel für diese Liquidität kannst du dir R. H. Kirk anhören. Die Arbeit mit Soundclustern – etwas, das Phonophani mit ihren Labelkollegen Deathprod, Supersilent oder Arne Nordheim teilen – belässt das Klangmaterial als etwas Elementares (es handelt sich hier auch gar nicht um Samples, von anderen Klangkuellen, sondern um instrumentale Samples, live spielbar. Das Resultat ist eine Ambientmusik, die eine eigene Sprache spricht.

Trackliste:

1. Earth Diver (5:31) 2. A Lion Lies Listening (2:59) 3. The Boiling Fjords Orchestra (4:04) 4. Blind Birds Of The Antarctic (5:12) 5. Take Off Your Wooden Coat (3:52) 6. Cloudberry (4:17) - Vocals - Maja Ratkje 7. The Melancholic Giant (4:44) 8. Animals (4:21) 9. You Must Welcome The Stranger (3:40) 10. Oak Or Rock (4:37)
Alle Tracks: Espen Sommer Eide.

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Signer [x>] [D]: The New Face Of Smiling [F] [P]

CoverLabel: Carpark CRPK 027, Involve 12
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 08 24
Genre: Electronica - IDM

Beavan Smith macht, wie es sich für einen Carpark-Act ziehmt, einen Schritt in Richtung Postrock und Folktronica. Low Light Sleep, das erste Stück der CD, das beinahe den Titel der letzten CD Low Light Dreams von 2002 trägt. Diese letzte CD vermochte nach den zwei Meisterwerken von 2000 bzw. 2001, Giving It Up To Feel Effected als Signer und Music From Passing Cars als Aspen, nicht ganz zu überzeugen. Jetzt, mit der neuen CD wissen wir, dass Low Light Dreams eine Übergangs-CD für Signer war. Verschwunden ist die Dub-Prägung von Giving up ? Hat einer Gitarrenmusik Platz gemacht, die stellenweise an Landsmann Dean Roberts erinnert. An dieser Musikrichtung ist im Moment sowieso nichts falsch und für Beavan Smith spricht, dass er sene im IDM-Genre entwickellte Klang-Kunst nun auch im Feld der Gitarrenmusik anwenden kann (im Übrigen war die Gitarre sein ursprüngliches Instrument). Was immer für Klänge er prozessiert und produziert, Beavan Smith gehört zu den Musikern mit Sinn für die Atmosphäre.
Zurück zu Low Light Sleep, dem ersten Track der CD. Das Stück nimmt sich viel Zeit (genau acht und eine halbe Minuten), um in der Welt der akustischen Erscheinungen zu erscheinen und wieder zu verschwinden. Mir wäre es recht, wenn das Stück noch länger in der Welt wäre (Foltert mich damit, wenn ihr wollt!). Keine bekannten Strukturen holen dich als HörendeR ab, der akustische Raum, in dem du hörst, muss zuerst geschaffen werden, vom Stück, von dir. Offene Struktur, Post-Musik. Ein weiteres Meisterwerk, das es versteht, Gitarrenmusik mit Elektronik zu verschmelzen. Mehr ein Aspen-Release als einer von Signer.

Trackliste:

1. Low Light Sleep (8:37) 2. Hurricane Or Sunshine? (3:25) 3. I Was Dressed As The Ant, You Dressed Up As A Beehive (4:58) Guitar, Vocals, Co-producer - Matthew Mitchell 4. Machines At Low Tide (2:53) Guitar, Vocals, Co-producer - Matthew Mitchell 5. Frozen Cut Grass (3:15) Co-producer - Andrew Thomas 6. You're Killing Us Helen (1:51) 7. That Sinking Feeling As Key Metal Hits Thigh Flesh (1:55) 8. Komputa Ga Bukowarera (4:40) 9. The Overwhelming Power Of Friendship (1:16) 10. Your Ears Across The Fences (5:51)
Video auf der Enhanced CD Ausgabe 1. Hurricane Or Sunshine? (1:59)

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Swod [x>] [D]: Gehen [F] [P]

CoverLabel: City Centre Offices TOWERBLOCK 021
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 08 23
Genre: Electronica - Postelectronica - Neo-Klassik

Swod ist die Kollaboration zwischen Stephan Wöhrmann (Klavier) und Oliver Doerell (sanfte Elektronik), letzerer bekannt als Dictaphone. Anfangs fällt diese CD nicht sehr auf, die musikalischen Beiträge von Wöhrmann auf dem Klavier klingen wie Musak oder eine Filmmusik für eine Vorabend-TV-Serie, die in einem gutbürgerlichen Haus voller alter Möbel und einem Flügel für's Töchterchen spielt. de:bug hat zu diesem Klavierspiel einen schönen Satz geschrieben, den ich nicht unzitiert lassen kann: Wöhrmann lässt die Tastensau vom Konservatorium in sich so richtig gehen.
Doch schon während dem ersten Durchhören passiert es: du bist baff erstaunt, wie die beiden Musiker es schaffen, mit einfachsten Mitteln einen Raum zu erzeugen, der weit mehr ist, als die Kulisse einer billigen TV-Produktion. Zuerst meinst du nämlich, es handle sich hier um die billige Spielart des Impressionismus. Es kann schon passieren, dass man die CD zu früh wechselt. Tu es nicht! Halt durch bis die Schönheit sich dir zeigt, ich verspreche dir, sie kommt. Und Doerell nehmen wir spätestens ab sofort unter ständige Beobachtung. Er macht sich verdächtig, zu den grossen Musikern des neuen Jahrtausends zu gehören. - So jetzt habe ich einen grossen Bogen zwischen Verriss und Hochlob gespannt. Der Raum zwischen diesen beiden Polen soll nichts anderes als den Raum abbilden, die diese einfachen Töne und Klänge aufzubauen vermögen.

Trackliste:

1. Intro (1:08) 2. Fugitif 1 (4:53) 3. Nein (4:23) 4. Gehen (4:47) 5. Fugitif 2 (5:09) 6. Attends (4:56) 7. Tucholskystr.34 (3:24) 8. I Think He Was A Journalist (6:13) 9. Hochbahn (4:44) 10. Walz 57 (3:58)

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Mouse On Mars [x>] [D]: Radical Connector [F] [P]

CoverLabel: Thrill Jockey thrill 134
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 08 23
Genre: Electronica - IDM - Frickel-Techno


Mouse on Mars gehören zusammen mit to rococo rot zu den wichtigsten deutschen Bands der Neunziger, die es verstanden, eine eigenständige Musik zu erschaffen, die sowohl der Gegenwart verpflichtet war (die Musik beider Bands verbindet klug die Genres Postrock und Electronica) als auch der Geschichte (deutliche Referenzen zur deutschen Rockgeschichte, zu Krautrock). Das neue Album schafft eine Zäsur zu allen bisherigen (aber meint man das nicht bei jeder neuen MoM-CD?). Noch nie waren MoM dermassen konsequent poppig und tanzorientiert: Jeder Track hat Gesang und ist tanzbar. Jamie Lidell kommt einem in den Sinn, er hat vielleicht die Musik gemacht, die der von Racical Connector am nächsten kommt (höre dir den fünften Track Blood Comes an!): elektronisch verhackstückter Funk. Kontrollierter scheinen mir MoM, weniger unmittelbar und rotzig als Jamie. In Send me shivers, dem vierten Track der CD wird das neue Rezept sogar hitparadentauglich. Damit lässt sich mühelos ein DJ-Set beginnen, wo ich die andern Tracks eher am Ende des Sets in den frühen Morgenstunden spielen würde. Der Schlagzeuger und Sänger Nkishi ist nun perfekt in die Band integriert. Das Verschalten und Vernetzen ist die meisterhafte Spezialität dieser Band, ist das, worauf sich Jan Werner und Andi Toma seit ihren Anfängen wirklich verstehen. Gibt es irgend einen Parameter, den sie als wertvoll oder notwendig erachten, dann integrieren sie ihn auf perfekte Weise in den MoM-Sound. Das Vernetzen und Verbinden ist es, was MoM in jeder ihrer musikalischen Phasen ausgemacht hat. Jan und Andi sind die radikalen Konnektoren.

Trackliste:

1. Mine Is in Yours (Dodo Nkishi, Jan Saint Werner, Andi Toma) - 4:53 2. Wipe That Sound (Nkishi, Saint Werner, Toma) - 4:11 3. Spaceship (Niobe, Saint Werner, Toma) - 4:58 4. Send Me Shivers (Niobe, Saint Werner, Toma) - 6:05 5. Blood Comes (Nkishi, Saint Werner, Toma) - 5:11 6. The End (Niobe, Saint Werner, Toma) - 5:11 7. Detected Beats (Nkishi, Saint Werner, Toma) - 5:17 8. All the Old Powers (Nkishi, Saint Werner, Toma) - 4:28 9. Evoke an Object (Niobe, Saint Werner, Toma) - 8:11

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Rezensionen Juli 2004

Benjamin Brunn [x>] [D]: König und Drache [F] [P]

CoverLabel: BineMusic BINE 005
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 07 23
Genre: Electronica - IDM

Wenn alles an diesem Release so spannend wäre wie diese anmutigen und feingliedrigen Beats, aber musikalisch scheint mir Bejamin Brunn eindeutig zu schmalbrüstig. Musikalisch klingt König und Drache wie ein sehr abgespecktes Artificial Intelligence-CD von 1994 oder 1995. Das ist - besonders in der schlanken Version - einfach zu langweilig. Etwas fehlt noch.

Trackliste:

1. Welcome Engineer (5:17) 2. Electric Brain Nova (6:22) 3. König Und Drache (5:45) 4. Bean Lun (6:04) 5. Cool Ist Hier (8:04) 6. The KTV-Hotel (3:01) 7. Liebling (5:00) 8. Tarmac (4:45) 9. Port Of Keelung (9:40)

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V. A. (Audraglint) & Charles Atlas [x>] [D]: Fabricate: Remixes Of Worsted Weight [Remixes] [F] [P]

CoverLabel: Audraglint ag 109
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 07 06
Genre: Electronica - IDM


Ein Remixalbum. Geremixt wurden Tracks von Charles Atlas. Die Remixer sind Sybarite, Casino vs. Japan, Pram oder ISAN. Selten ist ein Remixalbum dermassen homogen. Es handelt sich um elektronische Musik, die wenig bis gar nicht darauf aufmerksam macht, dass sie am Computer entstanden ist.

Trackliste:

1. Sun With Teeth (Sybarite Remix) (3:44) 2. The Deadest Bar (Casino Versus Japan Remix) (4:46) 3. Italian Air (The Telescopes Remix) (5:08) 4. Strategies For Success Boxes (Pram Remix) (5:30) 5. Elysium (Park Avenue Music Remix) (4:39) 6. Strategies For Success Boxes (Signaldrift Remix) (4:53) 7. One Foot Under (Strategy Remix) (6:11) 8. Elysium (ISAN Remix) (4:52) 9. Port, Noise Complaint (Stendec Remix) (5:55) 10. Antiphon (Magnetophone Remix) (5:31) 11. The Deadest Bar (Marconi Union Remix) (6:14) 12. One Foot Under (ISAN Remix) (6:21) 13. Factotum (Tele:Funken Remix) (6:55) 14. Stone[d] In Brackish Pool (Nudge Remix) (3:21)

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Rezensionen Juni 2004

Oren Ambarchi [x>] [D]: Grapes From The Estate [F] [P]

CoverLabel: Touch TO:61
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 06 22
Genre: Electronica - Elektroakustische-Musik - Elektroakustische-Improvisation

Von Oren Ambarchi kann man gegenwärtig ungefähr einen Release pro Monat finden. Dieser hier, erschienen beim Aufsehen erregenden Touch-Label, ist atemberaubend. Im Ganzen vier Tracks.
Der erste und der letzte ein Rahmenprogramm zu den mittleren beiden Tracks: leise, verhalten, aber mit konzentrierter Kraft, Ein Klangkörper im Instrument oder im Effektgerät schwingt ein, ist in sehr reiner Schwingung und schwingt aus. Es ist wie wenn ein Sänger Obertöne trifft. Es sind allerlei Klangräume die da schwingen, nicht nur der Körper der Gitarre. Und Oren Ambarchi lebt im elektroakustischen Schaltkreis von Hand, Gitarre, Effektgerät, Lautsprecher und Ohr. Die mittleren beiden Tracks sind Postrock wie man ihn gegenwärtig von den verwandten Gitaristen Matt Valentine oder Dean Roberts hören kann. Hier spielt nicht eine schnelle Hand oder ein enzyklopädisches Wissen über den Blues Gitarre, sondern die Aufmerksamkeit selbst.

Trackliste:

1. Corkscrew (9:43) 2. Girl With The Silver Eyes (9:40) 3. Remedios The Beauty (15:37) 4. Stars Aligned, Webs Spun (20:40)

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Black Dice [x>] [D]: Creature Comforts [F] [P]

CoverLabel: DFA 2137
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 06 22
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk - Noisefolk, Alternativerock - Lo-Fi-Rock


Von Hardcore sind Brooklyns Black Dice auf ihrer ersten Veröffentlichung im Jahr 2000 ausgegangen. Aber rasch haben sie eine eigene musikalische Sprache entwickelt, die sie heute zu so etwas wie zu Musik-Presse-Lieblingen macht. Weshalb? Weil man so etwas noch nie gehört hat. Black Dice sprechen eine musikalische Sprache, die mit Klängen operiert, ohne übliche Texturen zu schaffen. Die Band, die gewöhnliche Rockinstrumente spielt, deren Klänge natürlich von elektronischem Equipment bearbeitet und verfremdet wird, setzt die erzeugten Klänge wie wohlkomponierte Töne ein. Nur bewegen sich diese Klangtöne stets, denn einfach macht es uns Hörer/-innen diese Band nicht. Aber bei aller Schwerzugänglichkeit muss man fest stellen, wie viel Raum im musikalischen Gefüge ist. Vieles auf dieser CD klingt nach elektronischen Tierlauten. Diese Laute erklingen, Fügen sich ins Ganze des Stücks ein. Manchmal wird ein Muster erkennbar, ein Rhythmus stellt sich ein, so etwas wie eine Melodie bildet sich aus. Das ist auf Creature Comforts öfter der Fall als bei früheren Veröffentlichungen. Das sind die ersten Zeichen von Zugänglichkeit, eine Andeutung, dass Black Dice in ein paar Jahren, wenn sie vertrauter klingen, eine wichtige Band der Gegenwart und der kommenden Zukunft sein könnten. Aber das überlasse ich der Zeit. Ich bleibe gespannt, Leute, wie es weiter geht …

Trackliste:

1. Cloud Pleaser - 1:43 2. Treetops - 6:23 3. Island - 1:13 4. Creature - 8:54 5. Live Loop - 1:28 6. Skeleton - 15:25 7. Schwip Schwap - 2:01 8. Night Flight - 6:35

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Wilco [x>] [D]: A Ghost Is Born [F] [P]

CoverLabel: Nonesuch 79809
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 06 22
Genre: Alternativerock - Alternativecountry

Diese CD ist ein Ereignis. Sie kommt an. Sie fährt ein. Wilco spielt seit dem letzten Release, Yankee Hotel Foxtrot in der obersten Liga der Rockmusik.
Ein Gitarist und der Schlagzeuger wurden damals in einer sensiblen Phase der Weiterentwicklung auf dem Weg zwischen Countrypop und dieser nun aus dem Ei geschlüpften Mischung von Rock, Improvisation und Elektronik von Mastermind Jeff Tweedy ausgetauscht. Auch Label und Producer wurden gewechselt und Wilco arbeitet seither mit Jim O'Rourke, dem besten Mann für diese Art von Musik. Seine Handschrift ist auf dem neuen Album weniger hörbar als noch auf Yankee Hotel Foxtrot. Die rhizomatischen Sounds zu Anfang und Ende von Tracks ist weitgehend verschwunden - Ausnahme: Less than you think. A Ghost Is Born ist das Resultat der perfekten Arbeit einer Rockband. Innovative Musik, die trotzdem über weite Strecken konsensfähig bleibt zu schaffen, ist eine der grössten Leistungen, auf die nur wenige stolz sein dürfen. Wilco gehören definitiv dazu. Anspieltipp 1 - At Least That's What You Said: Eine Nummer, die so leise beginnt, dass man als Zuhörer/-in den Sänger stört. Doch dann explodiert der Song, tritt in die Welt und Gitarrensolis zerbrechen seine Rhythmik und Struktur. Anspieltipp 2 - Spiders (Kidsmoke): Eine über zehn Minuten lange Krautrocknummer, die dir den Kopf abstellt und das Spinalsystem massiert (klingt nach Neu! enthält aber launische Elemente, die Neu! weggelassen hätten). Anspieltipp 3 - Less than you think: Ein Song, der am Ende in einer elektronischen Drone endet. Eine Meditation über den freien Willen, wie Tweedy betont. Und diese funktioniert so, dass die Band ihre Instrumente aufgedreht im Studioraum belässt, während die Mitglieder hinters Mischpult verschwinden. So spielen die Instrumente sich selbst. Rock mutiert in Elektronik. Das Musikzimmer freut sich.

Trackliste:

1. At Least That's What You Said - 5:33 2. Hell Is Chrome (Tweedy/Jorgensen) - 4:38 3. Spiders (Kidsmoke) - 10:46 4. Muzzle of Bees - 4:56 5. Hummingbird - 3:11 6. Handshake Drugs - 6:07 7. Wishful Thinking (Tweedy/Kotche) - 4:41 8. Company in My Back - 3:46 9. I'm a Wheel - 2:37 10. Theologians (Tweedy/Jorgensen/Girard) - 3:36 11. Less Than You Think (Tweedy/Stirratt/Kotche/Jorgensen/Bach/O'Rourke) - 15:04 12. The Late Greats - 2:31
Bonus EP der Ausgabe von 2005 1. Panthers - 3:51 2. At Least That's What You Said (Live) - 5:56 3. The Late Greats (Live) - 2:41 4. Handshake Drugs (Live) - 6:14 5. Kicking Television - 2:51
Alle Tracks: Jeff Tweedy, ausser wo anders vermerkt.

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Arovane [x>] [D]: Lilies [F] [P]

CoverLabel: City Centre Offices TOWERBLOCK 020
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 06 14
Genre: Electronica - IDM


An Lilien muss ich als erstes denken, weil das Artwork des Covers mir dieses Bild nahe legt. Am Artwork kommt man selten vorbei. Ein anderes Bild als Vergleich, dass sich einstellt ist: Zuckerwatte. Weiss-rosa Zuckerwatte. Das mag nach künstlich klingen und billig - aber das ist es nicht, nirgends, nie. Erst wenn ich über das Bild der Lilie nachdenke und wenn ich recherchiere finde ich die wahre Bedeutung der leuchtend hellen und reinen Pflanze: Reinheit und Adel (die Lilie war ein beliebtes heraldisches Symbol, die Bourbonenlilie, so wurde ich belehrt, sei allerdings keine Lilie sondern eine Iris). Eine klassische Pflanze. Als Sinnbild für quasi-klassische Musik. Neun Musikstücke, neun zarte Lilien. mir kommen die Pieces de Clavecin von J.-P.. Rameau in den Sinn. Klar, wegen den Cembalo-Klängen, aber auch wegen der enormen strukturellen Klarheit dieser Musik. Neun Stücke aus denen die Nüchternheit und die Weitsichtigkeit eines Aufklärergeists spricht. Für diese Musik ist kein Himmel zu hoch und keiner zu weit. Im alten Griechenland war sie die Blume der Hera, die Legende besagt, sie sei entstanden aus verschütteten Tropfen von Milch aus ihren Brüsten, als Herkules von diesen trank. Über die Reinheit der Blüte soll sich wiederum Aphrodite so sehr geärgert haben, dass sie ihr zusätzlich einen Eselsphallus als Stempel einpflanzte.

Trackliste:

1. Ten Hours (3:01) 2. Windy Wish Trees (3:19) 3. Passage To Nagoya (2:07) 4. Cry Osaka Cry (5:08) 5. Pink Lilies (4:00) 6. Lilies (5:27) 7. Tokyo Ghost Stories (5:07) 8. Instant Gods Out Of The Box (4:35) 9. Good Bye Forever (3:48)
Alle Tracks: Uwe Zahn.

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Taylor Deupree & Christopher Willits [x>] [D]: Mujo [F] [P]

CoverLabel: Plop Plip 3011
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 06
Genre: Electronica - DSP - Digitalminimalism


Auf einen neuen Release von Taylor Deupree bin ich immer sehr gespannt und wurde selten enttäuscht. Auch diesmal nicht. Mujo kommt von einem meiner gegenwärtigen Lieblings-Labels, von Plop mit den lustigen Katalognummern: Plip-3011. Du hörst es im Lesen: Es geht um Klang-Minimalismus, es geht um Elektronik. Christopher Willits ist bereits von Releases beim New Yorker 12k-Label bekannt, das Taylor Deupree gegründet hat.
Das erste Stück holt mich schon ganz nach Hause: Heilsame Klänge, in die ich tief eintauche. Viel zu kurz der Track mit seinen etwas mehr als zwei Minuten, leider keine Ewigkeit. Der zweite und alle folgenden Tracks sind dann stimmungsmässig sehr verschieden von diesem ersten: Mir komen sie vor, als gehe es um eine elektronisch bearbeitete Kirmes. Karussellmusik fürs digitale Zeitalter. Und dann und wann ein weisser Elefant. Deupree und Willits schaffen es mühelos, jeden dieser Tracks duften und schmecken zu lassen, indem sie eine unverwechselbare Stimmung erzeugen. Mit jedem Release von Deupree halte ich eine einen andern Ausschnitt aus meinem Leben in Händen. Das ist elektronischer Minimalismus, der etwa im Gegensatz zu den eher aseptischen Releases des deutschen Raster-Noton-Labels steht.
Im übrigen ist Mujo kein spanischsprachiger sondern ein japanischer Titel und heisst: ständige Veränderung bzw. Übergang.

Trackliste:

1. Season Centers Studies (2:14) 2. Living Flowers (5:27) 3. Hybrid (2:00) 4. Grounding (4:24) 5. The Smell Of Public Libraries (1:56) 6. Bancha (6:23) 7. Cherry (4:44) 8. Marathon Vowel Shift (1:51) 9. Clay (6:01) 10. Ended (3:07) 11. Your Own Small Garden (5:17) 12. Newspaper (4:05)

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Rezensionen Mai 2004

Zeena Parkins & Ikue Mori [x>] [D]: Phantom Orchard [F] [P]

CoverLabel: MEGO 071
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 05 31
Genre: Akademica - Elektronische-Musik - Improvisierte-Elektronische-Musik


Eine Klangplunderkiste, Pandoras Box, stellenweise wie ein digitaler Christian Marclay, ein wenig als wollten sich die zwei Frauen nicht zwischen hektischer, grossstädtischer Zeitraffung und japanischem Garten entscheiden. Ein Fuss hier, einer dort. Diese CD spielt sich in der Spanne zwischen Konzentration und Zerrstreuung ab. Interessant und hörenswert.

Trackliste:

1. Jezebel (4:48) 2. Savage Flower (3:44) 3. Miura (5:02) 4. Ghostlake (7:04) 5. Deft (3:56) 6. 39 Steps (3:04) 7. Transparent Things (3:38) 8. Contraband (3:33) 9. Blue Noon (4:26)
Alle Tracks: Ikue Mori & Zeena Parkins.

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Patrik Torsson [x>] [D]: Kolväteserenader [F] [P]

CoverLabel: Häpna H.15
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 05 25
Genre: Electronica - Folktronica

Ein schwedischer Geschichtenerzähler (verstehen müsste man ihn) verwendet sehr zeitgemässe elektronische Sounds, um sie seinen Geschichten zu unterlegen.

Trackliste:

1. Vattenfärden (2:52) 2. Stora Bält-passagerna (6:23) 3. Kommunikationerna (4:47) 4. Brofjorden-åskan (5:17) 5. Tromberna (1:22) 6. Påmönstring (3:20) 7. Vindväggen (4:17) 8. Lotsenbrüderschaft Elbe (3:23) 9. Flaskposten (6:02) 10. Avmönstring (5:28) 11. Nattglimmer (7:43)

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V. A. (Human) & Chloe [x>] [D]: I Hate Dancing [Mix] [F] [P]

CoverLabel: Human 17
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 05 24
Genre: Electronica - Minimaltechhouse

DJ Mix der franzüsischen She-DJ Chloé. Mit Minimal- bzw. Microhouse-Tracks von Superpitcher, Voigt & Voigt, Steve Bug oder Lawrence. Sehr cool und up to date. Zu solcher Musik wollen wir heute Abend abtanzen.

Trackliste:

1. Superpitcher - People (5:20) 2. Kiki - Age Of Cancer (4:26) 3. Sweet 'n Candy - Rebelminds (4:24) 4. [T]ékël - Sac d'Os (4:22) 5. Munk - Androgyn (3:36) 6. Tiga - Pleasure From The Bass (6:26) 7. Voigt & Voigt - Vision 04 (5:11) 8. Steve Bug & DJ T. - Monsterbaze (5:47) 9. Chloé - Take Care (4:35) 10. Wighnomy Brothers & Robag Wruhme - Killerteppich (3:59) 11. International Pony - Superyou (Jackmate Remix) (5:57) 12. Squint - What Can I Do ? (5:38) 13. Star You Star Me - Antidis (Freestyle Man Thirsty Monk Mix) (4:40) 14. In Flagranti / Ed Laliq - Just Gazing (Ed Laliq Remix) (3:29) 15. Lawrence - Homeless (1:52)

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Kettel [x>] [D]: Volleyed Iron [F] [P]

CoverLabel: U-Cover 018
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 05 17
Genre: Electronica - IDM

Das U-Cover-Label brachte uns Electric Birds, jetzt kommt Kettel. Bist du bereit?
Das erste Stück beginnt mit Anspielungen an Satie an, kein Wunder: es heisst A French Composer. Ein Piano, Synthetische Klänge darüber, die an Wasserplätschern und Möwen erinnern. gegen das Ende des Stücks Menschenstimmen, zerhackt, verfremdet, wie aus einer träumerischen Distanz. Sie führen dich in den zweiten Track hinüber, America Video. Auch hier klingt es warm und harmonisch, voll, wie ein Streichorchester klingt. Ein Grundkontrast beherrscht die Atmosphäre: die harmonische Wärme wird durch einen beatähnlichen Akzent ergänzt, was beide Elemente, der Flächige und der Akzentuierte, stark heraus scheinen lässt. Da und dort treten Stimmen auf, wie vor dem einschlafenden oder aufwachenden Bewusstsein. Und immer weiter geht's mit ambienten Sounds, warm, weich, flauschig, aber nie dumm. Das drückt nicht auf die Auslöser, auf denen Weichspühlprogramm steht, das schafft eine eigene Wunderwelt, das spriesst, das hat die Kraft des Frühlings. Hier blüht es! Die Stücke laufen in einander über, was auf eine Gesamtdramaturgie hinweist, sofern man bei dieser Musik von Dramaturgie sprechen kann. Die Spannung ist da, aber nicht als Bogen, der vom Anfang über Höhepunkte oder Tiefen zu einer Auflösung am Ende fortschreiten, sondern als kräftiges Drängen aus auf einer Zeitlinie angeordneten Zentren, in deren Umkreis jeweils ein Track steht.

Trackliste:

1. A French Composer (4:37) 2. America Video (5:54) 3. Did We Orient? (2:50) 4. Electrician And Adventurer (1:34) 5. Four Eyes At A Gate (2:33) 6. Sorry, But We Don't Hear You (3:59) 7. Teeth, Wait (3:57) 8. Clock.exe (2:37) 9. Ureterp, July (2:12) 10. Hondsvot (1:40) 11. Machine Planet (8:00) 12. Wim Hoffman (8:44) 13. Little Duck, When Is Our Day? (4:11) 14. Tomorrow? (4:32)
Alle Tracks: Reimer Eising.

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Hans Appelqvist [x>] [D]: Bremort [F] [P]

CoverLabel: Komplott Escudre 03
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 05 14
Genre: Electronica - Folktronica, Electronica - Soundart

Hans Appelqvist ist bereits mit seinen früheren Releases Tonefilm (2002) und seinen EPs Xiao Fang und >The First Three Notes In The Minor Scale (2001 bzw. 2003) positiv aufgefallen. Seine neue CD Bremort handelt von einer schwedischen Stadt ?
Bremort handelt von einer schwedischen Stadt, einer sehr durchschnittlichen schwedischen Stadt, mit Leuten, die dort leben, einander treffen, einander besuchen, einander lieben, die die Melodien singen, die ihnen in den Ohren liegen, mit dem Mann auf der Strasse, mit der Stimme aus dem Radio. Sie handelt von einer Stadt mit läutenden Kirchen und Weckern, mit Autos, die auf den Strassen fahren, mit Kneipen, mit einem Musikverein, der probt, mit lokalen Medien und natürlich dem Musiker, der eine CD über seine Heimatstadt macht. Appelqvist verwendet Feldaufnahmen, die das Leben in Bremort dokumentieren und montiert diese mit seinen Musikstücken zu einem Hörspiel, zu einem akustischen Alltagsportrait. Sehr evokativ, du wirst nicht wissen, ob Du ein Hörspiel hörst oder einen Film siehst. Die Sprachbarriere spielt keine Rolle. Die Musik ist teils elektronisch, verwendet aber viele traditionelle Instrumente, darunter Streicher, Klarinetten, Tuba, …
Die Stellen, an denen die Feldaufnahmen in Musik übergehen und umgekehrt sind sehr gekonnt ausgearbeitet und feinfühlig gestaltet. Die Musik entsteht gleichsam aus dem Alltagsleben (was ja genauso ist). Der Rhythmus entsteht aus dem Rhythmus des Lebens, die Klänge der Musik aus den Klängen der Umwelt.
Bremort ist natürlich eine fiktive schwedische Stadt. Den Durchschnitt kann man nur fiktiv beschreiben! Ebenso wie den Ursprung der Musik, den Hans Appelqvist hier thematisiert.

Trackliste:

1. Vid Storrondellen, Onsdag Eftermiddag (1:35) 2. Tåget Far I Hög Hög Fart (4:11) 3. Faye: Hej, Ursäkta, Jag Leter Efter Ett Kafé. (1:21) 4. Tre Dagars Regn Över Bremort (Del 1) (3:54) 5. Stadshusklockan Slår Tolv (0:36) 6. Torsdag Morgon, Korsningen Ringvägen Fridvägen (0:50) 7. 5 x 5/Samiels Eftermiddag (5:21) 8. Glacier Lämnar Jobbet För Dagen (1:08) 9. Brem Och Glacier (3:42) 10. Brems Berättelse/Glacier: Kan Du Inte Berätta Något? (2:34) 11. Tolvslaget, Torsdag (0:47) 12. Godnatt Bremort (4:24) 13. Fredag Morgon Hos Brem (1:42) 14. På Västergatan, Faye På Veg Till Repetitionen (0:46) 15. Minnet Av Kärlek/Timas Lyssnar Från Lägenheten Bredvid (5:16) 16. Timas Och Miller Möts Utanför 80 Hz (0:40) 17. Club 80 Hz (4:24) 18. Timas Och Miller/De Möter Hjortparet (6:17) 19. Vid Stadshuset, Klockan Tolv, Fredag (0:42) 20. Tre Dagars Regn Över Bremort (Del II)/Tillbaka På Cafina (3:32)

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V. A. (Nonplace) [x>] [D]: Difficult Easy Listening [F] [P]

CoverLabel: Nonplace NON 14
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 05 11
Genre: Electronica - Jazztronica - Futurejazz, Electronica - Dubtronica


Coole CD mit 14 Tracks an den Schnittstellen verschiedenster Genres, Stile und Rhythmen. Man kann wie aus einer Phrasenmaschine Labels für diese Musik zusammenbasteln: Future-Jazz, Dub-IDM, Space-Bossa, Sci-Fi-Dub, Latin-Funk usw. usw. Am Ende ist es einfach saugute Musik, die zwischen solchen Labeln operiert und aus diesem Zwischen ihre Kraft schöpft, ohne sich im Mangel an Prägnanz zu verwässern.

Trackliste:

1. Shank Oust - (3:07) 2. Swaai Cosmopartisan - (3:52) 3. Lycheelassi Shades Of Mosley (Remix By Friedman) - (3:50) 4. Jaki Liebezeit & Burnt Friedman. 5 Live In Nagoya - (4:22) 5. Burnt Friedman & The Nu Dub Players Worth A Dub - (3:25) 6. Replicant Rumba Rockers Space Bossa - (3:42) 7. Beige Explosions = AE in B.E.I.G.E. (Nothing Has Changed) - (3:25) 8. Burnt Friedman & The Nu Dub Players Designer Groove Version - (2:50) 9. Replicant Rumba Rockers La Vida Llena De Cables - (2:18) 10. Beige Schmonked Starlet (Uh Baby! Ah! Ah! Ah!) - (1:33) 11. Burnt Friedman. Busy - (2:38) 12. Shank Ocker Space - (4:52) 13. Burnt Friedman & The Nu Dub Players Paternoster Version - (3:05) 14. Swaai Dwell - (10:06)

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Charalambides [x>] [D]: Joy Shapes [F] [P]

CoverLabel: Kranky KRANK 068
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 05 10
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk - Spacefolk

Die Klangabentauer eines Gitarrentrios. Ein wenig Gesang da und dort, Postpostrock, oder wie soll man es nennen, texturorientiertes Spiel, Ambient, Improvisation.
Zeit lassen. Vor allem Zeit lassen. Keines der fünf Stücke dauert weniger als 10 Minuten. Das CD-Medium wird ausgeschöpft: Total Running Time: 76 Minutes! Joy Shapes zeigt, wie man heute Progrock spielen könnte. Auch kam in diesen Wochen die Solo-CD von Christina Carter heraus: Living Contact mit wunderbaren Lo-Fi-Atmosphären und Folk-Improvisationen – spannend – entspannend.

Trackliste:

1. Here Not Here (21:54) 2. Stroke (10:01) 3. Joy Shapes (10:58) 4. Natural Night (17:15) 5. Voice For You (15:43)

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Bill Wells & Stefan Schneider & Anne Whitehead & Barbara Morgenstern [x>] [D]: Pick Up Sticks [F] [P]

CoverLabel: Leaf BAY 034
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 05 10
Genre: Electronica


Der Schotte Bill Wells arbeitet mit Stefan Schneider von to rococo rot bzw. Kreidler zusammen, Barbara Morgenstern und Annie Whitehead helfen aus. Interessante Musik - du erwartest vom Leaf-Label nichts anderes! Ganz eigene Mischung von Electronica/IDM und Post Rock/Jazz.

Trackliste:

1. Pick Up Sticks (2:27) 2. Three Line Prayer (Pt. 1) (0:27) 3. Three Line Prayer (Pt. 2) (2:36) 4. Family Sighs (1:07) 5. Waft (3:39) 6. Perfect Window (2:22) 7. A Soldier's Shoulder (4:09) 8. The Dust Of Months (4:04)

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Eivind Aarset [x>] [D]: Connected [F] [P]

CoverLabel: Jazzland Recordings 0602498663783
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 05 09
Genre: Electronica - Jazztronica - Futurejazz

Futurejazz bzw. elektronischer Fusion-Jazz. Der Gitarrist Aarset bietet eine bunte Hybride zwischen Spaceage-Sound. Zeitgemässe Autorenmusik in der Traditionslinie von Burnt Friedmann oder einigen Releasen des Rather-Interesting-Labels.

Trackliste:

1. Family Pictures 1 (Eivind Aarset, Erik Honore, Jan Bang) - 5:11 2. Electro Magnetic In E - 5:12 3. Connectic (Eivind Aarset, Wetle Holte) - 6:28 4. Feverish (Eivind Aarset) - 4:33 5. Silk Worm (Eivind Aarset, Wetle Holte) - 7:02 6. Nagabo Tomora (Eivind Aarset) - 5:29 7. Blue In E (Eivind Aarset) - 7:11 8. Transmission (Eivind Aarset, Pellicer) - 5:44 9. Family Pictures 2 (Eivind Aarset, Erik Honore, Jan Bang) - 4:48 10. Changing Waltz (Eivind Aarset) - 7:14

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Braille [E] [x>] [D]: Partir [F] [P]

CoverLabel: Angström ACD 06
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 05 06
Genre: Electronica - Postelectronica, Postpunk - Ambient

Ein atemberaubendes Album von Braille. Braille ist vor allem David Junyent, ein Baske aus Toulouse. Allerdings habe ich den Eindruck, dass dieses Album die Errungenschaft einer Band ist – liegt vielleicht an der Sängerin Alice Imbert, die viel zum Arrangement und Klangbild beiträgt. Partir klingt nach Oval, als würde Markus Popp abstrakten Postrock durch seine Maschinen lassen.
Braille klingt also ähnlich wie Oval. Aber wenn du genau hinhörst, dann bist du nicht mehr sicher ob dieser erste Höreindruck stimmt. Nein, das ist nicht generative Musik, da sind doch kaum diese Sound-Schnipsel, die bis zur Unkenntlichkeit zerschnitten und neu zusammengesetzt sind, so dass die Musik zum reinen Datenstrom reduziert wird. Konzentrier dich! Da ist viel Struktur, wenn auch wie hinter schweren Vorhängen. Jazz, IDM und Folktronic ist hinter ihnen versteckt. Die Instrumente einer Band. Die Vorhänge sind durch massives Soundprocessing entstanden. Die Musik ist durchkomponiert. Die Klänge scheinen wie durch Luftströme (Orgel, Harmonium, Akkordeon) entstanden zu sein, dann aber digital verarbeitet als müssten viele Klänge wie ein Freejazz spielendes Saxophon klingen, ein Saxophon, das vor allem mit den Möglichkeiten arbeitet, mit den Klappen Klänge zu erzeugen und mit der Blastechnik und dem Mundstücks flirrende und flatternde Effekte zu erzeugen. Die Klangverarbeitung gibt der abstrakten Musik eine luftige, geisterhafte Präsenz und drückt ihr einen sehr digitalen Stempel auf. Zuweilen wird auch mit einer Gitarre gearbeitet und im zweiten Teil der CD kommt ein Schlagzeug hinzu. Dann wird der Sound freejazziger. Es ist eine deutliche Bewegung zwischen Anfang und Ende der CD erkennbar. Mag sein, das dies geplante Dramaturgie ist, kann sein, dass die CD Stücke aus zwei Arbeits-Phasen des Projekts stammt. Wie auch immer Partir ist eine ganz grosse CD, ein vielversprechender Anfang. Ich bin gespannt, wie die Geschichte von David Junyent oder von Braille weiter geht.

Trackliste:

1. Postal - 4:36 2. Presente - 5:00 3. Player 1 - 3:45 4. Rencontre - 5:23 5. Apartamiento - 5:40 6. Trapecio - 4:08 7. Denso - 4:02 8. Nudo - 2:51 9. Player 2 - 2:46 10. Recover - 4:53 11. Rollercoaster - 5:02 12. Wonderland ? - 4:36
Alle Tracks: Alice Imbert und David Junyent.

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Fourcolor [x>] [D]: Water Mirror [F] [P]

CoverLabel: Apestaartje staartje 016
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 05 05
Genre: Electronica - DSP - Digitalminimalism

Keiichi Sugimoto spielt bei Minamo und bei Fonica. Fourcolor ist der Name seines Soloprojektes, ein Name, der dier in diesem Herbst zwei Mal begegnet. Ein Fourcolor-Release kommt von Apestaartje, der andere von 12k.
Apestaartje und 12k sind sich darin ähnlich, dass sie digitale und minimale Ambientmusik veröffentlichen. Geschwister sind sie zusammen mit Plop und Spekk. Ebenso sind die beiden genannten CDs Geschwister.
Viele (alle?) der raffinierten digitalen Klänge beider CDs kommen von der Gitarre, sind aber bis weit ins Blaue hinaus prozessiert und gefiltert. Designermusik, ja. Aber zu keinem Moment aseptisch oder konstruiert. Beide CDs sind einfach perfekt! Water Mirror ist etwas statischer als Air Courtain, sie schafft Sounds entlang einer Zeitlinie, die sich in Wogen intensiviert. Das Paar ist durchaus mit den Elementen in den beiden Titeln beschreibbar - mit Wasser und Luft. Deren Qualitäten lassen sich körperlich erfahren.

Trackliste:

1. Dip (1:58) 2. Fount (7:05) 3. Soaking (3:19) 4. In The Pool (4:09) 5. Snow Soup (8:52) 6. Vaporize (2:39) 7. Steam (23:23)
Alle Tracks: Keichi Sugimoto.

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Frank Bretschneider [x>] [D]: Looping I-VI (And Other Assorted Love Songs) [F] [P]

CoverLabel: 12k 1028
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 05
Genre: Electronica - DSP - Digitalminimalism


Diese CD klingt, wie die frühen Werke Bretschneiders als Komet durch Taylor Deupree geremixt. Ich glaube, das ist es dann auch schon.

Trackliste:

1. Looping I (4:17) 2. Looping II (2:41) 3. Paperthin (4:46) 4. Looping III (2:11) 5. Against A Blue Background (5:24) 6. Rocket Summer (4:47) 7. The Day It Rained Forever (2:32) 8. Looping IV (5:39) 9. Night Broadcast (5:37) 10. Looping V (1:40) 11. Go! Said The Bird (4:08) 12. Looping VI (1:38)

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Rezensionen April 2004

Keith Fullerton Whitman [x>] [D]: Antithesis [12'' Vinyl LP] [F] [P]

CoverLabel: Kranky KRANK 064
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 04 26
Genre: Electronica - DSP, Electronica - Folktronica

Die vier Tracks von Antithesis wurden mit Instrumenten aufgenommen, die alle von KFW gespielt sind. Eingespielt wurden diese Stücke zwischen 1994 und 2002, einer Zeit also, in der KFW vor allem als Hrvatski mit Drum'n'Bass unterwegs war. So dürfte der Albumtitel zu verstehen sein: Hrvatski ist die These, diese Tracks sind die Antithiese.
Ein Vinyl-Only-Release. Schade! Aber in einer Zeit, in der Musik ohnehin nicht mehr an ein bestimmtes Medium gebunden ist kann man auch Antithesis auf CD hören – und rezensieren. Leider dauert die grosse Freude nicht einmal eine halbe Stunde, so kurz ist dieser Release. Es sind nur gerade vier Tracks unter dem Titel versammelt aber was für welche!. Das erste Stück heisst Twin Guitar Rhodes Viola Drone. Das sagt vieles. Die Drone schwellt an und ab, klingt voll und tief, aus den Instrumenten heraus. Etas anders Track zwei: Obelisk (für Kurt Schwitters). Viel digitaler, kaum zu glauben, dass hier keine Elektronik involviert ist. KFW verwendet bei diesem Stück ein Tabe, das klingt, wie die Störgeräusche eines kratzenden Schalters oder eines defektes Pickups. In Frage steht es hier schon, ob das eine weitere Drone ist oder nicht. Irgendiwe schon, irgendwie aber auch nicht, weil es eine Trommel oder Pauke gibt, die eine ungeheuer prägende narrative oder rituelle Spannung ins Stück rein bringt. Spannung und Struktur, die bei der reinen Textur der Drone nicht sein dürfte. Nur das beliebige Ende (einfaches Ausblenden) weist darauf hin, dass Dronemusic intendiert ist. Nummer drei heisst: Rhodes Viola Multiple. Hier werden Phrasen geloopt und geschichtet. Im vierten und letzten Stück, Schnee, steht eine akustische Gitarre im Vordergrund, was sofort Assoziationen zum gegenwärtig sich formierenden und hier im Musikzimmer sehr präsenten Format Folktronica weckt. Dieser vierte Track ist ein dichtes psychedelisch anmutendes Klanggemälde für alle Freunde der frühen Pink Floyd.

Trackliste:

Seite A 1. Twin Guitar Rhodes Viola Drone (For Lamonte Young) (7:44) 2. Obelisk (For Kurt Schwitters) (6:13)
Seite B 1. Rhodes Viola Multiple (5:41) 2. Schnee (7:11)

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Icarus [x>] [D]: I Tweet The Birdy Electric [F] [P]

CoverLabel: Leaf BAY 036
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 04 26
Genre: Electronica - Postelectronica

Die freie Improvisation mit dem Rechner. Hör dir die ersten Stücke an und du glaubst einfach eine weitere Drum & Bass Scheibe zu hören, wenn auch keine jener unnötigen Ergänzungen und Fussnoten zu einem abgeschlossenen und verabschiedeten Genre. Nimm diese ersten Töne als Einleitung. Sobald die CD dann richtig los legt, hörst Du die unglaublichsten Dinge in diese Drum & Bass-Textur eingearbeitet: alte Standuhren und so Zeugs.
Man beginnt die wenigsten CDs auf diese unspektakuläre, ja irrefürende Weise. Zu wichtig ist der Anfang. Aber ich nehme an, Ollie Bown und Sam Britton wissen, was sie tun. So ungefähr beim fünften Stück angekommen, bist du wider Erwarten von einer Improvisations-CD gefangen genommen, sitzt in Handschellen auf dem Hintersitz eines Polizeiautos, mit dem du eine Reise durch Klänge und Klangmöglichkeiten von Instrumenten und Objekten des alltäglichen Gebrauchs machst. Am Ende dieses Trips reisst dich eine Polizeigestalt aus dem Auto, nimmt dir die Handschellen wieder ab und sagt fies und abgebrüht lächelnd mit einer Stimme wie von Burroughs: Willkommen bei einem weiteren musikalischen Meilenstein des Leaf-Labels.

Trackliste:

1. Ganglion - 8:36 2. Essen - 3:52 3. Three False Starts - 13:08 4. Jokun's Civet - 2:22 5. Frogmatik - 9:01 6. Pots & Reeds - 1:54 7. Gnog - 6:17 8. Mutations - 4:01 9. Birdz Max - 8:02 10. Tea Bell - 2:24 11. Antz Nez - 5:54
Alle Tracks: Ollie Bown und Sam Britton.

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Devendra Banhart [x>] [D]: Rejoicing In The Hands [F] [P]

CoverLabel: Young God YG 24, XL Recordings XLCD 180
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 04 24
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk

Der neue Wizard of U.S. Zauberhafte Songs, verzauberte Stimme, die an Marc Bolan erinnert. Dieses neue Album, das im Wohnzimmer des Musikers eingespielt worden sei.
Sogar eine dezente Postproduktion war diesmal zugelassen! (Im Herbst erscheinen übrigens andere Songs von der selben Session als CD!)
Wer übrigens Banhart mag, wird wahrscheinlich auch die etwas elektronischere Version von amerikanischem Folk von Rejoicing den ein elektronisches Album? Natürlich nicht, aber diese Stimme ist so geladen wie das Coverbild von Marc Bolan auf dessen Electric Warrior-Platte. Da Banhart das elektrische Prinzip verkörpert, braucht er keine elektrische oder elektronischen Instrumente um Musik für das electrot.ope zu machen.

Trackliste:

1. This Is The Way (2:53) 2. A Sight To Behold (2:26) 3. The Body Breaks (2:43) 4. Poughkeepsie (2:17) 5. Dogs They Make Up The Dark (1:20) 6. Will Is My Friend (3:04) 7. This Beard Is For Siobhán (2:36) 8. See Saw (3:22) 9. Tit Smoking In The Temple Of Artesan Mimicry (1:25) 10. Rejoicing In The Hands (1:41) 11. Fall (2:53) 12. Todo Los Dolores (2:30) 13. When The Sun Shone On Vetiver (3:34) 14. There Was Sun (1:31) 15. Insect Eyes (5:08) 16. Autumn's Child (2:40)

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Firewire [x>] [D]: Tribute To The Manzini [Minialbum] [F] [P]

CoverLabel: City Centre Offices BLOCK 020
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 04 19
Genre: Electronica - Poptronica, Electronica - Breakbeat - Triphop

Ein Minialbum mit sieben Stücken. Trip Hop auf einer neuen Etage. Ein düsteres Sounddesign, das nicht überladen ist, viel digitale Spielereien mit der Stimme Carl Cracks. Diese Etage, von der ich spreche, ist gleich ein paar Stockwerke höher angesiedelt als frühere Trip-Hop-Sachen - sie reicht bis in den Himmel.
Wer ist Firewire? Firewire besteht oder bestand aus Carl Crak, dem Sänger von Atari Teenage Riot und Frederic Stader (aka DIN-ST, DJ Maxximus oder Fever). Wer oder was ist Manzini? Ein Restaurant in Berlin Mitte. Was hatte Carl Crack für eine Krankheit, die ihn das Leben nach nur 30 Jahren kostete? Drogen? Warum kam diese CD nicht früher heraus - entstanden sind diese Songs doch vor drei Jahren? Offenbar fand man keinen Verleger. Oder es gab Nachlass-Rechtsstreitigkeiten oder die Tracks waren alles andere als fertig. Der Tod war wieder einmal schneller als das Leben: dies hier hätte ein Jahrhundertalbum abgeben können. Aber aus welchen Gründen auch immer, hinterbleiben von dieser Kollaboration nur gerade 26 Minuten Musik. Sieben Stücke. Aber immerhin.Was du hören kannst, ist umwerfend.

Trackliste:

1. Open Ur Eyes (4:41) 2. No One There (4:14) 3. 4 Ever (3:47) 4. The Driver Is The Soul And The Body Is The Motor (1:41) 5. No Exit (4:57) 6. Every Day (3:52) 7. Down (2:58)

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Patrick Wolf [x>] [D]: Lycanthropy [F] [P]

CoverLabel: Tomlab tom 037, faith and industry 003
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 04 13
Genre: Electronica - Folktronica


Es heulen die Wölfe, sobald du diese CD einlegst. Es ist Mitternacht. Und Vollmond, versteht sich. Eine dieser Stunden, in denen Patrick sich zum Wolf verwandelt, im Mondlicht auf den Felsen steigt und seine Lieder in den Nachtwind hinaus heult. Da stellt sich ein junger englischer Musiker der Öffentlichkeit vor und nimmt dabei seinen Namen im wörtlichen Sinn. Eine lustige Idee und eine stimmige Inszenierung auf dem Cover. Wolf schreibt manchmal energiegeladene, manchmal sanft-melancholische Folk-Songs, spielt sie mit sanftem aber selbstverständlichem Elektronik-Einsatz und mit allen verfügbaren instrumenten, so scheint's, mit viel Streichern (Cello) beispielsweise. Heraus kommt eine grossartige Musik, die genauso expressiv ist wie diejenige von den Label-Kollegen Xiu Xiu, wenngleich weniger schmerzhaft und gequält, dafür mit einer grossen Prise Humor. Man ist gespannt auf mehr, auf viel mehr. Möge es bald wieder Vollmond werden, Patrick.

Trackliste:

1. Prelude (1:32) 2. Wolf Song (3:28) 3. Bloodbeat (3:50) 4. To The Lighthouse (4:05) 5. Pigeon Song (3:34) 6. Don't Say No (4:02) 7. The Childcatcher (4:28) 8. Demolition (6:06) 9. London (3:54) 10. Paris (4:46) 11. Peter Pan (1:53) 12. Lycanthropy (4:10) 13. A Boy Like Me (3:29) 14. Epilogue (2:08)

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Tortoise [x>] [D]: It's All Around You [F] [P]

CoverLabel: Thrill Jockey thrill 115
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 04 06
Genre: Postrock - Dubrock


Die Meister des Postrocks sind zurück mit einem Album, das eher an Ambient angelehnt ist als an Rock (wie noch das letzte hier in Europa bei Warp erschienene Standards). Sehr fein gearbeitete Musik, in deren Textur allerlei Klischees eingearbeitet sind, Klischees von dem, was dich klanglich umgibt. Natürlich ist das alles nicht mehr so relevant, wie es 1993 war - aber Meister bleiben Meister, was daran ersichlich wird, dass du diese CD als coole Hintergrundmusik laufen lassen, dass du dich aber ebenso hinsetzen und in sie eintauchen kannst. Dieses Album lässt dich nicht allein. It's all around you.

Trackliste:

1. It's All Around You - 4:09 2. The Lithium Stiffs - 3:59 3. Crest - 4:21 4. Stretch (You Are All Right) - 5:14 5. Unknown - 5:38 6. Dot/Eyes - 3:46 7. On the Chin - 5:21 8. By Dawn - 1:51 9. Five Too Many - 4:33 10. Salt the Skies - 4:45
Alle Tracks: Tortoise.

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AGF [x>] [D]: Language Is The Most: Ars Electronica 2003 Klangpark [Live] [F] [P]

CoverLabel: Quecksilber 06
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 04 (Ed.), 2003 09 07 (Rec.)
Genre: Electronica - IDM - Glitch-IDM, Electronica - DSP, Electronica - Soundart - Konkrete-Poesie

Nachdem es letztes Jahr bereits einen ähnlichen Release aus dem Linzer Klangpark gab, Vladislav Delays Naima, kommt heuer AGFs Festivalauftritt als CD in unsere Stuben. Ein abgeschnittener Textstring aus dem Track Salmiakki Pattern bzw. dem letzten Album Westernization Completed gibt den Titel dieser CD her: Language is the most.
Was ist Sprache? Finde zuerst selber die Antwort, höre dann Antye Greie: the most exciting form of learning how to mean. Das ist das sprachanalytische Paradigma und die Geschichte des kleinen Mädchens, das auf die Aufforderung, sie solle zuerst überlegen, was sie sage, antwortet: Wie kann ich darüber nachdenken, was ich meine, wenn ich es noch gar nicht ausgesprochen, gesagt habe? AGF's Sprache ist durch Satzzeichen bereichert: durch Klammer auf, Semikolon, Doppelpunkt oder Leerzeile, ihre Rede ist syntaktisch reduziert wie die Rede der Dichter. Sie fliesst im Fluss der Zeit dahin. Niemand weiss, wo sie beginnt oder wo sie endet. Sprache ist ein Mittel um zu lernen – sowohl die dichterische als auch diejenige der Computer – die Programmiersprachen. Wir müssen lernen, wo im String die Information beginnt und wo sie endet. Ein weiterer Satz auf dieser CD lautet: Let's look harder – let's open our eyes more! Mach die Augen auf! Schau genau hin! Eine Einladung, die Sinne zu gebrauchen. Die Wahrnehmung ist des Menschen Ausgang aus seiner selbstverschuldeten Stumpfheit und Ignoranz! Das gilt für diese Musik: Hör genau hin, Ignorant! Spitze Deine Ohren, Dumpfbacke!

Trackliste:

1. Loading / Code In The Noodle Soup - 5:37 2. Reduced Trust - 6:57 3. White Flip Flops - 5:08 4. Salmiakki Pattern - 7:44 5. Delusion - 2:26 6. Arriving - 2:47 7. Schlauchtraumstimmen / Leerzeile - 5:26 8. Burning Fraquencies - 2:31 9. Un-De-Buged - 4:46
Alle Tracks: Antye Greie.

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Momus & Anne Laplantine [x>] [D]: Summerisle [F] [P]

CoverLabel: Analog Baroque 010
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 04
Genre: Electronica - Folktronica

Lo-Fi-Folk, der Tradition herumreisender improvisierender Musiker wie Fred Frith verpflichtet. Kein Wunder, dass diese CD auf einem Label erscheint, das Analog heisst. kein Wunder, dass die Songs manchmal mittelalterlich klingen. Es handelt sich um Musik, die auf ihrer Oberfläche nicht offenbart, dass sie durch und durch elektronisch ist. Nicht die verwendeten Instrumente natürlich, die sind grösstenteils analog! Aber produziert wurde diese CD mutmasslich auf einem Macintosh. Ein Ohrenschmaus für Freunde der Releases des Tomlab-Labels, von Sack und Blumm oder Angelika Köhlermann.

Trackliste:

1. Fur Ming Felt Hunt (3:32) 2. Black Earth Buzz (3:11) 3. Go Fishing Willy (2:43) 4. Spin Thread Annie (4:17) 5. McKenzie Fling (1:54) 6. Fingal Martin's Mistress (1:31) 7. The Tailor Of Dunblane (3:28) 8. Manty Kelin (1:45) 9. A Spratch O' Thyme (4:55) 10. Trilly Birthphone (2:32) 11. Johnny Jump Up (1:23) 12. Seakliff Kragg (2:32) 13. Ossian May (1:57)

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Rezensionen März 2004

Joanna Newsom [x>] [D]: The Milk-Eyed Mender [F] [P]

CoverLabel: Drag City DC 263
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 03 23
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk

Verspätet rezensiert. Eine interessante CD aus dem New-American-Folk-Kuchen. Eine Harfistin mit klassischer Ausbildung. Ihr Gesang wirkt am Anfang sehr gekünstelt. halte das mal aus! Dann besticht das Album nämlich durch eine grosse Ausdruckssicherheit für diese selbstkomponierten Appalachischen Folk-Songs. Wer es unschuldige Naivität nennen will, wer es hohe Artifizialität nennen will - bitte! Du darfst es nennen, wie du möchtest. Es trifft beides zu. Hier gelingt jemandem eine Gratwanderung zwischen Extremen und das ist was, lässt aufhorchen, ob es gefällt oder nicht.

Trackliste:

1. Bridges and Balloons - 3:42 2. Sprout and the Bean - 4:32 3. The Book of Right-On - 4:29 4. Sadie - 6:02 5. Inflammatory Writ - 2:50 6. This Side of the Blue - 5:21 7. En Gallop - 5:07 8. Cassiopeia - 3:20 9. Peach, Plum, Pear - 3:34 10. Swansea - 5:05 11. Three Little Babes (Traditional) - 3:42 12. Clam, Crab, Cockle, Cowrie - 4:21
Alle Tracks: Joanna Newsom, ausser wo anders vermerkt.

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Fennesz [x>] [D]: Venice [F] [P]

CoverLabel: Touch TO:53
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 03 23
Genre: Electronica - IDM - Glitch-IDM, Electronica - DSP


Fennesz, das ist für ungeübte Ohren hauptsächlich elektronischer Lärm (noise) plus dieser Hang zum Melancholischen, der seit Endless Summer unverkennbar ist. Venice ist nicht für den Frühling gemacht, sondern für die Geschichte der elektronischen Musik, die länger dauert als eine Jahreszeit lang. Im Fühjahr herrscht nicht der Glanz vergangener Zeiten, herrscht nicht der Abschied, nicht die zähe Langsamkeit. Endless Summer war Spätsommermusik, Venice nun ist Wintermusik: Die Schiffe sind leer, Geisterschiffen gleich, Geisterschiffen einer Geisterstadt, Totenschiffe vielleicht, in einer Reihe auf dem Weg in die Unterwelt. Was willst Du Eurydike zurückholen, Orpheus, wenn Du sie kurz vor der gelungenen Rettung doch von Dir stösst? Ich freue mich auf Deine Frühjahrs-CD, Orpheus, auf der die Klänge spriessen und sprühen, durch die ein sanftes Grau in den Farben zieht, ein Grau, das die Intensität der Farben so stark macht, dass man Rosa beinahe für Rot hält, Hellgrün für Grasgrün. Doch vorerst höre ich mich satt an diesen zwölf Winterstücken, der Jahreszeit zum Trotz (der nächste Winter kommt bestimmt). Ich schaue weg vom zerten Grün der Bäume, das mich umgibt, der ersten Blüten und lausche dem verlangsamten Untergang, dem verzögerten Sterben von Venice. Ja, man möchte tagelang sitzen und schreiben zu dieser Musik, still, tatenlos, nur in rückwärtsgewandten Gedanken verhangen und versunken. Dem Treiben der Menschen zusehen, den Tagestouristen mit ihren umtriebigen Gesten, dem ausgelassenen Lachen (Lüge, denn sie gehen auf Brettern, damit ihre Füsse nicht nass werden) und wissen: Jetzt ist noch einmal meine Zeit, zum letzten Mal vielleicht, dann untergehen. Und in diesem Untergehen verharren, Schachspielen mit dem Teufel, aufgehen im aufgehobenen Untergang, im angehaltenen Untergang, im Still der Wasser, die einen nur sanft überspülen in dieser Stadt. Bleib einfach stehen! Hol genug Luft, damit du es aushältst bis die Woge sich wieder ins Meer zurückzieht. Solange du untergehst, solange stehst du noch! Und wer möchte sich nicht in dieser Musik ertränken.

Trackliste:

1. Rivers of Sand - 4:42 2. Château Rouge - 6:40 3. City of Light - 6:34 4. Onsra - 0:20 5. Circassian - 5:49 6. Onsay - 1:08 7. The Other Face - 3:25 8. Transit - 4:59 9. The Point of It All - 5:01 10. Laguna - 2:56 11. Asusu - 0:55 12. The Stone of Impermanence - 6:37

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Lou Reed [x>] [D]: Animal Serenade [2 CD Live] [F] [P]

CoverLabel: Warner Bros. 48678
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 03 22 (Ed.), 2003 06 24 (Rec.)
Genre: Rock, Rock - Folkrock - Singer-Songwriter


Lou Reed alive and kicking! Der Altmeister nahm im Juni 2003 in Los Angeles mit einer atemberaubenden Band eines seiner Konzerte auf und schenkt uns dieses Jahr 20 seiner grössten Songs in neuen Interpretationen. Ich liebe diese Doppel-CD für die abgebrühte Professionalität Lou Reeds, für sein Gespür, aus seinem risigen Repertoire die richtigen Songs zusammenzustellen und vor allem für die Interpretation von Venus in Furs. Danke Jane Scarpantoni für dieses Cello-Solo!
Animalität schreiben wir diesem Mann ohnehin zu. Dennoch weise ich besonders auf das gelungen Artwork der CD hin: Den Buchstaben wachsen Haare. Die Fotos von Lou Reed zeigen ihn mit einfachen Effekten (verwackeln, Hintergrundlicht) als das Biest, das er ist. Das Bild der Band mit Reed im Zentrum, so von Scheinwerferstrahlen umgeben als wäre er das Abbild des christlichen Gottes, hätte man sich allerdings sparen können.

Trackliste:

CD 1 1. Advice - 2:07 2. Smalltown (Reed, John Cale) - 6:04 3. Tell It to Your Heart - 6:03 4. Men of Good Fortune - 4:27 5. How Do You Think It Feels - 8:09 6. Vanishing Act - 5:31 7. Ecstasy - 7:09 8. The Day John Kennedy Died - 4:04 9. Street Hassle - 6:59 10. The Bed - 5:15 11. Revien Cherie (Fernando Saunders) - 7:12 12. Venus in Furs - 10:02
CD 2 1. Dirty Blvd. - 6:54 2. Sunday Morning (Reed, John Cale) - 5:04 3. All Tomorrow's Parties - 6:18 4. Call on Me - 2:45 5. The Raven - 9:33 6. Set the Twilight Reeling - 9:08 7. Candy Says - 6:04 8. Heroin 9:11
Alle Tracks: Lou Reed, ausser wo anders vermerkt.

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CocoRosie [x>] [D]: La Maison De Mon Reve [F] [P]

CoverLabel: Touch And Go TG 253
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 03 09
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk, Electronica - Folktronica

Zwei Schwestern, schon jetzt Popstars, tragen Songs vor, in denen sparsam eingesetzte synthetische Sounds herumwuchern, dass es eine Freude ist. Stellenweise klingt das ebenso schräg wie Tom Waits, stellenweise einfach arabesk - besonders wenn die beiden Stimmen sich in einander verwinden. Eine Überraschung aus Amerika bzw. aus Paris, wo die beiden lebten!

Trackliste:

1. Terrible Angels - 4:10 2. By Your Side - 3:59 3. Jesus ?'s Me - 3:10 4. Good Friday - 4:23 5. Not For Sale - 1:19 6. Tahiti Rain Song - 3:36 7. Candy Land - 2:56 8. Butterscotch - 3:08 9. West Side - 1:24 10. Madonna - 3:49 11. Haitian Love Songs - 4:55 12. Lyla - 4:04
Alle Tracks: CocoRosie.

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V. A. (EMI) [x>] [D]: John Lennon's Jukebox [2 CD] [F] [P]

CoverLabel: EMI 608
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 03 08
Genre: Rock'n'Roll, Afroamericana - Rhythm'n'Blues, Pop - Teenpop, Afroamericana - Soul

Diese Doppel-CD enthält Singles aus einer Jukebox, die John Lennon gehörte und ihn in den 60er Jahren begleitet hat. Es handelt sich um eine 15 kg schwere tragbare KB Discomatic - Swissmade, mit Platz für 41 Singles. Alle 41 Titel sind ohne die B-Seiten auf dieser CD versammelt.
Nicht wenige der Songs haben die Beatles beeinflusst: beispielsweise stand Daydream bei Goodday Sunshine Pate. Andere der Songs enthalten Elemente, die den Beatles Sound prägten: so der Schrei aus Twist and shout. Nein, diese CD fördert nichts zu Tage, was man nicht bereits gewusst hätte, sie ist aber in der Zeit von iPod veröffentlicht, ein interesantes Zeugnis aus einer anderen Zeit, in der Leute mit einer persönlichen Jukebox noch 15 kg mit sich herumschleppen mussten. Und neben diesem mediengeschichtlichen Bezug steht diese Doppel-CD in einem thematischen Bezug zur Gegenwartsdiskussion, die von der Musikzeitschrift The Wire bzw. von David Toop in der Maiausgabe des Magazins losgetreten worden ist. Die Wiedergeburt des Songs! Nachdem man im Verlauf der Neunziger klar zum Schluss kommen musste, dass die ästhetische Form des Songs mit ihrer Struktur und Geschlossenheit vom strukturell eher flachen und offenen Track abgelöst werde, was den selben Musikjournalist zum Statement: der Song sei tot bewogen hat, erhält man gegenwärtig den gegenteiligen Eindruck. Unter dem Titel The state of songs findest du im Wire-Magazin eine Liste mit 60 von den Redakteuren gewählten Songs, die die Form gesprengt haben. Darunter Lieder von Björk, David Bowie, Tim Buckley, Coil, den Neubauten, Matching Mole, Meredith Monk, Nico, Patti Smith, Stockhausen, Stooges, This Heat oder Scott Walker - um nur ein paar zu nennen. Diese Liste bietet einmal mehr eine interessante musikalische Entdeckungsreise, ein Ausflug hinein in die musikalische Erfahrung!

Trackliste:

CD 1 1. In the Midnight Hour - Wilson Pickett 2. Rescue Me - Fontella Bass 3. The Tracks of My Tears - Smokey Robinson and the Miracles 4. My Girl - Otis Redding 5. 1, 2, 3 - Len Barry 6. Hi-Heel Sneakers - Tommy Tucker 7. The Walk - Jimmy McCracklin 8. Gonna Send You Back to Georgia - Timmy Shaw 9. First I Look at the Purse - The Contours 10. New Orleans - Gary US Bonds 11. Watch Your Step by Bobby Parker 12. Daddy Rollin' Stone by Derek Martin 13. Short Fat Fannie by Larry Williams 14. Long Tall Sally by Little Richard 15. Money (That's What I Want) by Barrett Strong 16. Hey! Baby by Bruce Channel 17. Positively 4th Street by Bob Dylan 18. Daydream by The Lovin' Spoonful 19. Turquoise by Donovan 20. Slippin' and Slidin' by Buddy Holly
CD 2 1. Be-Bop-A-Lula by Gene Vincent 2. No Particular Place to Go by Chuck Berry 3. Steppin' Out by Paul Revere & the Raiders 4. Do You Believe in Magic by The Lovin' Spoonful 5. Some Other Guy by The Big Three 6. Twist and Shout by The Isley Brothers 7. She Said, Yeah by Larry Williams 8. Brown Eyed Handsome Man by Buddy Holly 9. Slippin' and Slidin' by Little Richard 10. Quarter to Three by Gary US Bonds 11. Ooh! My Soul by Little Richard 12. Woman Love by Gene Vincent 13. Shop Around by The Miracles 14. Bring It on Home to Me by The Animals 15. If You Gotta Make a Fool of Somebody by James Ray with the Hutch Davie Orchestra 16. What's So Good About Goodbye by The Miracles 17. Bad Boy by Larry Williams 18. Agent Double-O Soul by Edwin Starr 19. I've Been Good to You by The Miracles 20. Oh I Apologize by Barrett Strong 21. Who's Lovin' You by The Miracles

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Squarepusher [x>] [D]: Ultravisitor [F] [P]

CoverLabel: Warp 117
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 03 08
Genre: Electronica - Jazztronica - Jazzfusion


Wunderkind Tom Jenkinson verbindet wieder einmal 80 Minuten lang die Genres wie er die Apparate seines Equipements miteinander verschaltet. Hier ein Kabel einstecken und hier hinein das andere Ende. Wie unsereins mit dem Finger schnippt. Im Titeltrack Ultravisitor sind Ambient-Texturen und schnelle Breakbeats übereinander wie bei Aphex Twin, wobei dieser wie jener sein Geschäft nicht allein mit der Geschwindigkeit betreibt. Prägend sind auch das mal jazzige, mal klassische Spiel von Squarepushers Gitarre und nicht zuletzt ein jauchzendes Livepublikum, das virtuell präsent ist, dessen Geräuschkulisse klanglich verarbeitet wird. Da kann es schon mal passieren, dass aus Fans ferne Düsenjets werden. Squarepusher demonstriert, was Fusion heute bedeuten kann, wenn es nicht gerade als Schimpfwort verwendet wird.

Trackliste:

1. Ultravisitor - 8:32 2. I Fulcrum - 3:31 3. Iambic 9 Poetry - 6:55 4. Andrei - 2:00 5. 50 Cycles - 8:33 6. Menelec - 5:43 7. C-Town Smash - 1:29 8. Steinbolt - 7:44 9. An Arched Pathway - 4:06 10. Telluric Piece - 1:53 11. District Line II - 8:33 12. Circlewave - 6:28 13. Tetra-Sync - 9:27 14. Tommib Help Buss - 2:10 15. Every Day I Love - 2:39

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Amute [x>] [D]: A Hundred Dry Trees [F] [P]

CoverLabel: Intr_version INTR 012
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 03 06
Genre: Postrock, Electronica - Postelectronica

Diese CD blieb lange unrezensiert, ist aber bereits seit ihrem Erscheinen Anwärterin, um auf die Liste der Besten CDs zu kommen! Jérome Deuson ist aMute, der Unstumme. Seine Version von Ambientmusik schlägt alles, was vor ihm da war! Sehr verwandt mit den Releases von Tim Hecker oder mehr noch Mitchell Akijama, auf dessen Label Intr_version dieser Erstling des Kanadiers erscheint. Fennesz ist als einer der Einflüsse unverkennbar: Prozessierte und Gelayerte Gittarre. Hinzu kommt eine eigene musikalische Sprache, die in der Traditionslinie der kanadischen Ambient-Musik steht.
Auf dieser CD ist jeder Klang warm und schimmert. Wenn du die Musik leise hörst fliesst sie angenehm, wenn du sie aufdrehst kommen vorher ungehörte Details in einem grossen Raum zum Vorschein. Diese Musik funktioniert sowohl im heissen Sommer - du stellst dir dann weite Highways vor, über denen die Hitze aufsteigt - als auch im verschneiten Winter – das Cover stimmt dich auf mögliche passende Bilder ein. Diese Musik ist in sich so stimmig, dass sie keine äusseren Klischees braucht, um anzukommen, um verstanden zu werden. Sie funktioniert optimal und kontextunabhängig. Ein autonomes Kusnstwerk eben!

Trackliste:

1. Trouver les Mots (4:31) 2. Landslips (7:07) 3. À l'ombre de 12,000 Médias (6:13) 4. From Where I Stand (5:22) 5. Let It Go Swirling (7:09) 6. Au Creux des Vagues, Mon Visage (11:41) 7. Weight of Time, Relief (3:47) 8. Oubliez et Doucement... Repartir (8:20)

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Traject [x>] [D]: Strengir Hrynja [F] [P]

CoverLabel: Spezialmaterial SM 013
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 03
Genre: Electronica - Breakbeat, Electronica - IDM

HiTech-Musik, nicht nur für Autechre- und Einoma-Liebhaber, eine Gelegenheit, dir deine Gehirnwindungen massieren zu lassen. Pass auf, dass sie sich nicht verknoten!
Ein Trajekt ist ein (Eisenbahn-)Fährschiff. Eine interessante Sache also: ein spezielles Medium nämlich, das ein anderes Medium über dessen natürliche Grenzen gelangen lässt, indem es in sich dieses andere Medium aufnimmt, ihm eine schützende Hülle bietet. Ein Trajekt ist also ein Hüllenmedium bzw. ein Metamedium - oder gewissermassen ein schwimmendes Eisenbahngeleise (eine schwimmende Strasse).
Vor einigen Jahren fuhr ein solches Fährschiff hinüber aus England nach Island, an Bord eine Kiste mit Autechre Platten. Am Kai von Reykjavik stand sehnsüchtig Gisli Thor Gudmundsson und wartete auf den neuen Sound von drüben. Es war der Morgen nach einer dieser langen Winternächte. Er kaufte alle Autechre-Platten, ging mit ihnen nach Hause, hörte sich die Tracks wieder und wieder an und dachte: Das kann ich auch! Dann gründete er vor ein paar Jahren Einoma (Label: Vertical Forms), setzte sich an den Computer und kreierte einige der interessantesten Autechre-Sounds, die nicht von den Herren Booth und Brown selbst stammt. Nun macht Herr Gudmundsson auf Solo, und zwar - hört, hört! - beim zürcher Label Spezialmaterial.

Trackliste:

1. Water For Muddy People (8:14) 2. She Said (6:40) 3. Chkal (5:58) 4. Keysplitter (5:51) 5. Path (7:46) 6. She Said (Einóma Remix) (6:18)
Alle Tracks: Gísli Thór Gudmundsson.

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Wechsel Garland & World Standard [x>] [D]: The Isle [F] [P]

CoverLabel: Staubgold 051
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 03
Genre: Electronica - Folktronica


Eine neue Wechsel Garland, diesmal auf Staubgold. Friedliche Klänge, kontemplativ, folkig, bauchig, heilsam, fliessend, bedacht, verlangsamt, still, schillernd, melancholisch und melodiös. The Isle, nomen est omen. Stell dir vor: Auf deiner Insel sein, Zeit haben, träumen, launisch sein dürfen, den Bart wachsen lassen, nur machen was dir gefällt. Jetzt darfst du. Du brauchst dabei nichts zu Stande zu bringen. Lass dich gehen, höre nur auf die Musik, die dich begleitet, überlass dich ihr ganz! Atme still! Spüre die angenehme Ruhe, die dich erfasst, …
Folkmusik lebt auf dieser CD dank einem Schuss Elektronik da und dort wieder auf. Wenn dir diese CD gefällt, dann höre dir auch das Referenzwerk dieses Genres an: Love Streams von März, erschienen auf Karaoke Kalk mit der Katalognummer 13. Der einzige Song auf The Isle (Track 5), der leider mit einem etwas übergewichtigen Text daher kommt (Schicksal ist heilbar),sticht heraus. Die anderen Tracks liebäugeln mit der Belanglosigkeit, allerdings ohne je dort hinein und damit hinab zu gleiten.

Trackliste:

1. Dandelion Wine (2:17) 2. The Long Walk (2:06) 3. A Found Chart (3:30) 4. Where It All Starts (4:34) 5. The Harbour (3:46) 6. Two Different Visitors (2:47) 7. Solitude Sea (2:41) 8. Atoll (3:47) 9. Octant (2:54) 10. Canopy Of Heaven (2:13) 11. The Whale (1:51) 12. Something In Sight (1:40) 13. The Isle (2:42) 14. A Fire Under The Stars (1:24) 15. After All (5:37)

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Rezensionen Februar 2004

Neulander [x>] [D]: Smoke And Fire [F] [P]

CoverLabel: Disko B db 122
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 02 24
Genre: Electronica - Elektro - Electroclash

Lass mich mal aus dem Pressetext drauflos zitieren: A drum machine, 2 keyboards, a cello, a boy and a girl in gigantic baroque luscious minimalist overdrive. Danke, schön gesagt, die Gitarre hätte ich mit aufgeführt, aber ist o.k. so.
Adam Peters und Korinna Knoll sind Neulander und kommen aus New York haben aber bestimmt europäische Wurzeln. Ihr hört man die deutsche Zunge an (Schauspielerin). Er hat mal in den Achtzigern irgend was für die Bunnymen gemacht. Beim ersten Hinhören meinst du dann auch ein weiteres Achtzigerjahreretroprojekt zu hören, beim genaueren Lauschen hörst du unter dem New Order- und Eurythmics-Gestus sehr gegenwärtige Sounds, wie sie bisher kein Retroprojekt gespielt hat. Hinzu kommt, dass diese CD 10 Killersongs enthält, die sich direkt in dein Herz bohren. Diese Dichte ist doch ungewohnt, oder? Ich jedenfalls höre mir die CD nur mit der aktivierten Endloswiederholungsfunktion meines Players an. Eine andere CD lege ich gegenwärtig nur widerwillig ein, sozusagen nur um die CD vor dem Ausbrennen zu schonen.
Im Titel dieser CD eine der typischsten Zeichenrelationen. Die Wirkung lässt auf die Ursache schliessen. Auch von diesen Songs schliessen wir von Rauch auf Feuer.

Trackliste:

1. Sex, God + Money (3:44) 2. If You Could (Laird Clowes) - (4:26) 3. Girl Out Walking (3:47) 4. Flying (Laird Clowes) - (5:05) 5. Middle East (Adam Peters, Chris Brick) - (3:41) 6. Blue Bird Party (Adam Peters, Chris Brick) - (3:45) 7. Just There (Adam Peters) - (3:49) 8. Sometimes (Adam Peters, Korinna Knoll) - (3:35) 9. Schauspieler (4:41) 10. People's Love (3:19)
Alle Tracks: Adam Peters, Chris Brick, Korinna Knoll,ausser wo anders vermerkt.

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Trapist [x>] [D]: Ballroom [F] [P]

CoverLabel: Thrill Jockey thrill 141
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 02 17
Genre: Postrock, Improvisation - Kollektivimprovisation - Wiener-Szene


Improvisierte rhizomatische Postrock-Texturen, deutlich näher an Tortoise als noch das letzte Album Highway My Friend von 2002. Die von allen Wienern (Dafeldecker, Brandlmayr, Siewert, usw.) bekannten, minutenlangen stillen Phasen, in denen du die Fliegen schmatzen hörst, finden hier höchstens am Anfang oder am Ende der Tracks statt. Trapist ist eine der vielen Formationen, in denen Martin Brandlmayr (von Radian) Schagzeug spielt. Sehr hörenswerte CD.

Trackliste:

1. Time Axis Manipulation (Part 1) (12:33) 2. (Part 2) (7:15) 3. Observations Took Place (4:57) 4. The Meaning Of Flowers (5:21) 5. For All The Time Spent In This Room (18:24)

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Xiu Xiu [x>] [D]: Fabulous Muscles [F] [P]

CoverLabel: 5 Rue Christine GER 031, Tomlab tom 034
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 02 17
Genre: Post-Millennial-Music - Postpunk-Revival - Synthpunk

Eine grossartige CD von Xiu Xiu, einer Band aus San Jose im ewig sonnigen Kalifornien, die Indie-Pop bzw. Indierock und Glitch verbindet.
Erinnerst du dich an die 4AD-Band His Name is Alive? Xiu Xiu machen dort weiter, wo His Name is Alive aufgehört hat. Jede Dreampop-Ästhetik muss hier allerdings einer Uneasy-Listening-Ästetik weichen. Das ist der Glitch-Aspekt dieser Rockmusik: Der Sänger Jamie Stewart hat eine äusserst wirkungsvolle Stimme. Sie ist es, die dich schmerzt, weil sie dermassen verzerrt ist und klingt, als wäre Jamie in einem Schuhkarton eingesperrt. Wenn du ihn aus diesem Ungemach befreien möchtest, dann ist dieses Album nichts für dich!

Trackliste:

1. Crank Heart (3:19) 2. I Luv The Valley OH! (2:59) 3. Bunny Gamer (b) (2:40) 4. Little Panda McElroy (b) (4:26) 5. Support Our Troops OH! (Black Angels OH!) (4:46) 6. Fabulous Muscles (Mama Black Widow Version) (4:11) 7. Brian The Vampire (2:39) 8. Nieces Pieces (Boat Knife Version) (3:33) 9. Clowne Towne (3:51) 10. Mike (5:14)

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Greg Davis [x>] [D]: Curling Pond Woods [F] [P]

CoverLabel: Carpark CRPK 026
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 02 10
Genre: Electronica - Folktronica

Die ersten 26 Sekunden des Tracks Red Barn Road machen alles klar, setzen diese CD in den Kontext mit dem Namen Beach Boys. Später folgt dann auch noch die zu diesem Konzept gehörige Cover-Version: At My Window. Wie die Beach Boys Stimmen schichtet Greg Davis folkige Gitarrenklänge. Teilweise sind diese Gitarrenklänge digital verarbeitet (Brocade).
Gegenüber dem Vorgängeralbum Arbor aus dem Jahr 2002 kommen nun weitere Instrumente hinzu, unter anderem Holzbläser und Harmonika. Aber auch eine Spieluhr darf nicht fehlen (Improved Dreaming), das Händeklatschen (Shoes And Socks), Vogelgesang (Air) oder Laptopsounds, die nach Kurzwellenradio klingen. Die langen Stücke werden in ihrer Mitte teils in der Klanggebung und teils im Tempo umgebaut. Schwups, entsteht etwas Neues aus dem Track! Das alles ist liebevoll gemacht und sehr ernst gemeint. Es ist ein Meister am Werk, dieser Release ist ein künftiger Klassiker!

Trackliste:

1. Red Barn Road (0:26) 2. Brocade (Rewoven) (4:14) 3. Improved Dreaming (6:38) 4. Shoes & Socks (6:22) 5. Slightly Asleep (2:58) 6. At My Window (6:04) 7. Centermost (3:13) 8. An Alternate View Of A Thicket (3:05) 9. Curling Pond Woods (6:40) 10. Air (4:01)

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Einstürzende Neubauten [x>] [D]: Perpetuum Mobile [F] [P]

CoverLabel: Mute STUMM 221
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 02 09
Genre: Postpunk - Industrial

Musik von nach dem Einsturz. Sie reissen keine Gebäude mehr ein, dafür tanzen sie auf den Trümmern in neue Tage hinein.
Ich setze mich, um diese Rezension zu schreiben, unter mein über zehn jähriges Neubauten-Konzertplakat von der Tabula Rasa Tour aus dem Jahr 93 (nebenbei bemerkt habe ich nur zwei solche Konzertplakate, eins von Autechre und eins von den Neubauten). Es ist dieses Stillleben mit der silbernen Fruchtschale, mit Äpfeln, Birnen, Baum- und Haselnüssen, ein Glas Weisswein dahinter, Fliegen, eine, zwei, drei - ich weiss nicht warum es nicht fünf Fliegen sind, da diese doch bestimmt die Bandmitglieder repräsentieren, die sich von den der Verderbnis ausgelieferten Früchte des Herbsts, der Endzeit, nähren. Dekonstruktionsarbeit. Strukturen, die aufgebaut worden sind wieder abtragen - nach der Schuldigkeit der Zeit. Ich glaube noch immer, die fehlenden zwei Fliegen, verstecken sich hinter oder unter den Früchten, arbeiten im Untergrund. Ich sitze also unter meinem Neubauten-Poster, diesem verwitterten alten Teil, das ich damals in einer regennassen April-Nacht von einer zürcher Wand pflückte. Das Papier war bereits zerknittert als ich es bei mir zu Hause aufhängte. Diese Spuren der Vergänglichkeit passten ausgezeichnet zu dieser Band. Damals war es für mich unvorstellbar, dass diese Gruppe das Millennium überstehen könnte. Ich hielt sie für Apokalyptiker, denen der Schnauf ausgeht, sobald sich nach dem Ende zeigt, dass es doch irgendwie weitergeht, dass die Uhren sich immer noch drehen. Aber dann 1996 nannten sie eine CD Ende Neu, überlebten den Abgang von zwei Leuten (u.a. F.M. Einheit) und schliesslich das Millennium. Kürzlich hat Blixa Bargeld Nick Caves Bad Seeds verlassen, um sich mit ganzer Energie den Neubauten widmen zu können. Das verheisst einen langen Atem – wie Meister Cave ihn ebenfalls hat - und daher dürfen wir alle noch viele tolle CDs von dieser Band erwarten.
Was ist zur Musik dieser CD zu sagen? Sie ist melodiöser und harmonischer als auch schon. Den bereits 1993 begonnenen Weg hat die Band konsequent weiterverfolgt. Industrialsounds - das Markenzeichen der Neubauten - sind in den Hintergrund getreten aber nicht einfach weggemischt, dem Kommerz, der Verträglichkeit geopfert, sondern bewusst dort platziert. Es herrscht viel Raum für Stille. Eine kontrastreiche Stille wird inszeniert, was sich ebenfalls bereits auf den letzten Veröffentlichungen angekündigt hat. Du darfst keine Ausbrüche von unkontrollierter Energie mehr erwarten. Und du musst Blixa Bargeld mehr Zeit geben, um zu sagen, was zu sagen ist. Vielleicht ist dies ein Resultat der Produktionsbedingungen von Perpetuum Mobile (ein starker Titel). Das Album ist im Kraftfeld einer interessanten Medienkonstellation entstanden: Eine Web-Kamera-Anlage, die üblicherweise für Sexdienstleistungen verwendet wird, diente dazu, dieses Album unter Beobachtung einer auserwählten Öffentlichkeit aufzunehmen. Eine Fan-Community verfolgte über neubauten.com die Resultate der Aufnahme-Sessions. Die Bandmitglieder stellten sich jeden Tag den Chatgesprächen mit der Community, die dadurch einen wesentlichen Einfluss auf die Arbeit im Studio gehabt hat. Allemal ist dabei eine überraschende und hörenswerte CD entstanden.

Trackliste:

1. Ich gehe jetzt - 3:31 2. Perpetuum Mobile - 13:41 3. Ein leichtes leises Säuseln - 4:31 4. Selbspotraet mit Kater - 6:12 5. Boreas - 3:59 6. Ein seltener Vogel - 9:14 7. Ozean und Brandung - 3:44 8. Paradiesseits - 4:07 9. Youme & Meyou - 4:39 10. Der Weg ins Freie - 4:04 11. Dead Friends (Around the Corner) - 5:14 12. Grundstück - 3:41

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Taylor Deupree [x>] [D]: January [F] [P]

CoverLabel: Spekk KK 001
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 02 08
Genre: Electronica - DSP - Digitalminimalism

Wie immer erhältst du von Taylor Deupree Designermusik vom Besten. Und so sieht mein inneres Video zu diesem Release aus: Ein gefrorener See. Eine Eisfläche. Die Szenerie zu einem Film.
Zuerst einaml nichts ausser der Eisfläche, dann fährt die Kamera näher ans Eis heran zoomt in den Makrobereich ein und Eiskristalle werden sichbar, bizarre Strukturen. Dann kommt etwas ins Bild, das kein Eis ist. Die Kamera fährt hoch. Ein Mann wird sichtbar, der auf dem Eis liegt. Die Kamera fährt jetzt über ihn, bis er ganz im Bild ist und beginnt im Kreis zu drehen. Am Bildrand erscheint ein Körper, der sich in der selben Geschwindigkeit im Kreis bewegt wie die Kamera: Ein Hund rennt um den liegenden Mann herum, von dem du nur das Gesicht siehst: Er hat sich in dicke Wollkleider eingepackt, weshalb er es aushält, lange auf diesem kalten Eis zu liegen. Dann aber steht er auf und rennt seinem Hund voran weg. Die Kamera bleibt am Ort stehen und schaut den zwei schwarzen Körpern nach, bis sie kleine Punkte sind. Dann eine Stelle mit schwarzem Eis. Jemand wischt mit seinen Handschuhen den Flaum von pulvrigem Schnee weg und darunter liegt eine Fläche, die aussieht wie schwarzer, geschliffener Marmor. Ein schwarzes Loch im See, das alles Licht entzieht, damit die Fische, die unter dem Eis leben wissen, wie das Wetter ist. Die Kamera schaut hinein in dieses schwarze Loch und du mit ihr. Es ist dir, als würde dich etwas hineinziehen, als wäre dieses tiefe Schwarz einzig dazu da, dich zu verschlucken. Gebannt schaust du rein und kommst nicht mehr los. Ich weiss nicht, wie lange du da stehst - eine kleine Ewigkeit, in der die Zeit keine Rolle spielt, weil sie ebenso vom schwarzen Eis verschluckt wird. Zwar siehst du nichts, aber du spürst, wie der Energiestrom an dir zieht und zieht. Du gibst dich diesem Eindruck mehr und mehr hin. Deshalb lässt dich die Kamera einfach mal dort stehen und geht weiter zur nächsten Szene. Ein Mann und eine Frau. Ein Paar. Zwischen ihnen ein mannhoher Schneehaufen, hinter dem sie sich versteckt und von Zeit zu Zeit hochlugt, um ihn zu necken. Er rennt um den Schneehaufen herum, aber sie ist genau so schnell wie er, so dass es ihr gelingt, immer auf der genau anderen Seite des Schneehaufens zu sein und ihn weiter zu foppen. Ihm ist es auf ein Mal, als wäre seine Frau ein Geist geworden - fremd und unbegreiflich. Letzte Szene: Die Kamera zeigt: die Eisfläche ist ein kleiner See. Dieser See ist nun ganz im Bild. Man sieht, eine kraftlose Wintersonne geht langsam unter. Das Bild verschwindet zusehens mit ihrem Untergang. Nur in der Distanz sieht man dich. Das schwarze Eis hat dich offenbar losgelassen und du gehst still nach Hause.

Trackliste:

1. Img_0083 (9:06) 2. Skimming (15:06) 3. Shibuya_9 (12:04) 4. Midlight (5:56) 5. Quiet_C (8:48)

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Rezensionen Januar 2004

Stereolab [x>] [D]: Margerine Eclipse [F] [P]

CoverLabel: Duophonic D-UHF 29
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 01 27 (US), 2004 02 02 (UK)
Genre: Indiepop - Ambientpop - Loungepop, Postrock - Indietronica

Zwölf neue Songs von Stereolab. Eine CD, die sich anhört wie eine Greatest Hits Sammlung – ein Ohrwurm jagt den anderen. Gegenüber früheren Alben haben Stereolab ihren Gruppensound hörbar aufgetaut ?
Ja, weg ist die intellektuelle Distanziertheit, die noch ein Album wie Cobra and Phases … geprägt hat. Gewichen einer direkteren Kommunikation zwischen Musikerherz und Hörerherz. Das klingt wieder wie Stereolab in ihren Anfangszeiten: ein leichtfüssig treibendes Schlagzeug mit der Präzision von Krautrockbands wie Can oder Neu!, eine harmlos naive Stimme wie aus dem Easylistening-Sound der Sechziger, eine frische melodiöse Schönheit der Songs wie bei den frühen Beatles. Was für eine starke Mischung!

Trackliste:

1. Vonal Declosion - 3:34 2. Need to Be - 4:50 3. ...Sudden Stars - 4:41 4. Cosmic Country Noir - 4:47 5. La Demeure - 4:36 6. Margerine Rock - 2:56 7. The Man With 100 Cells - 3:47 8. Margerine Melodie - 6:19 9. Hillbilly Motobike - 2:23 10. Feel and Triple - 4:53 11. Bop Scotch - 3:59 12. Dear Marge - 6:56
Alle Tracks: Laetitia Sadier und Tim Gane.

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Savath And Savalas [x>] [D]: Apropa't [F] [P]

CoverLabel: Warp 115
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 01 26
Genre: Electronica - Folktronica, Electronica - Breakbeat - Downtempo

Durch die Zusammenarbeit mit der katalanischen Sängerin Eva Puyuello gewinnt Scott Herrens Projekt Savath And Savalas eine völlig neue Dimension.
In Legionen zogen sie nach Barcelona. Nicht mehr Berlin oder Brighton, sondern Barcelona musste es sein, die neue Hauptstadt elektronischer Musiker/-innen, Sonar Festival sei dank.Cristian Vogel, Mika Vainio und eben Scott Herren, der unter den Projektnamen Prefuse 73, Savath And Savalas oder Delarosa And Asora produziert und veröffentlich. Was nun für die einen eine Laune ist für die andern eine Aufgabe! Keiner von den genannten Produzenten liess sich vom neuen Umfeld so prägen wie Scott Herren. Vielleicht hatte er es einfacher als die anderen, weil sein Vater ein Katalane ist. Jedenfalls macht er in seinem neuen Album Barcelona hörbar. Der Mann war so offen, seine Wohnpartnerin Eva Puyuello als Songwriterin und Sängerin in sein Savath And Savalas-Projekt aufzunehmen. Durch Puyuello gewinnt Savath And Savalas eine weitere Dimension: Der Jazz-Einschlag erhält etwas Latinohaftes, wenn man das so nennen darf - ist es die Stimme oder liegt es an den verwendeten Instrumenten: wie Harmonium und Concertina? Das Sounddesign von Savath And Savalas, Scott Herrens Downtempo-Projekt, kommt im Gegensatz zu Prefuse 73 ohne Schnipselwerk aus und das Tempo ist deutlich heruntergeschraubt. Die Songs / Tracks sind ziemlich klassisch editiert. Die aufgenommenen Bänder nahm Herrren von Barcelona mit nach Chicago zu John McEntire, wo sie für die Veröffentlichung fertig gestellt wurden. Entstanden ist eine sehr schöne CD mit 14 melancholischen Song, in lateinische Gewänder gehült. Weder Tausend-, Hundert- noch Duzendware.

Trackliste:

1. Introducción (1:06) 2. Te Quiero Pero Por Otro Lado.... (4:33) 3. Colores Sin Nombre (2:14) 4. Balcón Sin Flores (3:00) 5. A La Nit (3:25) 6. Ã?ltimo Tren (3:53) 7. Sol De Media Tarde (3:34) 8. Um Girassol Da Cor De Seu Cabelo (Lo Borges, Marcio Borges) (3:06) 9. Ràdio Llocs Espacials (1:47) 10. Déjame (3:29) 11. Por Qué Ella Vino? (4:14) 12. Víctima Belleza (3:30) 13. Interludio 44 (1:33) 14. Sigue Tu Camino (No Sabes Amar...) (2:05)
Alle Tracks: Eva Puyuelo Muns und Guillermo Scott Herren, ausser wo anders vermerkt.

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Paul Wirkus [x>] [D]: Inteletto D'Amore [F] [P]

CoverLabel: Quecksilber 04
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 01 12
Genre: Electronica - IDM


Paul Wirkus ist ein polenstämmiger improvisierender Perkussionist. Er lebt und musiziert gegenwärtig in Köln. Zwar mag er dir noch kaum bekannt sein, doch du kennst einige Leute, mit denen er bereits zusammen gearbeitet hat, beispielsweise Barbara Morgenstern oder Stefan Schenider (to rococo rot). Die Musik auf Inteletto d'amore besteht hauptsächlich aus Glitches, die mit Minidiscplayern erzeugt werden, auf der Bühne live prozessiert und abgemischt werden. Das erste Stück Wlot arbeitet mit einer Soundfläche über die behutsam Glitches gestreut werden, die von ihrer Dichte an Auslaufrillen von Platten erinnern. Mit diesem evokativen Opener wirst du als Hörer/-in gleich bei der Hand deiner Imagination genommen und in eine Bilderwelt entführt. Einen Kontrast bildet dann Blask als gesungener Track. Diesmal werden Erinnerungen an DAF wach, die Glitches als percussive Elemente eingesetzt schaffen gleich wieder Distanz zu dieser Assoziation. überhaupt ist die Stimmung auf dem zweiten Track sehr osteuropäisch. Ich wette, Wirkus' Punkgruppe hat irgendwie genau so hoffnungslos geklungen. Physikerin ist einer der Höhepunkte dieser CD. Es entsteht schrittweise eine dichte Textur aus Glitches. Jeder Layer, der hinzu kommt, trägt seinen eigenen Charakter mit ihm und vermag der gesamten Textur neue Impulse in einer etwas anderen Richtung zu geben. Der Titeltrackbeginnt stimmungsmässig noch einmal bei Blask, entwickelt sich aber schnell zu einer Art Kammermusik für Glitches. Der Hörraum wird mit wohlunterscheidbaren Elementen (wie von Instrumenten kommend) ausgestaltet: Bass, Percussion, Melodieführung. So hast du Glitches noch nie gehört! Facsimile klingt nach Process. Aldrin, der sechste Track, schickt einzelne digitale Sounds durch Delays, deren Länge verändert wird. trotz der Einfachheit der Installation / Konfiguration entsteht eine komplexe Struktur, ein interessanter, weil nur angedeuteter und stetig sich verändernder Rhythmus. Dann Breakfast Dance, das um ein Rauschen herum gebaut wird. Der Track (Ambientmusik, Klanginstallation) wirkt lang, ohne langweilig zu sein - wirkt lang, ist es tatsächlich nicht besonders! Man könnte ihn im Endlosbetrieb laufen lassen. Wylot beschliesst die CD. Klingt sehr nach dem ersten Track, verwendet die selben Elemente und ist noch einmal äusserst evokativ. Insgesamt hat die CD etwas Konzertantes, ist (gerade darum) eine spannende Hörerfahrung.

Trackliste:

1. Wlot (5:36) 2. Blask (4:11) 3. Physikerin (7:11) 4. Inteletto d'Amore (4:31) 5. Fascism (5:04) 6. Aldrin (4:19) 7. Breakfast Dance (7:03) 8. Wylot (3:49)

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DACM [x>] [D]: Stéréotypie [F] [P]

CoverLabel: Asphodel ASP 2027
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004 01 01
Genre: Electronica

Dass Peter Rehberg (Pita) und Tujiko Noriko ihre neue CD bei Asphodel, einem amerikanischen Label, untergebracht haben und nicht bei Mego, ihrem Heimlabel, erstaunt mich. Die Zusammenarbeit zwischen der Japanerin und dem Österreicher begann mit dem Release von 2002, der an einen Kraftwerk-Song anspielte Showroom Dummies. In Stéréotypie interessiert die beiden, wenn du Pitchfork und die Label-Webpage zum Release liest, die Perfektion/Imperfektion menschlicher Körper.
Im Titelbild verbergen sie dann auch das wichtigste am eigenen Körper mit einer Maske, das Gesicht! Und den Leib in einem neutralen weissen Kleid. Um der Festlegung zu entgehen, der Differenz mit Differenz beizuikommen? Die Fighting fire with fire-Strategie. Das Cover erinnert mich etwas an Captain Beefharts Album Trout Mask Replica, einfach in schwarz und weiss, die Hippiezeit ist ja auch schon lange vorbei. – Da ich gerade bei Schwarz und Weiss bin: Der Kontrast zwischen den beiden Musikern könnte grösser kaum sein - und das nimmst du beim dritten Track Vidya wahr, der auf Party folgt. Dies veranlasst DE:BUGs Bleed zu schreiben, dass diese Musik irgendwo gefangen [ist] zwischen einer Vorliebe für leicht industrielle Anklänge und digital versierten Sounds, die letztendlich dann aber doch von Track zu Track so verschiedenen Methoden folgen, dass man es am besten als Compilation quer durch den Garten digitaler Ambientmusik hört. Ambient stimmt für den letzten Track LN End aber für Ambientmusik sind die meisten von Pitas Soundscapes dann doch zu artifiziell - du müsstest als Teil inmitten anderer Teile des Motherboards leben, um dies hier als Ambientmusik wahrzunehmen. Musique concète kommt dieser Musik viel näher. Als wären nanotechnologische Kontaktmikrofone an ein Motherboard angeschlossen, so klingt's über weite Strecken. Die leichte und verträumte Stimme Norikos ist auf dem Album nicht gerade überrepräsentiert. Aber auf dem neunten Track Patty kommt sie voll zur Geltung. Disparate Sache, aber ich bin ihr sehr wohl gesonnen.

Trackliste:

1. LN Start (7:05) 2. Party (6:56) 3. Vidya (3:25) 4. Angel (7:16) Vocals - Tujiko Noriko 5. Marie (5:23) 6. Bassamico (7:17) 7. Outparis Kiss (3:58) 8. Latex (4:38) 9. Patty (4:37) Vocals - Tujiko Noriko 10. Birthday (12:35) 11. LN End (3:49)

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Rezensionen ohne Monatsangabe aus dem Jahr 2004

Akumu [x>] [D]: Fluxes [F] [P]

CoverLabel: Spider SPCD 27182
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004
Genre: Electronica - Ambient - Industrialambient

Akumu ist Deane Hughes aus Toronto. Fluxes ist was für Freunde des Miasmah-Labels. Doch der Release ist bei Weitem nicht so düster. Mit seiner kleinen Auflage hast du kaum eine Chance, diese CD im Original zu kaufen. Mit etwas Glück findest du ihn im Netz. Dann hör mal rein!
Fluxes besteht aus neun Tracks, die lebendig fliessende Dronen sind. Nicht wirklich Dronemusic, nicht wirllich Darkambient. Aber von allem etwas. Der Eröffnungstrack Quietly Disruptive besteht aus Feldaufnahmen, Leute (Kultur-Raum), dann leises Vogelgezwitscher (Natur-Raum). Darüber legen sich schwere, an- und abschwellende Soundschwaden wie schwerer Novembernebel und tiefräumige Geräsche, die dem Track Struktur verleihen. Diese Geräsche tragen eine Industrial Signatur. Mit diesen Elementen sind alle Tracks dieser exzellenten CD gestrickt. Ein anderer Anspieltipp ist das hervorragende Stück Titled – das Gegenteil vom häufigen Untitled. (Geschrieben im Januar 2009)

Trackliste:

1. Quietly Disruptive 2. Eyeless 3. Landscape VIII 4. Syzygy 5. Titled 6. Tapeten 7. Evovle (Part 2) 8. Mnmlsms 9. Isolate

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Aero [x>] [D]: Rises And Falls [F] [P]

CoverLabel: Apestaartje staartje 015
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004
Genre: Electronica - Folktronica, Electronica - DSP - Digitalminimalism

Ein hochinteressantes Label aus New York, bekannt von den letztjährigen Releases Andereggs und Minamos. Es operiert an der Schnittstelle zwischen akustischen und elektronischen Klängen. Aero ist Koen Holtkamp von Other Music. Er präsentiert uns Folktronica.
Die CD beginnt mit einem Banjo-Akkord-Lauf, der sich wiederholt und wiederholt, dass du dich fragst, was das wohl werden soll. Doch während du dich dies fragst, wurde dem Banjo bereits ein elektronischer Klang beigegeben und nach ein paar Minuten hat das Banjo einer Gitarre Platz gemacht. Ja, die Klänge auf dieser CD sind stets in Verwandlung. Sie stammen meist von Instrumenten, die digital prozessiert werden. Die Filter, durch die diese warmen Klänge verarbeitet werden, transformieren alles ins Luftartige, Mediale, Strömende, Bewegliche. Aero. Klänge wie Luft, eben. Unsichtbar, kaum zu spüren, aber lebensnotwendig.

Trackliste:

1. Rises (11:06) 2. Falls (5:59) 3. Rinse (1:31) 4. Coast (7:35) 5. Aug31 (4:29) 6. Float (1:03) 7. After (9:02)

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Efzeg [x>] [D]: Würm [F] [P]

CoverLabel: Charhizma cha 028
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2004
Genre: Postrock, Improvisation

Efzeg sind Boris Hauf, Martin Siewert, Burkhard Stangl, Dieb 13 und Billy Roisz. Die CD ist nach einem der Improvisationen Würm benannt. Alle Titel heissen nach Eiszeiten: Günz, Riss, Mindel und Würm - bzw. nach den geologischen Schichten, die sie hinterlassen haben: allesamt über weite Strecken transportiertes Gestein, von da und dort, von dieser und jener Art, alles bunt gemischt.
Wenn die Wiener-Improvisations-Szene aufspielt, dann ist in ihrer musikalischen Textur alles einander angeglichen, so dass du beinahe nicht mehr sagen kannst, was elektronisch, was elektroakustisch ist oder was analog und was digital, so dass du nicht mehr weisst, was leise und laut ist, nicht wie viele Instrumente, wie viele Klangquellen du hörst. Stat um Lautstärke geht es hier um die Dichte des komplexen Sounds. Die Individuen treten weder als Musiker noch als Klänge in den Vordergrund, sondern weben sich in einen Klangteppich mit ein, der ein grösseres Ganzes darstellt, als es jeder einezelne Klang je sein könnte (Ja, das ist unbedingt ein soziales bzw. politisches Modell). Was an die Oberfläche tritt, muss in der nächsten masche wieder hinabtauchen, um einem anderen Klang-Strang Platz zu machen.

Trackliste:

1. Gunz In (4:02) 2. Gunz Dus (12:46) 3. Riss (13:31) 4. Mindel Ena (6:03) 5. Mindel Dwa (6:27) 6. Würm (6:07)

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