Muse

Die britische Band „Muse“ hat ihre Ursprünge in den Neunzigern. Die Musiker, die eigentlich in verschiedenen Bands tätig waren, nahmen 1994 gemeinsam als „Rocket Baby Dolls“ an einem lokalen Bandwettbewerb teil – und gewannen. Fortan beschlossen sie ihre Band in „Muse“ umzubenennen, ihre Arbeitsplätze zu künden, auf ihre Universitäre Ausbildung zu verzichten und aus Teignmouth fortzuziehen. Alles um ihrer musikalischen Karriere Willen.[1]

Stilistisch betrachtet wird „Muse“ dem New Prog zugeordnet, einem Subgenre des Alternativerocks. Denn in ihren Songs verbinden sie Elemente aus dem Alternative, Hard- und Progressive Rock und Electronica.[2] Zu Beginn ihres Bestehens, Ende der 1990er, sind ihre Songs von der amerikanischen Rockmusik aus dem Anfang des Jahrzehnts beeinflusst. Das Ziel der Band war zu diesem Zeitpunkt eine Alternative zum Britpop zu bieten, welcher höchst populär war. Doch ihr Klang ähnelte „Radiohead“ zu sehr, so dass die englischen Plattenfirmen zögerten, die Band unter Vertrag zu nehmen. Während sie bei Mushroom, einer australischen Plattenfirma, unter Vertrag standen, erzielten sie mit dem Album „The Origin of Symmetry“ auch Erfolge in ihrem Heimatland. Dieser Erfolg ist insbesondere dem energetischen Song „Hyper Music“ zu verdanken,[3] einen Song mit äusserst negativ beladenem Text und einer starken Basslinie.[4]

Heute sind Muse vor allem für ihre aussergewöhnlichen Live-Auftritte bekannt.[5]

 

 

 

 

 


[1] Wikipedia (en) – Muse (Aufgerufen: 17.6.14)

[2] Wikipedia (de) – Muse (Aufgerufen: 17.6.14)

[3] AllMusic Muse-Biography (Aufgerufen: 17.6.2014)

[4] MuseWiki – HyperMusic (Aufgerufen: 17.6.14)

[5] Wikipedia (en) – Muse (Aufgerufen: 17.6.14)

The Strokes (USA, 1998) (ma)

The Strokes The Strokes aus New York wurden 1998 gegründet und gelten als die wichtigsten Vertreter des Garagerocks. The Strokes bestehen aus fünf Mitgliedern: Julian Casablancas (Gesang), Nick Valensi (Gitarre), Albert Hammond (Gitarre), Nikolai Fraiture (Bass) und Fabrizio Moretti (Schlagzeug). Ihren Stil haben sie durch New-Wave-Einflüsse weiterentwickelt und ihre Musik wird in Fankreisen als „Stroke Rock“ bezeichnet. Hauptsächlich stammen die Bandmitglieder aus wohlhabenden Verhältnissen und  befassten sich inhaltlich und stilistisch mit klassischen Rock’n’Roll-Themen.1

Im Jahr 2001 brachten The Strokes ihr Debüt-Album heraus. Als das Album unerwarteten Erfolg hatte, wurde die Band zu den Rettern des Rock’n’Roll aufgerufen.2 Zwei Jahre später nach einer Welt-Tournee veröffentlichen die New Yorker ihren Zweitling „Room on fire“ und in 2005 stand schon „First Impressions of Earth“ in den Musikläden. Nach dieser intensiven fünfjährigen Powerpräsenz der Band nahmen sich die Jungs eine Auszeit und widmeten sich ihrem Privatleben, sowie auch einigen Solo-Projekten. Und dann erschien im März 2011 das lang erwartete neue Album: „Angles“. Gleichzeitig bereitete die Band ihr nächstes Projekt vor: das aktuellste Studioalbum „Comedown Machine“, das Anfang 2013 präsentiert wurde.3  Obwohl die Strokes oft dafür kritisiert wurden, dass sie wenig experimentierfreudig seien, sind und bleiben die New Yorker eine Rockband, die für ihre Coolness (handgemachte Mucke, Lederjacken) und Geschichtskenntnis beliebt ist – und natürlich dafür, den Rock’n’Roll gerettet zu haben!4

Die bekanntesten Alben von The Strokes

Die bekanntesten Alben von The Strokes

Tracy Chapman: „Tracy Chapman“ (1988)

Dieses Bild einer Frau mit einer Gitarre hat etwas Zeitloses: es zeigt nicht nur eine Folk-Poetin, die die Welt mit ihrer Musik begeistert, sondern auch eine Frau, die die Kehrseite des American Dream beleuchtet – Tracy Chapman.

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„This album was made for the right reasons“1

1988 veröffentlichte sie ihr Debüt-Album und war wesentlich daran beteiligt, die Singer/Songwriter in den Achtzigern wieder ins Rampenlicht zu rücken. Nicht zuletzt wegen ihrem Auftritt an Nelson Mandelas siebzigstem Geburtstag erlangte sie kommerziellen Erfolg und mehrere internationale Platin-Auszeichnungen. Ihr Produzent, David Kershenbaum, sagte gegenüber dem „Rolling Stone“, dass „Tracy Chapman“ ein Album sei, das aus den richtigen Gründen geschrieben wurde, ein Album, das einen grossen Schritt in Richtung der Überwindung sozialer und kultureller Barrieren geleistet habe.

tracychapman-630-80Mit selbst komponierten und schlichten Folksong-Arrangements regen die Songs, nicht nur zum ausspannen und hinhören an, sondern auch zum nachdenken und philosophieren. Wie ein aufgeschlagenes Tagebuch der Achtziger singt Tracy Chapman über häusliche Gewalt, Rassismus, ungleiche gesellschaftliche Chancenverteilung, das Ringen um Anerkennung, Armut und Ausgrenzung, über unterschiedlichste Lasten des Alltags, aber auch über Verständnis und Zusammenhalt. Chapman verbindet ihre Lyrics, die bis heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben, mit der kraftvollen und zugleich samtenen Stimme und erzeugt eine intime Atmosphäre. Stilistisch bedient sich das Album des Neo-Folks, einer der vielen Retro-Stilen des Alternativerocks. Akustische Instrumentierung mit Gitarren, Trommeln, Flöten, aber auch Synthesizer-Klänge, sind charakteristisch für dieses Subgenre. Verdienterweise findet sich „Tracy Chapman“ nicht nur auf Platz 10 der 100 Besten Alben der 80er Jahre der „Rolling Stone“, sondern hat 1989 auch vier Grammys in den Kategorien ‚Best New Artist’, Best Female Pop Vocal Performance’ und ‚Best Contemporary Folk Recording’ gewonnen. Der Gegensatz von aktuellen, lebensnahen Themen und klassischer Singer-Songwriter Produktion ist, was dieses Album mit Ohrwurmcharakter ausmacht und zugleich die Traditionen mit einer ironiefreien Selbstverständlichkeit in die Gegenwart befördert. (el)

 


Literaturhinweise:

  1. Erlewine, Stephen Thomas: http://www.allmusic.com/album/tracy-chapman-mw0000199023 (Abgerufen: 15.06.2014).
  2. User, http://www.sputnikmusic.com/review/1380/Tracy-Chapman-Tracy-Chapman/ (Abgerufen: 15.06.2014)
  3. Wikipedia.com: http://en.wikipedia.org/wiki/Tracy_Chapman_(album) (Abgerufen: 15.06.2014).
  4. Wikipedia.com: http://en.wikipedia.org/wiki/Tracy_Chapman (Abgerufen: 15.06.2014).

Fussnoten:

Pogues: If I Should Fall from Grace with God

Shane MacGowan, Leadsänger der Pogues, soll bekanntlich schon in jeder einzelnen Kneipe in Irland ein Bier gekippt haben – so besagt es zumindest die Legende.

Das Album der Londoner Folk-Punk-Band The Pogues „If I Should Fall from Grace with God“ ist ihr drittes Studioalbum und die Pogues könnten damit durchaus bei Gott in Ungnade gefallen sein. Im Gegensatz zu den vorangegangen LPs („Red Roses for Me“/ „Rum, Sodomy & the Lash“) ist das Album zwar deutlich weniger punkig und weniger roh, deswegen aber nicht weniger krachlustig. Es ist ein Mix zwischen irischer Folkmusik, Pop und ein bisschen Punk. Das Album setzt sich aus insgesamt 12 Songs zusammen. Die einzelnen Lieder sind sehr verschieden: es ist nicht eine Platte aus einem Guss, sondern der Hörende wird stets mit Überraschungen konfrontiert. Die Songs sind mit Einflüssen aus anderen Kulturen angereichert: orientalische Einflüsse, Guggenmusik und sogar Marschmusik. Der Einsatz von verschiedensten Instrumenten und die ständigen Stimmungswechsel (ausgelassene Fröhlichkeit und bedrückende Traurigkeit liegen nahe beieinander) lassen eine faszinierende Vielfalt entstehen.

Der Einstieg macht der Song, welcher der Platte auch den Namen gab: „If I Should Fall from Grace with God“ – ein schnelles Lied mit unglaublichem Drive. Shane MacGowan singt mit seiner rohen Stimme über die Verzweiflung und über die totale Zerstörung. In diesem Lied lässt er auch mal richtig harte Töne einfließen. Der Song ist ein wahrer Einstiegs-Kracher. Er besitzt die unglaubliche Qualität, dass während dem Hören Fremde plötzlich zu Freunden fürs Leben werden.
[youtube]http://youtu.be/hp15C-CU5fY[/youtube]

Die darauffolgenden Lieder sind Sauflieder par excellence: „Turkish“ und „Bottle of Smoke“. „Bottle of Smoke“ ist ein Lied über die Sünden der Welt. Die Sprache ist grob, die Witze schmutzig. Spätestens bei diesen Klängen wippen die Beine, ob freiwillig oder unfreiwillig, zu Shane MacGowans animalischen Ausrufen.
Dann kommt der Bruch; „Fairytale of New York“, das Weihnachtslied, ein Duett mit Kirsty MacColl. Trotz der eigentlich kaputten und traurigen Geschichte ist der Song wunderschön und vollkommen. Die gegensätzlichen Stimmen von Shane und Kirsty schaffen Melancholie und Nostalgie auf höchstem Niveau – bis heute auch noch der größte Erfolg der Band.

Der Hörgenuss geht weiter mit „Metropolis“ (einem Instrumental-Stück), „Thousands are Sailing“ (einem politischen Song über die Auswanderung von Hunderttausenden Iren im 19. und 20. Jahrhundert), „South Australia“ und „Fiesta“ (einem weiteren Trinklied aus einem Mix von Englisch und Spanisch). In „Fiesta“ verweisen die Pogues auf andere Musiker, wie Elvis Costello, der seine Platten auf dem selben Label herausgab, und Cait o Riordan, welche später zu Costellos Frau wurde und früher selbst bei den Pogues mitwirkte.
In „Streets of Sorrow“ werden wieder ruhigere Töne angestimmt. Der Song ist sehr politisch: Inhaltlich dreht er sich um die Birmingham Six – sechs Männer die in Birmingham fälschlicherweise für IRA-Bombenanschläge im Jahr 1975 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt wurden. Es folgt das Schlaflied „Lullaby“, der Song „Sit Down by the Fire“ und anschließend der fantastische Song „The Broad Majestic Shannon“. Es ist ein tröstendes Liebeslied mit der wunderschönen Chorus-Zeile ‚Take my hand and dry your tears babe, take my hand forget your fears babe’. Diese Melodie kann Gänsehaut erzeugen und spätestens an diesem Punkt der Platte verdient Shane MacGowan unser aller Bewunderung. Der Mensch ein wahrer Poet, seine Lieder wahre Kunstwerke.

So abrupt der ganze Spaß angefangen hat, so abrupt hört er auch wieder auf. „Worms“, das letzte Lied auf der Platte, schildert wie wir am Ende alle von Würmern aufgefressen werden. Ein sehr schräges, aber passendes Ende.
Ein rabiates Album, welches einem dann und wann mit Fröhlichkeit einlullt und das tanzfreudige Herz höher schlagen lässt, einem dann wieder eine rohe, ungeschliffene Sentimentalität aufdrückt und einem schliesslich erschöpft nach dem Flaschenöffner tasten lässt, um endlich sein Bier öffnen zu können und mit Shane auf die Rebellion anstoßen zu können. Nach dem Hören dieser Platte will man nur etwas zu sagen wagen:
There are two kinds of people: those who want to be Irish and those who are Irish!

Don’t believe the Hype – Arctic Monkeys

Die Arctic Monkeys sind eine der Bands die dem Indie-Revival der Nullerjahre zuzuschreiben sind. Das Revival erreichte seinen Höhepunkt 2005: Die Arctic Monkeys sorgten mit Bands wie Franz Ferdinand oder Babyshambles dafür, dass der Rock‘n’Roll sich wieder seiner Ursprünge besann.1

Die Arctic Monkeys sind: Frontmann Alex Turner, Schlagzeuger Matt Helders, Gitarrist Jamie Cook und Bassist Nick O’Malley. Im Oktober 2005 landet sie mit „I Bet you look good on the dancefloor“ auf Platz eins der britischen Singlecharts und im Januar 2006 folgte das Debutalbum „Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not“, welches es der Single gleichtat. Ein enormer Erfolg für eine Band, die Monate zuvor nur im Internet umhergeisterte. Durch diverse Plattformen erreichte ihre Musik immer mehr Hörer und schliesslich auch das BBC Radio. Im Jahr 2014 angekommen, steht das vierte Album der arktischen Affen in den Plattenläden. Es trägt den Titel „AM“ und trumpft vor allem durch den schweren Bass und langgezogene Töne auf. „AM“ ist nach „Humbug“ (2009) und „Suck it and see“ (2011) das dritte Album, das die Band in den USA aufnahm. Der Kontinenten-Wechsel bedeutete auch einen grundlegenden Richtungswechsel: Sie spielten mit neuen Gitarreneffekten und benutzten erstmalig Keyboards, Glockenspiel und Xylophon.

Die Arctic Monkeys verweisen nicht nur durch ihre Musik auf vergangene Zeiten, auch modisch hat sich Frontmann Alex Turner an seine Vorbilder angeglichen. 2005 kam er mit typischen britischen Indie-Rocker-Haarschnitt daher und 2014 erinnert an John Lennons Tolle aus früheren Zeiten.2


Domino Recording Co, Arctic Monkeys – I Bet You Look Good On The Dance Floor, 19.02.2010, http://www.youtube.com/watch?v=pK7egZaT3hs (Abgerufen am 24.03.2014)

  1. Titelthema im neuen Musikexpress: „Class Of 2005 – Die Reifeprüfung“ Musikexpress Ausgabe Me 9/13
  2. Titelthema im neuen Musikexpress: „Class Of 2005 – Die Reifeprüfung“ Musikexpress Ausgabe Me 9/13

Suede

comingup

Albumcover „Coming Up“ (1996)

Am 6. März 1993 erreichte die Single „Animal Nitrate“, der britischen Rockband Suede Platz 7 der UK-Charts1. Dieses historische Ereignis wird retrospektiv als oft als Initialzündung der Britpop-Bewegung zelebriert, man attestiert der Band die Wiedereinsetzung althergebrachter britischer Pop-Traditionen wie „mystique and the three-minute single“.2

Britpop war eine heterogene Bewegung, ein Überbegriff für Bands, deren Musik sich häufig auf keinen gemeinsamen Nenner bringen lässt. Britpop ist kein Terminus, der eine Art von Musik bezeichnet: Er bezeichnet eine Ära und die Bestrebung vieler Bands, britische Rockmusik wieder in einen sozial-politischen Kontext einzubinden.3 Innerhalb dieser Bewegung gehörten Suede zu den weniger politischen Akteuren. Ihre schwarze Romantik, die grotesken, an David Bowie geschulten Auftritte und Videos, die theatralischen Gesten von Leadsänger Brett Anderson: Sie sind das l’art pour l’art gegenüber dem politischen Einfluss der beiden Schlüsselbands der Bewegung, Blur und Oasis.4

Sucht man nach Referenzpunkten, an denen sich die Band Suede bis heute orientiert, stösst man auf die britischen Gitarrenbands der Achtziger- und frühen Neunzigerjahre (Smiths, Stone Roses) und auf die Grössen des Glamrock der Siebziger (David Bowie, Roxy Music) – und man stösst auf T.Rex.5 Erwiesenermassen haben Suede für ihre drittes Album „Coming Up“ (1996), das leichter, besser gelaunt daherkam, als die Vorgänger „Suede“ (1993) und „Dog Man Star“ (1994), die Werke von Marc Bolan und T.Rex, insbesondere die Alben „The Slider“ (1972) und „Tanx“ (1973) genau studiert6. Dies resultierte in einer Anlehnung an Bolans „fuzztoned, bubblegum aesthetics“ 7, der vor allem im speziellen Klang der Gitarren zum Ausdruck kommt.

T.Rex – Telegram Sam, 1972:
http://www.youtube.com/watch?v=iYzAHnVcD8A

Suede – Filmstar, 1996:

Anderson bezeichnete „Coming Up“ als „Suede’s party album“8 und trifft damit ins Schwarze – oder eher ins Bunte, denn das Album ist knietief in Siebziger-Dayglo-Glam getaucht, schimmert und scheint in allen Schattierungen dieses Jahrzehnts – und ist doch mehr als eine Hommage, mehr als retromanisches Besitzergreifen vom Vergangenen: es ist das Gefühl der Neunziger – die Auflehnung, der Hedonismus, die Freiheit – im Klangkleid der Siebziger.


  1. <a href="http://www.officialcharts.com/search-results-chart/_/1993/3/6" target="_blank"http://www.officialcharts.com/search-results-chart/_/1993/3/6, abgerufen: 14.2.2014
  2. http://www.allmusic.com/artist/suede-mn0000586694/biography, abgerufen: 14.2.2014
  3. Harris, John. The Last Party. Britpop, Blair and the Demise of English Rock, Harper 2003; xxi
  4. Blurs Damon Albarn etwa wurde 1995 von der Labour Party um Tony Blair aufgeboten, um sie im Wahlkampf zu beraten; vgl. Harris 2003, xiii
  5. http://www.allmusic.com/artist/suede-mn0000586694/related
  6. Harris 2003, 316
  7. Ebd.
  8. Harris 2003, 317

Porcupine Tree

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=mENmbZ5Ikto[/youtube] Nun, Porcupine Tree… bei so vielen Einflüssen, Stilrichtungen, Experimenten, Menschen, Wendungen – wo soll man da anfangen? Am besten bei der Geschichte des Mannes, der diese Band gegründet hat und der sie zunächst auch gewissermassen als Einzelperson verkörperte: Steven Wilson. Angefangen hat seine Karriere mit einer kleinen aber feinen Lüge über die Beschaffenheit seiner inexistenten Band, gebildet aus vier Jungs, die sich angeblichen bei einem längeren Gefängnisaufenthalt kennengelernt haben sollen. Ja, diese Geschichte sollte erfolgreich dazu dienen, den Labels seine im Alleingang produzierten Mixtapes schmackhaft zu machen. Beflügelt durch die Erkenntnis, dass es schwierig werden könnte, seine Musik als Solokünstler bühnentauglich zu machen, tat sich Steven Wilson erstmals mit realen Bandkollegen zusammen und zwar Richard Barbieri, Colin Edwin und Chris Maitland – die klassische Besetzung von Porcupine Tree war geboren, doch Steven Wilson fungierte unbestritten als Zentrum der Band. Er entwickelte nach wie vor alle Werke, die von der Band ausgearbeitet wurden. Ein weiterer Protagonist in der Laufbahn von Porcupine Tree kam 2002 hinzu, der Drummer Gavin Harrison, der bis anhin vorwiegend als beliebter Studiodrummer tätig war und mittlerweile mehrfach zum best progressive drummer gewählt wurde. Eine Anfrage an Steven Wilson des Frontsängers der schwedischen Metalband Opeth für ein Mastering einerseits, und die Neubesetzung der Drums andererseits, verhalfen der Band schliesslich zum Durchbruch. Bezüglich des Stils haben Porcupine Tree eine vorher unbekannte Synthese geschaffen. Wo besonders in den Anfängen ihrer Laufbahn noch grosse Einflüsse von King Crimson und Pink Floyd (Phase: „Dark Side Of The Moon“) offenkundig zu hören sind, kristallisiert sich im Laufe der Zeit immer mehr die bestechende Eigenart der Band heraus. Nachdem sich Metal langsam aus dem Untergrund bewegt hatte, bestand deren Intention nämlich zunächst darin, die harten Elemente des Metals  mit der Komplexität von Progressive-Rock zu vermischen, immerzu realisiert durch Steven Wilsons eigene Stimme, die sich eher durch sanftere Nuancen kennzeichnet. Daraus entstanden die ersten bedeutenden Alben Absentia und Deadwing. Obwohl der Qualitätsanspruch bezüglich der Texte im Progressive-Rock generell sehr hoch ist, wird dies im darauffolgenden Konzeptalbum Fear Of A Blank Planet noch ausgereifter, da sich die Lyrics von tiefsinniger Melancholie mehr und mehr hin zu gesellschaftskritischen Äusserungen bewegen. In diesem Fall wird die Thematik der Perspektiven von Jugendlichen in der heutigen Welt behandelt. Hinzu kommt dabei in der Musik im Gegensatz zu ihrem vorherigen Schaffen bereits eine verträumte, liebliche Komponente, die teilweise aus der Popmusik und aus dem Jazz stammt. Diese Orientierung ist beispielsweise in Lazarus zu hören. Ein weiteres neues Element findet sich ausserdem im jüngsten Album von Porcupine Tree The Incident. Nebst dem bisherigen Spektrum an Spielarten integriert Steven Wilson dort zusätzlich einige elektronische Trip-Hop-Elemente, was jedoch in einigen Kreisen auf Skepsis stiess. Doch wo ist die Band heute? Nach eigener Aussage der Musiker offensichtlich auf Eis gelegt, ein Projekt on hold, bei dem unklar ist ob und wann eine neue Inkarnation das Licht der Welt erblickt. So oder so ist jeder dieser hochkarätigen Musiker in unzählige Projekte involviert, das jedes für sich neue und andere Ausdrucksformen vereint. Jener grenzenlose intra- und intersubjektive Reichtum an Ideen und Stilen prägte  Porcupine Tree deutlich. Hoffentlich auch bei einer künftigen Wiederbelebung der Band. Dieser kurze Abriss des bisherigen Werdegangs von Steven Wilson und Porcupine Tree zeigt die enorme Vielfalt, die in dieser Musik verarbeitet wird. Wesentlich ist dabei nicht die Nachahmung oder die Reproduktion eines bestimmten Stils oder Künstlers, wesentlich ist die bewusste Zusammensetzung verschiedener Rohstoffe, um diese zu einem Ganzen zu vereinen.1

The Strokes – Is This It

Sänger und Songwriter Julian Casablancas, Gitarristen Nick Valensi und Albert Hammond junior, Bassist Nicolai Fraiture und Schlagzeuger Fabrizzio Moretti fanden offiziell 1999 in New York City als The Strokes zusammen. 2001 erschien ihr Debütalbum „Is This It“, welches ungeahnten kommerziellen Erfolg verzeichnen konnte, aber auch zu ernst zu nehmenden Musikkritiken Anreiz gab.1 The Strokes sind eine Rockband. Sie waren ein wichtiger Teil der Garage-Rock-Revival-Welle nach dem Millennium (2000), als Garagerock vor allem auch kommerziell erneut Anklang fand. Garage-Rock-Revival oder auch Post-Punk-Revival gilt als Entwicklung innerhalb des „Alternative Rock“. Bands dieser Garage-Rock-Revival-Bewegung lassen sich von der Ästhetik des Garagerock der Sechziger und der des Post-Punk sowie der New Wave der späten Siebziger inspirieren.2 Kurz: The Strokes erinnern vor allem an Britische Bands wie The Who.
Die 2001 noch blutjungen Männer singen moderne, reale Märchen vom Nach- und Wegrennen der New Yorker Mädchen. Julians Stimme erzählt leise singend, lamentiert ohne zu jammern, um im nächsten Moment einen Stimmbänder-kratzenden Schrei loszulassen.
Als wild und rasend würde ein unvoreingenommener Hörer das knapp eine halbe Stunde lange Debütalbum der Strokes vielleicht bezeichnen. Tatsächlich wirken selbst die Balladen zügig. Ihre musikalische Herangehensweise gleicht zeitweise eher der einer Funk- oder Soulband als der einer Rockband: Jeder Musiker fordert die stets überzeugende Melodie rhythmisch auf eine andere Weise heraus, treibt sie voran: Rhythmus „Is (this) it“! Die kurzen, abgehackten Gitarrenriffs und die klirrenden Drumbeats erinnern an den London- und New York-Punk3, doch Punkrock sind nur die knackigen Nussstückchen; eingebettet in eine weichere Basis, die etwas Sinnliches, Leidenschaftliches hat. „Is This It“ provoziert irgendwie die Leichtigkeit des Seins, und hat doch eine starke emotionale Energie.


Coldplay

Coldplay – wer kennt diese Band und ihre eingängigen Rock-Pop-Melodien nicht?
Gegründet Mitte der Neunzigerjahre, gelang Coldplay 2000 der Durchbruch mit der Single „Yellow“ und dem dazugehörigen Album „Parachutes“. Der erfrischende Sound der Band mit klaren, rockigen Gitarrenelementen und der einfühlsamen Stimme von Chris Martin verhalfen ihr zu einem enormen Bekanntheitsgrad. Weltweit 50 Millionen verkaufte Alben machen Coldplay zu einer der erfolgreichsten Bands seit Beginn des 21.Jahrhunderts.1

In der Musik erkennt man sofort etwas „retromanisches“, da der Britpop sich auf die Tradition britischer, gitarrenlastiger Rock- und Popmusik aus den Achtzigerjahren (Indie-Rock) besinnt.2 Dennoch weisen die Alternative-Rock Bands wie Coldplay, Radiohead etc. einen stark kommerziellen Aspekt auf, denn die Musik ist für breite Massen gemacht und soll sich gut verkaufen.3 Dies kommt bei den meisten Songs von Coldplay zum Ausdruck. Sie gehen schnell ins Ohr und erzählen emotionale Höhen- und Tiefflüge des Sängers.

Coldpays Erfolgsgeschichte hält bis in die Gegenwart an. 14 Jahre Britpop mit steigenden Verkaufszahlen der Alben – das spricht für sich. Dennoch hat sich der Stil der Band in den letzten Jahren verändert: Im Jahre 2002 wurde bei dem Album „A Rush of Blood to the Head“ zunächst mit mehr Piano- und Gitarrenelementen gearbeitet, wohingegen die folgenden Alben „X&Y“, „Viva la Vida“ und „Mylo Xyloto“ mehr in Richtung Elektronik zielen und teilweise fröhlicher und weniger melancholisch wirken.
Trotz dieser musikalischen Weiterentwicklung bleibt Coldplay eine Alternative-Rock-Band mit einem enormen Wiedererkennungswert. Von vielen Kritikern gelobt, von zahlreichen Fans geliebt, werden Coldplay wohl auch in Zukunft immer wieder in den Charts ihren Platz finden.  

(Lh)


Yeah Yeah Yeahs: It’s Blitz!

Yeah Yeah Yeahs sind eine amerikanische Indie Rock Band, die aus den drei Mitgliedern Karen O (Sängerin, Pianistin), Nick Zinner (Gitarrist, Keyboarder) und Brian Chase (Schlagzeuger) besteht.1 Die Band hat seit ihrer Gründung im Jahr 2000 vier Alben veröffentlicht.2

„It’s Blitz!“ ist das dritte Album und erschien im März 2009.3 Im Gegensatz zu den ersten zwei Alben, hat Nick Zinner seine Gitarre nun gegen einen alten Synthesizer eingetauscht und der Sound ist zwar nicht wirklich Disco, aber so nahe wie die Yeah Yeah Yeahs vermutlich jemals an dieses Genre herankommen werden.4  Die Yeah Yeah Yeahs haben ihrem früheren Musikstil allerdings nicht den Rücken zugedreht, sondern verstehen es auf erstaunliche Art und Weise, diesen mit den neuen Elementen zu vereinen.

„Zero“ ist der erste Track von „It’s Blitz!“ und wurde sowohl vom NME als auch vom Spin Magazin zum besten Song des Jahres 2009 gekürt.5 Das Stück startet mit einem Synth-Takt und zeigt damit den Sprung der Band auf den Dancefloor. Der Disco-Beat steigt an und Karen Os Stimme fordert atemlos „climb, climb, climb high up“, um am Ende in ein ekstatisches, multiples Feuerwerk zu explodieren.

[youtube width=“560″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=pmGNo8RL5kM[/youtube]

Der siebte Track „Runaway“ beginnt ganz simpel mit einem sanften Klavierspiel und Karen Os klaren, weichen Stimme. Gitarre und Synthesizer kommen hinzu und verleihen dem Song eine gespenstische Atmosphäre. Das Ganze steigert sich zu purer Verzweiflung und wird dann mit einem Schlag ruhiger, zu hören ist bloss noch eine leise summende Karen O und der schwermütige Synthesizer. Doch dann bäumt sich die Sängerin nochmals auf: „All alone, not so strong without these open arms“ singt sie und die Gefühle scheinen beinahe physisch greifbar zu sein – ein Moment mit Gänsehautfaktor!

Die Yeah Yeah Yeahs haben es mit „It’s Blitz!“ bemerkenswerterweise geschafft, neue Gewässer zu erkunden ohne dabei ihrem Stil untreu zu werden. Ein mutiges Unterfangen, an dem schon zahlreiche Bands gescheitert sind.

(dm)