Los Angeles – Flying Lotus (2008)


Flying Lotus Portrait. Quelle: Wikimedia/Wikipedia (20.3.2017)

Steven Ellison, alias “Flying Lotus”, shows yet again that he is able to show progression and take his sound to the next level in his unique and innovative sophomore album Los Angeles.

What you’ll notice straight from the beginning is the use of unique sounds and textures throughout the whole record, which Ellison not only creates with his synthesizer plugins but also through the modification of samples; it is especially noteworthy that Ellison utilizes many samples that stray from the usually sampled genres of jazz and r&b, and is able to give these samples a completely different role in a different context. The tribal sounding percussive sequence found in “Camel” for example was actually modified from an early 45 B-Side from Aynsley Dunbar’s Retaliation. With the use of more modified samples and unconventional analog synthesizer plugins while still being aware of maintaining a careful balance between the two elements, the tracks are given an organic, almost natural and timeless electronic sound.

Other more atmospheric tracks such as “Brainfeeder” and “Orbit 405” show Flying Lotus thinking of a style inspired maybe by listening to Klaus Schulze or Tangerine Dream, nevertheless in a much smaller format (also note the use of the vinyl hum and cracking as a lo-fi/aesthetic element).

Infinitum”, “RobertaFlack” and “Testament” prove that Ellison can collaborate with vocalists and still maintain the tone of the album.

 

Steven Ellison has created a work that can be regarded more than a collection of instrumental tracks; the music works in it’s order as does a series of paintings. And that’s exactly what this album (just like DJ Shadow’s Endtroducing…..) underlines; that instrumental electronic music can be viewed as art, and that a DJ can create a standalone record that doesn’t bore you to death with looping sequences and the same drum sounds.

It is without a doubt that Flying Lotus has revolutionized the meaning of the beat and has set the bar high for other electronic musicians of this generation.

The Walkmen: On The Water

The Walkmen legten 2008 mit You & Me ein überraschendes reifes viertes Album vor. Schmissen sie uns im Vorgänger Bows and Arrows noch ihre Entrüstung in sperrigen, wilden und ungestümen Retrosound um die Ohren, scheint die Band aus New York mit You & Me  erwachsener geworden zu sein. Sie sinnieren feinsinnig über die Beschwerlichkeit des Alleinseins.

Ihr Song On The Water ist beispielhaft für ihre Entwicklung. „All the windows are glowing / The branches bending low / The skyline is swinging / Rocking back and forth“ singt Hamilton Leithauser mit seiner unvergleichlich ausdrucksstarken Stimme gleich zu Beginn, und mit dem pulsierenden Schlagzeug und der gleichförmigen Basslinie nimmt das düstere Stück Fahrt in unbekannte, schwarze Gewässer auf. Melancholie begleitet seine Stimme, während der Song mit treibenden Impulsen vorwärts prescht und sich dunkle Wolken am Himmel zusammenbrauen.  „All the years keep rolling / The decades flying by / but aaah, the days are long.“ Die einsame und schwermütige Reise wird beharrlich fortgesetzt, Schlagzeug und Bass pochen weiter, die Gitarre setzt flüchtige Momente. Leithauser erklimmt seinen Höhepunkt und konstatiert: „Oh I know I’d never leave you / No matter how hard I try / You know I’d never leave you / And that’s just how it is“ – Und mit diesen Worten entlädt sich alle Energie mit einem lauten Knall. Maroon an der Gitarre taumelt sich in einen Rausch und Barrick am Schlagzeug lässt passend dazu Blitze am Himmel erscheinen. Just in diesem Augenblick wird klar, dass The Walkmen trotz ihrer Reife ihren Wurzeln treu geblieben sind: Die finale Eruption lässt die Wellen tanzen, die Welt untergehen – The Walkmen sind immer noch wütend, doch nun ist dieser Groll gegen innen gerichtet. Einsamkeit ist schmerzhaft, muss aber ausgehalten werden, wie Leithauser erkennt. Zum Schluss pfeifen die New Yorker in Zuversicht gegen ihren Trübsal , bis der Himmel sich lichtet. In drei Minuten und 12 Sekunden haben uns The Walkmen mit ihren schwermütigen Herzen gefesselt, um uns dann mit einem letzten Paukenschlag wieder in die einsame Welt zu entlassen – eine Wucht.

http://www.youtube.com/watch?v=1NkBFwGvh2I

Interpret: The Walkmen
Song: On The Water

Album: You & Me
Stil: Indie Rock
Erscheinungsjahr: 2008

Label: Gigantic (US), Fierce Panda (UK)
Produzent: The Walkmen, Chris Zane

Besetzung: Sänger: Hamilton Leithauser / Gitarre:: Paul Maroon / Synthesizer: Walter Martn / Bass: Peter Bauer / Schlagzeug: Matt Barrick

Snoop Lion – Reincarnated

Snoop Lion – Reincarnated

Der Hund „Snoop Dogg“ ist gestorben und wurde als Löwe „Snoop Lion“ wiedergeboren, vom Strassenköter zum König der Tiere könnte man meinen. Doch kann man einen Löwen mit einem Köter vergleichen? Und wie viel  Hund steckt denn noch im Löwen?

Soviel zu den Tieren, nun zur Musik: Das Album wurde oft kritisiert, es wolle ein Reggae-Album sein, was es aber nicht halten könne. Dabei war es für viele Fans und Kritiker schwer zu verstehen, warum ein Rapprolet plötzlich in der Lage ist über Liebe und Frieden zu singen. Dabei hat sich auf textueller Ebene  gar nicht so viel getan: Maryjane, Gin n’ Juice und Sex sind immer noch zentral, was wegfiel ist die Verherrlichung von Waffen und Gewalt, was dazu kam ist die Liebe. Die Themen haben sich nicht verschoben, sie wurden lediglich neu konnotiert: Snoop ist jetzt einfach gegen Waffen, für Sex mit Liebe und er prahlt nicht mehr mit seiner unglaublichen Fähigkeit Beutel voller Grünzeug in Rekordzeit zu vernichten, sondern preist – ganz dem Klischee entsprechend – den spirituellen Gewinn der Wunderpflanzen an. Es hat also auf textlicher Ebene durchaus eine Art Reinkarnation stattgefunden oder zumindest eine Transformation auf die eher positiven und sonnigen Seiten des Lebens. Eben diese Aspekte möchte ich von einem Reggaealbum aufgetischt bekommen und genau dies bekommst du ebenfalls auf der musikalischen Ebene des Albums. Von langsamen Tracks wie “Tired of Running“, „So long“ oder „La la la“ bis zu Tracks mit pumpendem Beat wie „Torn appart“ oder „Get away“ bietet das Album eine grosse Bandbreite. Auf Diskussionen über die Reinrassigkeit des wiedergeborenen Reggaelöwen möchte ich an dieser Stelle gar nicht eingehen, denn Snoop’s Stimme verbreitet unabhängig der Tierart gute Laune. Er weiss ganz genau wie man Tracks schreibt (oder wer dazu im Stande ist dies für ihn zu tun), die eine breite Masse ansprechen können und sich schon lange nicht mehr ausschliesslich an HipHop orientieren. An dieser Stelle sollten  „Black n’ Yellow“, „Drop it like it’s hot“ oder „Young wild and Free“ als Beispiele ausreichen. Viel wichtiger noch: er tut sich stets mit den richtigen Künstlern zusammen um den grösstmöglichen Erfolg einzufahren, doch stets mit einem sehr guten Händchen für ein letztes Fünkchen Authentizität, welches ihm erlaubt, aus der Masse herauszustechen. So hört sich dieses Album sehr flüssig an und transportiert genau dieses Sommerfeeling, das man in diesen Tagen so schmerzlich zu vermissen beginnt. Da stört es auch nicht weiter, dass die zur Zeit etwas nervende Miley Cyrus ein Featuring hat, man nimmt sie kaum wahr.

Das erste Lied der Platte möchte ich dir ans Herz legen, vor allem wenn du irgendetwas vor dir her schiebst, denn es beginnt mit den fast schon hymnische anmutenden Zeilen: „You can’t run away, you gotta face this…time is moovin’ fast!“ Nimm diesen Schwung mit und pack es an, denn spätestens ab Track acht wirst du explizit ermutigt, Substanzen  aufzunehmen, die eben diesen Schwung unter Umständen etwas dämpfen könnten.

1. Rebel Way 4:44

2. Here Comes the King (feat. Angela Hunte) 3:24

3. Lighters Up (feat Mavado & Popcaan) 3:46

4. So Long (feat. Angela Hunte) 3:40

5. Get Away (feat. Angela Hunte & Elan Atias) 3:27

6. No Guns Allowed (feat. Cori B & Drake) 3:31

7. Fruit Juice (feat. MrVegas) 2:37

8. Smoke the Weed (feat. Collie Buddz) 3:28

9. Tired of Running (feat. Akon) 4:10

10. The Good Good (feat. Iza Lach) 3:54

11. Torn Apart (feat. Rita Ora) 3:30

12. Ashtrays an Heartbreaks (feat Miley Cyrus) 4:06

13. Boulevard (feat. Jahdan Blakkamoore) 3:12

14. Remedy (Busta Rhymes & Chris Brown) 3:00

15. La La La 3:27

16. Harder Times (feat. Jahdan Blakkamoore) 3:32

 

Erschienen: 23. April 2013

Genre : Reggae, dancehall, reggae fusion

Label: Berhane Sound System, Mad Decent, Vice, RCA

Produzenten: Diplo, Major Lazer, 6Blocc, Ariel Rechtshaid, Dre Skull, John Hill,  Jus Bus, Kyle Townsend, Supa Dups, Terrace Martin, Zach Condon, Zion I Kings.

Diamond Life – Sade Adu

Diamond Life Album Cover http://www.coveralia.com

Diamond Life Album Cover
http://www.coveralia.com

Album : Diamond Life

Artist: Sade Adu & Band

Record Label: Epic records

Produzent: Robin Millar

Recorded: Power Plant Studios (London)

Released: july 1984

Chart peaks: 2 (UK), 5 (US), 1 (Germany, Austria, Switzerland)
Personnel: Sade Adu (v); Stuart Matthewman (gitar, sax); Paul S. Denman (b); Andrew Hale (Keyboard); Paul Cooke& Dave Early (drums); Terry Bailey (trumpet); Martin Ditcham, Dave Early (percussion)
Track listing:1.Smooth Operator, 2. Your Love Is King, 3. Hang on to Your Love, 4. Frankie’s First Affair, 5. When Am I Going to Make a Living, 6. Cherry Pie, 7. Sally, 8. I Will Be Your Friend, 9. Why Can’t We Live Together

Diamanten sind vielleicht Geschmackssache; aber sie sind auch unglaublich kostbar, unvergänglich, aus elementarstem Stoff. Das Album Diamond Life (1984) der nigerianisch-englischen Sängerin Sade Adu und ihrer Musiker zeigt sich mit einem weichen, unverkennbaren Schliff, der charaktervollen, sinnlichen Stimme als prägende Handschrift der Künstlerin.
Diamond Life kommt pur und ungekünstelt daher. Eigentlich erstaunlich anders als was die Musikwelt der frühen 80er sonst so hervorbrachte.
Sades gehaltvolle Stimme kommt auf diesem Album in aller Dichte, berauschend wie die Ära der 80er selbst, vollends zur Geltung: Sie tanzt und verführt beinahe (Smooth Operator), groovt in Souljazz-Manier (Your Love is King), leidet mit versierter Ballade-Stimme (Sally).
Auch die Arrangements der Band sind unfehlbar. Es empfiehlt sich, sorgfältig zuzuhören, hinter Sades einmaliger Stimme verbirgt sich viel. Sade &Co. beweisen mit diesem Album, wie sie scheinbar unbemerkt verführen können.
Dem Song  „Smooth Operater“ unterlegt die Perkussion einen aufweckenden Beat-Teppich, Sades fast schon verführerische, aber stilvoll schmeichelnde Stimme spielt zwischen Singen und Sprechen. Dezent, aber präsent stimuliert das Saxophon den Dialog. Auf soulige Tuchfühlung gehen Ohr und Gemüt mit „Your Love Is King“. Funkige Akzente, das vergleichsweise etwas höhere Tempo, der prägnantere aber nie die Stimme vergrabende Beat von „Hang On To Your Love“ lädt leicht zum Mitwippen ein.
Es war ein guter Schachzug der Band, auf Synthesizer und E-Drums zu verzichten. So ist und bleibt Diamond Life ein Klassiker. Ein Diamant eben.

Jimi Hendrix: Electric Ladyland (1968)

Cover EL  Bild: 1001albums.ericdumas.com (abgerufen: 22.10.2013)

Cover EL [1]

EL ist zweifellos eines der bedeutendsten und einflussreichsten Alben in der Geschichte des Gitarrenrocks. Hendrix‘ letztes Studioalbum zu Lebzeiten überzeugt vor allem mit grosser stilistischer Vielseitigkeit, einer ausgiebigen Instrumentierung und dem virtuosen Gitarrenspiel des Autodidakten.
Als „Einstieg“ – besonders für Hörer, die mit dem Werk von Hendrix noch nicht vertraut sind – eignet sich Track 15: All Along the Watchtower. Es handelt sich um eine Coverversion eines Dylan-Klassikers. Das Stück bietet einen etwas mehr mainstream-orientierten Gesamteindruck als die zumeist eher psychedelisch- oder bluesrockartigen restlichen. Hendrix setzt Dylans Song aber so gekonnt in Szene, verziert ihn mit virtuosen Soli und verleiht ihm eine völlig neue Grösse, sodass Dylan selbst diese Version als beste Interpretation seines Stückes überhaupt beschreibt.
Ganz anders, nämlich in typischer Hendrix-Manier präsentiert sich Track 4: Voodoo Chile. Mit diesem über 15 minütigen Epos zeichnet Hendrix die Geschichte des Blues nach. Der Anfang klingt wie ein Delta Blues dann folgen Einflüsse des elektrischen Blues von Muddy Waters und John Lee Hooker, der B.B. King Stil und schliesslich Elemente der Jazz Legende John Coltrane. Durch die teils psychedelischen, teils mythischen Lyrics wird diese Erfahrung noch verstärkt, so beginnt das Stück mit: „Well the night I was born – lord I swear the moon turned a fire red“ …
Ein weiteres Highlight ist Track 11: 1983… (A Merman I Should Turn to Be). Er besticht nicht nur dank technisch innovativer Produktionsdetails – so wurden Bandschlaufen geloopt und verfremdet um eine Geräuschkulisse zu erstellen – sondern auch durch psychedelische Lyrics. Diese beschreiben eine Vision, in welcher er sich für ein Leben unter Wasser entschliesst, obwohl dies für unmöglich und gegen Gottes Wille gehalten wird.
Track 3: Crossstown Traffic hingegen präsentiert sich als fast schon poppiger und durchaus tanzbarer Song mit rhythmischen Gitarrenriffs und charakteristischen Hintergrundgesängen.
In wunderbar vielseitiger Weise finden sich auf Electric Ladyland sämtliche hendrixtypischen Stilelemente. Sei dies sein gekonntes Spiel mit Rückkopplungen, sein virtuos eingesetztes Wah-Wah Pedal oder der typische verzerrte Gitarrensound. Auch diverse technische Spielereien, welche damals mühsam manuell realisiert werden mussten, prägen den einzigartigen Sound dieses Albums.
EL ist das Meisterwerk von Jimi Hendrix und der Höhepunkt seines Studioschaffens. Noch heute dient es zahllosen Gitarristen als Lehrstück und Musikfans aller Couleur als Referenzwerk in der Sammlung.
(MR)

 

[1] Bildquelle: 1001albums.ericdumas.com (Abgerufen 22.10.2013)

Jamie Cullum: Momentum (Island, 2013).

Momentum (Album Cover)

Momentum (Album Cover)

„Momentum“ ist das sechste Studioalbum von Jamie Cullum. Der englische Jazz-Pop Singer-Songwriter beschreibt das Album folgendermassen: „The album is all about that crossover period from youth into adulthood where you still have one foot in each.“[1]

Inwiefern äussert sich dieser Übergang ins Erwachsenenleben konkret? Bereits in der Vorgehensweise der Komposition des neuen Albums gibt es Unterschiede. Cullum wechselt label und verwendet erstmalig DIY home demos sowie I-Phone Apps. Eine Brücke zu seinen älteren Alben schlägt der erste Song „The Same Things“. Die energetische Rhythmusgruppe gibt diesem Song den „drive“, welcher sich als ein typisches Stilelement des ganzen Albums entpuppt. „When I Get Famous“ ist in einem parodistischen autobiographischen Zusammenhang zu betrachten. Der Song beginnt mit einer dramatischen, fast fanfarenartigen Intro aus Brassband, begleitenden Vocals und dem Leadgesang und gibt einen retrospektiven Blick auf die Zeit vor dem Ruhm des Künstlers. „Edge Of Something“ handelt davon nicht vor den wichtigen Dingen des Lebens wegzulaufen, enthält aber trotzdem den Abenteuergeist und die Lebhaftigkeit der Jugend. Somit stellt dieser Song den Übergang ins Erwachsenenleben exemplarisch dar.

„Momentum“ könnte mit der „Eigendynamik“, die das ganze Album umrahmt, übersetzt werden. Es ist voll von schlagkräftigen Songs. Hör Dir „Momentum“ ganz aktiv an, trau Dich von der Dynamik mitziehen zu lassen und versuch Dich so frei wie der Interpret selbst zu fühlen. (ys)

[1] Jamie Cullum: http://www.jamiecullum.com/biography (Abgerufen: 22.10.2013)

Tyler Ward: „Hello. Love. Heartbreak.“ (2012)

 

„Hello. Love. Heartbreak.“ ist das erste vollumfänglich selbständig geschriebene und produzierte EP-Album des Amerikanischen 24-jährigen Independent Singer, Songwriter und Produzenten Tyler Ward.

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Es erreichte innert 12 Stunden nach der Veröffentlichung Platz 1 der iTunes U.S. Singer/Songwriter Charts und etwas später sogar Platz 1 auf 15 weiteren internationalen Charts derselben Kategorie. Tyler Ward, der sonst nicht als Chartstürmer bekannt ist, hat sich auf YouTube einen Namen als New-Media-Phänomen gemacht. Seine Covers und eigenen Songs wurden weltweit von über 303 Millionen YouTube Usern angeklickt und er hat mittlerweile 1.2 Millionen Abonnenten.

Die sechs Songs des Debut-Albums überzeugen mit den Tugenden des Singer-Songwriter-Genres: mit Direktheit und Einfachheit. „Raise Up“ knüpft am bewährten akustisch angelehnten Stil an, den er auch für seine Coverversionen anwendet. Mit viel Gitarren- und Schlagzeugsound im Refrain und viel Gefühl in Strophen, vermag Tyler selbst bei ernsteren Songtexten gute Laune zu transportieren. „Raise Up“ erinnert spontan an eine Mischung aus Kings of Lion und Maroon5. Für diesen Track nutzte der New-Media-Star gekonnt die Möglichkeiten der Technik und liess seine Fans zuhause ein paar „woohoos“ aufnehmen, die er später für die Platte zu einem Chor zu prominentem Schlagzeug abmischte. „Dashes“ und „The Way We Are“ sind Aushängeschilder wie seine Musik funktioniert und was Tyler als Künstler repräsentiert. „Maybe I’m walking to a place I don’t know / `Cause dreams in this town get cold / You’ll miss your chances if you’re marching in time / Even if I go alone, The least you can give me are dashes on the road“1 – man nehme diese paar Zeilen, mische sie mit akustisch angelehntem Orchestersound, mit Gitarren-, Klavier- und Geigeneinlagen, Schlagzeug sowie Backvocals und es ergibt sich einen Stil, den die Fans ehrlich und sympathisch nennen: „Bei Tyler bekommt man, was man sieht und hört: keine mit Autotune verstellte Stimme, kein fremdbestimmter Star.“2

Keeping Secrets“ ist stark gitarrenlastig, mit einem frechen Sound und Backvocals – ein Song, der einen Spritzer Rock auf die Platte bringt und der zudem zu Tylers Elvis-Tolle passt. „Fortget to Say No ist ein kraftvoller Popsong mit eingänglicher Melodie und energiegeladenen Gitarrenklängen. Bei „I Don’t Wanna Miss Anything“ war Tyler sich nicht sicher, welche der sechs aufgenommenen Versionen auf die Platte soll und liess kurzerhand die Fans per YouTube-Likes selber entscheiden. Geschafft hat es die Version mit meistem Garageband-Charakter mit akustischer Gitarre, Vocals und sanfter Perkussion. Zum Dank drehte er das Video im Sepia-Look zu „I Don’t Wanna Miss Anything“ auf seiner Europa-Tournee 2012 im verregneten Paris, das die verträumte Stimmung des Songs wunderbar einfängt.

Tyler Ward hat sich einen ganz eigenen Platz in der Musikindustrie erarbeitet und weiss, wie er die Neuen Medien einzusetzen hat, um Fans zu erreichen und sich neben den grossen Plattenfirmen zu behaupten. Der Begriff Independent Singer/Songwriter erhält eine neue Dimension, denn neben Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier spielen und singen und rappen gleichermassen, gehört zu seinem Job auch die vollumfängliche Selbstproduktion der Songs mit Musikvideodrehs und Selbstvermarktung. Sein Können hat er auf seinem ersten EP-Album unter Beweis gestellt und klar gemacht, er kann mehr, als nur covern. Unverkennbar ist seine Handschrift, die hauptsächlich durch das Zusammenspiel von Gitarre, Orchester, Gesang und Schlagzeug den Songs eine einzigartige Stimmung verleiht.

Künstler: Tyler Ward

Album: Hello. Love. Heartbreak. – EP

Tracks: 1. Raise Up (3:58), 2. The Way We Are (2:52), 3. Dashes (3:54), 4. Keeping Secrets (2:47), 5. Forget to Say No (3:02), 6. I Don’t Wanna Miss This (2:51)

Medium: Digitaler Download

Stil: Pop

Label: Tyler Ward Music

Spieldauer: 19:24

Erschienen: 25. September 2012

(el)


Literaturhinweise:

  1. aNewRisingDesign: Album Review. Hello, Love, Heartbreak. Tyler Ward. http://www.anewrisingmusic.net/2013/03/album-review-hello-love-heartbreak.html (Abgerufen: 26.10.13)
  2. Hemenway, Troy: Tyler Ward: Hello. Love. Heartbreak. – EP. http://completelymainstream.wordpress.com/2013/03/23/tyler-ward-hello-love-heartbreak-ep-review/ (Abgerufen: 26.10.13)
  3. Lanning, Carly: Tyler Ward. Musician & Producer. http://newmediarockstars.com/2013/02/tyler-ward-musician/ (Abgerufen: 26.10.13)
  4. TuneCore: Tyler Ward. I’ve learned that a great song is invaluable. http://blog.tunecore.com/2012/10/tyler-ward-ive-learned-that-a-great-song-is-invaluable.html (Abgerufen: 26.10.13)
  5. Wikipedia: Tyler Ward. http://en.wikipedia.org/wiki/Tyler_Ward (Abgerufen: 26.10.13)

Fussnoten:

U2 – Achtung Baby (1991)

U2 Achtung Baby

Interpret: U2

Besetzung: Paul Hewson (Gesang und Gitarre), Dave Evans (Gitarre, Keyboards & Gesang), Adam Clayton (Bass Gitarre), Larry Mullen (Schlagzeug)

Album: Achtung Baby

Label: Island Records

Produktion: Daniel Lanois, Brian Eno

Studios: Hansa Ton Studios Berlin, Dog Town Dublin, S.T.S. Dublin, Windmill Lane Studios Dublin

Veröffentlichung: 18. November 1991

Songliste:

1. Zoo Station
2. Even Better than the Real Thing
3. One
4. Until the End of the World
5. Who’s gonna ride your Wild Horses
6. So Cruel
7. The Fly
8. Mysterious Ways
9. Tryin‘ to throw your Arms around the World
10. Ultraviolet (Light my Way)
11. Acrobat
12. Love is Blindness

 

Ende der 1980er-Jahre steht die irische Band U2 an einem Scheideweg. Sie ist zu einem der grössten Rock-Acts der Welt herangewachsen und bekannt geworden für ihre einzigartigen Live-Performances. Mit The Joshua Tree (1987) hat sie einen Meilenstein in der Geschichte der Rockmusik geschaffen, doch ihr darauffolgendes Album Rattle and Hum aus dem Jahre 1989 musste viel böse Kritik einstecken. Die Band bereiste in dieser Zeit Amerika und es wurde ihr vorgeworfen, sie versuche, die Welt über die Wurzeln der amerikanischen Musik zu belehren. Schliesslich realisierte die Band ihr fehlerhaftes Vorgehen selbst und gab öffentlich bekannt, sich eine kleine Auszeit zu nehmen, um ihren Traum neu aufzuwickeln. Sie reist nach Berlin, um sich von neuartigen, europäischen Musikstilen beeinflussen zu lassen.
Im Jahre 1991 veröffentlichen U2 Achtung Baby und bringen damit die ganze Welt zum Staunen. Viele Fans meinen, ihr Plattenspieler sei defekt, als der Eröffnungstitel Zoo Station aus ihren Boxen dröhnt. Wuchtig, industriell und elektronisch hört sich der Sound an. Ungewohnt, aber keinesfalls schlecht und die unverkennbaren schnellen, hohen Gitarrensounds von The Edge sind weiterhin vorhanden. The Fly wirkt genau so heavy und industriell und die Songs Even Better than the Real Thing und Mysterious Ways bringen zusätzliche Dance- und Funk-Elemente mit ein. Mit Until the End oft the World und Ultraviolet schaffen U2 weitere ihrer typischen schnellen Stadionhymnen, jedoch ebenfalls beeinflusst vom neuen Stil. Mit One gelingt der Band eine einzigartig starke und emotional geladene Ballade über menschliche Beziehungen. Es ist ein Song, der für die Rücksichtnahme und das Mitgefühl gegenüber den Mitmenschen steht, sei es auf die ganze Welt oder ein Liebespaar oder eine Band bezogen. Weitere Themenschwerpunkte des Albums sind Veränderungen, Liebe und Lebenseinstellungen.
Bereits im Titel des Albums kündigt U2 ihre Verwandlung an. Mit dem Ausdruck „Achtung Baby“ soll aufmerksam gemacht werden auf etwas Neues, etwas zuvor noch nie da Gewesenes. Achtung Baby hört sich bis heute frisch und einzigartig an und ist ein zeitloses musikalisches Meisterwerk. Inspiriert vom kulturellen und politischen Wandel, welcher sich in Berlin vollzieht, erfinden sich U2 neu, wie es bis anhin nur wenigen Künstlern gelungen ist.

 

 

Ben Howard: The Burgh Island EP (Universal-Island, 2012).

 

Konzert im X-tra in Zürich vom 9. Dezember 2012. Bild: Jeannine Alice Schmid

Ben Howard am Konzert im X-tra in Zürich vom 9. Dezember 2012. Bild: Jeannine Alice Schmid

EP Cover: Ben Howard - The Burgh Island

EP Cover: Ben Howard – The Burgh Island

Wer ist Ben Howard? Vor fünf Jahren konnten wohl nur Wenige diese Frage beantworten. Die Bekanntheit des britischen Singer-Songwriters beschränkte sich damals auf die britischen Counties Cornwall und Devon, wo Ben Howard im Rahmen zwar kleiner, aber bis auf den letzten Platz ausverkauften Konzerte für Furore sorgte. Von dort aus schwappte seine Bekanntheit allmählich auf das ganze Vereinigte Königreich über. So wurde auch das Plattenlabel Island Records auf den Künstler aufmerksam, bei dem Ben Howard einen Vertrag unterzeichnete. Darauf legte er sein Journalismus Studium auf Eis und katapultierte sich mit Schwung in die Welt der Musik hinaus. Diesen Sommer spielte Ben Howard unter anderem zusammen mit „Mumford and Sons“und „The Vaccines auf dem Phoenix Park Festival in Dublin. Konzerte in den USA, Kanada und Australien waren innerhalb von 30 Minuten ausverkauft.1 Heute, fünf Jahre später, können wohl schon einige mehr eine zufriedenstellende Antwort auf die Frage, wer Ben Howard sei, geben. Doch trotz des Erfolges, den die beiden von Ben Howard gewonnenen BRIT Awards für British Breakthrough Act und British Solo Male Artist bezeugen, ist der Künstler ein Geheimtipp geblieben.2

Ben Howards Debütalbum „Every Kingdom“, veröffentlicht im Jahr 2011, ist eine Komposition von Klängen der verschiedensten Instrumente, die – geleitet von seiner Stimme und Gitarre – auf unterschiedlichen Ebenen eigenständig funktionieren, aneinander vorbeistreifen, sich kreuzen und schliesslich als Ganzheit in einem Feuerwerk explodieren. Die Texte seiner Lieder sind philosophisch und gesellschaftskritisch („Everything“), es sind Oden an die Trauer oder die Liebe („Gracious“ respektive „Only Love“). Gemeinsam haben alle seine Songs, dass sie sich demjenigen, der gewillt ist aufmerksam zu Lauschen, ins Gedächtnis und ins Herz brennen und dort für immer bleiben.

Während auf dem Album „Every Kingdom“ teils auch herzhaft-fröhliche Lieder wie „The Wolves“ ihren Platz finden, ist die im Jahr 2012 veröffentlichte EP „The Burgh Island“ bedeutend melancholischer und dunkler, was daran liegen mag, dass Ben Howard seine Songs mit einer elektrischen Gitarre zum Leben erweckt. Für „Every Kingdom“ nahm Ben Howard noch meist die traditionelle akustische Gitarre in die Hand. Die vier Lieder auf dieser Platte besitzen eine Intensität, die bis in die Seele eindringt. Sie nehmen einen mit auf eine Reise mit den unterschiedlichsten Zielen: „To be Alone“ führt einen in die Tiefen der Einsamkeit, „Oats in the Water“ in unbekannte Gewässer, „Burgh Island“ nach Hause und „Esmerelda“ zu verlorener Liebe. Die Songs auf dem EP „The Burgh Island“ fesseln das Ohr genauso, wie der Videoclip zu „Esmerelda das Auge. Kurios, beeindruckend und voller Wucht preschen die (Schall-)Wellen auf den Körper und die Klippen ein. Ein rückwärts-laufendes graphisches Meisterwerk, das Ben Howard’s Musik widerspiegelt und ins Maximum verstärkt. Diese Intensität mag von einigen nur mit Mühe zu ertragen oder zu verstehen sein. So können die oft kritischen, traurigen und düsteren Texte und Klänge als depressiv empfunden werden. Vielleicht ist dies mit ein Grund, weshalb Ben Howard noch immer eine Art von Insidertipp ist. Doch auf die Kritik, er mache depressive Musik, meinte Ben Howard an seinem Konzert in Zürich am 9. Dezember 2012 nur mit einem Lächeln: „You know, in my eyes depressing music can sometimes be quite uplifting.“

Weiteres Lesen: www.benhowardmusic.co.ukwww.facebook.com/benhowardmusic

Weiteres Hören: „Every Kingdom“ (2011)

Quellen:

  1. http://www.benhowardmusic.co.uk/news/ <21.10.13> 
  2. http://en.wikipedia.org/wiki/Ben_Howard <21.10.13>

Billie Holiday: Lady Sings The Blues (Clef, 1956).

Billie Holiday, 1947 Foto: William Gottlieb

Billie Holiday, 1947
Foto: William Gottlieb

Billie Holiday, die als eine der Begründerinnen des modernen Jazz-Gesangs bezeichnet wird, zeigte mit dem Album Lady Sings The Blues einmal mehr, warum ihr diese zentrale Rolle in der Geschichte des Jazz zukommt.

Nach dem Auftakt des durch sie eigens komponierten Songs Lady Sings The Blues führt die Stimmung langsam zum essentiellen und unausweichlichen Moment des Albums zu „Strange Fruit“:

Der Song prangert im Kern die Missstände der Rassendiskrimierung an. Die Aussage des Textes ist jedoch nicht unbedingt von Beginn an transparent. Es geht um Früchte, Bäume, Pappeln, Landschaftsbilder,… Durch Billie Holiday werden diese Zeilen aber mit so viel Emotion und Hingabe regelrecht durchdrungen, dass es trotz möglichem Unwissen darüber, wovon dieses Lied tatsächlich handelt, die Hörer tief erschüttert. Besonders eindringlich wirkt das der Song, weil das Bild vom ländlichen, traditionellen Süden aufgegriffen wird und diese Idylle mit der harten Realität der Lynchjustiz konfrontiert wird. Seit seiner ersten Aufführung 1939 wurde es aufgrund seiner Thematik als Anti-Rassismus Hymne weltweit bekannt. Dieser Song sticht in diesem Album und wohl im ganzen Repertoire Holidays deutlich und auch beabsichtigt prägnant heraus, da sie selbst  sehr unter dieser Ungerechtigkeit gelitten hat.

Ein weiterer Höhepunkt des Albums ist das ebenfalls durch sie und Arthur Herzog Jr. komponierte God Bless The Child, bei dem ihr persönlicher Einfluss deutlich spürbar ist. Sie fühlt sich in diesem Lied eindeutig zuhause. Die weiteren Songs auf dem Album sind grösstenteils Standards, die in deutlicher Holiday-Manier interpretiert werden.

Sie hat ihr eigenes Tempo, lässt sich in ihr starkes Laid-Back nicht nehmen. Sie kann sich das leisten, da ihre grossartigen Musiker scheinbar unbeirrbar für den nötigen Groove und den Rhythmus sorgen, was dem Album den unentbehrliche Vorankommen verleiht.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Über Holidays Stimme auch nicht. Sie ist nicht eine der Soulröhren wie man sie zeitgleich beispielsweise bei Ella Fitzgerald bewundern konnte. Mag sein, dass ihr ausgesprochen nasaler Klang und ihr begrenzter Stimmumfang nach einigem Zuhören unerträglich scheint… Dann einfach CD wechseln und sich das nächste Mal wieder von diesem endlos expressiven Ausdruck und der emotionalen Mächtigkeit dieser Legende mitreissen lassen. (jo)