Michael Fehr: Simeliberg

Interessante und anregende Rezension des aussergewöhnlichen Poesie-Krimis des Schweizer Autors Michael Fehr «Simeliberg» von Marino Ferri auf seinem Blog Bücherrezension. Blog für europäische Gegenwartsliteraturen.

Ich habe das Buch selbst gelesen. Es hinterlässt starke Bilder, die tatsächlich in Schwarz-Weiss gezeichnet sind, wie Marino feststellt. Definitiv kein easy-reading, aber eine herausragende Auseinandersetzung mit der Schweiz von heute und der Schweiz überhaupt.

Im Titel klingt einer der zwei Orte aus dem schönsten Schweizer Volkslied an. Der Text von Michael Fehr mit seiner auffälligen, zerhackten SMS- oder Vers-Form kann man als Musik hören wollen. Diese klingt, wie könnte es anders sein, auch nicht wie Easy-Listening.

Die Version des Lieds von Fräkmündt klingt jedenfalls schöner als das Buch sich liest:


Fräkmündt: Simelibärg (Musikvideo) 2013. https://www.youtube.com/watch?v=75P24rxdmUw (Abgerufen: 27. Januar 2016)

Die Fräkmündt-Version des Lieds enthält jedenfalls Kontraste und verstörende Elemente. Vielleicht gar nicht so abwegig diese Interpretation mit dem Buch von Fehr zu vergleichen.

Was am «Guggisberglied» auffällt und was seine textliche Schönheit ausmacht: dass es vieles ungesagt lässt,
wie dieser Text
und dass es (statt dem Fehrschen Schwarz-Weiss) ein Hier und Drüben gibt
Berge, die das hier vom drüben trennen
aber auch das Hier ein Berg und das Drüben ein Berg
und irgendwo eine Tiefe, in der das Rad des Lebens dreht,
so lang ES will
und dass es unergründlich ist,
warum es dreht
und warum nicht mehr.

Als SchweizerIn hält man das für traurig
Als SchweizerIn leidet man am Rad und an den Bergen
und wenn man den Bergen fern ist: la maladie Suisse

So steht es jedenfalls geschrieben und so wird es gesungen.