Seminar: «How Music Works» – das Konzept der «Creation in reverse» in der Populären Musik

Lehrveranstaltung von Christian Schorno im Herbstsemester 2014 am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft (ISEK) der Universität Zürich.

Abstract

David Byrne wurde als Frontmann der erfolgreichen New Yorker Band
«Talking Heads» bekannt. Er ist bis heute als Singer-Songwriter und als
vielseitiger Künstler tätig, unter anderem als Produzent, Labelgründer,
Regisseur, Schauspieler und Autor. Im Herbst 2012 kam ein Buch von ihm
mit dem vielversprechenden Titel «How Music Works» heraus. Darin
exponiert Byrne unter anderem die Idee einer «creation in reverse»,
eines umgekehrten Schaffensprozesses: Musik werde nicht aus einer
inneren Spannung oder einer Leidenschaft heraus geboren und in die Welt
hinein gestellt, sondern sie werde gemacht, um in existierende Kontexte
hinein zu passen – in Formate, in Räume (Konzerträume, Studios), in
technologische Standards und wirtschaftliche Gegebenheiten. Es seien so
gesehen die Kontexte, die die Musik erschaffen. Folglich kommt Musiker/-
innen in diesem umgekehrten Schaffensprozess, der «creation in reverse»,
die Rolle zu, Medien oder Übersetzer/-innen kontextueller Gegebenheiten
zu sein und sie müssen ein Gespür dafür entwickeln, was in einem Kontext
funktioniert und was nicht.

Programm

Anhand des Buches von David Byrne gehen wir im Seminar folgenden
systematischen Themen und Fragen nach:
(1) Welche Musikgattungen gibt es? Wie unterscheiden sich diese
Gattungen? Worin liegen zum Beispiel die Unterschiede zwischen
Kunstmusik, Volksmusik und Popmusik?
(2) Wie lässt sich Popmusik im Rahmen der Kommunikationstheorie
verstehen?
(3) Es gibt unzählige Kontextbedingungen, die für Popmusik als
Kommunikat eine Rolle spielen. Von der gegenwärtigen Fachliteratur
werden zwei Kontextbedingungen als ganz besonders relevant bzw. als für
die Popmusik konstitutive Faktoren behandelt: die Wirtschaft (Popmusik
ist eine Ware auf einem Markt) und die Technologie (Popmusik wird
aufgezeichnet und als Medienprodukt vertrieben). Wie prägen Wirtschaft
und Technologie die Musik?
(4) Wie funktioniert Autorschaft in der Popmusik? Lässt sich mit dem
Konzept der «creation in reverse» von Byrne arbeiten, um zu verstehen,
wie (Pop-)Musik funktioniert?
Den Fragen wird mit der Lektüre ausgesuchter Texte nachgegangen, die
Forschungsresultate werden laufend in einem öffentlichen Blog
publiziert. Von den Studierenden wird verlangt, dass sie jede Woche
abwechslungsweise einen Text lesen oder einen Blog-Beitrag (Post) im
Umfang von etwa 1000–1500 Zeichen schreiben.
Hinweise: Kann erst nach erfolgreichem Besuch aller Pflichtmodule belegt werden.
Das Modul besteht aus einem Seminar und ist zweisemestrig angelegt,
wobei das zweite Semester dem Ausarbeiten der
schriftl. Arbeit dient (ohne Veranstaltung). Abgabetermin für die Arbeit
ist der Vorlesungsbeginn des Folgesemesters.

Buch: Byrne, David: «How Music Works». San Francisco: McSweeney’s, 2012

siehe: «How Music Works». Das Konzept der «Creation in Reverse» in der Populären Musik – Blog, der in der Lehrveranstaltung entstanden ist.

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