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Punk (Spartendiskografie)

Die Rock - Punk Diskografie

Rock - Punk (Sparte) [→ Rock]

Namensalternativen und Abkürzungen: Punkrock

Beschreibung: Punk fegte zwischen ca. 1976 und 78 das bestehende Rock-Establishment (und seine progressiven Tendenzen) weg. Positiv gesehen war Punk eine von vielen bewusst vorbereitete Verjüngungskur für die Rockmusik. Die Mittel waren Provokation, Primitivismus (drei Akkorde auf der Gitarre reichten für einen Popsong), Neuanfang als Heimwerker-Kunst. In negativer Hinsicht war Punk ein vorpubertärer Märtyrerkult (Hinweise dafür wären etwa der formlose Pogo-Tanz oder die Unisex-Toiletten des CBGB's in New York).
Unterscheidbar sind zwei prototypische Formen von Punk, Artpunk (Punk «von oben», Vertreter aus den Artschools) und Garagepunk (Punk «von unten»).

Substile
– Rock - Punk - Artpunk [D]
– Rock - Punk - Cleveland-Punk [D]
– Rock - Punk - London-Punk [D]
– Rock - Punk - New-York-Punk [D]
– Rock - Punk - Oi! [D]
– Rock - Punk - Protopunk [D]

Vorgänger
– Rock - Rhythm'n'Blues - Garagerock [D]
– Rock - Punk - Protopunk [D]
– Rock - Poprock - Pubrock [D]

Nachfolger:
– Postpunk [D]
– Newpop [D]

Weblinks: Logo Logo

Name: Punk heisst übersetzt etwa Abschaum, Dreck. Punk entstand als Gegenkultur-Phänomen zwischen 1975 und 1977 in New York. Musikalisch ist Punk eine Reaktion gegen den Bombast, der den Rock-Zirkus seit Woodstock beherrschte. Eine Jugendlichkeitsspritze für die Rockmusik. Die Songlänge sollte wieder auf drei Minuten zurück gestutzt werden, die Bands ausserdem aus Leuten bestehen, die ihre Instrumente gerade erst entdecken. Zwei Akkorde mussten für einen guten Song ausreichen. Soli waren tabu. Professionalität galt als tötend. Zentral ist die Do-It-Yourself-Haltung und -Ästhetik des Punk und allen Stilen, die er nach sich zieht. Diese DIY-Haltung der neuen Generation macht, dass Punk mit allerlei Versatzstücken der Konsum-Gesellschaft ein Spiel der Zeichen spielt. Alles wird zum Zeichen erhoben, alles lässt sich - auch entgegen überkommener Regeln - ästhetisch gestalten: die Kleidung, die Typografie, die Illustrationen in den Fanzines und Plattencovern. Der musikalische Stil war nach zwei bis drei Jahren bereits wieder obsolet – nicht aber die Haltung. Independent-Labels schossen hervor und waren während vieler Jahre wesentliche Träger der musikalischen Innovation.

Entstehung: Wichtig an der Vorgeschichte von Punk sind Velvet Underground. Clinton Heylin berichtet, dass die Velvets regelmässig in zwei Clubs spielten: in Clevelands La Cave und Bostons Tea Party. In beiden Städten hatten sie Nachfolger hervorgebracht: In Boston die Modern Lovers und in Cleveland die Electric Eels, Rocket from the Tombs und Pere Ubu.
Wie Martin Büsser in seinem Buch Antifolk schreibt, wurde Punk «zwar als Bewegung erst in England bekannt, hatte aber seine Ursprünge bis hin zum Namen in New York» (2005, S. 35). Wie Scaruffi schreibt waren es in New York vor allem Richard Hell Myers, der Punk ein Ethos verlieh – nicht ein Sound. Dies sollten dann erst die Ramones tun. Hell gründete die Neon Boys 1971, zu denen der spätere Television-Gitarrist Tom Verlaine gehörte. Von den Neon Boys erschien keine Platte. Eine andere Band waren die New York Dolls mit Gitarist Johnny Thunders. Thunders & Hell waren Freunde. Thunders gründete nach dem Ende der Dolls die Heartbreakers (1975) mit Nolan von den Dolls, Hell und anderen. Richard Hell verliess die Band und gründete die Voidoids, die mit Richard Quine einen Gitaristen hatten, der «abrasive und dissonante Riffs» (Scaruffi) spielte.
Zu den Vorbildern der New Yorker Punks zählten Velvet Underground, die Stooges, MC5 und die New York Dolls. Für die englischen Bands orientierten sich an den Faces und an allen auf sie folgenden Pubrock-Bands.
Malcolm McLarren, der für kurze Zeit Manager der bereits auseinanderbrechenden New Yorker Band The New York Dolls ist, stellt in London seine eigene Band zusammen: Die Sex Pistols. Gewissermassen holt Malcolm in New York einen Lebens-Stil ab und macht in London damit Karriere. Die Punk-Lebenshaltung fällt im Grossbritannien mit seinen ökonomischen Schwierigkeiten auf fruchtbaren Boden.
Nancy Spungen und Sid Vicious
Sid Vicious und Nacy Spungen – DIE Punk-Rolemodels (Quelle: http://www.zumablog.com/)
Als kulturelle Botschafter fungierten neben McLarren auch die Ramones: Sie spielten am 4. Juli 1976 spielten neben den Stranglers im Londoner Roundhouse. Dieses Konzert war für Grossbritannien der Beginn einer eigenen Punk-Szene und der Startschuss für eine ganze Reihe von Bands, die Monate später Geschichte schreiben sollten: The Clash, Siouxsie And the Banshees, The Adverts, Generation X, The Slits und X-Ray Spex.

Medien: Clubs:
In New York: CBGB's und Max' Kansas City. CBGB's ist das Kürzel für «Country, Bluegrass, and Blues». In diesem Club spielten alle New Yorker Punk-Bands und -Acts: Patti Smith, Blondie, Television, Richard Hell oder die Ramones, später ihre britischen Nachfolger wie The Clash. CBGB's schloss seine Türen am 15. Oktober 2006 endgültig. Der All Music Guide veröffentlicht einen Nachruf.
Legs McNeil war Herausgeber eines Fanzines, das alle Bands, die im CBGB's spielten, zum Gegenstand hatte. Das Fanzine hiess Punk.

Labels
In Los Angeles war SST (ursprünglich eine Elektronik-Firma mit dem Namen Solid State Transformers Electronics) das wichtigste Label. Der Black Flag Bassist Chuck Dukowski arbeitete bei SST und startete die Firma als Label. Black Flag's EP Nervous Breakdown war Katalog-Nr. 1. Das SST Label blieb die erste Adresse für Underground-Bands während den Achzigern: Erst kamen Bands wie The Minutemen bei SST raus, die Bad Brains, fIREHOSE, The Descendents, The Stains, später Bands wie Soundgarden, Hüsker Dü, Meat Puppets, Universal Congres of, Dinosaur Jr. oder Slovenly (siehe Katalog bei Discogs und die Label-Geschichte bei Wikipedia).
In London war Stiff Records das Label der Stunde (siehe: Katalog bei Discogs). Stiff Records wurde 1976 von Dave Robinson und Jake Riviera gegründet. Zuerst war das Label auf Pub Rock spezialisiert, dann ging die Tendenz in Richtung Punk. Unter Vertrag waren Ian Dury, Elvis Costello, Jona Lewie, Lene Lovich, The Damned, Nick Lowe, Madness oder The Pogues. Riviera hat 1977 Stiff Records verlassen, um Radarscope Records / Radar Records zu gründen. Dort waren Elvis Costello oder The Pop Group unter Vertrag. 1984 wurde das Label von Island aufgekauft.
Ebenfalls in London gründete Geoff Travis 1978 sein Label Rough Trade. Der Namen übernahm er von seinem gleichnamigen Schallplattenladen (siehe den Indipedia-Eintrag und den Labelkatalog bei Discogs). Das Label zog Ableger nach sich, 1982 in Deutschland (Katalog) und 1980 in Amerika (Katalog). Rough Trade war massgeblich an der Differenzierung von Punk in Subgenres und Parallelentwicklungen beteiligt, indem das Label die entsprechenden Bands unter Vertrag nahm: Raincoats, Cabaret Voltaire, Slits, Scritti Politti, Young marble Giants, Fall, The Pop Group, Aztec Camera, Virgin Prunes, Go-Betweens, Smiths oder Woodentops. Das war eine einzigartige Labelpolitik.

Literatur
Fritz Zorn: Mars; München (Kindler) 1977
Reto Hänny: Zürich, Anfang September; Frankfurt (Edition Suhrkamp) 1981

Magazines (US)
Creem – America's Only Rock 'n' Roll Magazine: Creem war zunächst ein alternatives Musikmagazin. Es erschien seit 1969 monatlich. Es war nicht im Osten, nicht in Los Angeles oder San Francisco beheimatet (wie etwa der Rolling Stone), sondern in Detroit, der Stadt der MC5 und der Stooges. Lester Bangs, der wichtigste Kritiker der Zeit, arbeitete für Creem. Der Begriff Punk Rock wurde von diesem Magazin zum ersten Mal verwendet.
Trouser Press: Trouser Press gab zwischen 1974 und 1983 lediglich 95 Ausgaben heraus, startete als ein Who-Fanzine, brüstete sich damit, das einzige britische Popmagazin Amerikas zu sein. Trouser Press berichtete von beiden explodierenden Punk-Szenen – New York und London.
Filme
siehe: Danielle Ryan: 10 Punk Movies That Rock (Fandom, 9. November 2016)

Ende: Die DIY-Ästhetik lautet: Auch DU kannst es – Gehe und tu' es! Die vielen kleinen Labels, die entstehen, der Verzicht auf das Grosse, ohne deshalb Glamour zu entbehren. Das war Punk! Punk als Musik von unten, ein Funke, der so erfolgreich war, dass alles innerhalb eines Jahres Punk sein musste. Punk als neue Freiheit bei Art-School-Bands: hier nicht so sehr Demokratisierung, sondern die Möglichkeit an Kunstauffassungen der modernen Avantgarden anzuschliessen, an Dadaismus, Art Brut usw. Diese Einfachheit, dieses naive Element. Das war es! Von hier speiste sich diese Wende hin zu den Zeichen oder zum Symbolischen: Alles, Musik, Text, Outfit, Person sind Zeichen und werden als ästhetisches Werk (oder als Prozess) gestaltet: Das Spiel mit der Klassenzugehörigkeit, der kindlichen Naivität, dem musikalischen Dilettantismus, der geschlechtlichen Identität, ... Natürlich gab es das alles vorher schon, jetzt aber war es ein zentrales Moment der Jugend- und Popkultur.

Zur Wirkung von Punk
Ich erinnere mich, wie verunsichert die Erwachsenen waren. In der Schule mussten wir einen Aufsatz zum Thema No future? schreiben. Die Frage, wie sie gestellt war, war mit der Einladung versehen, sie als eine rhetorische zu behandeln. Natürlich wollte sich dieser Lehrer bei uns rückversichern, dass alles gar nicht so schlimm sei, nicht die Jugendarbeitslosigkeit, nicht die Schule. In der Tat passte der fehlende Sinn nicht in den Mittelstand, aus dem ich kam. Und die Aufsätze schrieben wir für die Lehrer, nicht um uns auszudrücken oder uns selbst zu finden. So habe ich in jenem Aufsatz keine Beziehung zwischen den zwei Welten hergestellt, in denen ich lebte. Am Tag die Schule, der Drill, um im Kampf um die wenigen guten Lehrstellen zu bestehen. Am Abend dann am Radio geklebt, in einer der wenigen guten Sendungen, die das Radio mir bot, Sounds auf DRS, das die neuesten Sounds, diese frische Musik aus London spielte.
zur Wirkung von Punk auf den Mainstreamrock siehe If You Had Ears, You Could Not Ignore It: Mainstream Responses to Punk von David Bloom (PopMatters Feature, 16. April 2012)

Wichtige Acts: Ramones [D], Patti Smith [D], Sex Pistols [D], Buzzcocks [D]

Exemplarische Releases

Exemplarische Songs [P]

– Television [D]: Little Johnny Jewel [F] (Tom Verlaine, 1975) [F]
– Patti Smith [D]: Birdland [F] (Lenny Kaye & Ivan Kral & Patti Smith & Richard Sohl, 1975) [F]
– Ramones [D]: Blitzkrieg Bop [F] (Ramones, 1976) [F]
– La Monte Young [D]: Dream House [F] () [F]
– Sex Pistols [D]: Anarchy In The UK [F] (Paul Cook & Steve Jones & Glen Matlock & Johnny Rotten, 1976) [F]
– Ramones [D]: Rockaway Beach [F] (Dee Dee Ramone & Joey Ramone & Johnny Ramone & Marky Ramone, 1977) [F]
– Buzzcocks [D]: Boredom [F] (Howard Devoto & Pete Shelley, 1977) [F]
– Television [D]: Marquee Moon [F] (Tom Verlaine, 1977) [F]
– Sex Pistols [D]: God Save The Queen [F] (Paul Cook & Steve Jones & Glen Matlock & Johnny Rotten, 1977) [F]
– Clash [D]: White Riot [F] (Joe Strummer & Mick Jones, 1977) [F]
– Adverts [D]: One Chord Wonders [F] (Gaye Advert & T.V. Smith, 1977) [F]
– Heartbreakers [D]: Born To Lose [F] (Johnny Thunders, 1977) [F]
– Ramones [D]: Sheena Is A Punk Rocker [F] (Ramones, 1977) [F]
– Sex Pistols [D]: Pretty Vacant [F] (Paul Cook & Steve Jones & Glen Matlock & Johnny Rotten, 1977) [F]
– Adverts [D]: Gary Gilmore's Eyes [F] (Tim Smith, 1977) [F]
– Ian Dury [D]: Sex & Drugs & Rock & Roll [F] (Ian Dury & Chas Jankel, 1977) [F]
– Stranglers [D]: No More Heroes [F] (Dave Greenfield & Hugh Cornwell & Jean Jacques Burnel & Jet Black, 1977) [F]
– Buzzcocks [D]: Orgasm Addict [F] (Pete Shelley & Howard Devoto, 1977) [F]
– X-Ray Spex [D]: Oh Bondage Up Yours! [F] (Poly Styrene, 1977) [F]
– Sex Pistols [D]: Holidays In The Sun [F] (Steve Jones & Glen Matlock & Paul Cook & Johnny Rotten, 1977) [F]
– Magazine [D]: Shot By Both Sides [F] (Howard Devoto & Pete Shelley, 1978) [F]
– Wire [D]: I Am The Fly [F] (Graham Lewis & Colin Newman, 1978) [F]
– Clash [D]: (White Man) In Hammersmith Palais [F] (Mick Jones & Joe Strummer, 1978) [F]
– Clash [D]: London Calling [F] (Mick Jones & Joe Strummer, 1979) [F]

Relevante Quellen
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Relevante Listen
Treblezine: 10 Essential UK Punk Albums [F]
Treblezine: Treble's Top 100 Punk Albums [F]


Releases (263)

Songs (169) [P]

Medien (14)

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