Janis Ian

Janis_Ian_1

Ein Leben unterteilt in verschiedene Phasen, eigentlich Akte eines Dramas, wie es nur das Dasein selbst schreiben kann: Im Jahr 1966, mit fünfzehn Jahren, schreibt Ian den Folksong „Societys Child“, der von der Liebe eines schwarzen Jungen mit einem weissen Mädchen handelt. Sie sang das Lied in einer Fernsehshow und war auf einen Schlag berühmt.1 Mit der Bekanntheit konzentrierte sich aber auch der Hass der Konservativen auf sie, den sie in Form von Schmähbriefen und Spucke zu spüren bekam.2 Innerhalb von knapp vier Jahren veröffentlichte Janis Ian drei weitere Alben, tourte mit Janis Joplin, kannte Jimi Hendrix und verteilte ihr Geld grosszügig an ihre Freunde. Nachdem sie von der Highschool geflogen war, hatte sie reiche Jahre voller Konzerte und Aufnahmen. Mit „At Seventeen“ gewann sie sogar einen Grammy. Doch dann, ab Anfang der Achtzigerjahre, ging es mit ihrer Karriere steil bergab. Die Platten „Night Rains“ (1979) und „Restless Eyes“ (1981) verkauften sich sehr schlecht und darum liess ihr Label sie fallen.3

Janis Ian verschwand von der Bildfläche, heiratete einen gewalttätigen Mann, schied sich wieder von ihm, verfolgte andere Projekte und kam 1993 nach Jahren auf die Bühne zurück. Mit dem Erscheinen des Albums „Breaking Silence“, dessen Release mit ihrem Coming-Out zusammenfiel, fand sie den Weg zurück ins Showbusiness. Sie wollte nie mehr vom Musikbusiness abhängig sein und Gründete deshalb ihr eigenes Label mit dem Namen „Rude Girls Records“. Es folgten weitere Alben, ein Kinderbuch und eine Autobiografie.4

Neben dem Talent, dem Engagement für die Lesbenbewegung und ihrer Entschlossenheit auf eigenen Füssen zu stehen, haben ihre Lebensgeschichte und ihre Freundschaften einen nicht unwesentlichen Teil zu der Befeuerung ihres Comebacks beigetragen.

Aus der heutigen Perspektive war ihr Debüt natürlich ein Happening mit unglaublicher sozialer Sprengkraft, der Grundstein einer tollen Geschichte. Janis Joplin und Jimi Hendrix hatten es beide geschafft durch ihre Musik und ihr frühes Ableben unsterblich zu werden. Da ist es natürlich sehr förderlich, wenn man sich zu deren Weggefährten zählen kann. , Für in Vergessenheit geratene Genies und Menschen, die durch eine harte Zeit zu ihrem wahren Ich gefunden haben,  ist die Gesellschaft sehr empfänglich.

Schliesslich ist Janis Ian aber wohl zu grossen Teilen ihres eigenen Glückes Schmied, nicht zuletzt weil sie es schaffte, mit ihrem Label und der Distribution von mp3 fortschrittliche Wege zu gehen. So fasste sie das Internet nicht als Feind, sondern als Freund auf.5 (Stg)

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=yW_rYLoIR08[/youtube]

 


Skip Spence – Oar (1969)

Skip Spence – Oar

Alexander Lee „Skip“ Spence liefert mit „Oar“ den Soundtrack zur Schizophrenie. Genialität trifft auf Wahnsinn. Niemand ausser dem psychedelischen Renaissance Mann hätte ein vergleichbares Album kreieren können. Aufgrund seiner Krankheit und übermässigem Drogenkonsum lebte er ein surrealistisches Leben und dies kommt in seiner Musik sehr stark zum Ausdruck.1

Bevor Skip Spence als Solokünstler das Projekt „Oar“ in Angriff nahm, war er als Schlagzeuger der erfolgreichen Band Jefferson Airplane tätig, welche zu den Hauptvertretern des Psychedelic Rock gehörten. Nach der Veröffentlichung ihres ersten Albums, verliess er die Band jedoch bereits wieder, um Moby Grape zu gründen und seine Künste als Gitarrist unter Beweis zu stellen. Diese Geschichte endete hingegen unglücklich. Während den Aufnahmen zu ihrem zweiten Album versuchte Spence unter Drogeneinfluss seine Bandkollegen mit einer Axt zu attackieren. Er wurde daraufhin ins New York Bellevue Hospital eingeliefert, wo die Krankheit Schizophrenie diagnostiziert wurde.2 Nach seiner Entlassung startete er seine Solokarriere und veröffentlichte im Jahre 1969 „Oar“.

Spence kehrte auf seinem Album die Verhältnisse um: Er spiele auf dem Album „Oar“ weniger Musik, als eher die Musik mit ihm spiele, beschreibt der britische Musiker und Journalist Julian Cope den Sound.3 Jeder Song des Albums hört sich an, als hätte er seinen eigenen Fingerabdruck. Ein herausragendes Beispiel stellt „War in Peace“ dar, in welchem er von auferstehenden Toten und kosmischen Dingen singt. Dabei kommt auch sein mentaler Zustand sehr gut zum Ausdruck. Die psychedelischen Elemente mischt Spence gekonnt mit traditionellen Musikstilen wie dem Folk oder dem Blues.

Als „Oar“ im Jahre 1969 von Columbia Records veröffentlicht wurde, ging es als eines der schlechtestverkauften Alben in die Geschichte des Labels ein. Erst Jahre später wurde Skip Spences grossartiges Werk gewürdigt. 1991 kam es zur ersten Wiederveröffentlichung des Albums durch Sony Special Products und 1999 erschien die Sundazed Version, welche zusätzliche bisher unveröffentlichte Songs beinhaltet. Im selben Jahr wurde dem Werk zudem ein Tribute Album gewidmet, an welchem viele namhafte Künstler mitwirkten.4

Skip Spence – War in Peace: [youtube]http://www.youtube.com/watch?v=e-ZOjZztGzs[/youtube]

(gi)


Quellen:

 

  1. Allmusic: Oar. URL: http://www.allmusic.com/album/oar-mw0000263110 (Abgerufen: 3.12.2013).
  2. Altmusic: Skip Spence. URL: http://altmusic.about.com/od/1960s/fr/skipspence.htm (Abgerufen: 3.12.2013).
  3. Cope, Julian: Alexander Spence-Oar. Head Heritage. URL: http://www.headheritage.co.uk/unsung/thebookofseth/alexander-spence-oar (Abgerufen: 3.12.2013).
  4. Wikipedia: Oar (Album). URL: http://en.wikipedia.org/wiki/Oar_(album) (Abgerufen: 3.12.2013).

Seasick Steve

Seasick-SteveSeinen Namen verdankt er seiner Neigung zur Seekrankheit. Trotzdem blieb er auf Kurs – ein Leben lang. Er musste über 60 Jahre alt werden und dem Tod nur knapp entrinnen, dann erst kam der Erfolg.

Einigen Quellen zu Folge[1][2] wurde Seasick Steve 1941 als Steve Wold in Oakland (Kalifornien) geboren. Er selbst gibt an, sein genaues Alter nicht zu kennen[3]. Fest steht, dass er früh auszog, um den Misshandlungen seines Stiefvaters zu entkommen. Von nun an führte er das Leben eines klassischen amerikanischen Hobos. Er schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, verdiente sich zwischendurch etwas Geld als Strassenmusiker und reiste als blinder Passagier auf Güterzügen durchs Land.
In den 60ern begann er mit befreundeten Musikern wie Janis Joplin oder Joni Mitchel zu touren und arbeitete als Session-, Studiomusiker und Tontechniker. Obwohl er auf den frühen Alben der heutigen Szenelieblingen Modest Mouse als Produzent verzeichnet ist, blieb ihm der wirkliche Erfolg verwehrt. Der Erzählung nach bat ihn seine Frau, nachdem er einen Herzinfarkt nur knapp überlebte, ihm einige Songs aufzunehmen, damit ihr etwas von ihm bleibe, wenn er stirbt.
Seinen Durchbruch erlebte er 2006, als er in Jools Holland’s BBC Neujahrsshow[4] gleich drei Stücke aufführen durfte. Er spielte auf einer dreisaitigen Gitarre, begleitet von seiner „Mississippi Drum Machine“, einer Kiste, auf der er mit dem Fuss den Takt klopfte. Von da an war er ein gefragter Festivalmusiker. 2008 erreichte sein Debut „Dog House Music“ Platz 2 der britischen Independent Charts. Seine Musik ist ein erfrischend roher Mix aus Blues, Folk, Country und Rockabilly. Seine Texte handeln vom Leben als Landstreicher – von den Geschichten, die er erlebt hat. Und die erzählt der zufrieden wirkende bärtige Mann mit so viel Charme, dass es schwer fällt, sich ihm zu verschliessen.
(MR)


Quellen:

[1]http://en.wikipedia.org/wiki/Seasick_Steve (engl. Wikipedia, abgerufen 08.12.2013)
[2]http://de.wikipedia.org/wiki/Seasick_Steve (dt. Wikipedia, abgerufen 08.12.2013)
[3]http://www.zeit.de/2009/49/M-Seasick-Steve (Artikel in Zeit Online, abgerufen 08.12.2013)
[4]http://www.youtube.com/watch?v=pNoPNC3ebYQ
(Durchbruchshow: Jools Holland 2006)

Johnny Cash

Nachdem seine Karriere Ende der 50er und zu Beginn der 60er-Jahre erreicht hatte, flachte die Beliebtheit von Johnny Cash stetig ab. Trotz der Produktion weiterer Alben wie zum Beispiel „Johnny 99″ (1983) und „Water from the Wells of Home“ (1988) rutschte Cash immer mehr in den Hintergrund und gerat in Vergessenheit.1 Zu Beginn der 90er Jahre war Cash laut dem Tages-Anzeiger Journalist Fellmann „ein abgehalfterter, erfolgloser Countrysänger, der auf zu viele Jahre mit Alkohol, Drogen und schlechter Musik zurückblickte.“2 In der Hälfte der 90er-Jahre begann Cash zusammen mit Rick Rubin (Produzent von u.a. Run-D.M.C und den Beasty Boys) eine neue Platte aufzunehmen. Diese trug den Namen „American Recordings“ und enthielt viele neuartige Tracks, doch trotzdem war der erste Track „Delia’s Gone“ sehr nahe an der Art von früheren Songs von Cash. Im Musikvideo zum Tack spielte Kate Moss die Hauptrolle und dies führte zu mehr Aufmerksamkeit, unter anderem eines jüngeren Publikums, gegenüber dem zu dem Zeitpunkt nicht mehr so beachteten Cash.3

[youtube width=“420″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=Y1iKEPzF1Js[/youtube]

Die Wiedergeburt von Johnny Cash ist laut Fellmann wie ein Mythos inszeniert worden. Johnny Cash, von dem niemand mehr etwas wissen wollte, stellte sich quer gegenüber dem kommerziellen Popgeschäft und macht sein eigenes Ding, als „Man in Black“ kommt er aus der Versenkung hervor um mit der Musik als Waffe seine Rolle in der Musikgeschichte zurechtzurücken. Inszeniert wird dies unter anderem durch das Cover des Albums, auf dem Cash mit seinem Gitarrenkoffer einsam und zerzaust dasteht, flankiert von zwei Hunden, und in die Kamera blickt.4

Cover des Albms "American Records"

Cover des Albms „American Records“

Heute ist Johnny Cash beinahe jedem ein Begriff, aber es ist den meisten wohl nicht bekannt, dass er nicht immer das Idol, der Klassiker und die Legende war, als die er heute zumeist in Erinnerung bleibt. Somit lässt sich nur sagen, die Geschichte wurde korrigiert, zugunsten von Johnny Cash.


Sibylle Baier

Sibylle Baiers Erfolgsgeschichte liest sich ein bisschen wie eine schnulzige Hollywood-Liebesgeschichte: Im Jahre 1970 nimmt sie, inspiriert von einem abenteuerlichen Road Trip nach Genua, ihren ersten Track „Remember The Day“ auf.1 Es ist ein ruhiger Folk-Song. Ihre sanfte, warme Stimme wird bloss von einer Gitarre begleitet. In den folgenden drei Jahren schreibt und zeichnet sie weitere Lieder auf, die zusammen ein kleines Album bilden.2 Eine Kopie davon schenkt sie einem Freund und das war auch beinahe schon das Ende der Geschichte.3 Doch dann, dreissig Jahre später, macht Baiers Sohn Robby eine CD aus diesen Songs, um sie einigen Familienmitgliedern zukommen zu lassen. Eine CD schenkt er J Mascis von Dinosaur Jr. Dieser wiederum leitet sie weiter an das Label Orange Twin Records und siehe da, 2006 veröffentlicht Orange Twin Sibylle Baiers Album namens „Colour Green“. Mehr als dreissig Jahre später stellt sich für die Mutter nun der Erfolg ein. Ihrem Sohn zufolge, der auch die offizielle Website seiner Mutter betreibt, ist Sibylle Baier recht perplex bezüglich dieser unerwarteten Wendung.4

Manchmal braucht es eben keinen Hollywood-Schreiberling, um eine unglaubliche Geschichte rauszuhauen. Das Leben kriegt das auch ganz gut alleine hin.

[youtube width=“560″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=vjjjewIG0Zs[/youtube]


Dino Valente: Vom Hitschreiber der Hippieszene zum psychedelischen Drop-Out

Was geschieht, wenn ein Album zu obskur wird für die Psychedelic-Folk-Szene? Es geht beinahe vergessen… respektive erhält verkappt Kultstatus unter Kennern.

Chet Powers schrieb den Hit „Everybody Get Together“ (Eingespielt von Youngbloods, Jefferson Airplane oder Kingston Trio), war Sänger und Herzstück der Quicksilver Messenger Services (Acid Rock Band 1965-1986) und veröffentlichte solo unter dem Namen Dino Valente eine gleichnamige LP. Chet Powers, Dino Valente, Dino Valenti, Jesse Oris Farrow:1 viele Namen, ein Musiker – one of a kind. Das Album erschien 1968 (1998 auf CD) und gehört zu den „übersehenen, experimentellen Songalben“2 seiner Zeit.

[youtube width=“400″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=0NqDedFXmew[/youtube]

Im August 2013 wurde die Platte in überarbeiteter Tonqualität als Vinyl3 neu aufgelegt und spät, Valente starb 1994, wird das Album als eines der besten Sechzigerjahre Psychedelic Folk Alben anerkannt und Dino Valente als ursprünglicher Einfluss des Musikgenres. Eine Mischung aus San Franciscanischer Psychodelia und neuartigem Countryfolk macht die Klangfarbe des Albums einzigartig und bleibt noch heute auf Grund seiner Aufarbeitung auf Vinyl, anstelle von einer digitalen oder CD-Neuauflage, ein Unikat seiner Art. Die Lyrics kreieren einen direkten Dialog, lassen Bilder entstehen bei jeder gesungenen, melancholisch klingenden Zeile.4 Gitarrenklänge, Poesie, eine schweifende Männerstimme, vereinzelte weitere, sphärisch klingende Instrumente: „Just like a breath of morning. Purple magic dawning. Can you know the dreams I always will dream…“ Entspannung, Zeitlosigkeit und Genuss. Sanft bahnt die Musik einen Weg in unsere Psyche und entführt unseren Verstand tief in ein magisches Land der Träume.


  1. Unterberger, Richie: Artist Review. http://www.allmusic.com/artist/dino-valente-mn0000823867/biography (Abgerufen: 03.12.2013).
  2. Diederichsen, Diederich: Sehnen, Nerven und Fleisch. Die Tageszeitung.  http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2013%2F10%2F19%2Fa0034 (Abgerufen: 03.12.2013).
  3. Gallacher, Alex: Dino Valente – First ever Vinyl Re-issue. http://www.folkradio.co.uk/2013/09/dino-valente-first-ever-vinyl-re-issue/ (Abgerufen: 03.12.2013).
  4. Fong-Torres, Ben: Dino Valente. In: Rolling Stone Magazine. February 1st, 1969. http://www.penncen.com/quicksilver/valente/stone.html (Abgerufen: 03.12.2013).

Buena Vista Social Club

„Buena Vista Social Club“ ist der Name eines Projekts, welches in den 1990er Jahren erstmalig den orchestralen Son[1] der 1950er wiederaufnahm. Es ist auch der Titel des daraus von Ry Cooder produzierten Albums sowie des von Wim Wenders gedrehten Dokumentarfilms.

Doch nun der Reihe nach. Nachdem Ry Cooders musikalische Kooperation zwischen afrikanischen und kubanischen Musikern scheiterte, startete er ein neues Projekt: „Buena Vista Social Club“. Mit Künstlern, die in den 1950er selbst den Son musizierten, wurde die kubanische Musik von Cooder aufgenommen. Zuerst war das unter demselben Namen 1997 herausgegebene Album nur bei world music Spezialisten bekannt, doch es gewann stetig an Bekanntheit.[2] Aufgrund des grossen Erfolgs drehte Wim Wenders 1999 ein Dokumentarfilm über das Projekt, wobei der Werdegang der Musiker im Zentrum stand. Durch die Grammy-Auszeichnung[3] des Albums wie aus des Dokumentarfilms erlangten die teilweise über 70jährigen Musiker, deren Karriere eigentlich seit den 1950er stagnierte, weltweiten Ruhm. Die nostalgische Tanzmusik des vorrevolutionären Kubas begeisterte – unerwartet – auch die westliche Welt.[4]

Das Wiederaufleben der kubanischen Musik wurde bekannter und bedeutsamer, als der Son der 1950er selbst. Damit sorgte „Buena Vista Social Club“ für einen tiefen Einschnitt in die Rezeptionsgeschichte der kubanischen Musik. Aus diesem Grund stiess das breite Interesse an die Tanzmusik Kubas bei den jungen Einheimischen auf Vorbehalte. Diese fürchteten, dass die Weiterentwicklung ihrer Musik der vorigen vierzig Jahren negligiert würde.[5] Ausserhalb Kubas ist der Begriff ‚Buena Vista’ heute bekannter, als der Begriff ‚Son’, welcher eigentlich die traditionelle kubanische Musik bezeichnet.[6]

Weiterführende Literatur:

Miessgang, Thomas: Der Gesang der Sehnsucht. Die Geschichte des Buena Vista Social Club und der kubanischen Musik. Köln: Kiepenheuer und Witsch 2000.


[1] Siehe auch Wikipedia – Kubanische Musik (Aufgerufen 4.12.13)

[2] Buena Vista Social Club (Aufgerufen 4.12.13)

[5] Wikipedia – Kubanische Musik (Aufgerufen 4.12.13)

Shuggie Otis: Das verlorene Wunderkind der Popmusik (ma)

Shuggie Otis: das Wunderkind der Popmusik!

Shuggie Otis

Shuggie Otis

Johnny Alexander Veliotes Jr., der unter dem Pseudonym Shuggie Otis weltweit bekannt ist, wurde im Jahre 1953 in Los Angeles, Amerika geboren.
Der US-Guitarist, Songwriter und Sänger hat das Talent seines Vaters, griechischstämmigen Musiker und Produzent Johny Otis, geerbt und stand schon als kleiner Junge mit ihm auf der Bühne.

Shuggie Otis

Als er 13 Jahre alt war, hat er bereits seinen ersten Hit und mit 16 spielte er den Bass bei Frank Zappa und Gitarre mit T-BoneWalker.[1] Zusammen mit seinem Vater machte er Platten und fiel bei Live-Auftritten vor allem durch sein Gitarrenspiel auf. Shuggie Otis galt als Wunderkind der Popmusik und man hat gedacht, dass ihn eine Traumkarriere erwartet. Obwohl er seinen Platz neben Namen wie Sly Stone oder Prince verdient hat, verschwand er vom Musikgeschäft nach der Veröffentlichung seines dritten Albums.[2] Der Grund dafür ist aber für viele ein Rätsel geblieben.

Das Werk der heute 60-jähringen US-Musiker ist schmal geblieben. Trotzdem wird er heute als Soul- und Funk-Star verehrt und als Grenzgänger zwischen verschiedenen Musikstilen (Rhythm and Blues-, Rock-,Blues- und Funk) bezeichnet. Questlove, der Mitbegründer und Schlagzeiger der Hip-Hop-Band The Roots, bezeichnet seine Musik als „so kraftvoll und potent, dass sie erst 30 Jahre nach ihrer Erscheinung richtig aufblüht“.[3]

Zu seinen bekanntesten Liedern zählen Sweett Thang, Strawberry Letter 23, beide aus dem Album Freedom Flight von 1971, sowie auch das Lied Aht Uh Mi Hed.[4]
Das Lied Aht Uh Mi Hed galt als Grundlage für Liebes Lied, den Nr. 1 Hit der deutschen Rapgruppe Beginner.[5]

Zum Vergleich: Shuggie Oties Aht Uh mi Hed und Absoluten Beginner Liebes Lied

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=avw50zY4fxc[/youtube]
[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=o2gRCL66uDM[/youtube]

Linda Perhacs

Zu Beginn ihrer künstlerischen Karriere hätte sich Linda Perhacs wohl kaum vorstellen können, dass ihr Album Parallelograms rund 30 Jahre nach der Veröffentlichung im Jahr 1970 noch grossen Erfolg feiern würde. In einem aktuellen Interview mit Sound Colour Vibration erzählt die Psychedelic-Folk-Sängerin davon, dass ihre Musik zur Zeit der ersten Veröffentlichung nur dürftige Aufmerksamkeit von Musikredakteuren erlangen konnte, mit der Folge, dass ihre Musik nicht am Radio gespielt wurde.1 Entmutigt durch den Misserfolg und die zurückhaltende Unterstützung ihres Labels kehrte Linda Perhacs der Musikindustrie den Rücken und fand zu ihrer ursprünglichen Arbeit als Dentalhygienikerin zurück. 

In den folgenden Jahren aber gewann ihr Album mit dem Aufkommen des Internets nach und nach an eingeschworenen Fans. Dadurch wurde das Folk-Label The Wild Places  Anfang 2000 auf Linda Perhacs aufmerksam und verbrachte zwei Jahre damit, die Dentalhygienikerin ausfindig zu machen.2 Als Michael Piper die Künstlerin endlich erreichte und ihr von der Popularität ihres Albums berichtete, fiel diese aus allen Wolken:
Linda Perhacs: „This news from Michael was a total shock to me! It was during that time when the internet was becoming really big. Up until that time, I didn’t even own a computer, let alone know anything about the internet, but my dear friend Bill had helped me and we were starting to at least partially understand just how much interest people from all walks of life and from all over the world appreciated Parallelograms.“3

Im Jahr 2005 wurde eine digital überarbeitete Ausgabe von Parallelograms vom Folk-Label The Wild Places herausgegeben, das sich im Gegensatz zur Erstveröffentlichung gut verkaufte. Heute zählen Künstler wie Daft Punk, Devendra Banhart, Opeth, Julia Holter und Sonic Youths Kim Gordon zu ihren Bewunderern. Momentan arbeitet sie an ihrem zweiten Album4, das diesen Dezember herauskommen soll.

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Quellen

  1. Sound Colour Vibration. http://soundcolourvibration.com/2013/03/22/qa-with-linda-perhacs/ – Abgerufen: 29.11.2013
  2. Wikipedia (en). Parallelograms (album). http://en.wikipedia.org/wiki/Parallelograms_(album) – Abgerufen: 29.11.2013
  3. Sound Colour Vibration. http://soundcolourvibration.com/2013/03/22/qa-with-linda-perhacs/ – Abgerufen: 29.11.2013
  4. timelesslindaperhacs.com. About.  http://www.timelesslindaperhacs.com/About.html – Abgerufen: 04.11.2013

Nick Drake: Five Leaves Left (Island, 1969)

Five_Leaves_Left

Five Years Left hatte der britische Folk-Sänger und Gitarrist Nick Drake noch, als im September 1969 sein Debütalbum „Five Leaves Left“ erschien. Ende 1974 verstarb er, sechsundzwanzigjährig, an einer Überdosis Antidepressiva. Im Song „Fruit Tree“ singt er: „Safe in your place deep in the earth / That’s when they’ll know what you were really worth.“ Eine Zeile, die im Rückblick auf Drakes Leben geradezu prophetisch anmutet.
Drei Alben veröffentlichte er zu Lebzeiten: „Five Leaves Left“ (1969), „Bryter Layter“ (1970) und „Pink Moon“ (1972). Keines davon avancierte zum Verkaufserfolg. Erst mehr als ein Jahrzehnt danach erhielt seine Musik ein breiteres Publikum, nicht zuletzt da Musiker wie Robert Smith (The Cure) oder Peter Buck (R.E.M.) sich als von Drake beeinflusst outeten1

Das Debüt „Five Leaves Left“ stellt einen Musiker vor, dessen unverkennbare Stimme, klar wie Kristall, und präzises Gitarrenspiel – jede einzelne Note ist hörbar! – eine einzigartige Stimmung schaffen. Die Songs, pendelnd in Grenzbereichen zwischen Folk, Jazz, Blues und Klassischer Musik, sind oft unterlegt von Streicherarrangements. Diese haben Robert Kirby, dessen Debüt als Arranger das Album ebenfalls ist, respektive Harry Robertson im Falle von „River Man“ beigesteuert.

Obschon ein typisches Kind seiner Zeit, hat „Five Leaves Left“, abseits aller Marihuana-Euphemismen2 und Feld-Wald-und-Wiesen-Ästhetik, Qualitäten, die es auch fast 45 Jahre später noch zu einem modernen Album – man könnte auch „zeitlos“ sagen – machen. Es sind mystische Qualitäten, beispielhaft vorhanden in „‘Cello Song“, die sich nur schwer in Worte fassen lassen. Das Konzept ist simpel: Drakes Gesang, ein rastloses Gitarren-Pattern, dezent eingesetzte Congas und eine rasiermesserscharfe Cellomelodie, die das Ganze von Zeit zu Zeit durchschneidet – die Stimmung, die hierbei von den beteiligten Musikern sowie von Produzent Joe Boyd erzeugt wird, liegt fernab mir geläufiger Worte, lässt sich nur hörend erfahren:

Es ist gerade diese Sprachlosigkeit, die Atmosphäre, die Worte transzendiert, ja überflüssig macht, die Drakes Musik auch anno 2013 noch faszinierend und modern erscheinen lässt.


  1. http://en.wikipedia.org/wiki/Nick_Drake
  2. „The Thoughts of Mary Jane“. Vgl. Humphries, Patrick. Nick Drake: The Biography. Bloomsbury Publishers: 2012; 94.