Die Musikplattform Youtube und ihr Einfluss auf den Musikkonsum

Youtube - Einflüsse auf den Musikkonsum

Youtube – Einflüsse auf den Musikkonsum

Ein schier endloses Videorepertoire entstand seit 20051 durch Useruploads: Die Videoplattform Youtube. Sie ermöglicht ihren Nutzern kostenlosen und unbegrenzten Zugang zu Videos, darunter auch Musikvideos, die zwar schon lange vor Youtube konsumiert wurden, nun aber zusehends an Bedeutung gewinnen. So entstand ein Archiv der Musikgeschichte, zu dem jeder Nutzer seinen Beitrag leisten kann: Indem er selber Inhalte hoch lädt. Vergessene oder unzugänglich geglaubte Musikschätze kann man (wieder-)finden, indem  man mit der Suchfunktion nach Schlagworten, wie beispielsweise einem Liedtitel oder einem Interpreten, sucht. Die Online-Bibliothek zeigt sofort verschiedenste Versionen eines Liedes an: Coverversionen, akustische Interpretationen, Tutorials, Playlisten, Aufnahmen von Live-Auftritten, Dokumentationen und vieles mehr. Auch während der Rezeption des gewählten Videos erscheint eine Vorschlag-Leiste, die einem ähnliche Inhalte anzeigt: Weitere Musikvideos des Interpreten oder dasselbe Stück von anderen Interpreten mit ähnlichem Musikstil.
Unter dem Video ist das Konto des Uploaders verlinkt, der sogenannte Kanal, durch den man direkten Zugriff auf alle eigenen Inhalte und weitere Nutzerinformationen erhält und eine Diskussionsplattform nutzen kann. Unter dem Video gibt es eine Funktionsleiste, mit der man verschiedene nützliche Informationen abrufen kann. Falls der Uploader weitere Informationen zum Video und zum Interpreten bereitstellen möchte, werden diese in der Informations-Box angezeigt. Hier kann beispielsweise direkt auf die Band- und Fangpages verlinkt werden. Zudem kann das Video direkt während der Rezeption auf verschiedenen Social-Media-Plattformen geteilt werden. Es sind auch verschiedene Statistiken zum Video abrufbar und es gibt eine Melde-Funktion für unangebrachte Inhalte. Ausserdem gibt es die Daumen-hoch, beziehungsweise Daumen-runter-Funktion, durch die der Nutzer das Video bewerten kann.
Youtube bietet auch die Möglichkeit interaktiv tätig zu sein: Neben dem Upload von Videos, können Kommentare geschrieben und Playlisten erstellt werden. Wenn man alle Features von Youtube nutzen möchte, benötigt man jedoch einen Account und ein Konto bei Google.2 Während bisher Fernsehsender wie MTV die Reihenfolge der Musikvideos vorgegeben hatte, kann der Nutzer auf Youtube frei wählen, was er als nächstes sehen oder hören möchte. Auch kann er für ihn interessante Kanäle abonnieren, damit er über jedes neue Video, das hochgeladen wird, informiert wird.

Mit Youtube entstand eine weitere soziale Plattform, von der viele Verstrebungen ausgehen. Mittlerweile wird vor und während den Videos Werbung geschaltet, wodurch  Nutzer durch das Hochladen von eigenen Inhalten Geld verdienen können. Waren es früher eher unbekannte oder lokale Künstler, nutzen heute aber auch berühmte Künstler Youtube als schnelles Verteilungsmedium und profitieren von der niederschwelligen Vermarktungsmöglichkeit. Wie die Vergangenheit zeigt, ist Youtube ein gutes Instrument, um internationale Bekanntheit zu erlangen (z.B. Sungha Jung, Usman Riaz, Anna Free etc.) oder diese zu erweitern. Youtube fungiert durch den Aufrufzähler auch als Barometer der Popularität. Dieser steigt im Extremfall innert kurzer Zeit explosionsartig an und macht so das Video berühmt. Dadurch entstand der Trend, durch die Videoinszenierung besonders populär (viral) zu werden (z.B. „Gangnam Style“), wobei die Musik an sich mehr und mehr im Hintergrund verschwindet.

Die Digitalisierung brachte Youtube, iPod’s und Spotify hervor und verdrängte bis zu einem gewissen Punkt materielle Tonträger wie CD’s, Kasetten und Schallplatten. Doch auch Alben geraten mehr und mehr in Vergessenheit, denn oftmals stellen Interpreten nur ein Lied eines Albums auf Youtube. Dieses feiert dann einen enormen Erfolg und die Relevanz weiterer Songs (oder eines ganzen Albums) nimmt stetig ab. Dies führt zu einer Kultivierung von einzelnen überaus populären Hits, die wir bereits aus den Anfängen der Schallplatten kennen.

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Quellen

Spotify: Finanzierung, Rezeption, Social Media und Kritik

Spotify: Nutzung, Angebot, Social Media, Rezeption und Kritik (Graphik).

Spotify: Finanzierung, Rezeption, Social Media und Kritik (Graphik).

1. Finanzierung

von Sarah Fux

Spotify krempelt die Musikindustrie gehörig um. Das Finanzierungsmodell aus früheren Tagen, das auf verkaufte Tonträger beruhte, gehört der Vergangenheit an.

Mit den Einnahmen verkaufter Tonträger wurden die Künstler und alle weiteren Beteiligten entschädigt. Da Spotify keine Tonträger verkauft, muss die Plattform Einnahmen durch Werbung generieren. Spotify basiert auf dem Freemium-Modell: Das Basisprodukt ist für den Benutzer kostenlos, alle weiteren Funktionen eröffnen sich dem Kunden erst durch das Premium-Abo.Alle angebotenen Lieder sind von Musiklabels lizensiert. Die Lizenzgebühren finanziert Spotify durch die Einnahmen der Premium-Konten oder durch das Einblenden von Werbung bei der Gratisversion. Somit kann der Hörer auf eine gewaltige Auswahl an Musik zugreifen, muss dafür aber einen viel kleineren Preis begleichen, als manch einer für Tonträger ausgegeben hat. Dies bedeutet allerdings auch, dass die Musikindustrie dadurch weniger Einnahmen erzielt und dass dies auf die ganze Produktion zurückfällt (Künstler, Vertrieb etc.). Die Einnahmen können sich durch wiederholtes Abspielen auf Spotify vergrössern, um damit aber den Wert eines Albums auf CD zu erhalten, müsste ein Album 145mal abgespielt werden. Künstler stehen dieser neuen Entwicklung skeptisch gegenüber. Einige boykottieren die Plattform (z.B. Thom Yorkes Nebenprojekt Atoms for Peace oder die Black Keys). Letztlich ist es aber das Plattenlabel, das entscheidet, ob das Album auf Spotify erscheint oder nicht.1

2. Rezeption von Musik bei Spotify

von Joana Obieta

Spotify setzt bei der Rezeption auf die individuelle Nutzung der (unter gewissen Umständen) permanent verfügbaren Musikbibliothek, die mittlerweile über weit 8 Millionen Tracks verfügt. Es zeigt sich damit, dass der Wandel der Technologien, der sich in der Musik nur sehr langsam vollzogen hat, nun auch in der Musikindustrie legale Alternativen zur physischen Distribution von Musik hervorbringt. Diese Veränderungen beeinflussen auch das Rezeptionsverhalten massgeblich.

Der erste grosse Schritt in diesem Prozess bestand aus der Transformation von der Musik in physischer Form (wie beispielsweise CDs) hin zum Besitz von nicht-physischer Musik. Spotify geht in dieser Evolution jedoch noch einen Schritt weiter, denn man besitzt die Musik nicht mehr, weder physisch noch digital, lediglich der Zugang zur Musik wird gewährleistet. Der Nutzer kann dabei über die Musik aller Major-Labels sowie auch einiger kleinerer Labels verfügen, wobei das Repertoire stets erweitert wird.

Der Zugang wird über einen Access erworben, zu dem nach einigen Diskussionen lediglich eine gültige E-Mail-Adresse benötigt wird. Dabei kann zwischen einem kostenlosen und einem Premium-Account gewählt werden. Spotify kann dann auf jedem Computer verwendet werden, der die Software installiert hat und über einen Internetanschluss verfügt. Ausserdem kann der Musikstreaming-Dienst mittels eines Apps auch auf Smartphones oder Tablets genutzt werden, sofern diese (je nach Version) über einen Internetanschluss verfügen.

Der Spotify-User hat in der individuellen Nutzung zum einen die Möglichkeit, Playlisten zu erstellen, auf der bis zu 10‘000 Tracks gespeichert werden können. Diese können wiederum als Link an andere User verschickt oder auf anderen Seiten des Social Web (z. B. Facebook) gepostet und auf diese Weise geteilt werden, was auf der Illustration ersichtlich ist. Weiter gibt es die Möglichkeit, «kollaborative Playlisten» zu erstellen, die von mehreren Usern gemeinsam bearbeitet werden können. Der Streaming-Dienst gibt ausserdem Empfehlungen der meist gespielten Tracks ab oder auch Vorschläge, welche ähnlichen KünstlerInnen den Musikgeschmack des individuellen Users treffen könnte. Er bietet ebenfalls ein Radio an, das je nach Stimmung, Tätigkeit oder Genre gewählt werden kann.

Diese Möglichkeiten des Musikhörens treiben eine vielschichtige Entwicklung voran: Durch die Schallplatte konnte die Musik anfangs des 20. Jahrhunderts erstmals physisch zum Sammelobjekt werden. Daraus wiederum entstand eine identitätsbildende Aktivität für Inhaber einer Musiksammlung, da in ihr die Manifestation eines Musikgeschmacks zum Ausdruck kommt. Eine physische Repräsentation des Tonträgers wird jedoch mit Innovationen wie Spotify zunehmend hinfällig, da die Musik über die Software abgespielt werden muss, die grundsätzlich nach einer Internetverbindung verlangt und die Tracks nicht konvertierbar sind. Dies führt dazu, dass die Musik nicht mehr in gleichem Masse als Besitz empfunden werden kann, dafür jedoch der Zugang stark vereinfacht wird. Die Form des Sammelns beschränkt sich somit auf das Erstellen und Teilen von Playlists, was noch immer eine identitätsbildende Perspektive aufweist. Diese Entwicklung trägt auch stark zur Mobilität des Musikhörens bei, da nur ein Access erforderlich ist und nicht tonnenschwere Säcke voller CDs transportiert werden müssen. Musik ist allerorts verfügbar.

Ein weiterer kritischer Punkt bezüglich der Rezeption ist die Dominanz der grossen Label, was deren Marktposition noch weiter stärken dürfte. Nischenprodukte und kleinere Labels, die gegebenenfalls etwas weniger kommerzielle Musik produzieren(siehe Punkt 4 «Kritik: Spotify – Gift für kulturelle Vielfalt?»).

Literatur:
Frischling, Barbara: Vom Einfluss der «Digitalen Evolution» auf die Rezeption von Musik. Graz, 2010.
Kreitz, Gunnar und Fredrik Niemelä: Spotify – Large Scale, Low Latency, P2P: Music-on-Demand Streaming. Stockholm, 2010.
Wikipedia. Spotify: http://de.wikipedia.org/wiki/Spotify (abgerufen am 22. Mai 2014).

 

3. Spotify und Social Media

von Pauline Lüthi

Der Musikstreaming-Dienst Spotify ermöglicht den Nutzern ihre momentanen Musikvorlieben direkt über Social Media-Plattformen wie beispielsweise Facebook, Twitter und Instagram zu teilen: Das Musikerlebnis wird in Social Media integriert. Einerseits besteht so die Möglichkeit, dass Benutzer ihr virtuelles Selbst musikalisch präsentieren und verbreiten können, andererseits Playlisten mit anderen Spotify-Nutzern teilen, einen Einblick in deren Musikgeschmack erhalten und somit stets neue Songs entdecken können. Wie auf der Spotify-Homepage beschrieben ist, dient der Dienst als Inspiration: «[…] bringt dir auch Freunde, Künstler oder Trendsetter näher, die dich zu großartiger Musik inspirieren»2 . Die soziale Interaktion wird dementsprechend gefördert. Da der Musikstreaming-Dienst international verfügbar und auch erfolgreich ist, hat man als Nutzer zunehmend auch die Gelegenheit, Nischenprodukte zu entdecken. Natürlich ist die Verbindung und Integration von Spotify und Social Media auch eine Marketingstrategie: Gerade deswegen scheint sich Spotify wohl auch so konstant und so effektiv in der virtuellen Welt zu halten und kann sich immer noch an einer wachsenden Beliebtheit erfreuen.

4. Kritik: Spotify – Gift für kulturelle Vielfalt?

von Kevin Brühlmann

Dank neuen Streamingdiensten wie Spotify lassen sich die weltweiten Bestände der Musik „anzapfen“. Jederzeit, überall, ganz nach unseren individuellen Bedürfnissen gerichtet. Ein Trugschluss, wie der deutsche Konzertagent und Autor Berthold Seliger findet: Die Algorithmen der Plattformen gehorchten nämlich profitgesteuerten Interessen, die an kultureller Vielfalt «keinen Gefallen» fänden.

In seinem 2013 erschienenen Buch «Das Geschäft mit der Musik – ein Insiderbericht» prangert Berthold Seliger den nur vordergründig «vorgegaukelten» Pluralismus von Plattformen wie Youtube und Spotify an. Dass die etwa 25 Millionen Stücke auf Spotify zumindest theoretisch jederzeit, fast überall und für alle verfügbar sind, verschleiert gemäss Seliger nur die Vorgänge im Hintergrund solcher Streamingdienste. Fragen etwa nach machtpolitischen Interessen, nach der Entstehungsgeschichte, nach der Kontrolle von Spotify und co. bleiben im Dunkeln – weshalb der Konzertagent hier etwas genauer hinschauen will.

Die drei grössten Musikkonzerne der Welt – Universal Music, Sony, Warner Music –, die zusammen knapp 80 Prozent des globalen Tonträgermarkts unter sich aufteilen, sind nebst Vevo auch bei Spotify beteiligt. Damals, so Seliger, hätten die drei Majors ihre achtzehn Prozent Beteiligung an Spotify gewissermassen erpresst – das behauptet zumindest der ehemalige Universal-Manager Tim Renner: «Wenn Spotify die Beteiligung nicht herausgerückt hätte, hätten die Rechteinhaber, also die multinationalen Plattenkonzerne, die Rechte an den Musikstücken nicht zur Verfügung gestellt und damit das Streaminggeschäftsmodell verunmöglicht.»

Nun, weshalb beteiligten sich die drei grossen Musikkonzerne überhaupt bei Spotify? Ganz einfach, meint Seliger, diese Unternehmen wollen die Vertriebswege zurückerobern, «die sie durch die von ihnen verschlafene Digitalisierung in den letzten zehn Jahren verloren haben». Denn das Hauptinteresse der Major-Labels sei seit jeher die Kontrolle über die Vertriebskanäle gewesen.
Als Benutzer von Spotify tönt es dann in etwa so: «Du hast Rihanna gehört. Wir haben einen Song für dich, der dich interessieren könnte.» Das Programm bietet uns dann ein komparables Stück an. Nichts neues, gleichartigen Mainstream halt. Unbekanntere Künstler, weniger geschliffene, weniger radiotaugliche Musik und dergleichen von kleineren Labels haben das Nachsehen – die Verteilung des Angebots wird nicht konsequent bis zu Letzt vollzogen. Es entsteht ein Ungleichgewicht, das durch die Plattform mehr und mehr verstärkt wird. Oder in den Worten Berthold Seligers: «Spotify will nicht, dass wir ein neues Musikstück entdecken, sondern Spotify und die Musikkonzerne wollen, dass wir ihre 2500 Mainstreamtitel, mit denen sie ihren Profit erwirtschaften, immer wieder hören, dass wir dank der Algorithmen innerhalb der Kontrollgesellschaf bleiben, die die Bewusstseinsindustrie für uns konzipiert hat.» Ein «unendliches Programm», die theoretische Möglichkeit, 25 Millionen Songs nach Belieben zu hören – eine Idee, die Seliger im Grundsatz eigentlich prächtig findet –, wird so «durch ihr Gegenteil pervertiert».

Was also in der Theorie phänomenal klingt, ist laut Berthold Seliger kaum mehr als eine gut verkleidete Fassade, eine «Käseglocke», in der alles zu Ungunsten der kulturellen Vielfalt reguliert wird. Denn in der Praxis seien Streamingdienste kommerzielle Maschinen, die unser Musikhören kontrollieren, analysieren und letztlich auch steuern. Spotify und co. sind «ein weiteres Tool des Kapitalismus zur technologischen Entmündigung, das uns zu kommerziellen Objekten macht; ein Instrument, das die Ökonomisierung unseres Geistes, unseres Fühlens, unseres Musikgeschmacks perfektioniert.»

Seligers Kritik an Plattformen wie Spotify mag bisweilen etwas polemisch klingen, trotzdem muss man ihm durchaus Recht geben, dass im Umgang mit solchen Streamingdiensten Vorsicht geboten ist. Nicht selten überragen Profit- und schliesslich auch machtspezifische Interessen eben doch das kulturelle Artefakt selbst, das eigentlich im Zentrum stehen sollte.

Literatur:
Seliger, Berthold: Das Geschäft mit der Musik – ein Insiderbericht, Berlin 2013.
Seliger, Berthold: Permanent unter der Käseglocke, WOZ Nr. 2/2014 vom 9.1.2014.

Welche Auswirkung hat der iPod auf unseren individuellen Musikkonsum?

Technischer Aspekt des iPods

2001 entwickelte Jon Rubinstein den iPod der ersten Generation. Dieser besass eine 5-GB-Festplatte und ein bewegliches Scrollrad zur Navigation. Es folgten die zweite bis sechste Generation. Die Speicherkapazität, die Akkulaufzeit und die Navigation hatten sich immer mehr verbessert. 2004 wurde der iPod mini eingeführt. Er war wesentlich kleiner als seine Vorgängermodelle, hatte aber eine kürzere Akkulaufzeit und nur eine 4-GB-Speicherkarte. Nach dieser ersten Generation folgte noch eine zweite. 2005 kam die erste Generation des iPod nano auf den Markt. Von dem es drei Varianten mit unterschiedlicher Speicherkapazität gab. Der iPod nano war noch kleiner als sein Vorgänger und besass ein Farbdisplay. Der iPod nano wurde bis zu einer siebten Generation weiter entwickelt. Ebenfalls 2005 stellte Apple den iPod Shuffle vor. Anstatt einer Festplatte besitzt der iPod Shuffle einen Flash-Speicher von 512 MB oder 1024 MB. Eine Besonderheit war, dass der iPod Shuffle keinen Display besass. Weiterentwickelt wurde der iPod Shuffle bis zur vierten Generation. 2007 kam der iPod touch auf den Markt. Er verfügt über einen Multi-Touch-Bildschirm. Zudem kann man mit dem Gerät auf ein WLAN zugreifen. Bisher wurde der iPod touch bis zur 5. Generation vortentwickelt.1

Wirtschaftlicher Aspekt des iPods

Unumstritten ist, dass die iPod-Produktionskette der Firma Apple Arbeitsplätze generiert. Das Design ist amerikanisch, die Herstellung erfolgt hauptsächlich im asiatischen Raum. Die Tatsache, dass durch die iPod-Produktion mehr als doppelt so viele Stellen ausserhalb der USA entstehen muss in Relation zum Gewinn in Zahlen gesehen werden, so die Ökonomen Greg Linden, Jason Dedrick und Kenneth Kraemer. 13‘920 in die iPod-Kette involvierte Amerikaner haben insgesamt 750 Mio. US-Dollar verdient, während die 27‘250 Nicht-Amerikaner insgesamt nur auf 320 Mio. US-Dollar kommen. Dies ist auf die international unabhängigen und landesspezifischen Produktionsfaktoren zurückzuführen, vor allem auf die billigere Arbeitskraft ausserhalb der USA. Die iPod-Produktion biete wirtschaftlich aufstrebenden Ländern aber zugleich die Möglichkeit, wirtschaftlich global Anschluss zu finden.2
Mit der Lancierung der iPods (2001) bildete sich weniger eine verdrängende Konkurrenz heraus, vielmehr entstanden ein komplett neuer Markt, auf dem seit 2001 über 180 Millionen Geräte verkauft worden sind, und ein neuer Konsumenten-Typ. Dabei liegt der Fokus auch stark auf innovativen Extrafunktionen, der Handlichkeit (portabel, leicht) oder dem Design. Der Marktanteil des iPod beträgt bis heute über 80%. Man kann demnach vom Monopol des iPod sprechen, trotz ähnlicher und marktfähiger Produkte anderer Hersteller wie zum Beispiel Sony. Apple sicherte sich sein Monopol auf dem Markt durch das „Digital Rights Management System“ (DRM), welches bis 2009 sicherstellte, dass durch iTunes bezogene Songs nur auf Apple Produkten gespielt werden konnten. Seit 2009 bestehen Deals mit grossen Musiklabels, so dass DRM-freie Songs angeboten werden. Der durch iPod-Zubehör entstandene Markt wie auch Einsatz von patentierten Technologien (DRM) stärkt zudem Apples Position. Ob und in welcher Form zukünftig Nachfrage nach iPod-Geräten besteht, ist nicht eindeutig zu prognostizieren. Da sie viele Funktionen des iPods abdeckt, sind Smartphones von Happle oder anderen Herstellern wie Nokia sicherlich die stärkste Konkurrenz.3

Die Funktion und Bedeutung von iTunes

Um Musik auf den iPod zu laden bzw. diese zu verwalten, bietet Apple kostenlos die Software „iTunes“. Diese Software ermöglicht die Synchronisation zwischen Dateien auf dem mobilen iPod und dem Computer. Ein grosser ökonomischer Vorteil für Apple besteht in der integrierten Schnittstelle zum iTunes Store. Mit wenigen Klicks kann der Nutzer Musik, Filme oder Podcasts im Store erwerben, welche anschliessend in der iTunes-Mediathek zur Verfügung steht. Weiter beinhaltet iTunes die Musikempfehlungsfunktion „Genius“. Durch die Aktivierung von Genius stellt Apple dem Nutzer mithilfe von Algorithmen eine auf seine Vorlieben und Bedürfnisse abgestimmte Playlist zusammen. Neben Musik aus der Mediathek des Nutzers schlägt die Software zusätzlich passende, aber kostenpflichtige Lieder aus dem iTunes-Store vor, welche wiederum im Store erworben werden können.4 Durch die Kopplung von iTunes an das Internet können den Nutzern während der Musikwidergabe ausserdem künstlerbezogene Zusatzinformationen sowie personalisierte Werbung angeboten werden. Diese Funktion wurde aus Gründen des Datenschutzes und des Schutzes der Privatsphäre allerdings stark kritisiert. Als Konsequenz kann die Funktion in neuen Versionen von iTunes manuell ausgeschaltet werden.5

iPod – Was sagt Simon Reynolds dazu?

Mit dem iPod ist die eigene Musiksammlung jederzeit und überall handlich dabei. Riesige Schallplatten- oder CD-Sammlungen müssen nicht mehr mühsam durchforstet werden, auch braucht die digitale Musik keinen Stauraum mehr. Mit einem Klick kann zwischen tausenden Liedern hin- und hergewechselt werden. Dadurch tauchen HörerInnen weniger häufig in die Musik ein, Alben werden kaum mehr gänzlich durchgehört und nur noch angespielt. Besonders die Shuffle-Funktion verstärkt dieses Zappen. Sie nimmt dem Hörer die Entscheidung ab, welches Lied als nächstes gehört werden soll, ohne dass unerwünschte Überraschungen lauern. Alle Musik auf dem iPod ist bekannt und damit vertraut: Der eigene iPod wird zur privaten Musiktruhe, die digital abgespeichert und nicht mehr öffentlich zugänglich ist. Der Konsument wird zum Kurator und stellt Playlisten nach eigenen Wünschen zusammen. Dies birgt auch asoziale Aspekte: Der Anspruch an die eigenen Vorlieben kann jederzeit und überall gestellt werden. Der iPod wir so zum „Me Radio“: Das „i“ im Namen steht für das persönliche Musikvergnügen, nicht für das gemeinsame. Der iPod fungiert daher als Erinnerungsraum: Musik des eigenen individuellen Lebens ist darauf sorgfältig zusammengestellt. Erinnerungen an die eigene Vergangenheit werden so konserviert.6

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/IPod#Erste_Generation (abgerufen am 29.11.13).
  2. Livemint& the Wallstreet Journal. The economics of the iPod: http://www.livemint.com/Opinion/FB4w72IdmaNds97RxSO6VM/The-economics-of-the-iPod.html (Abgerufen 8.12.13).
  3. Tutor2u. Q&A: In what type of market does the iPod operate in? http://www.tutor2u.net/blog/index.php/economics/comments/qa-in-what-type-of-market-does-the-ipod-operate-in
    Abgerufen 8.12.2013)
  4. http://www.giga.de/downloads/itunes/</a< (abgerufen am 14.12.13).
  5. http://de.wikipedia.org/wiki/ITunes_Store (abgerufen am 14.12.13).
  6. Reynolds, Simon (2011): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. Faber & Faber. S.  95-6, 113, 114-21, 357-8.

YouTube – Eine Illustration des Portals zu den Möglichkeiten und Folgen für den Umgang mit Musik im Internet

Das Internet-Videoportal Youtube hat den Zugang zur Musik für jeden einzelnen Nutzer auf drastische Weise verändert und deren Erreichbarkeit massiv gesteigert. Youtube ermöglicht es jedem Nutzer, kostenlos (Musik-)Videos im Internet hochzuladen und anzuschauen.1 Das gesamte Online-Archiv an Videos ist dabei öffentlich zugänglich und für jeden Nutzer verfügbar. Es sind die Nutzer selbst, welche den Inhalt der Plattform bestimmen.

Nach Videos kann gesucht werden. Gefundene Inhalte können in einer Liste gesammelt werden. Für das Sammeln von Videodateien muss der User ein Konto eröffnen Ist erstmals ein Konto erstellt, bietet Youtube dem Nutzer auch die Möglichkeit, selbst Dateien hochzuladen und aktiv Einfluss auf den Content zu nehmen. Die hochgeladenen Videos können auch jederzeit wieder gelöscht werden.

Weil der Content der Plattform von jedem einzelnen User beliebig verändert werden kann, sind rechtliche Einschränkungen nötig, um die Kontrolle zu wahren. Es ist untersagt, Videos hochzuladen, deren Inhalte gegen das Urheberrecht verstossen. Videos mit anstössigem Inhalt können gemeldet werden, was eine Löschung zur Folge hat. Die rechtlichen Einschränkungen von Youtube sind auf der Webseite unter dem Punkt „Nutzungsbedingungen“ festgehalten.2

Mit der gesteigerten Erreichbarkeit und der erhöhten Verfügbarkeit von Musik, verändert Youtube das Musikhören in hohem Masse. Während der Inhalt des Onlineportals wächst, steht den Nutzern ein immer grösser werdendes musikalisches Archiv zu Verfügung. Die Nutzer werden dazu gedrängt, immer grössere Mengen an Musik zu konsumieren. Die Qualität von einzelnen musikalischen Werken rückt dabei in den Hintergrund ganz nach dem Motto: Quantität geht vor Qualität.3

Trotz der revolutionären Leistung, welche Youtube für den Konsum und die Erreichbarkeit von Musik erbracht hat, führt das Internetportal auch negative Folgen herbei.

(gi, sg, ys, bw)

  1. Wikipedia: Youtube. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/YouTube (Abgerufen: 18.12.2013)
  2. Youtube: Nutzungsbedingungen. URL: http://www.youtube.com/t/terms (Abgerufen: 30.12.2013).
  3. Reynolds, Simon: Retromania. Pop Culture’s Addiction to Its Own Past. London: Faber and Faber Ltd, 2011, 56-62.

Wie verändert Spotify das Musikhören, Suchen, Finden und Sammeln

Spotify ist eine der jüngsten Entwicklungen im Bereich des Musikangebots. Wir machen hier einen Vergleich mit der Situation vor der Internet-Ära, um die Entwicklung möglichst umfänglich darzustellen. Die Auswirkungen von Spotify auf das Musikhören, Suchen und Finden, sowie das Sammeln sind im Diagramm zirkulär dargestellt. Dabei wurde vom Musikangebot ausgegangen und anschliessend über die relevanten Zwischenschritte die Rückkopplungseffekte auf dasselbe dargestellt. Abgebildet ist jeweils die Situation vor der Internet-Ära im oberen Teil der Felder, im unteren die „neue“ Situation mit Spotify.

Spotify Diagramm

1.   Angebot

Das Angebot war vor der Internet-Ära durch diverse Instanzen vorselektiert, beziehungsweise moderiert. Zum einen entschieden A&Rs und Labels was überhaupt produziert und veröffentlicht wurde, zum anderen waren auch die Vertriebswege und Shops längst nicht für alle Produktionen offen – was keinen Verkaufserfolg versprach war nur in spezialisierten Läden erhältlich.
Durch die webbasierte Streaming-Technologie, welche Spotify verwendet, fällt der Zwang physischer Vertriebswege und Verkaufsfläche weg. Zudem wächst das Angebot dank kostengünstiger digitaler Produktionsmethoden im Allgemeinen.

In klassischen Plattenläden war das Angebot gezwungenermassen nach Stilrichtungen und/oder Alphabet sortiert. Da Spotify die Archivierung der Werke mittels einer Datenbank realisiert sind diese auf verschiedene Weisen abrufbar.

2.   Finden

Einst war es die Fachpresse, in welcher der Musikkonsument primär über Neuerscheinungen informiert wurde. Auch das soziale Umfeld, vor allem informierte Freunde, waren eine relevante Informationsquelle. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte zudem der Verkäufer im Lieblingsplattenladen, welcher oft mit interessanten Entdeckungen aufwarten konnte. Zufallsfunde beim durchstöbern des Angebots im Laden führten ebenfalls oft Spannendes zu Tage.
Die Suchfunktion bei Spotify hingegen findet zwar wegen des grossen Angebots meistens das Gesuchte, bietet aber jene Möglichkeiten auf Neues zu stossen nicht. Dieses Manko jedoch versucht Spotify auf verschiedene Weisen auszugleichen: Nebst Vorschlägen von Spotify, welche auf dem Ähnlichkeitsprinzip zu Gehörtem beruhen, besteht die Möglichkeit, komplette Playlists verschiedenen Ursprungs zu laden und diese auch zu bearbeiten und zu teilen. Dank der Verlinkung mit Facebook, wird der User zudem darüber informiert, was seine Freunde hören. Schliesslich besteht die Möglichkeit, mittels integrierter Apps (Pitchfork etc.) rezensierte Inhalte zu durchstöbern und somit den Plattenverkäufer in gewissem Masse zu substituieren.

3.   Besitz

Vinyl, CDs und MCs kann man physisch besitzen. Der Besitz muss auf individuelle Weise sortiert (oder nicht sortiert) aufbewahrt werden. Sowohl zum Tonträger selbst, als auch zur Archivierungsmethode, bestand ein persönlicher Bezug. Bei Spotify entfällt dies. Der „Besitz“ von Musik ist verwaltender Natur, er besteht darin, in der „Cloud“ gespeicherte Inhalte abrufbar zu machen. Eine klassische Plattensammlung konnte zudem eine Wertanlage sein. Nicht so bei Spotify: Selbst Premium-User mit Abo „besitzen“ keine Inhalte, sondern abonnieren lediglich den Zugriff darauf für die jeweilige Dauer der Abonnements.

4.   Konsumort

Physische Tonträger wie Vinyl oder CD wurden hauptsächlich auf einer Stereoanlage zuhause abgespielt. Mit der MC wurde (dank dem Sony-Walkman, später Discman) der Musikkonsum unterwegs möglich. Auch das Auto stellte oft einen bevorzugten Konsumort für MCs und CDs dar. Spotify hingegen wird bevorzugt auf PCs, Laptops und Mobilgeräten konsumiert. Oft werden hierzu Kopfhörer verwendet.

5.   Qualität

Besonders bei Vinyl waren die Qualitätsansprüche an die Aufnahmen hoch. Natürlich waren diese jeweils stark Stilrichtungsabhängig. Auch die CD bot – wenn auch in Kennerkreisen vor allem zu Beginn nicht gemocht – immer noch einen hohen Qualitätsstandard. Bei der MC hingegen überwogen  die Möglichkeiten der Flexibilität (Aufnahme, Portabilität). Das MP3 Format, welches der Streaming Technologie zu Grunde liegt, komprimiert die Daten der Aufnahmen stark, was zu erheblichen Qualitätsverlusten führt. Die Flexibilität der Verfügbarkeit und auch des mobilen Konsums scheint den Usern wichtiger zu sein als die bestmögliche Qualität zu erhalten. Zudem würden es die oft verwendeten (meist billigen) Kopfhörer nicht ermöglichen, Qualitätsunterschiede ab einem gewissen Niveau überhaupt noch zu erkennen. Premium-Kunden stehen zwar auch hochauflösende MP3s zur Verfügung, letztendlich sind aber auch diese im Datenvolumen stark komprimiert.

6.   Vergütung

Da beim Kauf physischer Tonträger stets mehrere Songs gekauft wurden, war deren Erwerb vergleichsweise teuer. Diese Einnahmen ermöglichten es der Musikindustrie sämtliche an der Produktion, dem Vertrieb und dem Verkauf Beteiligten zu entschädigen. Spotify lebt hauptsächlich von Werbeeinnahmen, zudem von den Abo-Verkäufen. Die vergleichsweise niedrigen Einnahmen verteilen sich auf ein viel grösseres Angebot. Somit bleibt für die an der Produktion Beteiligten (Künstler, Labels, Produzenten etc.) weniger. Damit ein Künstler denselben Betrag via Spotify verdient, den er mit einem Tonträgerverkauf bekommen hätte, müssten seine Werke zigfach abgespielt  werden.
Wie sich das konkret auf das insgesamt verfügbare Angebot auswirkt bleibt abzuwarten. Noch wächst das Angebot auf Spotify. Alternative und innovative Finanzierungsmethoden stellen eine Zukunftsperspektive dar. Die Wahrscheinlichkeit ist aber gross, dass aufwändige, von Labels finanzierte Produktionen, wie sie einstmals für Bands wie Roxette oder die Rolling Stones getätigt wurden, künftig rar werden.
(MR) (Lh) (dm) (nana)

Rock and Roll Hall of Fame – Cleveland, Ohio

In Europa verbindet man die Stadt Cleveland im Bundesstaat Ohio, USA, seit jüngsten Ereignissen mit einem Monster, das Frauen über Jahre hinweg in seinem Haus gefangen hielt. In Amerika verbindet man mit diesem Namen vor allem eines: Rock and Roll.

Aussenansicht der Rockhall in Cleveland Ohio

Seit 1995 steht am Ufer des Lake Erie die Rock and Roll Hall of Fame, in welche jedes Jahr in einer bombastischen Zeremonie die grössten Grössen der populären Musik aufgenommen werden. Angeschlossen an diese Halle ist das wohl grösste Museum für Populäre Musik der Welt, ein Mekka für Musikliebhaber.

Als ich 2008 die Rockhall zum ersten Mal besucht hatte, hat sie mich als grosse Musikliebhaberin weggeblasen: Hunderte von Gitarren, Kostümen, Papierfetzen und andere Artefakte der grössten Musiker aller Zeiten waren ausgestellt, dazu kamen permanente Rockmusik-Beschallung und interaktive Jukeboxen, welche die Gegenstände in den Vitrinen praktisch zum Leben erweckten. In kleineren und grösseren Kinosälen wurde einem die Geschichte des Rock and Roll näher gebracht, und grössere Spezial-Ausstellungen widmeten sich einer spezifischen Rockgrösse oder Band (In meinem Fall waren das 2008 Bruce Springsteen und ein Jahr später, 2009, The Doors). Bei jedem Besuch zeigte sich die Hall of Fame als Museum, in dem man Tage verbringen konnte.

Nun, vier Jahre später, betrete ich dieses Museum erneut. Rein äusserlich hat sich nicht viel verändert, die aussergewöhnliche pyramidale Struktur des Gebäudes, entworfen vom Architekten I.M. Pei, vermag noch immer zu beeindrucken. Auch die Art und Weise, wie der Besucher durch das Museum geführt wird, ist noch immer dieselbe: Mit einer Rolltreppe wird man ins Untergeschoss des Museums geführt, wo sich die Dauerausstellung des Museums befindet. Begrüsst wird man von den Konterfreis von Chuck Berry, Little Richard, Buddy Holly und James Brown, bevor man von den eigentlichen Mitarbeitern des Museums willkommen geheissen wird.

Der erste Teil der Dauerausstellung widmet sich der Geschichte des Rock and Roll: Die Wurzeln dieses Stils werden hier zurückgeführt auf Rhythm&Blues, Blues, Country/Folk Bluegrass und Gospel, von welchen jeder Stil seine eigene Vitrine und Hörstation hat. Danach geht es unter dem Motto „the beat goes on“ weiter zu einem kurzen Exkurs über die Protestbewegungen gegen Rock and Roll („This is just bare sex and nothing else!“, sagt darin ein geschockter Sittenwächter über die damals neue Musik).

Im nächsten Teil der Ausstellung scheinen sich nun die verschiedenen Fäden jener Wurzeln des Rock and Roll zusammenzufinden und in einer Person zu manifestieren: in Elvis Presley.

Glitzerkostüm von Elvis Presely

Las Vegas-Kostüme von Elvis Presley

Ein ganzer Flügel des Museums widmet sich der Musik und dem Vermächtnis von Elvis. Gezeigt werden Gitarren, Glitzerkostüme, Autos und Filmausschnitte, die dem grossen Meister des Rockabilly gehörten bzw. ihn zeigen. Es ist unverkennbar, dass zumindest für das Verständnis der Amerikaner Elvis Presley der Vater des Rock and Roll ist und sich nach IHM dann auch der Rest der populären Musik entwickeln konnte.

Die Fäden driften also nach Presley wieder auseinander, werden quasi zu neuen Fäden gesponnen. Wie kann man eine solche Komplexität in ein museumstaugliches Format bringen? Die Hall of Fame hat das, für mein Verständnis, hervorragend gelöst:
Der Besucher wird in einen Gang mit Vitrinen links und rechts an seiner Seite gelotst. Jede Vitrine ist einer Stadt gewidmet, welche in den Sechzigerjahren verschiedene Musikgrössen und Musikstile hervorgebracht hat, beginnend mit Memphis (Elvis Presley, Johnny Cash, Jerry Lee Lewis, Carl Perkins), London/Liverpool (Beatles, Animals, Yardbirds, Herman‘s Hermits etc., San Francisco (Janis Joplin, The Charlatans etc.) und Los Angeles (The Byrds, Eagles, Neil Young etc.).

Ausstellungsvitrine mit Gitarren, Kostümen, Texten, Platten etc. von berühmten Künstlern

Typische Ausstellungsvitrine der Rockhall

Da die Siebzigerjahre nicht mehr so deutlich in Städte unterteilt werden können, werden entweder einige Städte zusammengefasst, z.B. London, New York, Los Angeles als Repräsentationen des Punkrock (The New York Dolls, Blondie, Sex Pistols, The Clash etc.) oder zu Musikstilen wie Soul: Otis Redding, Aretha Franklin, James Brown etc. oder Heavy Metal: AC/DC, Alice Cooper, Deep Purple. Black Sabbath etc.

Nach diesem Teil folgt das Herzstück der Dauerausstellung, „The Legends of Rock and Roll“: Frei von Chronologie und Musikstil werden an diesem Ort aussergewöhnliche Persönlichkeiten der jüngeren Rock and Roll-Geschichte geehrt. Dazu gehören: Jeff Beck, Ray Charles, Bob Marley, Madonna, Tom Petty, Björk, Led Zeppelin, Paul Simon, Sly Stone, Ian Hunter, Stevie Nicks, Metallica, Allman Brothers Band, Michael Jackson, James Brown, The Supremes, David Bowie, The Who, Parliament / Funkadelic, The Beach Boys, Bruce Springsteen, ZZ Top, Aerosmith.

Warum genau diese Musikgrössen und nicht andere ausgestellt sind, ist nirgendwo beschrieben. Bob Dylan habe ich als grosser Fan beispielsweise schmerzlich vermisst. Ich nehme an, dass von diesen Künstlern Kleider und Instrumente zur Verfügung gestellt oder dem Museum vermacht wurden. Die Beatles und die Rolling Stones haben in einem weiteren Raum eine eigene, grössere Ausstellungsfläche. Jimi Hendrix, U2, The Doors, Genesis, Joy Division/New Order, The Dolls und The Band haben ihre Vitrinen dort so wie auch die beiden Plattenlabels Sun- und Atlantic Records.

Bild des Corners, wo die Geschichte des HipHop erklärt wird

Rapper’s Delight Corner

Ein Abwechslung von all den Rockgrössen bietet die Hiphop-Ecke „Rapper‘s Delight: The Story of HipHop“, wo (auf einer verhältnismässig kleinen Fläche) die Geschichte des Hiphop, mit Urgesteinen wie Run DMC, Afrika Bambaataa und Grandmaster Flash, zusammengefasst wird.

 

Elektronische Musik fehlt in der Sammlung gänzlich. Meine Kollegen erklärten mir, dass das damit zusammenhänge, dass Hiphop noch in irgendeiner Form mit dem Blues in Verbindung gebracht werden konnte, was auf elektronische Musik jedoch nicht zutrifft. Wirklich überzeugt hat mich diese Theorie nicht. Auch auf die Frage, warum kaum Künstler aus anderen europäischen Ländern (wie z.B. ABBA) ausgestellt sind, antworteten sie mir, dass die Ursprünge des Rock and Roll amerika- und englandbasiert seien. Allerdings wiesen sie mich darauf hin, dass die Hall of Fame regelmässig Sonderausstellungen über andere europäische Grössen der Musik-Geschichte mache.

Im zweiten Obergeschoss des Museum erfährt man einiges über die Personen im Hintergrund der grossen Künstler, welche den Rock and Roll entscheidend mit geprägt hatten, die sogenannten „Architects of Rock‘n‘Roll“:

  • Alan Freed, der Deejay, der mit seiner Radioshow in Cleveland den Begriff „Rock and Roll“ erfunden hat.
  • Les Paul, welcher mit seiner Erfindung der Solidbody E-Gitarre (Die heute weltberühmte Gibson Les Paul) Musikgeschichte geschrieben hat.
  • Sam Phillips, der Produzent von Sun Records, welcher Grössen wie Elvis Presley, Jerry Lee Lewis, Carl Perkins, Roy Orbison und Johnny Cash entdeckt hat.

Danach folgt eine interessante Video-Installation mit dem Titel „Video killed the Radio Star“, welche den Einfluss von MTV auf die Geschichte der Populären Musik beleuchtet.

Nach Besuch des Restaurants, dem Exkurs über das „Rolling Stone“-Magazin, der Spezialausstellung (dieses Mal waren die Rolling Stones an der Reihe), der Ecke über aktuelle Künstler (wo Kostüme und Instrumente von beispielsweise Lady Gaga, Katy Perry und Rihanna ausgestellt sind) und das Überbleibsel des Original „The Wall“-Konzertes von Pink Floyd, hat man das eigentliche Museum gesehen.

Was bleibt, ist die namensgebende „Hall of Fame“, in der die aufgenommenen Musikgrössen mit ihrer Unterschrift und ihren Dankesreden verewigt sind und wo ihnen in einem grossen Kinosaal mit einem Tribut-Video gehuldigt wird.

Alles in allem ist und bleibt die „Rock and Roll Hall of Fame“ ein grossartiges Museum, in dem alle Besucherinnen und Besucher – nicht nur die Kenner und Liebhaber der populären Musik – auf ihre Kosten kommen. Nach dem insgesamt sechsten Besuch der Halle frage ich mich jedoch, warum sich die Rockhall nicht auf andere Genres einlässt, die ebenfalls einen grossen Einfluss auf die Geschichte der populären Musik hatten. Wenn Run-DMC in der Rock and Roll Hall of Fame verewigt worden sind, dann müssten, meiner Meinung nach, konsequenterweise auch Künstler wie Kraftwerk oder Jean Michel Jarre aufgenommen werden. Damit tut sich die Halle noch ein wenig schwer, fürchte ich. Als Refugium für wirklich gute Musik und als Tribut an alle, die für deren Entstehen mitverantwortlich waren, ist die „Rock and Roll Hall of Fame“ in Cleveland, Ohio, wirklich nur eines: „The House that Rock built“.

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