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Chris Smith: 101 Albums That Changed Popular Music

Buch CoverDas Buch von Chris Smith ist eine weitere Version des vor vier Jahren erschienen fast gleichnamigen Buchs von Egan: 100 Albums That Changed Music And 500 Songs You Need To Hear - allerdings ohne die 500 Songs. Die Frage also lautet: Braucht die Welt diese weitere Variante einer Bestenliste? Ich neige dazu, die Frage zu verneinen, obwohl ich Nimmersatt diese Art der Literatur über Musik liebe.

Die Auswahl der Alben

Smith schreibt im Vorwort und in der Einleitung, dass er sich für die Wirkung der selektionierten Alben auf die amerikanische Kultur interessiere. Wie bereits bei Egan wird nicht klar, wie Wirkung zu verstehen ist. Die Selektionskriterien werden mir nicht klar. Verkaufszahlen als Kriterium zu nehmen ist zwar verpönt, aber es ist wenigstens ein klares und verständliches Kriterium - und damit vergleichsweise verdammt ehrlich. Ebenso ehrlich wäre es, eine subjektive Liste mit 101 Lieblingsalben zu veröffentlichen. Oder es wäre methodisch in Ordnung und objektiv, das Konsumverhalten bestimmter gesellschaftlicher Segmente zu bestimmten Zeiten zu untersuchen. Nun, ich verstehe schon, darum geht es diesen Leuten (Smith, Egan) nicht. Ihr Anliegen ist es, sich als Kenner im Raum zwischen Verkaufszahlen bzw. wissenschaftlicher Objektivität einerseits und völliger Subjektivität andererseits zu bewegen. Ich kann ihnen nicht in Abrede stellen, dass sie sich um etwas bemühen. Falls dieses Etwas "gute Musik" ist, wie sie ein Kenner oder eine Fachfrau versteht, dann frage ich mich, weshalb diese Selektionen dermassen verzerrt sind. Warum fehlen wesentlich Genres vollständig? Hat elektronische Musik mit Kraftwerk aufgehört zu existieren? Gab es nicht Postrockbands, die in den 90ern ein ganz neues Verständnis von Musik in die amerikanische Kultur brachten, von der wesentliche Teile der aktuellen Musik heute noch zehrt? Ich frage mich angesichts der Auswahl von Smith (oder Egan): Wo lebten diese Leute und was hörten sie für Musik?

Verzerrungen

Auch diese Liste ist wie üblich verzerrt: Mehr weisse als schwarze Musik, mehr Musik von Männern als von Frauen, ausschliesslich angelsächsische Musik und ein Schwerpunkt in den 60ern und 70ern. Smith ordnet seine Alben nach zeitlichen Epochen - ein guter Ansatz, der dieser Verzerrungsart entgegenwirken könnte - aber er hat doch nur 18 Alben in der Liste, die nach 1977 herausgekommen sind. Der Autor ist ein offensichtlich mit klassischer Rockmusik sozialisierter Mensch, der zur Musikgschichte seit Punk leider nichts zu sagen hat. Zudem kommt es durch das Interesse des Autor an der amerikanischen Kultur zu eine starken Verzerrung durch die Auswahl vorwiegend amerikanischer Alben.

Überraschungen

Smith hat ein paar Titel in der Liste, deren Selektion mich erstaunen: Weavers: The Weavers At Carnegie Hall, Mahavishnu Orchestra: The Inner Mounting Flame, Waylon Jennings, Willie Nelson, Jessi Colter, Tompall Glaser: Wanted! The Outlaws, Stevie Ray Vaughan And Double Trouble: Texas Flood und Dixie Chicks: Wide Open Spaces.

Inhalt

Die Texte zu den einzelnen Alben sind interessant. Es geht Smith dort tatsächlich um Wirkungen, die vom Album ausgegangen sind, es geht um den Kontext, in dem das Album entstanden ist und erstaunlicherweise kaum um die Musik selbst, um einzelne Stücke. Smith hat nach vielen Quellen in der Fachliteratur gesucht und weist diese aus. Von daher ist das Buch dann doch wieder sehr lesenswert.

Quelle: Chris Smith: 101 Albums That Changed Popular Music; Oxford University Press (New York); 2009 03

Liste aus 101 Alben

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