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Expertenliste aus der Datenbank

Musikzimmer: Thematische Songsammlung: Naturkräfte, Elemente (Wasser, Wind, ...) [P]

Die Liste

Die ewigbesten Songs sind in verschiedene Themenfelder eingeordnete Lieder, die mich begleiten oder irgendwann einmal begleitet haben. Dies ist das Parallelunternehmen zur Ewigbestenliste mit Alben und EPs. Es handelt sich natürlich auch hier um eine Herzensangelegenheit!

Was ist ein Song/Lied?

Das Lied, der Song ist eine musikalische Kurzgattung, die Musik und Wort vereinigt. Musikalisch hat ein Lied meist eine Strophen-Refrain-Form (mit Einleitung, Brücke und Koda). Lyrisch kann ein Lied eine Hymne (Preisgedicht, Festgesang) sein, eine Ballade (heroische, seltsame Erzählung mit meist katastrophalem oder tragischem Ausgang), ein Chant (bei dem die Rhythmik des Texts im Zentrum steht), ein Trauerlied (Lament), ein Kinderlied, ein Schlaflied, ein Arbeitslied (Worksong), ein Spiritual, ?

Singles und Songs - Kult des Moments

Dave Marsh hat darauf aufmerksam gemacht, dass die Pop-Geschichte zu oft als Geschichte ganzer Alben bzw. LPs geschrieben wurde. Doch das, was wir (im Kopf und im Herzen) mit durch unser Leben tragen, sind Singles, einzelne Stücke (Dave Marsh, The Heart Of Rock'n'Roll S. IX). Das stimmt! Du besitzt doch manche CD nur, weil ein einziges Stück darauf ist, das du liebst. Dieses legts du wieder und wieder auf, ohne den Rest der CD, die Füller, mit anzuhören.

Es ist in diesem Zusammenhang spannend, sich die (Technik-)Geschichte der Schallaufzeichnung vor Augen zu halten: Als die Microgroove-Schallplatten (Vinyl) erfunden wurden, gab es binnen zweier Jahre zwei Arten von Schallplatten, die 12' mit 33 1/3 Umdrehungen (eine Erfindung von CBS, ab 1948) und die 7' mit 45 Umdrehungen (eine Erfindung von RCA, ab 1949). Die Singles waren für das Radioplay wichtig und für Jukeboxes bzw. DJs. LPs waren hingegen zum Anhören gedacht, auf ihnen hatten die tendentiell eher längeren Formate der akademischen Musik (Symphonien, Opern, Konzerte) Platz. Sie galten deshalb als das seriösere und ernsthaftere Format als die Single (der Name «Album» kommt von Schellackplatten her, deren begrenzte Spieldauer es nötig machte, ernste Musik wie Opern, Konzerte oder Symphonien in mehrere Teile aufzugliedern und in Kartonfächer zu verpacken, die Album hiessen). Die beiden technischen Formate, 7' und 12' prägten von nun an zwei Geschichtsstränge der Musik: die Geschichte der Singles und die Geschichte der Alben.

Anhand der beiden Schallplattenformate lässt sich nebst der Opposition zwischen Ernst und Spass, Seriosität und Unterhaltung ein weiterer Gegensatz ausmachen: LPs sind eher Zeitdokumente, Singles eher Psychodokumente. Während LPs geschichtsbildend sind, bilden Singles Stimmungsausprägungen. Diese Tendenz zeigt sich darin, dass LPs gerne in historischer Reihenfolge aufgelistet werden. Das kann man mit Singles zwar auch machen, aber man trägt dabei ein Ordnungskriterium aus einem anderen Bereich, dem der Alben, heran. Singles bilden Hitparaden, mehr oder weniger zufällige Reihenfolgen auf Musikkasetten (Mixtapes) oder Playlisten usw. Singles schreien nicht so sehr nach Systematik wie dies Alben tun. Alben (LPs und CDs) werden oft in einer alphabetischen, historischen oder stilistischen Ordnung gehalten. Wer viele LPs und CDs hat wird fast notwendig zum Zwängler. Themen wie Ordnung und Vollständigkeit beherrschen das Leben des Sammlers. Singles (und neuerdings MP3-Files hält man sich hingegen als Pool, in den man von Zeit zu Zeit eintaucht, um aus der gegebenen Situation und aus der Laune des Moments heraus das richtige Stück zu wählen. Neigt der LP-Sammler zum Zwängler, so neigt, wer viele Singles oder MP3-Files hat, zur Hysterie. Du greifst in diene umfangreiche Sammlung von Stücken in der überzeugung, das für den Moment Richtige zu wählen. Ich greife zum Beispiel kurz vor dem Schlafengehen oft noch nach einem bestimmten Musikstück. Es ist stets eines, das zum Moment und meiner Stimmung passt (oder passen soll). Damit präge ich den Moment, wie der Moment meine Wahl bestimmt. Ich begebe mich in einen Teufelskreis der Unlogik (was prägt hier eigentlich was?). Ich betreibe einen Kult des Moments.

Meine Alben (LPs und CDs) bilden (m)eine Geschichte. Hingegen bilden die Songsammlung eine diffuse Anhäuffung von Stimmungen, die in meinem Leben bestimmend waren. Unkohärente Moment-Punkte, die vielleicht, wenn ich sie auf einer Psycholandkarte aufzeichnen könnte, sowas wie thematische Schwerpunkte bildeten, Cluster von Stimmungen, Gefühlen bzw. emotionalen Ausdruckswerten. Kann ich, wenn ich längerfristig daran arbeite, diese Cluster sichtbar machen? Kann ich dabei jede ornungsliebende, zwänglerische Attitüde draussen halten? Finde ich meine eigene Psycholandschaft? Vergiss nicht: Um deretwillen werden die Lieder und Stücke geclustert, nicht um einer Ordnung willen. Dies ist ein Spass, keine Leistung! überhaupt: Eine Ordnung ist gar nicht möglich. Exemplarisch lässt sich dies am Beispiel des Lieds Northern Sky von Nick Drake belegen. Der Song ist dermassen vielschichtig, dass er in Situationen von Glück (Text), Einsamkeit (Stimme, Stimmung) oder Launenhaftigkeit (John Cales Piano) passen kann. Oder Sinéad O'Connors Troy, das von einer kaputten Beziehung und von der Lebenslüge in einer mythologischen Sprache spricht und ein Text aus Feuer ist, voller Wut vorgetragen. Da ist genug von mir und dir drin für den Rest unserer Tage.

Quelle: Christian Schorno, Musikzimmer, work in progress

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