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Drum'n'Bass (Stildiskografie)

Die Electronica - Breakbeat - Drum'n'Bass Diskografie

Electronica - Breakbeat - Drum'n'Bass (Stil) [→ Electronica] [→ Breakbeat]

Namensalternativen und Abkürzungen: Drum and Bass, Drum an' Bass, D&B, D+B, DnB

Beschreibung: Britische elektronische Tanz-Musik, die ihre Blütezeit in der zweiten Hälfte der 90er Jahre hatte. Im Unterschied zu den geraden 4/4-Takten von House und Techno werden bei Drum'n'Bass gebrochene Beats verwendet, die zudem meist hochgepitcht, d.h. schnell, waren (wir sprechen hier von 160 BPM - Takten/Minute). Hinzu kommen tiefe wummernde Bässe, die zum Rhythmsufundament der Tracks gehören und der Musik den Namen geben. Wie im Techno spielen die Tracks (oder spätestens der Mix eines DJs) mit der Intensität der Beats und spannen den Bogen zwischen atmosphärischen und frentisch schnellen Teilen.

Vorgänger
– Electronica - Breakbeat - Hardcore [D]
– Electronica - Breakbeat - Jungle [D]
– Electronica - Techno - British-Techno [D]

Nachfolger:
– Electronica - Breakbeat - Tustep [D]
– Electronica - Breakbeat - Bigbeat [D]
– Post-Millennial-Music - Trap - Dubstep [D]

Weblinks: Logo Logo

Entstehung: Drum'n'Bass ist aus Hardcore («Ardcore») entstanden, das ist englische elektronische Breakbeatmusik, die sich aus dem britischen Technoausdifferenziert. Als Erfinder von Drum'n'Bass gelten: Goldie, Rob Playford und 4 Hero (Mark Clair & Dennis McFarlane). Beide Stile, Hardcore und Drum'n'Bass pressten kompromisslos die Sounds aus den Samplern und deren Effekt-PlugIns, um eine schnelle Breakbeat Tanzmusik für die acidverladenen Rave-Kids zu machen. Es gibt einen Nachteil solcher klanglicher Kompromisslosigkeit: die Sounds sind sehr zeitgebunden und veralten schnell. Durch die zeitliche Distanz wirkt vor allem Hardcore etwas cheap und trashig (die Sampler waren nicht mit genügend Speicher ausgestattet, die Prozessoren waren nicht so schnell wie sie hätten sein müssen). Den Hardcoresound geprägt haben Lachgas-Stimmen und upgepitchte House-Keyboard-Läufe. Die englische Breakbeat-Musik war von Anfang an für die meisten Beine dieser Welt viel zu schnell. Hardcore war eine Happy-Musik, war lasziv, hedonistisch und unbeschwert. Beeindruckend an diesem Stil bleibt neben der ausgeschöpften zeitgemässen Technologie sein Potential sich musikalisch und klanglich weiter zu entwickeln: Aus dieser schier unüberschaubaren Szene haben sich Drum'n'Bass, aber auch das Electronic Listening-Genre (IDM) entwickelt.
Aus einer Fraktion der Hardcore-Szene, die im Gegensatz zu den meisten andern ein düsteres Klangbild bevorzugten entstand dann mit der Verbesserung der Samplertechnologie Drum'n'Bass. Etwas Analoges geschah in der Belgischen Techno-Szene um C. J. Bolland oder Joey Beltram.

Musik: Drum'n'Bass klang auch psychedelisch. Warum und wie genau erklärte der Musikjournalist Kodwo Eshun, der Haupttheoretiker für Breakbeats. Er schrieb in einer ganz neuen Sprache über diese Musik. Er sprach statt von Psychedelik von Sampladelic (siehe Interview am Ende des Buches «Heller als die Sonne» und das achte Kapitel). Er erläutert im Anschluss an den französischen Komponisten und Musikwissenschaftler Michel Chion, dass bestimmte Sounds ein Kontinuum zwischen akustischen und andern, speziell visuellen oder taktilen Eindrücken herzustellen vermögen. Womit immer man diese synästhetischen Effekte begründet (Cybermythen, Mutationen, Reizüberflutung, ...) Eshun spricht von einer Erfahrung die man unweigerlich macht, wenn man Drum'n'Bass hört: Der Sound fährt ins falsche Rezeptionsorgan ein; er geht unter die Haut. «Wann immer Sound unter die Haut geht, wann immer bei Drum'n'Bass der Sound sehr scratckorientiert wird, mit viel Schütteln und Rasseln, gibt es oft eine ganze Reihe von Sounds, bei denen die Perkussion zu verteilt ist, zu motil, zu bewegt, als dass das Ohr die Sachen als fest umrissene Sounds wahrnehmen könnte. Und wenn das Ohr das erst einmal nicht mehr kann, wandert der Sound sehr schnell auf die Haut – und die Haut beginnt, für dich zu hören. Und wenn die Haut anfängt zu hören, wird dir sehr unheimlich, und dann fängt die Haut an zu leiten, und die Leute sagen: Mir ist wirklich sehr kalt.» Es entsteht also ein Kontinuum zwischen den Sinnesmodalitäten, «ein Stratum», auf dem visuelle, akustische, taktile, olfaktorische, gustatorische, thermale Eindrücke ein Kontinuum bilden – entgegen der Spezialisierung unserer Rezeptorzellen in den Augen, Ohren oder auf der Haut. Es geht darum, dass ein Rezeptionskanal, wenn er mit Reizen überflutet wird, überlaufen kann, dann setzt die Energie auf einen anderen Kanal über. Hören wird ekstatisch.

Instrumente: Das folgende Bild zeigt den Akai S1000 Sampler, der seit 1989 auf dem Markt ist. Upgrade-Versionen hatten einen Timestretching-Modus für Samples, ein Effekt, durch den ein Sample verlangsamt oder beschleunigt werden konnte, ohne dass sich dabei die Tonhöhe verändert (Mickey Mouse Effekt, bei einem zu schnell laufenden Tonband, bei Hardcore oft verwendet (zum Beispiel auf A History of Hardcore, Vol. 1. Durch Timestretching konnten Breakbeats beschleunigt werden, Basslinien gedehnt, bis sie unglaublich tief wurden.
Akai Sampler
Diese Timestretching-Sounds hatten etwas Gespenstisches. So hatte man Musik noch nie gehört. Das war ganz neu. Es klang nach High-Tech Studio, nach Klanglabor, es klang digital (wichtig in den Neunziger Jahren – Legionen von Leuten, die in der Grafik-, der Ingenieurs- oder der Business-Branche vorwiegend mit Personal Computern arbeiteten konnten sich mit der Machart und dem Klang dieser Musik identifizieren). Drum'n'Bass klang nach Zukunft. Drum'n'Bass war die Zukunft. Das wurde noch dadurch zelebriert, dass die Djs Musik von Dubplates auflegten, die man erst in einem Jahr im CD-Laden kaufen konnte. Jede Party war damit ein Blick in die Schallplattenregale der Zukunft.

Relevante Quellen
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Relevante Listen
Dummy: The 10 Best Drum And Bass Tracks, According To Doc Scott [F]


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Songs (39) [P]

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