Lana Del Rey – „Summertime Sadness“

Elizabeth Grant – besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Lana Del Rey – hüllt ihre Songs in eine unheimliche nostalgische Stimmung. Charakteristisch zeigt sich diese Stimmung im Musikvideo von „Summertime Sadness“.

Das Video zu „Summertime Sadness“ ist ähnlich wie das vorher erschienene Video zu „Video Games“ gestaltet. Von Beginn an wird der Eindruck erweckt, dass gefundenes altes Filmmaterial zu einem neuen Ganzem zusammengeschnitten wurde. Selbstverständlich soll dieser Eindruck nur geweckt werden, denn das Video wurde unter der Regie von Kyle Newmann im April und Mai 2012 gedreht. Das Video wurde aber so bearbeitet, dass es älter erscheint, viel älter. Es handelt sich hierbei um eine Faszination für die Möglichkeiten der frühen Technik. Die Bilder des Videos werden ähnlich wie bei Instagram in Sepia-Tönen gehalten, dazu gibt es gibt viel Nebel und das Bild flackert oft.

Im Video wird die traurige Liebesgeschichte von zwei Frauen dargestellt, in der eine ihr Leben beendet. Es ist den Betrachtenden überlassen, ob es sich um eine lesbische oder eine freundschaftliche Beziehung zwischen den zwei Charakteren handelt. Kyle Newmann, neben Lana Del Rey die zweite Frau im Video, äussert sich dazu folgendermassen: „it’s about not being able to live without the one you love – friend or lover it doesn’t matter – thats watever u want it to be“. (Yvonne Simmen)

Quasimoto: The Unseen (2000)

Madlib060613

„In fact, Quasimoto’s never been seen in the same room with anyone – he’s The Unseen“, ist auf der Webseite des Stone-Throw-Labels zu lesen.1 Wer ist dieser Quasimoto, dessen gepitchte, nach Helium klingende Stimme durch das Album begleitet? Ist es Madlibs innere Stimme, mit der er im Zwiegespräch steht, die mal als fragendes Gegenüber, mal als nerviger Zwischenrufer auftritt? Wer weiss? Auch wenn der abgehackte Flow Quasimotos beim ersten Hören irritieren mag, so wächst einem diese cartooninspirierte Stimme leicht ans Herz, macht sie doch die Einzigartigkeit der Platte aus.

Der Track „Return of the loop-digga“ ist ein Konglomerat aus Samples, die von mindestens 11 Platten stammen.2 Dabei loopt Madlip manchmal nur die Drums, dann wieder Soundschnipsel oder auch grössere Teile eines Songs. Die Samples wurden alle, bis auf eine Ausnahme, um das Jahr 1970 veröffentlicht und sind vorwiegend aus den Generes Funk und Jazz. Die meisten Samples sind Verweise auf die Geschichte der Black Music3, jedoch nicht ausschliesslich. Doch was alle Soundschnipsel gemeinsam haben: sie verweisen auf eine lang vergangene Ära, drücken deren Verehrung und Verklärung  aus und lassen ihre Stimmen und Klänge noch einmal aufleben.

Die Songstrukturen selbst sind eher lose, die Reime scheinen unsichtbaren Assoziationen zu folgen und die Textideen erscheinen eben so schnell, wie sie wieder verschwinden. Die Tracks sind kurz und enden abrupt, dies vielleicht weil Quasimoto wieder einmal zu high gewesen ist, um endlos daran zu feilen.4 Dies ist dem Album als Schwäche auszulegen wäre jedoch vermessen, denn Gerüchten zu Folge ist Quasimotos Existenz, wie auch die Soundcollagen, lediglich für das private Hörvergnügen von Madlib selbst entstanden. Erst auf Drängen von Peanut Butter Wolf, ist das Album überhaupt auf dem Stones-Throw-Label veröffentlicht worden.5

Zum Glück, denn die Absurdität eines Quasimotos, mit seinem herrlichen Comic-Humor, offenbart erst die Genialität seines Schöpfers Madlip.

(Stg)


  1. http://www.stonesthrow.com/quasimoto (Abgerufen am 10.06.14)
  2. http://www.whosampled.com/Quasimoto/Return-of-the-Loop-Digga/ (Abgerufen am 23. 06. 2014).
  3. Reynolds, Simon: Retromania, Warum Pop nicht von seiner Vergangenheit lassen kann. Mainz 2012. S.317.
  4. http://www.allmusic.com/album/the-unseen-mw0000068073 (Abgerufen am 10.06.14)
  5. http://www.stonesthrow.com/store/album/quasimoto/the-unseen-6

Danger Mouse & Sparklehorse: Dark Night of the Soul

Dark Night of the Soul

Danger Mouse & Sparklehorse: Dark Night of the Soul (2009)

Der Produzent Danger Mouse ist vor allem für seine Mash-Up’s bekannt, z.B. für „The Grey Album1Sparklehorse2 arbeiteten schon 2006 an „Dreamt for Light Years in the Belly of a Mountain“ mit Danger Mouse zusammen, sie kannten sich also bereits vor dem ambitionierten Projekt namens „Dark Night of the Soul3. Mark Linkous mitgezählt, vereint das Album zwölf verschiedene Interpreten, darunter David Lynch, welcher das Projekt auch gestalterisch unterlegte. Zuerst haucht Wayne Coyne von den Flaming Lips mit „Revenge der Platte“ Leben ein. Dann brummt Iggy Pop in „Pain“ weiter, überlässt Black Francis von den Pixies das Schmettern der „Angel’s Harp“ und David Lynch darf mit „Dark Night of the Soul“ das Album zu Ende führen.

Die Geister der vergangenen Zukunft sind auf dieser Platte mehrdeutig vorhanden. Aus dem Zusammentreffen verschiedener Künstler entsteht eine Hommage an Mark Linkous Musik. Dass sich das Releasedatum wegen rechtlicher Querelen zwischen EMI und Danger Mouse immer weiter verschob, bis gar fraglich blieb, ob das Album überhaupt erschiene, führte zu Kopien, welche bald nach den Aufnahmen im Internet herumgeisterten. Dann beging Linkous noch vor der Veröffentlichung Selbstmord, was dazu führte, dass das Projekt nicht nur als Hommage an seine Musik, sondern als Hommage an sein Leben gesehen werden konnte. Die Künstler verwirklichten nicht nur seine Ideen, sondern auch seinen Geist. „Hauntology is all about memory’s power […] and memory’s facility“4. Mit diesem Album leben Sparklhorse nochmals auf, bis eine andere Idee aufgenommen wird, vielleicht geloopt und durch einen Computer geschossen. Und dann kommt der Mann aus der Dunkelkammer eventuell nochmals zum Vorschein.5

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=5jH92Lpj0mI[/youtube]

David Lynchs Interpretation „Dark Night of the Soul“.

  1. Simon Reynolds (2012): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. Faber & Faber, S. 358.
  2. http://www.allmusic.com/artist/sparklehorse-mn0000008549/biography
  3. http://www.allmusic.com/album/dark-night-of-the-soul-mw0001352142
  4. Simon Reynolds (2012): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. Faber & Faber, S. 335
  5. http://www.spiegel.de/kultur/musik/abgehoert-die-wichtigsten-cds-der-woche-a-704865.html

Groove Armada – At The River (1999)

Groove ArmadaWoran erkennt man eine gute Idee? Sie besteht den „Test of Time“!

1999 erreichte das britische Electronica Duo Groove Armada1 mit dem Re-Release ihres Tracks „At the River“2 Platz 19 der UK-Single Charts. Als Grundlage dieses Songs dient ein Sample von Patty Page’s3 „Old Cape Cod“45 aus dem Jahre 1957. Sie, die „best selling female artist oft the fifties“, verkaufte den Tonträger damals über eine Million Mal, was ihr dafür Gold einbrachte. In dem zeittypisch üppig mit Bläsern und Streichern arrangierten Stück besang sie die Schönheit der Freizeitdestination „Cape Cod“, was den Song zur inoffiziellen Hymne der „Cape Codders“ machte.

Bei Groove Armada wird die erste Textpassage „If you’re fond of sand dunes and salty air / Quaint little villages here and there“ geloopt. Sie spielen mit Bass-Synthesizer und verlangsamten Drum-Samples, und schliesslich fügen sie ein verträumtes Posaunensolo hinzu, welches die restlichen Elemente im Song zeitweilig in den Hintergrund drängt. Damit erzielen sie einen überaus interessanten Effekt: Obwohl der klassische traditional Pop-Song bei ihnen zum elektronischen Chill-Out-Track mutiert, bleibt die ursprüngliche Sentimentalität und das verträumte Fernweh erhalten. Gerade durch die Neu-Inszenierung einer „alten“ Idee wird diese Sentimentalität noch verstärkt – das Fernweh bezieht sich nun nicht mehr nur auf einen schönen Ort, sondern zudem auf eine vergangene Zeit. Die Electro-Chill-Out version von Groove Armada schafft es, den Song in eine neue Zeit zu transferieren, ihn einem anderen Publikum zugängig zu machen, und dabei den Kern der Idee zu erhalten. Grosses Kino!
(MR)


Geisterklänge aus Basel: Ghostly Parachute, LaFayette, BLEU ROI & We Loyal

Wo findet man denn träumerischen Elektro-Synth-Pop mit Retroklängen in der Schweiz? In Basel – hier ein kurzer Überblick über die Szene der Stadt am Rheinknie.

„BE“ von BLEU ROI ist die erste Single der Newcomerin Jennifer Jahns (Release: November 2013). Die Singer-Songwriterin produziert Genre übergreifend: Pop, Elektro, Indie, Folk… inspiriert von Bon Iver und Sigur Rós.

[youtube width=“400″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=3REGWAV-XL4[/youtube]

Etwas gespenstischer wirkt das Projekt Ghostly Parachute; sie veröffentlichten die Vikael EP im Jahr 2012. Die vier Tracks erinnern mit den Echos, repetitiven Riffs, vocal Loops und elektronischen Beats an Songs aus den Achtzigern und 90er – damals waren Jascha Dormann und Ralph Tharayil Jugendliche, die die Musik für sich entdeckten.

[vimeo]http://vimeo.com/39705521[/vimeo]

Der Song „In Clouds“ verbindet das Singen mit den Bergen: „High, mountains high, sing out loud, too!“ Eine Beschreibung von Echo? Die klirrende Klänge am Anfang und der Titel verweisen auf den Himmel – vielleicht sind nicht Geister, sondern (Zukunfts-)Träume das Element, welches die Basler Musikszene prägt.

Ein weiteres Projekt, bei dem Jascha mitwirkt, nennt sich LaFayette. Dieses Electronica-Duo ist bekannt für seine zwei erfolgreichen EPs sowie Remixes anderer (Basler) Künstler. Sie treten meist mit DJ-Sets auf, trotz eigentlicher Multiinstrumentalität.f

Nachdem We Loyals „Distant Heart“1 geremixed wurde, blieb die Zusammenarbeit bestehen und weitere gemeinsame Projekte enstanden, sowie der Song Baboons mit dem Sänger Sandro Simon.

[youtube width=“400″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=iuGVHTjuJTk[/youtube]

„Reprise (Hymns & Rituals)“ heisst die eine Single von We Loyal ab der Singleplatte aus 2012. Mit Gigs in New York, Paris, Liverpool, der Schweiz und grosser Deutschlandtour hat die Band einen internationalen CV, dank ihrem global verständlichen Sound. Der Song thematisiert alte Hymnen und Rituale; wie viele Bands verwendet We Loyal einen Original-Synthesizer aus den Staaten, hergestellt in den 80ern. Die Instrumente, der Klang und der Inhalt behandeln das Vergangene: „In the ashes we can find the purest pieces of each other, on our lips the ancient hymn. Would we still feel it?“. Es herrscht ein revolutionärer Gedanke vor, ein Verlangen danach die Welt zu verändern, ein Traum: Erneut eine Parallele zu bereits verbreiteten Ideen… in den 60ern, 70ern und 80ern. Musikalisch machen die Basler Synth-Pop-Talente einen Griff in die Vergangeheit, kreiieren daraus ihren eigenen Sound und drücken durch die Lyrics ihren Wunsch nach einer besseren Zukunft aus.

Alle hier erwähnten Priojekte stehen in Verbindung mit dem unabhängigen Plattenlabel PlusPlus Records. Somit gleicht die Basler Szene beispielsweise der Britischen Hauntology-Szene mit Ghost Box als Zentrum. Nostalgie und elektronische Musik, eine genüssliche Erfahrung!

Weitere Musiker derselben Szene: Manuel Bürkli, Octanone, glaze und vermutlich viele zukünftige.


  1. Soundcloud: WeLoyal: LaFayette Remix: Distant Heart. 2010. https://soundcloud.com/weloyal/03-distant-heart-lafayette-remix (Abgerufen: 29.11.2013)

Gotan Project – Santa Maria (Del Buen Ayre)

Als ich meinen Vater einmal subtil und ein Hauch besserwisserisch eine Andeutung machte, dass seine neue Komposition einige Läufe aus einem bestehendem klassischen Werk enthält, wies er mich darauf hin, dass die Tätigkeit ja nicht umsonst nicht Erfinden, sondern Komponieren hiesse, was ursprünglich aus dem lateinischen componere also ‚Zusammenfügen’ kommt.

Diese Tatsache gewann mit der zunehmenden Verbreitung des Samplings eine ganz neue Bedeutung. Mit der Musik von Gotan Project ist durch die Vermischung verschiedener kultureller Elemente eine Stilrichtung entstanden, die bis dahin nicht existierte. Was eigentlich aus einer simplen Kombination einer rhythmischen Grundlage und Sampling von verschiedenen Sounds besteht ist gleichzeitig eine raffinierte (und äusserst erfolgreiche) Mixtur von Alt und Neu.

Diese Synthese in Santa Maria (Del Buen Ayre) deutlich zu erkennen. Der Ausgangspunkt der Musik besteht zunächst aus dem rhythmischen Grundgerüst, das sich grundsätzlich aus Drums und E-Bass zusammensetzt, welches dem Sound auch sein modernes, elektronisches Auftreten verleiht. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil bei diesem Stück und bei Gotan Project im Allgemeinen besteht aus dem Bandoneón, das fast ausschliesslich im argentinischen Tango verwendet wird. In diesem Fall bedienen sie sich dementsprechend eines klassischen Tango-Riffs aus der Entstehungszeit des Tangos etwa der 30er-Jahren, das seither erhalten blieb und besonders in Kombination mit diesem einzigartigen Instrument für Wiedererkennungswert sorgt. Das besagte Riff wird dann vermehrt repetiert und mit anderen elektronischen Sounds kombiniert. Die Gesangslinie beispielsweise klingt ebenfalls wie ein Sample, das wie ein Echo von weit her eingesetzt wird. Um das Gefühl der Metropole Buenos Aires noch zu verstärken arbeitet Gotan Project ausserdem sehr viel mit Geräuschen der Grossstadt.

Die Vermischung von Vergangenheit und Gegenwart spiegelt sich auch im Titel, sowie im Videoclip des besagten Songs wieder. Der Titel Santa Maria (Del Buen Ayre)  benutzt die alte Benennung des Hafens, sowie die Schreibweise der Stadt, wie sie bei der Gründung von Buenos Aires verwendet wurde (Buenos Aires wurde damals mit „y“ geschrieben). Der Videoclip bildet diese Verschmelzung noch offensichtlicher ab: Obwohl der Clip in schwarz-weiss gehalten ist, gestaltet sich der Schnitt sehr modern. Auch die Umgebung und die tanzenden Pärchen zeichnen sich teilweise durch klassische Gesten des Tangos aus, wie beispielsweise durch den klassischen Tangoschuh oder die Mäntel, jedoch verknüpft mit modernen Elementen wie vorbeifahrenden Mini-Coopers im Hintergrund.

Vergangenheit und Gegenwart wird als Kontinuum widergegeben, wie es auch in der argentinischen Stadt spürbar ist – Neues und Altes prallen zusammen und ergibt sich als Palimpsest der Musik.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=e7xTPVihFFk[/youtube]

Danger Mouse – The Grey Album (2004)

Danger Mouse – The Grey Album

„The Grey Album“ von Produzent und DJ Danger Mouse ist ein Mash-Up-Projekt der besonderen Art. Fast alle erfolgreichsten Mash-Ups funktionieren nach dem Muster des Kontrasts und der Kollision, erklärt Reynolds.1 So ist dies auch bei Danger Mouse der Fall.  Sein „Grey Album“ kombiniert nämlich das „White Album“ (1968) der Beatles mit dem „Black Album“ (2003) von Jay-Z, womit der Kontrast bereits in den Namen der beiden verwendeten Alben ersichtlich wird. Einen Kontrast bilden zudem die beiden unterschiedlichen Musikstile Rock und Rap, welche Danger Mouse auf seinem Werk kombiniert. Als Kollision ist die Mischung deshalb zu bezeichnen, weil nicht irgendwelche Künstler aufeinander treffen, sondern zwei der erfolgreichsten in der Geschichte der populären Musik.

Die meisten Mash-Ups sind nach dem Prinip der Superimposition arrangiert, wobei der Gesang eines Lieds über den Groove und die Melodie eines anderen Lieds gelegt wird.2 In „The Grey Album“ ist es jeweils Jay-Z’s rappende Stimme, welche mit den Melodien der Beatles-Songs kombiniert wird. So werden zum Beispiel „Encore“ und „Glass Onion“ oder „99 Problems“ und „Helter Skelter“ gemixt. Dass solche Kombinationen funktionieren, erscheint im ersten Moment fragwürdig. Hingegen gelingt es Danger Mouse auf beeindruckende und überzeugende Weise, das ältere Album mit dem neueren zusammenzubringen. Seine Errungenschaft zeichnet sich dadurch aus, dass er die musikalischen Werke zweier Giganten der populären Musik neu interpretiert und einen modernen Sound aus ihrer Mischung kreiert. „The Grey Album“ befreit die Musik der Beatles von ihrer kanonischen Art und verleiht ihr mehr Schwung und Jay-Z’s kraftvolle Lyrics erhalten dabei jene ergänzende Hintergrundmelodien, die sie verdienen.3

(gi)


  1. Simon Reynolds (2011): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. Faber & Faber, S. 149-150.
  2. Ebd.
  3. Spin (2004): Review Danger Mouse Grey Album. URL: http://www.spin.com/reviews/danger-mouse-grey-album-wwwdjdangermousecom/ (Abgerufen: 26.11.2013)

Com Truise

„A hundred million corpses broadcast through history are no more than a puff of smoke in the imagination.“1

Hauntology („Hauntology has been used to describe a gathering of disparate artists dealing in „haunted“ sonics; music resonating with the emotions and feelings of past analog, and digital ghosts“2) und Chillwave sind sich seit ein paar Jahren stark am entwickeln und ausbreiten: Musikströmungen wie Dubstep und Witch-House werden zunehmend ernster genommen und erhalten ihren eigenen Platz in der Musikwelt.

Eine spannende Figur hierbei ist der amerikanische Künstler und Musiker Seth Haley alias Com Truise: er macht elektronische Musik, welche stark von den Stilen der 80er Jahren beeinflusst ist. 2010 erschien eine erste EP und im Juni 2011 folgte dann das erste Album: ‚Galactic Melt’. Ein Jahr später brachte Com Truise sein zweites Album ‚In Decay’ auf den Markt (vgl. Wikipedia).

Com Truise

Com Truise

Sein Stil ist äußerst experimentell; schwer und schwebeleicht zugleich. Er selbst bezeichnet das als “mid-fi synth-wave, slow-motion funk” (vgl. lastfm). Unter ständig änderndem Pseudonym macht Haley nun schon gut ein Jahrzehnt Musik. Er bezieht sich dabei auf mehr als nur eine Band: seine Musik verzeichnet Einflüsse von Künstlern wie Joy Division, New Order, oder den Cocteau Twins. Ihm gelingt es produktive Stränge zu den verschiedensten Genres zu schlagen. Sein Sound ist futuristisch und nostalgisch zugleich.

Jacques Derrida, der den Begriff Hauntology 1993 erstmals einführte, wies korrekt darauf hin, dass „die Nicht-Präsenz der Geister es verlangt, die Historizität, die Zeitlichkeit und die Einzigartigkeit zu betrachten“3 (was der Begriff Hauntology ja auch auszudrücken versucht). Und Com Truise probiert diesem Verlangen über seine Musik Abhilfe zu schaffen.


Literatur:

Reynolds, Simon: Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. New York: Faber & Faber, 2011.

Bild:

http://www.lifelounge.com.au/resources/IMGRELATED/ComTruise8.jpg (Abgerufen am 26.11.13)

  1. 8tracks (Abgerufen am 26.11.13)
  2. 14tracks (Abgerufen am 26.11.13)
  3. DEBUG (Abgerufen am 26.11.13)

J. Dilla – Donuts

J. Dilla, das einstige Slum-Village-Mitglied, schuf während seiner Karriere Hits, die immer noch in unseren Ohren herumgeistern: z.B. Janet Jacksons „Got Til It’s Gone“. 1 Dilla litt an der Immunkrankheit Lupus, hielt dies aber vor der Öffentlichkeit geheim. Bekannt für seinen unermüdlichen Ideenreichtum und seinen Arbeitswillen, produzierte der Musiker im Krankenhaus weiter.2 Drei Tage vor seinem Tod im Februar 2006 veröffentliche er das Album „Donuts“ . Die Platte fasst das ganze Können des Hip Hop-Musikers und Produzenten zusammen: Bassläufe, Boom Bap und die Samples die er ideenreich einsetzt .Das Album besteht aus Entwürfen, es hat eine Art Notizbuch-Charakter, die Songs wirken roh, unfertig.Dass J. Dilla ein Hang zu vergangener Musik hat, beweist er nicht zu Letzt mit dem vierten Track, da sampelt er ein afrikanisches Cover des „The Doors“-Klassiker „Light my Fire“ . Für Konventionen hatte er noch nie was übrig.3

Die Geister der vergangen Zukunft erscheinen aber in doppelter Hinsicht beim Song „Lightworks“: J. Dilla sampelt darin die Bendix Werbung „The tomorrow people“. Damit erinnert er auffallend an die UK-Hauntology-Bewegung mit dem Unterschied, dass Dilla sich an kommerzielle Quellen bedient.

Nach seinem Tod 2006 wurde J. Dilla selbst zum Geist der Vergangenheit. Flying Lotus benutzt seinen Song „Lightworks“ und veröffentlichte einen Remix. Dies bleibt aber nicht der einzige J.Dilla Tribute:  FlyLo remixt zusätzlich den Slum Village Song „Fall in Love“.4

Stones Throw: J Dilla – Lightworks (Donots) Official Video. 4.8.11. http://www.youtube.com/watch?v=xLf6hzkeXbg (Abgerufen am 26.11.13).

Damusiqlova: [Flying Lotus] LTWXRMX. 11.12.08. http://www.youtube.com/watch?v=3z0kssNGcJw (Abgerufen am 26.11.13).


  1. Engelen, Alexander, http://www.laut.de/J-Dilla/Alben/Donuts-11950 (Abgerufen am 26.11.13).
  2. http://de.wikipedia.org/wiki/J_Dilla (Abgerufen am 26.11.13).
  3. Engelen, Alexander, http://www.laut.de/J-Dilla/Alben/Donuts-11950 (Abgerufen am 26.11.13).
  4. Reynolds, Simon: Retromania. Pop Culture’s Addiction To Its Own Past. London: Faber & Faber 2011. 352ff.

Lana Del Rey: Video Games (2011)

Beim Ansehen von Lana Del Reys Musikvideo zu ihrer Debütsingle „Video Games“ kommt schnell der Gedanke auf, dass sie den Titel ihres Songs wortwörtlich genommen hat. Das Musikvideo setzt sich nämlich aus diversen Sequenzen von altem Filmmaterial zusammen und wird ab und an unterbrochen von Ausschnitten, die Lana Del Rey mit Schmollmund beim Singen zeigen. Es ist im wahrsten Sinn ein Spiel mit Videos. Aufgrund der Qualität und des Inhaltes der kurzen Filmsequenzen lässt sich erkennen, dass sowohl sehr altes, als auch neueres Filmmaterial vorkommt. Gepaart mit Del Reys tiefer, ruhiger Stimme entsteht auf diese Weise eine nostalgische Stimmung. Das Musikvideo hat die Sängerin allein gedreht und editiert.1 Auf die Frage, ob sie etwas an der Produktion des Videos ändern würde, antwortete Lana Del Rey:

„Had I known so many people were going to watch the video, I’d have put some more eff­ort into it. I would have got my hair and make-up done and tried not to be so pouty, seeing as everyone talks about my face all the time. And I’d have put more of a storyline into it.”2

Nach dieser Aussage verwundert es auch nicht, dass sich Lana Del Rey aufgrund der nicht vorhandenen urheberrechtlichen Erlaubnis, diese Videoausschnitte zu benutzen, dann vor Gericht verantworten musste.3

Lana Del Reys Musikvideo zu „Video Games“ beschwört mit der Verwendung von Filmsequenzen aus verflossenen Tagen die Geister der Vergangenheit herauf und lässt einen am Ende mit einem seltsamen Gefühl in der Brust in die Nüchternheit der Gegenwart zurückfallen.

[youtube width=“560″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=cE6wxDqdOV0[/youtube]