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Postpunk (Genrediskografie)

Die Postpunk Diskografie

Postpunk (Genre)

Beschreibung: Unter die Bezeichnung Postpunk fallen vielfältige musikalische Stile, die nach der Punk-Revolution um 1978 aufkamen und bis in die frühen 80er Jahre hinein dauerten. Es stellt sich die Frage, ob dieser Begriff tatsächlich einen signifikanten musikalischen Stil zu benennen vermag oder ob er einfach eine Sammelkategorie für verschiedene heterogene Musikstile darstellt, deren einzige Gemeinsamkeit darin besteht, dass ästhetisch am Programm von Punk weitergearbeitet oder an Punk angeschlossen wird (DIY-Kultur, Ablehnung des Rock-Establishments und dessen Institutionen), dass dabei aber ganz andere musikalischen Wurzeln fruchtbar gemacht werden. Punk führte eine Art von «lean-structures» wieder in die Rockmusik ein: so einfache wie zielsichere, höchstens zwei Minuten dauernde authentische Energieausbrüche, wie sie vom 50er und 60er Pop, Rock'n'Roll und Garage-Rock bekannt waren. Postpunk hingegen baute auf musikalische Formen, die aus verschiedenen Underground-Strömungen der Rockmusik der Sechziger und Siebziger-Jahre stammten: aus der elektronischen Musik, Krautrock, Dub, Funk, Afrobeat, Disco und frei improvisierter Musik. Phänomenologisch kann Postpunk-Musik wie folgt beschrieben werden. Sie ist geprägt von rhythmischen und teils atonalen musikalischen Formen. Schlagzeug und Bass dominieren das Arrangement, nicht selten wirkt die Metrik maschinenhaft. Auch der Gesang wird häufig als ein nicht-tonales Instrument eingesetzt. Die Musik ist für künstlich veränderte und bearbeitete Klänge sehr offen. Diese Offenheit führte an der Peripherie von Postpunk zu ersten Formen populärer elektronischer Musik (beispielsweise bei Cabartet Voltaire).
Postpunk wäre ein rein englisches Phänomen, wenn in New York nicht zur selben Zeit No Wave entstanden wäre. No Wave Bands kamen praktisch alle aus der Downtown-Szene Manhattans. Diese Szene aus Künstlern, Musikern, Malern, Filmemachern war durch einen leidenschaftlich nihilistischen Wahnsinn zusammengehalten (Al Campbell, AMG). The music created by this bands was christened No Wave by the media on acount of ist apparent disengagement from past styles of Rock music. [...] It was characterized by dissonance; jerky, stumbling rhythms; short and unusual song structures: choking or screamed vocals and perhaps primarly by the snarl nihilism od many of the musicians. (Linernotes from Souljazz-Release: New York Noise, 2003).
Postpunk und No Wave haben eine Gemeinsamkeit: das Experiment mit anspruchsvolleren musikalischen und textuellen Formen anspruchsvoller als sie der Punk bot. Kulturell ist mit Postpunk bzw. No Wave eine Lebenshaltung verbunden, die nicht wie der Punk an den gesellschaftlich Ausgegrenzten und der Arbeiterklasse orientiert ist, sondern am Kunst- bzw. Kulturbetrieb.
Viele der Postpunk Bands haben zunächst Punk gespielt und ihren Stil dann verändert (z. B Wire). Diese Veränderung besteht beispielsweise in der Verwendung von Keyboards oder Synthesizern als Lead-Instrument, der Verwendung von ästhetischen Gesamtkonzepten (Musik, Inszenierung, Gestaltung, ...), Inszenierung als Mensch-Maschine (monotone, spastische Bewegungen). Aus dem Punk übernommen wird die ablehnende Haltung gegenüber überkommenen musikalischen Formen, die auf der Ästhetik der 60er Jahre und letztlich der klassisch-romantischen bürgerlichen Musik entstammen.
In Europa wurde die Musik relativ gut bekannt, es gab rasch in verschiedensten Orten Postpunk-Labels und -Bands. In Amerika gab es vor allem No Wave in New York.

Subgenres Genremap
– Postpunk - Ambient [D]
– Postpunk - Ambient - Soundpainting [D]
– Postpunk - Continental-NewWave [D]
– Postpunk - Continental-NewWave - NDW [D]
– Postpunk - Continental-NewWave - SwissWave [D]
– Postpunk - Continental-NewWave - Wiener-Szene [D]
– Postpunk - Dancepunk [D]
– Postpunk - Darkcabaret [D]
– Postpunk - Electronic-Postpunk [D]
– Postpunk - Electronic-Postpunk - Darkwave [D]
– Postpunk - Electronic-Postpunk - Flexipop [D]
– Postpunk - Electronic-Postpunk - Minimalwave [D]
– Postpunk - Gothrock [D]
– Postpunk - Industrial [D]
– Postpunk - Industrial - EBM [D]
– Postpunk - Mainstream [D]
– Postpunk - Minimalsynth [D]
– Postpunk - Nowave [D]
– Postpunk - Psychobilly [D]
– Postpunk - San-Francisco-Freaks [D]
– Postpunk - Ska-Revival [D]
– Postpunk - Whitefunk [D]

Vorgänger
– Rock - Artrock [D]
– Africana - Afrobeat [D]
– Afroamericana - Funk [D]
– Disco - Discofunk [D]
– Disco - Popdisco [D]
– Rock - Progrock - Krautrock [D]
– Improvisation [D]
– Caribbeana - Dub [D]
– Rock - Progrock - Progressive-Electronica [D]

Nachfolger:
– Afroamericana - Funk - Electrofunk [D]
– Hip-Hop [D]
– Post-Millennial-Music - Postpunk-Revival [D]

Entstehung: Postpunk kam von Punk her, der sich als Stil relativ schnell verbrauchte (Punk war ja in der erstern Stunde eigentlich nichts anderes als ein Revival früherer, bereits bekannter Musik – eine Neuorientierung). Da sie verschiedene Szenen vereinte, gingen diese dann im Lauf der Zeit auch ihren je eigenen Weg. Die Working-Class-Punks gingen in Richtung Oi!, die Art-School-Punks in Richtung Postpunk.
Andere Einflüsse waren Funk (James Brown), Disco, Punk und Garagerock (Stooges, PIL), Glam (David Bowie) oder Free Jazz (Albert Ayler).

Musik: Punk wendete sich von Progressive-Rock ab, Postpunk nahm den guten Geist von Progressive wieder auf: Die Bands wollten Experimente wagen, suchten nach neuen Sounds und namen die von Rock mehr oder weniger marginalisierten Stile aus den 70er Jahren auf: Funk, Disco, Dub, Improvisation, Electronica, Krautrock. Die verwendete Ästhetik war provokativ. Jon Pareles sagte in einem Podcast der New York Times sehr treffend, dass Postpunk Bands sich in Stacheldraht wickelten und sich gegen das Publikum schleuderten (they wrapped themselves in barbed wire and hurled themselves against you).

Medien: Radio
Ein wichtiger Promotor von Postpunk war der BBC-DJ John Peel und in der Schweiz die Radiosendung «Sounds».
Film
Es gibt einen Super-8-Film mit Konzertmitschnitten/Videos von verschiedenen No Wave Bands von Ericka Beckman, der 2009 in der Ausstellung Looking at Music. Side 2 im New Yorker MoMa gezeigt wurde, im Web aber lieder nicht verfügbar ist: 135 Grand Street
Literatur
Wichtige literarische Bücher der Zeit waren «A Clockwork Orange» von Anthony Burgess (von 1962) – 1970 von Stanley Kubrick verfilmt – und J. G. Ballards Triligie «Crash», «Concrete Island» und «High Rise» aus den Sechzigern.

Ende: Nach ein paar Jahren war der Zauber vorbei. Einige Leute haben sich nachhaltig in der Szene etablieren können, beispielsweise Nick Cave, Lydia Lunch, Mark E. Smith von The Fall. Ab dem Jahr 2000 gibt es auf beiden Seiten des Atlantiks eine grosse Zahl von Postpunk-Revival-Bands: Rapture, Strokes, Franz Ferdinand, LCD Soundsystem, Liars, Metro Area, …

Labels: Rough Trade [D], Mute [D], Postcard [D], Factory [D], Cherry Red [D], Beggars Banquet [D], Falling a Record [D], Fast Product [D]

Wichtige Acts: Buzzcocks [D], Public Image Ltd. [D], Gang of Four [D], Joy Division [D], Wire [D], Bauhaus [D], Simple Minds [D], Fall [D], Magazine [D], Pop Group [D], Raincoats [D], Slits [D], Kleenex [D], Lilliput [D], A Certain Ratio [D], 23 Skidoo [D]

Relevante Quellen
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Relevante Listen
PopMatters: The 50 Best Post-Punk Albums Ever [F]


Releases (1374)

Songs (398) [P]

Medien (32)

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