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Release-Factsheet: Autechre: Confield

Autechre: Confield  [P]

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Datum (JJJJ MM TT)
– 2001 04 30  [D]
Label
– Warp 128  [D]
Genre(s)
– Electronica - Soundart - Conceptual-Glitch [D]
Produzent(en)
– Sean Booth [>] [D]
– Rob Brown [>] [D]

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Trackliste

  1. VI Scose Poise - 6:57
  2. Cfern - 6:41
  3. Pen Expers - 7:08
  4. Sim Gishel - 7:14
  5. Parhelic Triangle - 6:03
  6. Bine - 4:41
  7. Eidetic Casein - 6:12
  8. Uviol - 8:35
  9. Lentic Catachresis - 8:29

Alle Tracks: Sean Booth und Rob Brown.

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    Credits

    • Mastered By - Frank Arkwright

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    Musikzimmer-Rezension
    Diese Musik teilt keine Welt mit, sie teilt die Welt ein. Da gibt es diejenigen, die sich irritiert, ja angewidert von den Klängen dieses Albums abwenden, und die anderen, mit denen du zumindest eines gemein hast: die weit aufgesperrten Ohren für die Musik der Gegenwart und der Zukunft. Es ist doch so: Nur ganz grosse Platten können solche Frakturen und Fraktionen zustande bringen, beispielsweise White Light / White Heat von Velvet Underground (da hast du die Fraktion gleich im Titel!), Metal Machine Music von Lou Reed, Trout Mask Replica von Captain Beefheart, ½ Mensch von den Neubauten (hier wirst du gleich selbst gespalten!), Mix-up von den Cabs oder Vakio von Panasonic (die mussten sich dann vom gleichnamigen Konzern spalten!).
    Da wird Musik mit solcher Kraft und Wucht an ihre Grenze getragen, dass sich diese Grenze ausweitet. Aber dabei zieht sich kein (Un-)Verstand wohlverdiente Beulen zu, sondern die musikalische Sprache wird um ein Register erweitert. Dieses Register hat sich freilich in den letzten Veröffentlichungen von Autechre angekündigt, aber wer ist schon sicher, dass das Verkündigte auch eintreffen wird? Trau keinem Propheten über dreissig!
    Mit Confield ist Sean Booth und Rob Brown etwas gelungen, das alle ihre bisherigen Arbeiten in den Schatten stellt: das vielschichtige Incunabula, eines der intelligentesten CDs aus WARPs Artificial Intelligence-Reihe, das einst so grosse Tri Repeatae, dieses Wunderwerk aus kollidierten Beats bzw. aus dem, was nach der Kollision als Gran, als Splitter von den Beats noch übrig geblieben ist. Diese grossartigen Platten werden sich künftig nicht mehr gleich anhören. Beide sind nunmehr Versuche auf dem Weg zu Confield, Tri Repeatae wird von nun an zudem wie Old School Hip-Hop klingen, denn die Welt hat sich mit der Veröffentlichung dieses Albums verändert.
    Confield beginnt mit VI scose ponse. Eigenartige Namen, die da verwendet werden, aber das kennst du bereits. Wenn die musikalische Sprache von ihren Elementen her verändert wird, dann muss ein Gleiches auch mit den Titeln passieren, dann ist Arbeit an den Buchstaben gefordert. Du hörst gezähmte Holzkugelschläge auf glas-kupfernen Zymbeln. Ein Rhythmuspattern ist irgendwo auszumachen, auch wenn es von den Schlägen kaum eingehalten wird. Nach zwei Minuten erklingt aus der Ferne ein Kontrastprogramm. Eine gefilterte Morton-Feldman-Piano-Remineszenz gibt der Komposition diesen weiten Raum. Du kennst dieses Mittel, das Autechre schon immer gern eingesetzt haben. Es sind diese zwei Elemente, juckende, an dir kratzende Beats und wohlige glasklare abstrahierte Klangflächen, die dann noch fünf weitere Minuten lang miteinander spielen. cfern. Nummer 2. Gleiches Prinzip: ein Beat, der in Variationen daher kommt, so dass kein Takt dem andern gleicht – und doch sind alle Takte die Varianten eines stets präsenten hintergründigen Prototypen, den du dir als einem schweren und eindrücklichen Breakbeat vorstellst, der steif, aber absichtlich hinkt wie ein silly walk, der sich mit jedem einzelnen Schritt verändert. Der flächige Hintergrund klingt diesmal mehr nach einer gefilterten Kirchenorgel. Am Autechre-Konzert in Zürich rief jemand nach diesem Stück ver/entzückt aus: Das ist ja krank. Ja. Genau. Ich gerate schon jetzt ins Fieber. Mit pen expers wird das Programm schneller und dichter. Das Stück erinnert an die Sachen aus ep7. Aber wieder diese in den Bann ziehende Unordnung. Du bekommst nichts als die Varianten eines Typen, einer Idee zu hören. Alles bewegt sich, du bist im Grund ohne Boden, du vermutest ihn dort unten, aber nein, das war er gar nicht, jedenfalls nicht so wie du es zunächst dachtest. Der Boden liegt anders, weil du dein Bezugssystem anders wählen musst, unten ist oben und links ist rechts. Jetzt hörst du so etwas wie Schritte auf dem Boden, jedenfalls meinst du zu wissen, wo der Boden ist, doch im selben Moment entzieht er sich wieder und nun ist oben links und unten rechts, und dieses Spiel geht weiter bis du allmählich merkst: Du lebst in einer virtuellen Reihe von Kippfiguren und die Figuren kippen ganz von selbst, schnell und leicht. Sie kippen in Kaskaden. Besessen vom Zufall wäre eine andere Formel, um diesen Zauber zu bannen. sim gishel hört sich ein wenig an wie eine Arabeske, aber darum geht es hier nicht. Diese Musik besteht nicht aus fremden, nicht dechiffrierbaren Ornamenten (das ist zu einfach), sondern ist ein Raum, der sich gerade vor deinen Augen aufgelöst hat, um in ein ganz proteisches Medium überzugehen. Die Parameter eines Opart-Werkes verschieben sich! Es ist Meta-Opart. Oder es ist wie damals in jenem berühmten Wahrnehmungsexperiment: Der rote Punkt im ganz dunkeln Raum, dessen Bewegung durch die eigene Wahrnehmung zustande kommt, durch diese Konstruktionsmaschine, wenn sie ihren Boden, ihre Grundlage, das Bezugssystem verliert. parhelic trangle klingt wie eine imaginäre Figur, irgend eine quasi-eschersche Rauminstallation. Und immerhin nimmst Du wahr, dass im Mass eines Taktes die Elemente miteinander spielen: ein metallisch-melodischer Hohlkörperklang und ein zerkrugelter, schabender Beat. Jetzt steigen Bilder auf, Ausschnitte aus Bildern, als wenn Du durch ein Loch in einen andern Raum blicktest. Dort drüben spielt sich was ab, das du nicht als Ganzes erkennen kannst, nur Teile Und die bewegen sich. Und du hast deine Sinn-Konstruktionsmaschine nun ganz aus gemacht und fragst nicht mehr nach dem Ganzen. Jetzt siehst du richtig. Du siehst die Musik. Du siehst, was du hörst. Hier dir wird klar, dass es nicht der Raum und das Sehen ist, auf das es ankommt. Du musst hören. Schliess die Augen! Knirsch.Schab.Knirsch.Nirsch.Sch.Knab. Du bist ganz Steven Daedalus am Sandymount-Beach im Ulysses. Bine. Jetzt bist du ganz drin. Nun gehst du auf im Klang. Hören wie in eidetic casein die metallischen Schuhe der Aliens beim Stepptanzen klingen. Tap. Tap. Tan. Tap. Tap. Tan. Tap. Tap. Tap. Tap. Tan. uviol dann klingt wie Mnmlhous von Jrku oder Abrms aus der Klck-Mschine vn Autechre. Und nun zuletzt: lentic catachresis. Der Blick auf die Realität: Was wenn wir krank sind, du und ich? Und Autechre die, die richtig ticken?

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    Autechre [>] [D]: Vi Scose Poise [F]