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Rock'n'Roll (Genrediskografie)

Die Rock'n'Roll Diskografie

Rock'n'Roll (Genre)

Beschreibung: Weisser Rhythm'n'Blues, Sammelbegriff für die Popmusik der 50er, die für die weisse Jugend Amerikas gespielt und vermarktet wird. Die Musik tritt in verschiedenen Genres auf, die eine Gemeinsamkeit haben: Rock'n'Roll ist in jedem Fall eine Hybridisierung von Country, Rhythm'n'Blues und Pop.

Subgenres Genremap
– Rock'n'Roll - Beat [D]
– Rock'n'Roll - Beat - Birmingham-Beat [D]
– Rock'n'Roll - Beat - Fratrock [D]
– Rock'n'Roll - Beat - Hotrod [D]
– Rock'n'Roll - Beat - Londonbeat [D]
– Rock'n'Roll - Beat - Manchesterbeat [D]
– Rock'n'Roll - Beat - Merseybeat [D]
– Rock'n'Roll - Beat - Surfbeat [D]
– Rock'n'Roll - Beat - Swissbeat [D]
– Rock'n'Roll - Beat - Wescoast-Beat [D]
– Rock'n'Roll - Carsound [D]
– Rock'n'Roll - Handjive [D]
– Rock'n'Roll - Instrumental [D]
– Rock'n'Roll - Instrumental - Surf [D]
– Rock'n'Roll - Instrumental - Twanggitarre [D]
– Rock'n'Roll - Mainstream [D]
– Rock'n'Roll - Mainstream - British-Rock'n'Roll [D]
– Rock'n'Roll - Mainstream - Twist [D]
– Rock'n'Roll - New-Orleans-Sound [D]
– Rock'n'Roll - Northern-Band-Style [D]
– Rock'n'Roll - Rock'n'Roll-Revival [D]
– Rock'n'Roll - Rock'n'Roll-Revival - Rockabilly-Revival [D]
– Rock'n'Roll - Rockabilly [D]
– Rock'n'Roll - Skiffle [D]
– Rock'n'Roll - Skiffle - British-Skiffle [D]

Vorgänger
– Afroamericana - Rhythm'n'Blues [D]
– Afroamericana - Rhythm'n'Blues - Jumpblues [D]
– Americana - Country - Westernswing [D]
– Country - Countryboogie [D]
– Country - Honkytonk [D]
– Country - Bluegrass [D]
– Americana - Gospel [D]

Nachfolger:
– Rock'n'Roll - Beat [D]
– Pop - Brillbuildingpop [D]
– Pop - Teenpop [D]
– Rock [D]

Weblinks: [→ Link] [→ Link] Logo Logo

Name: Der Begriff «Rock And Roll» bedeutete wörtlich etwa «schaukeln/wiegen/erschüttern und rollen/wältzen» und im übertragenen Sinn stand der Ausdruck für Geschlechtsverkehr.

Entstehung: Es ist offen, welches das erste Rock'n'Roll Stück war. Es gibt eine ganze Reihe von Anwärtern auf diese Ehre (siehe Wikipedia).

Musik: Früher Rock'n'Roll war nach dem Muster des 12-bar Blues gebaut, verwendete dessen Akkordfolge, entlieh vom Boogie Woogie den 4/4-Takt setzte aber die Betonung auf den Backbeat.

Medien: Massenmedien wirkten für Rock 'n' Roll als Multiplikatoren. In den 50er Jahren wurden Teenager als Marketing-Zielgruppe erfunden. Spezifische Lifestyle-Produkte, darunter Rock 'n' Roll Musik, wurden für diese Zielgruppe produziert. Amerika prosperierte nach dem zweiten Weltkrieg. Zum ersten Mal hatten Teenager eigenes Geld. Amerika ging Europa in dieser Hinsicht um mehrere Jahre voran: Ein amerikanischer Teen hatte durchschnittlich 10,55 Dollar pro Woche (Quelle: Henke & van den Meer: Das Rock Paket, ars edition 1998).
Diese Entwicklung machte sich auch in der BRD bemerkbar: 1956 wird mit Bravo das erste Teenie-Magazin überhaupt gegründet. Bravo, die Zeitung für Film und Fernsehen, vom Münchener Verlagshaus Kindler & Schiermeyer erschien am 26. August 1956 zum ersten Mal in einer Auflage von 30 000 Exemplaren und zum Preis von 50 Pfennigen. 1959 stieg die Auflage auf 523 000 Exemplare an. Auch der Untertitel wurde präzisiert und hiess nun: Die Zeitschrift mit dem jungen Herzen. Film - Fernsehen - Schlager.
Rock'n'Roll wurde gesellschaftlich gesehen eine kulturelle Form, der Einzelne verband damit ein ganzes Lebensgefühl, zu dem ein Tanz, ein Outfit (längere Haare mit einer Schmalzlocke, Koteletten, Röhrenhosen, Petticoats, Lederjacken), Ess- und Trinkgewohnheiten (Coca Cola, Kaugummi), Genussmittel (Zigaretten, Alkohol) und Verhaltensformen (Aggressivität, Hemmungslosigkeit, Rebellion) gehörten. Diese kulturelle Form und das damit verbundene Lebensgefühl wurden vor allem durch das Fernsehen schnell und effizient verbreitet.
a) Schallplatten - Studios und öffentliche Jukeboxes: Die Jugendlichen hatten Geld um sich Schallplatten zu kaufen. Zuhause standen Plattenspieler, in den Treffpunkten Jukeboxes.
b) Radio: Einige weisse DJs begannen mitte der Fünfziger Jahre damit, schwarzen Rhythm'n'Blues zu spielen. In Los Angeles war es Hunter Hankock, in New Orleans Poppa Stoppa, in Nashville Gene Nobles und in Memphis Dewey Phillips (= Daddy-O und seine Red, Hot & Blue-Show). Der Bekannteste von ihnen war Alan Freed aus Cleveland Ohio (Station: WJW), der sich Moondog nannte, der Musik, die er spielte den Namen Rock'n'Roll gab und zusammen mit Leo Mintz und Lew Platt den Moondog Coronation Ball organisierte - das erste Rock'n'Roll-Konzert. Bei Daddy-O lief übrigens Elvis Presley's That's All Right (Mama) zum ersten Mal.
c) TV: 1956 in Philadelphia wurde Dick Clark Moderator der TV-Show Bandstand, die ein Jahr später als American Bandstand landesweit ausgestrahlt wird (erster eines vierteiligen Features über American Bandstand). Diese Sendung war die Plattform, um Rock'n'Roll den amerikanischen Teenagern zu präsentieren. Elvis' erster grosser TV-Auftritt fand am 9. September 1956 in der Ed Sullivan Show statt. Die Einschaltquote soll 82% betragen haben. Elvis' frühe Auftritte provozieren vor allem durch den obszönen Hüftschwung, der ihm den Namen «Elvis the Pelvis» einbringt.
d) Film: Auch Hollywood bietet in den späten 50ern Rolemodels an, mit denen die Teenager sich identifizieren konnten. Es waren vor allem Marlon Brando (A Streetcar Named Desire (Elia Kazan, 1951), The Wild One (Laslo Benede, 1953) und James Dean (East of Eden (Elia Kazan, 1955), Rebel Without a Cause (Nicholas Ray, 1955). Ein weiterer wichtiger Film ist Backboard Jungle (Richard Brooks, 1955).

Instrumente: Rock'n'Roll ist weisser Rhythm'n'Blues, gespielt in der Regel mit elektrischer Gitarre, akustischem Bass, Schlagzeug und dem gesang im Zentrum - es braucht dazu eine Band mit Dreier- oder Viererbesetzung. Die Combos waren oft um den Sänger oder die Sängerin herum formiert, was sich in der Namensgebung widerspiegelt: Entweder werden die Mitmusiker des Sängers oder der Sängerin gar nicht genannt oder der Name wird nach folgendem Bauprinzip and the konstruiert: «Gene Vincent And His Blue Caps» oder «Bill Haley And The Comets». Die Gitarre spielt in Anlehnung an die 12taktige Bluesfom, die Songs haben einen 4/4-Takt mit deutlichem Backbeat (Akzentuierung der geraden Zählzeiten zwei und vier), der Bass werden rollend wie im Boogie-Woogie gespielt, der Gesang ist rauh und rebellisch, der Beat drängend, anfeuernd, von bisher ungehörter Härte. Die elektrische Gitarre wurde vor dem Rock'n'Roll von T-Bone Walker (Blues), Charlie Christian (Jazz), Bob Wills und Hank Williams (Hillbilly) eingeführt und fanden den Weg über den Rock'n'Roll in die Rockmusik.
Das Schlagzeug konnte fehlen und die Musik war dank dem Bass, der geslappt wurde, dennoch perkussiv (zu hören bei Elvis Presleys ersten Aufnahmen).

Ende: Rock'n'Roll starb durch eine Reihe von Ereignissen und Unfällen: Little Richard wurde 1957 während einer Australien-Tournee religiös und sang von einem Tag auf den andern nur noch Gospel, Elvis Presley wurde 1958 eingezogen, Jerry Lee Lewis heiratete seine 14-jährige Cousine Myra Gale Brown, was seine Karriere zerstörte, Buddy Holly, Ritchie Valens und Big Bopper kamen am 3. Februar 1959 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Dieser Tag ging als The day the music died in die Rockgeschichte ein. Dann, 1960, auf einer Tournee in Grossbritannien gerieten Gene Vincent und Eddie Cochran in einen Autounfall, wobei letzterer starb.
Wirkung:
Der Erfolg von Rock'n'Roll zeigte, dass es einen Teenager-Markt für Musik gibt, der umsatzmässig immens war und dass es für afroamerikanische Musiker/-innen möglich war, Musik auf dem Popmarkt zu positionieren. Vor allem die Strategie von Chuck Berry, Popsongs zu schreiben, die für ein weisses Publikum nicht erst von Zweideutigkeiten befreit werden mussten, war das Erfolgsmodell, auf dem Motown in den 60ern aufbaute.

Labels: Sun Records [D], Chess [D], Coral [D]

Wichtige Acts: Bill Haley [D], Elvis Presley [D], Johnny Burnette And The Rock'n'Roll Trio [D], Jerry Lee Lewis [D], Little Richard [D], Chuck Berry [D], Bo Diddley [D], Roy Orbison [D], Gene Vincent [D], Eddie Cochran [D], Buddy Holly [D], Ritchie Valens [D]

Exemplarische Releases

Exemplarische Songs [P]

– Bill Haley with Haley's Comets [D]: Crazy Man, Crazy [F] (Bill Haley & Marshall Lytle, 1953) [F]
– Bill Haley And His Comets [D]: (We're Gonna) Rock Around The Clock [F] (James Myers & Max Freedman, 1954) [F]
– Elvis Presley [D]: That's All Right [F] (Arthur Crudup, 1954) [F]
– Elvis Presley [D]: Heartbreak Hotel [F] (Mae Axton & Tommy Durden, 1956) [F]
– Little Richard [D]: Tutti Frutti [F] (Dorothy LaBostrie & Joe Lubin & Richard Penniman, 1955) [F]
– Little Richard [D]: Long Tall Sally [F] (Robert 'Bumps' Blackwell & Enotris Johnson & Little Richard, 1956) [F]
– Chuck Berry [D]: Maybellene [F] (Chuck Berry, 1955) [F]
– Chuck Berry [D]: Roll Over Beethoven [F] (Chuck Berry, 1956) [F]
– Chuck Berry [D]: Rock And Roll Music [F] (Chuck Berry, 1957) [F]

Relevante Quellen
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Relevante Listen
Charlie Gillett: The Sound Of The City: Die Charlie Gillett Playlist [F]
Crossover-Songs der 50er Jahre [F]
Crossover-Interpretationen/-Covers der 50er Jahre [F]


Releases (401)

Songs (408) [P]

Medien (25)

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