Connan Mockasins Zuckerstück: Caramel

Man nehme ein wenig Soul, ein wenig R’n’B, eine Stimmlage, die teils beinahe die Grenze des Hörbaren überschreitet, eine grosse Portion Gefühl, etwas zuckersüsse Melodie, eine breit gefächerte Ton- und Geräuschkulisse, einen den Moment lebenden Virtuosen und gebe alles in einen Synthesizer. Dann erhitze man das Gemengsel unter ständigem, unkonventionellen Rühren bis es nach 39 Minuten und 38 Sekunden die ersehnte Konsistenz eines Albums hat: Fertig ist Caramel!

Doch während Connan Mockasins zweites Album, das im Jahr 2013 beim Label Phantasy Sound1 erschien, zwar weniger eine süsse Versuchung für deinen Magen ist, ist es dafür um so mehr Balsam für deine Ohren, katapultiert deinen Geist in die Schwerelosigkeit und schickt deine Gedanken auf Wanderschaft.

Caramel – diesen Titel bestimmte Connan Tant Hosford für sein Werk schon bevor er auch nur einen einzigen Ton aufgenommen hatte und das aus ganz einfachem Grund: Er mag das Wort! Der neuseeländische Musiker lebt nach der Philosophie „Die erste Idee ist die Beste!“ und sein Album Caramel ist die Manifestation dieser Lebenseinstellung.2 Von Delphinlauten und Ozeanblubbern in „Nothing lasts forever“, herzerwärmenden Tonabfolgen in „Caramel“, verstörendem Voyerismus und funkigem Sound in „I’m the man, that will find you“, einer fünf Titel langen Komposition von Outer-Space-Erfahrung, Autocrash und Herzschmerz in „I’ts your Body“(1–5) bis hin zu Connans letzten Worten des Albums im Titel „I wanna roll with you“: Und um Connans letzte Worte gleich aufzunehmen: „Thank you very much!“! Das Album bildet in seiner Rohfassung ein unglaublich geniales Ganzes, das mit seiner Einzigartigkeit Bekanntes unbekannt werden zu lassen vermag.

Songbeispiel: I’m the man that will find you

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Action Bronson: Blue Chips 2 (2013)

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Eine ruhige, langweilige Autofahrt, im Radio läuft irgend ein Lied, nichts Besonderes. – Doch dann beginnt jemand auf dem Rücksitz zum Lied aus dem Radio zu rappen. Es ist vorbei mit der Ruhe, der Langeweile weicht Gelächter und der Unterhaltungswert der Fahrt steigt.
Action Bronson müsste dieser Jemand sein, der mit einer Leichtigkeit über die von Youtube stammenden Samples rappt.1 Party Supplies, der das Album produziert hat, macht sich nicht die Mühe, die Herkunft seiner Samples zu vertuschen. Eher umgekehrt. So rapt Bronson im Lied Silverado leicht erkennbar über den geloopten Anfang von Elton Johns „Island Girl“, in „Pepe Lopez“ über den Partyhit „Tequilla“ von the Champs,  und  in „Through the eyes of a G“ über den geloopten Beginn von Quincy Jones „Summer in the city“.2 Neben der leichten Erkennbarkeit der Samples, sind es aber vor allem die Reime, die den grossen Unterhaltungswert des Mixtapes ausmachen. Auch wenn die sonst so üblichen Foodporn Referenzen spärlicher ausfallen, so rapt er immer vor allem über das Highwerden, Nutten charmieren und Geld schmuggeln3 Aber nicht nur; die eingestreuten Metaphern, zur rapüblichen Selbststilisierung, sind oft von einer seltenen Absurdität und seine Punchlines kommen oft ohne dramaturgische Klimax aus dem Nichts. Zum Glück kommt dabei auch die Selbstironie nicht zu kurz, wenn er rappt, „why the fu** would i have a bodyguard, when I look like the muthafu**ing bodyguard“.

Action Bronson, der Sohn eines albanischen Immigranten und einer New Yorker Jüdin, dessen Stil oft mit dem von Ghostface Killer verglichen wurde, emanzipiert sich zusehends von diesem Vergleich und manifestiert mit diesem Mixtape seine Eigensinnigkeit. Es ist sein achtes Projekt in den letzten drei Jahren und bei so einem Output muss man mitunter zügig arbeiten. Dies hört man Blue Chips auch an, es ist kein konzeptionell durchdachtes Album. Frei vom Anspruch ein Meisterwerk liefern zu müssen, ist es vielmehr ein Mixtape, dass mit einer eigenwilligen Leichtigkeit daherkommt und mit einer Prise Absurdität bestens unterhält. (Stg)

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Wooden Shjips: Back to Land (ma)

Wooden Shjips

Wooden Shjips

Wooden Shjips ist eine Band aus San Francisco, den USA, die zu den populärsten neuen Bands des Psychedelic Rocks zählt. Die Amerikaner haben ihr letztes Album Back to land im Oktober 2013 veröffentlicht. Es ist das erste Album, das ausserhalb von San Francisco entstanden ist. Der Umzug der Band nach Portland scheint seine Spuren hinterlassen zu haben. Das Sound-Reportoire der Band hat sich verändert.1

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Das Album: Back to Land

Das Musikalbum überrascht mit acht Songs, die auf der Grundlage von vorwärtstreibenden Schlagzeugsounds aufgebaut sind, sowie mit „verzerrten Fuzz-Gitarren mit langsamem Flanger-Effekt, repititiven Orgel-Linien und Gitarrensoli, die als kurze Einsprengsel wie Erinnerungsfetzen aufblitzen.“2 Back to Land wird von vielen Musikkritikern als perfekter Kompromiss zwischen Drone-Kunst und Hippie-Melodien bezeichnet. Zum ersten Mal trauen sich die vier Amerikaner aus ihrem düsteren Drogensound heraus und präsentieren einprägsamste Melodien.3 Obwohl Psychedelic- und Space Rock weiterhin das Grundgerüst der Songs bilden, erweitert die Gruppe auf dieser Platte ihr musikalisches Spektrum, indem sie sich teilweise an alternativen oder an klassischen Rock annähern.4 Im Vergleich zu früheren Platten wie z.B. West ist der Sound hier um einiges heller, klarer und harmonischer, wie bei dem Titeltracks des Albums Back to Land 5:

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[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=o5qddnGj3f0[/youtube]

Obwohl sich der Horizont des Quartetts musikalisch und geografisch deutlich erweitert hat, bleiben Wooden Shjips eine tolle Band, die interessante Musik für die zahlreichen Fans aktuelle psychedelischer Musik machen.[6]


Four Tet: „Beautiful Rewind“ (2013)

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„No pre order, no youtube trailers, no itunes stream, no spotify, no amazon deal, no charts, no bit coin deal, no last minute rick rubin“1 – mit diesen Worten kündigte Four Tet im July 2013 sein neues Album auf Twitter an.

Das im Oktober erschienene Werk erinnert an einen akustischen Van Gogh mit distinkter musikalischer Textur und psychedelisch luftigem Gefühl. Kieran Hebden und Van Gogh teilen beide die Faszination, verschiedene (Klang)Farben und Beschaffenheiten zu einer schlichten Komposition verschmelzen zu lassen. Mit einer schier grenzenlosen Kreativität mischt Kieran Samples aus verschiedensten Stilrichtungen wie Hip-Hop, Electronica, Techno, Grime, Jazz, Folk und Jungle zu inspirierter House-Musik. Mit selbst eingespielten Schlagzeugsampeln und einfachen Gitarrenharmonien wird diese Platte zu Hebdens ganz persönlicher, pasticheartigen Hommage an die House-Subkultur.

ft_text025lp_beautifulrewind_550pxDie etwas chaotische und urbane Eröffnung durch „Gong“, einer Kollaboration mit Burial, wird durch das mechanische Geklimper und die dampfige Stimmung von „Parallel Jalebi“ etwas beruhigt. „Kool FM“ spielt auf eine legendäre UK-Piraten-Radiostation während der Rave- und Jungle-Ära an und abstrahiert den abgehackten Rhythmus und den kernigen Sound der Masters of Ceremonies der Zeit.2 „Aerial“ präsentiert sich als tanzbare, kreative und psychedelische Mischung zu konstanten Rhythmen, wenn auch die gesprochenen Fetzen soweit verfremdet wurden, dass sie zu einer unfokussierten Geräuschkulisse werden. Im Gegensatz dazu steht „Unicorn“, ein schimmernder Pool aus verschiedenen Melodien, bei dem Hebden als Zauberer von OZ hypnotische Kräfte entfesselt und ein musikalisches Dampfbad erzeugt. Die einzelnen Elemente von „Beautiful Rewind“ sind zu einer Klang-Collage zusammengeschnipselt worden und vereinen sich als eine rastlose, romantische Erinnerung an vergängliche Augenblicke der neueren Popmusikgeschichte – als träumerischen Chillout-Moment für 2013 nur zu empfehlen.

Four Tet: Beautiful Rewind

Tracks: 1. Gong (3:14), 2. Parallel Jalebi (3:53), 3. Our Navigation (3:53), 4. Ba Teaches Yoga (3:19), 5. Kool FM (5:09), 6. Crush (2:25), 7.Buchla (4:11), 8. Aerial (5:56), 9. Ever Never (0:31), 10. Unicorn (3:30), 11. Your Body Feels (4:03)

Label: Text Records

Spieldauer: 40:04

Erschienen: 15. Oktober 2013

(el)


Literaturhinweise:

  1. Battaglia, Andy: http://www.rollingstone.com/music/albumreviews/beautiful-rewind-20131018 (Abgerufen: 15.06.2014).
  2. Gaerig, Andrew: Four Tet – Beautiful Rewind. http://pitchfork.com/reviews/albums/18649-four-tet-beautiful-rewind/ (Abgerufen: 15.06.2014).
  3. Kellman, Andy: Four Tet – Beautiful Rewind.   http://www.allmusic.com/album/beautiful-rewind-mw0002579685 (Abgerufen: 15.06.2014).

Fussnoten:

Review: Pearl Jam „Lightning Bolt“ 2013

Gut Ding hat Weile… nach diesem Motto hat die Grunge-Band Pearl Jam gemeinsam mit dem Produzenten Brendan O’Brien nach über drei Jahren Produktionszeit ihr jüngstes und zehntes Album „Lightning Bolt“ veröffentlicht. Wie ein Blitz ist das neue Werk jedoch nicht eingeschlagen und musste einige Kritik einstecken. In der Überbrückungszeit zwischen den Neuveröffentlichungen gab es Re-releases von alten Werken und Sammelalben, was die Fans freute, nicht jedoch die Musikkritiker.

Pearl Jam, Lightning Bolt, Cover

Lightning Bolt Cover ©Pearl Jam

 

Hier nun einige Gründe, warum es sich dennoch lohnt, das Album ganz durchzuhören:

1. Eddie Vedders Stimme: Nur wenige Männer haben eine solch voluminöse und tiefe Stimme, selbst die Schreie tragen Melodien in sich! Trotz Lautstärke kann der Sänger stimmlich an die Emotionalität seiner Soloprojekte anknüpfen.

2. Gitarrensoli: Saiten klirren, schwingen und singen, wie in alten Zeiten. Trotz einiger Pianoriffs und Synthesizerklänge dominiert die Gitarre: Sie unterstützt das Leiden, den Ärger oder das Glück in der Stimme und übernimmt diese Emotionen oft in einem Solopart, bei ‚Sirens’ sogar im Doppel: elektronisch und klassisch.

3. Abwechslungsreiche Lautstärke: Das Album wirkt von A bis Z durchdacht. Es ist eine ideale Kombination von laut und leise. Mal sind die Songs wild, mal ruhig, mal beides. Laute Drums und harte Griffe in die Saiten werden von samtiger Stimme und klassischer Gitarre abgelöst. Obwohl das Album teils stark an kalifornischen Poprock erinnert mit Sonne, Sommer und Spass, wird es durch depressiven Dauerregen und bombastische Gewitter mit Blitz und Donner aufgelockert.

 

http://www.youtube.com/watch?v=jWQYYavheUA

 

„Lightning Bolt“ kann gut über Kopfhörer, auf voller Lautstärke im Wohnzimmer oder live am Konzert gehört werden. Das Konzept wirkt frisch: kombiniert werden alte Grungeelemente mit kalifornischem Rock, philosophischen Texten und einer tragenden Bassstimme. Pearl Jam hat zwar nichts neu erfunden, dafür Altes auf eine angenehme und clevere Weise aufgefrischt und wieder zusammengefügt.

Pearl Jam „Lightning Bolt“ | Monkeywrench | 2013 | Dauer: 47:14

Die unbedingte Subjektivität der Throwing Muses

“We’re really looking forward to death. We work so hard to be allowed to die!”[1]

Das Jahr 2013 ist das Jahr eines neuen Album-Releases von den Throwing Muses, einer dreiköpfigen, US-amerikanischen Alternative-Band, die man, zumindest ein bisschen, tot geglaubt hatte. In den Achtzigern und Neunzigern machte die Band mit ihrem unkonventionellen Sound, einer Mischung aus Popmusik und Noise-Rock, von sich reden. Der große Erfolg blieb stets aus, aber die Musik der Throwing Muses war für einige Bands wegweisend. 10 Jahre sind seit ihrer letzten LP-Erscheinung vergangen und es wurde ziemlich ruhig um die Gruppe. Das soll sich mit dem neuen Album nun ändern!

„Purgatory/ Paradise“ erscheint in Form eines Buches und enthält, abgesehen von der Musik, künstlerische Darstellungen. Alle Songs auf der Platte sind von Frontfrau Kristin Hersh geschrieben worden[2]: unglaubliche 32 Lieder. Hershs Stimme zieht sich durch das gesamte Werk hindurch – manchmal schlurfend und träumerisch, dann wieder trotzig und anklagend, vor allem aber immer ein bisschen düster. So singt Kristin im Stück Slippershell „You can go to hell, maybe see me there“, und man nimmt ihr jedes einzelne Wort ab. Gegensätze, wie dies auch der Titel schon besagt (Fegefeuer/ Paradies), liegen in ihren Songs stets nahe beieinander. Der Gesang, wie auch die instrumentale Komposition und die Lyrik, sind schwierig zu fassen, aber die einzelnen Komponenten fügen sich doch immer wieder zu einem sinnvollen Ganzen zusammen. Das Album fungiert als gutes Beispiel dafür, dass Musik und Lyrik als Einheit angesehen werden will – und soll. Text und Duktus verschlingen sich in diesem Werk und die Stimme verknüpft Emotion mit der Semantik des Textes. Die Wirkung der Texte wäre nicht dieselbe, wenn diese nur als geschriebene Worte betrachtet werden würden, denn die Sprecherin verkörpert diese. Mit jedem Wort, das ihr über die Lippen gleitet ruft sie eine emotionale Gestimmtheit hervor.

[youtube]http://youtu.be/9FqjE5sWyQI[/youtube]

Man merkt, dass sich die Band auch 30 Jahre später noch immer keinem künstlerischen Zwang unterwerfen will. Das Werk verzeichnet zwar eine hohe künstlerische Eigenständigkeit, nur eben auf Kosten des massenkulturellen Gebrauchswertes.


[1] http://pitchfork.com/reviews/albums/18660-throwing-muses-purgatoryparadise/ (Abgerufen am 10.06.2014)

[2] http://en.wikipedia.org/wiki/Purgatory/Paradise (Abgerufen am 10.06.2014)

FOReverly – Norah Jones und Billie Joe Armstrong singen Everly Brothers Lieder

Was haben Billie Joe Armstrong, seines Zeichens Frontmann der Punk-Band Greenday und die Jazz Lady Norah Jones gemeinsam? Dieses ungewöhnliche Duo hat ein Cover-Album der Everly Brothers aufgenommen und zu aller Überraschung bilden die Schöne und das Biest ein gutes Gesangsduo.

Die Everly Brothers veröffentlichten 1958 ihr Album „Songs Our Daddy Taught Us“ und haben das damalige Folk Revival der frühen sechziger vorweggenommen. Eigentlich ein Album das aus Zufall entstanden ist: Die Everly Brothers waren dem Rock’n’Roll verschrieben und schuldeten ihrer Plattenfirma noch ein letztes Album. Sie beschlossen ein Album nur mit alten Country Songs, die ihr Vater Ike Everly ihnen beigebracht hatte, aufzunehmen. So singen die Everly Brothers für ihren Vater in „That Silver haired daddy of mine“: „ If I could recall the heartaches ,dear old daddy I’ve caused you to bear, if I could erase those lines from your face, and bring back the gold to your hair“. Norah Jones und Billie Joe singen die gleichen Zeilen und versuchen möglichst nahe am Original zu bleiben, nur die Songabfolge wurde geringfügig geändert. Auf „Foreverly“ ertönt ein Klavier und leises Schlagzeug, was den Songs aber doch ihre eigene Färbung verleiht, die beiden Stimmen harmonieren überraschenderweise ausgezeichnet.1

Ein Cover kann sich authentisch anhören; die Flaming Lips haben es mit dem Cover von „The Dark Side of the Moon“ von Pink Floyd vorgemacht: „Foreverly“ ist kein übliches Cover-Album. Es klingt echt, dank dem ungewöhnlichen Gesangsduo.


STroublemaker01 – Billie Joe Armstrong And Norah Jones – Silver Haired Daddy Of Mine, 14.11.2013, http://www.youtube.com/watch?v=mAlznVCacIg (Abgerufen am 20.03.2014).

Review: Katy Perry – PRISM (2013)

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„PRISM“, erschienen am 18. Oktober 2013, ist das vierte und neuste Album der US-amerikanischen Pop-Sängerin Katy Perry.1 Im Gegensatz zu ihrem vorhergehenden Album „Teenage Dream“ (erschienen 2010) wirkt „PRISM“ erwachsener und reifer, die zentralen Themen des Albums sind das Leben in der Gegenwart, Beziehungen und Selbstbestimmung.2 Dies zeigt sich unter anderem auch bereits schon am Cover, welches nicht mehr im quietschbunten Candy-Look daherkommt, sondern Katy Perry von einer natürlicheren Seite zeigt.

„Roar“ ist die erste Single, welche bereits im August vor dem Album veröffentlicht wurde.3 Die poppige Mid-Tempo Nummer ist wohl einer der eingängigsten Tracks auf „PRISM“. Einflüsse verschiedener Rock-Subgenres, wie beispielweise dem Folk Rock, Arena Rock oder Glam Rock, sind auszumachen.4 Im dazugehörigen Musikvideo sind deutliche Retro-Indizien erkennbar, startet es doch schon mit dem Indiana-Jones-Schriftzug und steht ganz im Zeichen eines klassischen Abenteuerfilms.

Neben klassischen Pop-Elementen ist auf „PRISM“ ein starker Einfluss des gegenwärtigen Electropops spürbar, speziell in den Stücken „Walking on Air“ und „This Is How We Do“. Shirley Halperlin beschrieb letzteres als einen „sunny 80s throwback“-Song.5 Dies liegt nicht zuletzt an dem schwedischen Songwriter Klas Åhlund, der auch für seine Zusammenarbeit mit Pop-Grössen wie Robyn oder Madonna bekannt ist. Åhlund wirkte als Co-Writer sowie Produzent an „PRISM“ mit.6Auch in weiteren Songs sind klare Electro-Elemente zu erkennen, wie unter anderem in der 2. Singleauskopplung und Pop-Rock-Ballade „Unconditionally“.

Der poppige respektive Electropop-Stil wirkt nicht eintönig. So bietet „Dark Horse“ (feat. Juicy J) einen Electro-Hip-Hop-Trap-Mix7und „Legendary Lovers“ vereint Einflüsse aus Country und orientalischer Musik8. „PRISM“ kommt mit seinen vielseitigen Bezügen als abwechslungsreiches und durchaus hörenswertes Electropop-Album daher. (bw)

The Avett Brothers – Magpie And The Dandelion

Gemütliche Lagerfeuer-Atmosphäre, eingängige Gespräche unter Freunden und fröhliches Beisammensein: Magpie and the Dandelion, das neue Album der Avett Brothers stahlt Intimität aus. Trotz sieben vorangegangenen Alben scheinen den Folk-Rock-Jungs die Ideen für tolle Songs noch lange nicht auszugehen.

Gerade mal ein gutes Jahr nach ihrem letzten Album The Carpenter veröffentlicht die Folk-Rock-Band The Avett Brothers ihr achtes Album Magpie and the Dandelion. Die Songs dazu entstanden schon während den Aufnahmen des vorangegangenen Albums. Die berechtigte Befürchtung, in diesem Werk könnten sich bloss die gesammelten Mängelexemplare der letzten Studio-Session wiederfinden wird aber glücklicherweise nicht bestätigt. Melancholische Cowboy-Akkorde und Harmoniegesang treffen auf fröhliche Tanzmusik und die Avett Brothers spielen sich direkt in unser Herz.

Das Album startet poppig und fröhlich mit „Open-Ended Life“. Mundharmonika, Banjo, Fiedel und Gitarre lassen es krachen und machen Lust auf mehr. Der Text handelt vom Streben nach verantwortungsfreier Heimatlosigkeit, der Freiheit, alle Zelte abzubrechen und zu reisen. Darauf folgen verschiedene Balladen, allesamt herzzerreissend und tiefgehend. Sie treffen den richtigen Nerv, geben das Gefühl, ein guter Freund teile seine Sorgen, Ängste und Erfahrungen mit. Dabei sticht „Morning Song“ mit seinem epischen Finale aus Chor, Streichern und Klavier hervor. Die dem Album vorausgegangene Single „Another Is Waiting“ unterbricht die Serie der Balladen. Der übermütige Song hat eine rockig eingängige und ausgelassene Melodie und mit dem Harmoniegesang geht die Post ab. „Bring Your Love To Me“ wirkt daneben vergleichsweise seicht und eher langweilig im Klang und wird seiner romantischen Botschaft nicht gerecht. Das wiederum ist bei „Good To You“ durch den gefühlvollen Harmoniegesang absolut gelungen. „Vanity“ überrascht dann wie „Another is Waiting“ im rockigen Kleid. So finden die Avett Brothers in diesem Album die richtige Balance zwischen Melancholie und Ausgelassenheit.

„Taken as a whole, it feels like a calmly loving missive from friends who offer wise counsel, but know well enough to interrogate their own motives along the way.“1

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Quellen

  1. Stephen Thompson: First Listen. The Avett Brothers, ‚Magpie And The Dandelion‘. www.npr.com. 08.10.2013. http://www.npr.org/2013/10/03/228941827/first-listen-the-avett-brothers-magpie-and-the-dandelion#playlist (Abgerufen: 10.01.2014)

Eminem: The Marshall Mathers LP 2

Cover des Albums

Cover des Albums „The Marshall Mathers LP 2″

Lange geplant und immer wieder verschoben wurde der Erscheinungstermin des neuen, mit Spannung erwarteten Albums des Rappers aus Detroit, an dem nicht weniger als 18 Produzenten beteiligt waren.1 Das Album trägt den selben Titel wie Eminems im Jahre 2000 erschienenes Album, soll jedoch gar kein Sequel desselben sein. Eminem hat diesen Titel nicht gewählt, um dieses Album zu einem Sequel zu machen, sondern aus Nostalgie. So erklärte er dem Rolling Stone: „To me, it’s more about the vibe, and it’s more about the nostalgia.“2

Der erste Track des Albums – „Bad Guy“ – stellt die Verbindung zu seinem früheren Hit „Stan“ her, die Atmosphäre ist aggressiv und geisterhaft, man spürt die Wut des Jungen, den Eminem in diesem Lied verkörpert. Der Chorus wird, wie auch auffällig in einigen der anderen Tracks wie „Survival“, „A**hole“ und „The Monster“, von einer Sängerin gesungen. Doch wer von Eminem nur frühere parodische, rebellische, aggressive kennt, findet auf diesem Album durchaus auch sanftere Töne. In „Stronger than I was“ wird der Rapper sentimentaler, besingt die Trauer die das Ende einer Beziehung bringen kann. Der Track geht unter die Haut, mit den fast schon gepressten Passagen, die Eminem gekonnt halb singt, halb rappt. Ebenfalls aus seinen früheren Mustern ausbrechend ist der Track „Headlights“, in welchem Eminem mit relativ ruhiger Stimme und der Begleitung von Nate Ruess (der Sänger von fun.) eine Versöhnungserklärung an seine Mutter, mit der er seit Jahren verstritten ist, richtet. Die Stimme von Nate Ruess gibt dem Track eine melancholische Note, die, zusammen mit Eminems Rap, eine Entschuldigung mit Nachdruck bildet.

Auf dem Album gibt es einige Tracks, in denen Eminem alte Songs samplet, wie z.B. in „Berzerk“, dem mit Rick Rubins produzierten Song, in welchem er Tracks von den Beastie Boys, Billy Squier und Naughty by Nature einflechtet. Insgesamt 8 Songs des Albums enthalten Samples aus anderen Tracks und in praktisch jedem arbeitet er mit anderen Sängern zusammen (u.a. mit Rihanna in „The Monster“).3

Auch wenn Eminem in seinem Album andere Töne anschlägt und uns Stoff zum Nachdenken gibt, zeigt er, dass der Junge aus Detroit reifer geworden ist, jedoch gibt es immer noch Spuren seines Alter-Egos Slim Shady und das ist auch gut so. Ein Kritikpunkt wäre jedoch, dass die Tracks (meist länger wie vier Minuten) zum Teil zu stark in die Länge gezogen werden. Alles in allem ist Eminem immer noch ein grossartiger Songwriter, kann einen mit seinen schnellen Raps (wie z.B. in „Rap God“) aus den Socken hauen und auch wenn einige behaupten mögen, er sei noch nicht in der heutigen Zeit angekommen, so ist dies vielleicht genau das, was er bezweckt und in seinem Song „Berzerk“ auch besingt: „Let’s take it back to straigt hip-hop and start it from scratch.“

(nana)

Lyrics von: http://rapgenius.com/albums/Eminem/The-marshall-mathers-lp-2 (Abgerufen Januar 2014)

http://juice.de/review-eminem-the-marshall-mathers-lp2/ (Abgerufen am 12. Januar 2014)

http://noisey.vice.com/de/read/die-marshall-mathers-lp-2-ist-das-album-auf-das-alle-eminem-stans-gewartet-haben (Abgerufen am 12. Januar 2014)

http://www.popmatters.com/review/176302-eminem-the-marshall-mathers-lp-2-take-two/ (Abgerufen am: 12. Januar 2014)

http://meinrap.de/2013/11/08/eminem-the-marshall-mathers-lp-2-review/ (Abgerufen am 12. Januar 2014)

http://pitchfork.com/reviews/albums/18733-eminem-the-marshall-mathers-lp-2/ (Abgerufen am 12. Januar 2014)

http://en.wikipedia.org/wiki/The_Marshall_Mathers_LP_2 (Abgerufen: Januar 2014)