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Musikzimmer: Popquizshow Sullana [P]

Poquizshow vom 4. Juli 2015 am Sihlquai 268 in der ehemaligen «Cigarettenfabrik» Sullana.Cigarettenfabrik SullanaDas 1886 erbaute Gebäude war eine Zigarettenfabrik von 1922 bis 1966. An der Ostfassade hängt noch immer ein Schriftzug mit dem Markennamen der produzierten Zigaretten, der 1939 auch zum Firmennamen wurde: Sullana. Das Logo wurde 1945 angebracht und ist seither nie verändert worden (siehe Tages Anzeiger Artikel von Martin Huber vom 31.1.2011).
«Sullana Zigaretten waren «Cigarettes Orientales», orientalische Zigaretten aus einer Tabaksorte, die auf dem Südbalkan wächst und in der Türkei. Der Tabak kam aus Mazedonien per Eisenbahn nach Zürich und viele andere Städte Europas, wo «Cigarettes Orientales» als ein europäisches Produkt produziert wurden. Die Sullana-Zigaretten wurden in Büchsen zu 50, 100 oder 200 Zigaretten verkauft. Die Metallbüchsen werden noch immer auf Flohmärkten gehandelt.
Der Zürcher Fotograf Gottfried Gloor (1895-1987) nahm in den 30er-Jahren eine Serie Photos in der Fabrik auf, die vom Baugeschichtlichen Archiv der Stadt Zürich verwahrt werden. Die Fotos zeigen Menschen und Maschinen bei der Arbeit. Sie geben Einblick in den Herstellungsprozess von der Anlieferung des Tabaks bis zur Auslieferung der Zigaretten.
Firmen wie die Sullana AG wurden ab den 50er- und 60er-Jahren von Multinationalen Konzernen geschluckt. Die Sullana AG wurde zuerst von der Rothmans aufgekauft und ging später in die Britisch American Tobacco (BAT) ein. Die Firma zog 1966 ins Oberland nach Wetzikon und produzierte fortan internationale Marken für den Schweizer und den internationalen Markt. Spätestens damals verschwanden die «Cigarettes Orientales» vom Markt. Die Amerikanischen Zigaretten verdrängte dieses europäische Produkt. Von den Orientalischen Zigaretten zeugen nur noch ein Logo an einer Hauswand und Metallboxen auf Flohmärkten.
Die zehn Songs der Playliste haben mit verschiedenen Aspekten des Rauchens oder des Tabaks zu tun, mit dem Zwang, die nächste anzuzünden (Tex Williams), mit der Schwierigkeit, die Gewohnheit abzulegen (Kacey Musgraves), mit den Nöten der Tabakpflanzer (Eric Burdon / War), mit dem Rauchen als Akt der Rebellion (Mötley Crüe) oder dem funktionalen Gebrauch von Genussmitteln aller Art, um Leistungen zu erbringen (Oasis). Zwei der Songs vergleichen das menschliche Leben mit einer Zigarette (David Bowie und Patsy Cline). Der Song von Patsy Cline wirft überdies ein Schlag­licht auf den Aschenbecher, um den herum sich ein Liebesdrama abspielt. Zwei gesellschaftliche Institutionen haben immer mal wieder versucht, Rauchen als unerwünschtes Verhalten, Laster oder Krankheit zu erklären: Staat und Kirche. Zwei Songs nehmen die paternalistische oder moralisierende Haltung gegenüber dem Rauchen oder den Rauchenden auf (Nina Simone und Peter Sellers und die Muppets). Bei Simone erhebt sich der moralische Zeigefinger in den Abschiedworten einer Ehefrau, die ihren Man verlässt, bei den Muppets wird die Moral parodiert und in eine Lust oder fast schon Geilheit an allem Sündigen und Lasterhaften verkehrt. Die Rolling Stones, die den Reigen eröffnen, thematisieren die Rolle der Werbung beim Rauchen und unsere zutiefst ambivalente Einstellung dazu.

Quelle: Christian Schorno, Juni und Juli 2015

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